Küllstedt

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Küllstedt ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Westerwald-Obereichsfeld.

Geschichte

Küllstedt wurde 1171 erstmals urkundlich erwähnt, 1191 als „Cullestede“. „Kull“ bedeutet „stehender See“, der Ort war damals von Seen umgeben. Um 1250 gab es Herren von Küllstedt und eine Burg (am SW-Rand des Ortes). Von Küllstedts waren seit damals auch häufig Ratsherren und Bürgermeister der Stadt Mühlhausen. Der Wallhof hatte dann wechselnde Besitzer, Herren von Tastungen („Tastunger Hof“) und von Mühlhausen. 1632, im Dreißigjährigen Krieg, wurde Küllstedt fast völlig zerstört. 1682 folgte die Pest. 1720 bis 1724 wurde die im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigte Kirche abgerissen und an der gleichen Stelle ein Gotteshaus im Barockstil errichtet. Seit Valentin Degenhard Ende des 17. Jahrhunderts die Weberei einführte, nahm der Ort einen bedeutenden Aufschwung. Trotzdem kam es 1770/71 zu einer Hungersnot mit 40 Toten. 1850 raffte die Cholera 116 Küllstedter hin. 1860 zählte der Ort etwa 2.500 Einwohner (1.000 mehr als jetzt). Als die Textilindustrie Ende des 19. Jahrhunderts zurückging, suchten viele Einwohner Arbeit in anderen Teilen Deutschlands oder wanderten aus. 1880 erhielt Küllstedt Bahnanschluss, 1904 ein Krankenhaus. 1911 folgten Elektrifizierung und fließendes Wasser. 1930/31 wurde eine neue, große Kirche gebaut.

Der Ort gehörte von 1294 bis zur Säkularisation 1802 zu Kurmainz, dann wurde er preußisch. Nach kurzer Zugehörigkeit zu dem von Napoleon geschaffenen Königreich Westphalen war Küllstedt bis 1945 Teil der preußischen Provinz Sachsen.

Während der NS-Herrschaft wurden seit 1934 im St.-Vinzenz-Hospital und im Krankenhaus St.-Josef-Stift zahlreiche Zwangssterilisationen vorgenommen. [2]

Im April 1945 wurde Küllstedt von US-Truppen besetzt. Anfang Juli erfolgte die Eingliederung in die Sowjetische Besatzungszone. Am 1.August 1945 kam es zu einem Racheakt der Besatzungsmacht nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung von Küllstedtern mit Soldaten der Roten Armee bzw. „Widerstand gegen sowjetische Offiziere“. 33 Küllstedter wurden verhaftet, sieben von ihnen – unter befohlener Anwesenheit der Ortsbewohner und ohne den erbetenen priesterlichen Beistand – durch Genickschuss hingerichtet. Ihre Körper hat man an damals unbekannter Stelle im Mühlhäuser Stadtwald verscharrt.[3] Neun Einwohner wurden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Von diesen kehrten nur drei aus der Sowjetunion zurück.

Ab 1949 war Küllstedt – wie das gesamte Obereichsfeld – Teil der DDR. Der katholische Ort machte die entsprechenden gesellschaftlichen Veränderungen einschließlich der atheistischen Politik des Systems mit. Besonders ab 1961 bis zur „Wende“ 1989 wurden die Küllstedter von der Sperrung der nahen innerdeutschen Grenze erheblich beeinträchtigt.

1959 erfolgte im Rahmen der Kollektivierung der Landwirtschaft die Gründung einer LPG „Eichsfelder Höhe“.

Am 19. Juli 1966 wurde Küllstedt durch eine Windhose verwüstet. 80% der Häuser trugen Sturmschäden davon, 100.000 freiwillige, unentgeltliche Aufbaustunden wurden geleistet. Der obere Teil des Kirchturms wurde zerstört, bis 1969 war er wieder aufgebaut.