Ilja Iljitsch Metschnikow

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Ilja Iljitsch Metschnikow

Ilja Iljitsch Metschnikow und Paul Ehrlich erhalten den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin im Jahr 1908 „… als Anerkennung ihrer Arbeit auf dem Gebiet der Immunität“ (Begründung der Nobel-Kommission).

Ilja Iljitsch Metschnikow wird am 16. Mai 1845 in einem Dorf nahe Charkow in der Ukraine geboren. An der dortigen Universität beginnt er 1862 das Studium der Naturwissenschaften. Schon seine ersten Arbeiten befassen sich mit der Zoologie, und er wird bald ein begeisterter Anhänger der Evolutionstheorie. Ihm schwebt vor, die Lücke der Darwinschen Entwicklungsreihe auszufüllen.

Metschnikows Wohnstatt während seines Studienaufenthaltes in Göttingen

Bereits nach zwei, statt nach vier Jahren macht Metschnikow sein Examen an der Charkower Universität. Anschließend geht er für wissenschaftliche Arbeiten nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz. 1865 und 1866 weilt er in Göttingen an der Georg-August-Universität. Danach verfasst er in Neapel seine Dissertation über die Embryonalentwicklung bei Tintenfischen und Krebsen. Nach seiner Promotion 1868 in Petersburg geht Metschnikow nach Odessa, wo er eine Titularprofessur für Zoologie und Vergleichende Anatomie.

Aufgrund politischer Schwierigkeiten geht der Zoologe 1882 nach Messina in Italien, wo er in seinem Privatlabor die Untersuchungen zur vergleichenden Embryologie fortführt. Seine Vermutung, dass die intrazelluläre Verdauung durch besondere Fresszellen schädliche Eindringlinge beseitigen könnte, kann er in Italien bestätigen: Er steckt kleine Dornen in die Haut von Seesternlarven und beobachtet anschließend, wie sich einzelne Zellen im gallertartigen Körper der Larve zu den eingedrungenen Fremdkörpern bewegen, denselben belagern und schließlich auflösen und unschädlich machen. Diesen beweglichen Fresszellen gibt Metschnikow den Namen Phagozyten.

Der Zoologe löst den Vorgang dieser Zellwanderung wiederholt im Experiment aus und verfolgt den Prozess unter dem Mikroskop. Er hat damit an einem einfachen Organismus die Abwehr von Eindringlingen durch körpereigene Zellen festgestellt.

Metschnikow bemüht sich nun darum, den Prozess der Phagozytose auch an höheren Tieren und besonders bei den Säugetieren zu untersuchen. Durch unzählige Versuche mit verschiedenen Krankheitserregern vervollständigt er nach und nach die Kenntnisse jener Prozesse, die zwischen Erregern und den vom Organismus zur Abwehr aufgebotenen Phagozyten ablaufen.

Es stellt sich heraus, dass die Fresszellen in der Lage sind, Erreger zu verschlingen, von Bakterien freigesetzte Giftstoffe wirkungslos zu machen und auch Gifte nichtbakteriellen Ursprungs erfolgreich zu bekämpfen. Mit der Feststellung, dass eine lebhafte Phagozytose bei solchen Säugern auftritt, die gegen den Milzbranderreger widerstandsfähig sind, die Phagozytose bei milzbrandempfindlichen Tieren hingegen nur schwach ausgeprägt ist, hat sich Metschnikow mit seiner Theorie in das noch völlig offene Gebiet des innerorganismischen Wirkungsmechanismus der Immunreaktion begeben.

1888 folgt er einem Angebot Louis Pasteurs, an dessen Institut die Arbeiten fortzusetzen. Hier baut er seine Phagozytentheorie aus. Emil von Behrings (Medizin-Nobelpreis 1901) Entdeckung der Antitoxine im Jahr 1890 widerspricht seiner Phagozytenlehre. Dem kann er sich nicht verschließen. Seine erneuten Versuchsreihen deuten jedoch darauf hin, dass die Antitoxine von den Phagozyten gebildet werden. So lässt sich zeigen, dass die Fresszellen auch auf verschiedene Gifte reagieren. Besonders die Makrophagen nehmen Gifte auf, während die Granulozyten (eine Art der weißen Blutkörperchen) vorwiegend Bakterien vernichten.

1892 veröffentlicht Metschnikow die Ergebnisse seiner Untersuchungen. Vor allem dieses Buch verhilft der Phagozytentheorie zum Durchbruch. Mit seinen Studien über das Immunitätsproblem bei Infektionskrankheiten und über die Darmflora schafft er die Grundlage einer vergleichenden Pathologie, der Lehre von den krankhaften Lebensvorgängen und ihren Folgezuständen. Als Anerkennung dieser Leistungen erhält er im Jahr 1908 gemeinsam mit dem Deutschen Paul Ehrlich den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

In seiner letzten Lebensphase wendet sich Metschnikow den Voraussetzungen einer erfolgreichen Abwehr von Erregern zu, erforscht verschiedene Blutkrankheiten und entwickelt eine Ernährungslehre, die auf dem Prinzip beruht, dass das durch körpereigene Gifte bedingte Altern durch die richtige Diät verlangsamt werden könne. Am 16. Juli 1916 stirbt Metschnikow in Paris.

Literatur

  • Sandra Czabania: Wie Seesternlarven sich gegen Eindringlinge wehren. Göttinger Tageblatt, 15. November 2002