John Patrick

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John Patrick ist Basketballtrainer. Er ist Sportdirektor und Herren-Coach der BG 74 Göttingen.

John Patrick

John Patrick hat sich mit seinem schnellen, Guard-dominierten Offensivspiel, mit dem die BG die 2. Bundesliga dominiert hat, auch in der BBL behauptet und sich von Rückschlägen und Kritik nicht beirren lassen. Allerdings hat er den Stil variiert, um Setplay-Elemente erweitert und die Defensive deutlich verbessert. Er ist auf dem besten Weg, das neu formierte Team zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenzuschweißen.

Interview mit Mark Bambey, Göttinger Tageblatt

Herr Patrick, vor etwas mehr als einem Jahr hat die BG 74 noch in der Schulsport-Charme versprühenden FKG-Halle gespielt, jetzt ist Basketball in der Lokhalle ein absolutes Event geworden. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Basketballs in Göttingen?

Der Stellenwert des Basketballs in Göttingen ist durch den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga zweifellos immens gestiegen. Die Stimmung war bereits in der FKG- und als Übergangslösung dann auch in der Godehardhalle sehr gut. Wir hatten besonders in der FKG-Halle einen deutlichen Heimvorteil. Aber die Lokhalle toppt natürlich alles. Der Wendepunkt weg von der Zweitklassigkeit hin zum absoluten Spitzensport war für mich das Debüt von Kasey Ulin und Dwayne Kirkley in der Saison 2004/05. Publikum und Presse waren aufgrund unserer kleinen Aufstellung mit den beiden Guards erst skeptisch. Doch Ulin erzielte 47 Punkte, davon 39 in der ersten Hälfte (600 Zuschauer sahen den 116:99-Sieg gegen Mönchengladbach, Anm. der Red.). Seit diesem Spiel stieg die Fieberkurve stetig. Trotz des geringen Etats sind wir damals Fünfter geworden, punktgleich hinter dem Profi-Team aus Düsseldorf. Dann war ich ein Jahr in Japan, und Reza Safaie und Martin Lindemeier haben hier einen tollen Job gemacht, so dass ich in der Serie 2006/07 wieder ein intaktes Team vorfand. Mit Kyle Bailey konnten wir einen Top-Spieler verpflichten, Robert Dill ist glücklicherweise im November zu uns gestoßen, und mit Michael Schröder und Marco Grimaldi sind zwei Publikumslieblinge zurückgekehrt. Den Grundstein zum Aufstieg haben wir in den vergangenen zwei Jahren vor dem Aufstieg mit den Göttinger Spielern wie Philipp Nies, Marco Grimaldi, Selim Mulic, Max Rosenberg, Stefan Hain, Jorge Schmidt und Peer Wente gelegt.

Haben Sie diese Entwicklung für möglich gehalten?

Ich hasse es, wenn Leute sagen, ich habe das geahnt. Aber ich und auch ein paar andere Leute haben das Potenzial gesehen, das Göttingen mit der großen Universität und dem positiv basketballverrückten Publikum hat. Als ich zwischen 1997 und 2001 jährlich im April zu Besuch war und bei ein paar Zweitligaspielen gesehen habe, dass sich knapp 800 emotional aufgeladene Zuschauer im FKG diesen Sport ansehen, obwohl da keine richtigen Profispieler auf dem Parkett stehen, war ich mir sicher, dass Göttingen Potenzial hat. In Gesprächen mit ehemaligen Basketball-Profis – unter anderem mit Terry Schofield im Jahr 2001 – haben die versucht, mich davon zu überzeugen, dass es in Göttingen nie wieder Erstliga-Basketball geben wird, weil die Region wirtschaftlich zu schwach ist. Dieser Meinung waren viele Personen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Basketballszene. Ich habe diese Botschaft klar verstanden, aber mich nicht von den vielen Pessimisten beeinflussen lassen. Unser Management überzeugt mich zurzeit mit einem ganz starken Netzwerk aus Sponsoren und Marketing-Partnern, das es aufgebaut hat.

Werden Sie nach dem Aufstieg in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen?

Es wird mehr über Basketball gesprochen. Das bemerke ich auch, denn ich werde schon öfter von Menschen angesprochen, die mit mir über Basketball sprechen möchten.

Wie sieht das bei den Spielern aus?

Für sie ist das ein Bonus. Sie werden oft von jungen Leuten angesprochen und mit Respekt behandelt. Vor drei oder vier Jahren war Basketball kein großes Gesprächsthema. Das ist jetzt anders. Basketball ist ein wichtiger Teil Göttingens geworden, über den gesprochen wird.

Der Spiellizenz-Inhaber Starting five GmbH verwendet einen Großteil des Etats, um die Infrastruktur für Erstliga-Basketball aufzubauen. Wünschen Sie sich nicht ein wenig mehr Geld für die Spieler?

Natürlich hätte ich gern mehr Geld für die Spieler zur Verfügung. Es ist ein Handicap, den kleinsten Etat der Liga zu haben. Es ist aber richtig, was wir machen. Es ist wichtig, die Strukturen zu schaffen, damit wir langfristig Erstliga-Basketball in Göttingen haben.

Ihre Planungen gehen also schon über diese Saison hinaus?

Unsere volle Konzentration liegt sportlich auf dieser Serie. Unser Ziel ist es, mit diesem geringen Etat die Liga zu halten. Ein Team zusammenzustellen, um das zu erreichen, ist meine Aufgabe als Coach und Sportdirektor. Wenn wir diese Aufgabe gemeistert haben, dann müssen wir im kommenden Jahr finanziell mit den Mitteln ausgestattet werden, um höhere Ziele zu erreichen. Ziel eines jeden Basketball-Bundesligisten muss es sein, im europäischen Wettbewerb zu spielen. Das ist auch unser Langzeit-Ziel, aber da möchte ich jetzt noch nicht drüber sprechen.

Als Aufsteiger weist die BG eine ungewöhnliche Bilanz auf. Eigentlich heißt es, dass der Grundstein zum Ligaverbleib zu Hause gelegt wird. Sie haben jetzt aber vier Auswärtsspiele gewonnen, in der Lokhalle das Parkett aber erst zweimal als Sieger verlassen, obwohl die Stimmung phantastisch war. Woran liegt es, dass es zu Hause noch nicht so mit Siegen klappt?

Die Halle ist wirklich toll und kann mit den fantastischen Fans wirklich ein großer Vorteil für uns werden. Ein wenig problematisch bleibt allerdings die Trainingssituation, da wir in der Regel nicht in der Halle trainieren können. Ich hoffe aber, dass sich die Situation noch verbessern wird. Unser Publikum hat es verdient, uns zu Hause siegen zu sehen.