Jühnde

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Wappen von Jühnde

Jühnde liegt etwa 13 Kilometer südwestlich von Göttingen und 13 Kilometer nordöstlich von Hann. Münden am Fuße des Hohen Hagens. Der Ort hat knapp 1100 Einwohner.


Personen und Organisationen

Bekannte Persönlichkeiten

Bürgermeister in Jühnde

Geschichte

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St. Martin in Jühnde

Jühnde wird erstmals 960 von Otto I. urkundlich erwähnt. Schon damals gab es eine Ritterburg, die an der alten Heerstraße von Münden nach Göttingen lag. 1484 eroberten die Göttinger die Raubritterburg. Im 30-jährigen Krieg brannte die Burg ab und wurde dann in ihrer heutigen Form von Otto Freiherr Grote wieder aufgebaut. Er war in Hannover Minister und hatte dort Leibnitz angestellt und die Kurwürde ins Land geholt. 1664 übernahm er das Gut Jühnde. Otto Ulrich Grote war ebenfalls Minister in Hannover. Unter der napoleonischen Besetzung des Landes nahm er seinen Abschied und legte 1802 in Jühnde den Park im frühromantischen Stil an. Sein Nachkomme Rüdiger Freiherr Grote übernahm 1963 das Rittergut, das bis dahin unter fremder Verwaltung gestanden hatte, und baute im Schloß eine moderne Wohnung ein. Fast 40 Jahre führte er den forstwirtschaftlichen und den landwirtschaftlichen Betrieb. Er beteiligte sich aktiv am öffentlichen Leben und wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Rittergut Jühnde

Das Rittergut in Jühnde wurde von vier Geschlechtern bewirtschaftet. Als erster Ritter von Jühnde gilt Widekindus Dictus de June (1250 - 1297). 1463 fiel Jühnde an das Geschlecht von Bovenden, wenig später an die Familie von Adelebsen. Seit 1664 ist das Rittergut im Besitz der Familie Freiherr Grote.

Bioenergiedorf

Jühnde ist das erste Bioenergiedorf in Deutschland. Ermöglicht wurde dies durch ein Projekt des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen. Die Gemeinde Jühnde möchte ihren kompletten Energiebedarf durch regenerative Energieträger decken. Nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit und unter umfassender Mitwirkung der Dorfbewohner wurde das Projekt im Winter 2005 erfolgreich umgesetzt. Der größte Teil der Energie wird aus Biomasse von den umliegenden Äckern gewonnen. Die Abwärme aus der Stromerzeugung wird den Haushalten über ein unterirdisches Nahwärmenetz zugeführt. Darüber hinaus produziert Jühnde doppelt soviel Biostrom als es selbst verbraucht. Der Strom wird für 17 Cent pro Kilowattstunde ins Netz eingespeist. Ein durchschnittlicher Haushalt in Jühnde spart aufgrund der hohen konventionellen Energiepreise 750 € pro Jahr. Jühnde ist in Deutschland der erste Ort, der seinen Energiebedarf vollständig aus regenerativen Energien abdeckt. Die dorfeigene Biogasanlage (einschl. eines Holzschnitzel-Heizkraftwerks) ist genossenschaftlich organisiert.

Porträt im Göttinger Tageblatt

Eine Genossenschaft zu gründen, das erschien den Initiatoren des Bioenergiedorfs Jühnde zunächst abwegig. „Passt denn so eine altmodische Rechtsform zu unserem innovativen Projekt?“, fragten sie sich. Andreas Eisen vom Genossenschaftsverband aus Hannover bejahte das und verwies darauf, dass die gesetzlichen Grundlagen modernisiert worden seien. Als die Jühnder dann die Vor- und Nachteile der Rechtsform mit denen der bisher bevorzugten GmbH & Co. KG verglichen, schlug die Stimmung auch bei den Zweiflern um. Am Ende wollten knapp 80 Prozent der Beteiligten Genossen werden.

„Dabei spielte eine Rolle, dass es im Dorf früher viele Genossenschaften gegeben hat“, erzählt Aufsichtsratsmitglied Manfred Menke. Es gab eine Genossenschaft für die Besamungsbullen und eine Gefriergenossenschaft. Auch die Bank war so organisiert. Vielen gefiel zudem, dass im höchsten Beschlussorgan, der Generalversammlung, jeder jeweils nur eine Stimme hat, egal wie groß das von ihnen gezeichnete Kapital ist. Zudem ist bei einer Genossenschaft ausgeschlossen, dass sich ein international agierender Hedgefonds in Jühnde einkauft und dann alles übernimmt.

„Trotzdem war viel Überzeugungsarbeit zu leisten“, erinnert sich Vorstand Eckhard Fangmeier. Er besuchte mit dem damaligen Bürgermeister August Brandenburg die Menschen zu Hause. Einigen war das Projekt nicht geheuer. „In einem Fall bekam ich sogar Hausverbot“, berichtet Menke. Dort leistete die Ehefrau Widerstand. Einige Monate später rückte der Ehemann während einer Geburtstagsfeier immer dichter an Menke heran und teilte ihm schließlich mit, dass seine Frau zur Einsicht gekommen war. Nun wollten sie doch mitmachen.

Mittlerweile hat die 2004 gegründete Genossenschaft 194 Mitglieder. 70 Prozent des Dorfes beziehen von ihr Wärme. Die übrigen 30 Prozent sind nicht alle Projektgegner, betont Fangmeier. Aber ein Anschluss rechne sich nicht überall.

Aufsehen über Deutschland hinaus

Die Biogasanlage, die über Deutschland hinaus Aufsehen erregt, macht die Jühnder heute stolz. „Es wird genau beobachtet, wenn wieder japanische Besuchergruppen im Dorf unterwegs sind“, erzählt der Vorstand. Auch den Verantwortlichen macht der Kontakt zu den Gästen Freude. „Die Mentalitäten sind ganz unterschiedlich“, hat Fangmeier beobachtet. Eine Gruppe aus Russland konnte zum Beispiel nicht glauben, dass das Projekt aus Eigeninitiative der Bürger entstanden ist. Sie fragten mehrfach, welche staatliche Stelle den Bau angeordnet habe. Im Nachhinein staunen die Initiatoren über ihren Mut. „Als wir begannen, gab es 500 solcher Anlagen in Deutschland, von denen allerdings keine ein Dorf mit Wärme versorgte“, weiß Fangmeier.

Die Technik ist noch nicht ausgereift gewesen. Das Methan, das in der Anlage durch Vergärung von Mais entsteht, ist ein aggressives Gas. Es zerfrisst Materialien regelrecht. Entsprechend groß ist der Verschleiß etwa beim Rührwerk. Die Betreiber haben lernen müssen, dass sie nur die besten und damit teuersten Teile verbauen sollten. Nur so lassen sich Pannen vermeiden. Einen Ausfall der Anlage über mehrere Wochen kann sich die Genossenschaft nicht erlauben. Schon gar nicht im Winter.

„Die Anlaufschwierigkeiten haben dazu beigetragen, dass wir erst 2010 erstmals eine Dividende ausschütten konnten“, räumt der Aufsichtsratsvorsitzende Oliver Brenneken ein. Eine hohe Verzinsung ist allerdings auch nicht das Ziel. Die Genossen sollen ihre Häuser für günstiges Geld heizen. Und die Landwirte, die ebenfalls Genossen sind, erhalten für die angelieferte Silage eine anständige Bezahlung.

„Ein Vorteil der Genossenschaft besteht darin, dass sich alle verantwortlich fühlen“, meint Vorstand Fangmeier. Die Menschen bringen sich mit ihren Anregungen ein. Auf einen solchen Vorschlag hin wurde mit den Wärmeleitungen auch ein Glasfasternetz verlegt.

Die Jühnder verhandeln mit der Telekom über einen Anschluss an die in der Nähe verlaufende Datenverbindungsleitung. „Es ist allerdings schwer, bei der Telekom jemanden für so ein Projekt zu gewinnen“, sagt der Vorstand.

  • Quelle: Michael Caspar, "Jühnder Genossen schreiten mutig voran", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 17. März 2012.

Links

Gemeinde Jühnde

Bioenergiedorf Jühnde eG

Centrum Neue Energien GmbH

TSV Jühnde 1920 e.V.