Johann Gottfried Herder

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Johann Gottfried von Herder, geadelt 1802 (* 25. August 1744 in Mohrungen, Ostpreußen; † 18. Dezember 1803 in Weimar) war ein deutscher Dichter, Übersetzer, Theologe und Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik. Er war einer der einflussreichsten Schriftsteller und Denker Deutschlands und zählt mit Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller zum klassischen „Viergestirn“ von Weimar.

Herder hielt sich in der Zeit von 1771/1772 zu Studienzwecken in Göttingen auf. Die guten Kontakte zu Heinrich Christian Boie, dem Orientalisten Johann David Michaelis und dem Altertumsforscher Christian Gottlob Heyne erleichterten es ihm die Bibliotheken zu nutzen. Dreimal versuchte die Theologische Fakultät der Georg-August-Universität Herder nach Göttingen zu ziehen, dreimal folgte dieser der Berufung nicht. In einem Brief an Heynes Frau Therese äußerte sich Herder 1772 über die Leinestadt:

"...wenn ich seit der Zeit meines letzten Aufenthalts in Göttingen fast täglich daran gedacht habe: ‘Wie, wenn ich bei Ihnen wäre?’ so ists im eigentlichsten Verstande ‘bei Ihnen und Ihrem Heyne’ gewesen. Vorher war nie ein Gedanke der Art in meine Seele gekommen, weil ich mir Göttingen nicht anders als ein Nest voll Professoren und Michaelisse dachte! Polyhistors! Wissenschaftler! Büchertitulare! Compendienmenschen, Trödler, die die Welt betrügen oder junge Leute mit Dunst füllen, oder endlich arbeitsam und fleißig unter der Form und dem Schutt der Wissenschaften erliegen. Und da ich aus alle dem kein wirklich wirksames Gute für die Welt (ich sage nicht für die Gelehrsamkeit, die freilich leider! auch zur Welt gehöret) sehe: meine liebe Freundin kann sich daraus das Resultat im Kopf eines jungen Menschen gedenken, der damals in lauter Dunst von Wirksamkeit und Nutzbarkeit für die Welt schwebte." Johann Gottfried Herder, Göttinger Vademecum