Kalandfundation

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Hüter des Kaland-Erbes: Propst Wolfgang Damm

Stiftungen: Hilfe hat jahrhundertelange Tradition

Mehr als 1,5 Billionen Euro werden in den nächsten Jahren in Deutschland vererbt. Gleichzeitig sind die chronisch defizitären öffentlichen Kassen nicht in der Lage, soziale, kulturelle oder ökologische Aufgaben zu finanzieren. In dieser Gemengelage boomen Stiftungen. Der richtige Weg, um konkret, vor Ort zu helfen – sagen Vertreter hiesiger Stiftungen.

Witwen und Waisen sollten etwas zu essen haben – dieses Ziel hätten die Stiftungen von Anfang an gehabt, bringt es Wolfgang Damm auf den Punkt. Duderstadts Propst kann von der jahrhundertelangen Tradition der Stiftungen berichten Er steht an der Spitze der Kalandfundation Seeburg-Duderstadt, deren Anfänge mindestens im 14. Jahrhundert liegen. Erstmals 1305 erwähnt, unterstützt die Kalandfundation auch heute noch soziale und karitative Projekte im Untereichsfeld und fördert den Erhalt und die Vertiefung des Glaubens in der Region. Heute gibt es 15000 Stiftungen in Deutschland. „Mehr als die Hälfte davon sind in den letzten zehn Jahren entstanden“, weiß Hermann Vorwald. Der Sparkassen-Vorstand hält diese Entwicklung für richtig und wichtig. Er selbst war an der Gründung der Sparkassenstiftung Untereichsfeld 2001 beteiligt. Als Kultur- und Sozialstiftung solle diese zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Region und zur Verbesserung der sozialen Struktur des Lebensraumes Untereichsfeld beitragen. Die „Verstetigung ihres gesellschaftlichen Engagements“ sei das Ziel der Sparkasse Duderstadt bei der Gründung der Stiftung gewesen, formuliert es Vorwald. Das sei sowohl inhaltlich, räumlich als auch zeitlich zu verstehen, betont er. Neben der Möglichkeit des Stiftungsgründers, Zweck und Ort seines Engagements festzulegen, sei die Dauerhaftigkeit der angestrebten Förderung der zentrale Vorteil von Stiftungen. Vermögen ist „unsterblich“ Diese finde ihren Ausdruck in dem rechtlichen Grundsatz, dass das Stiftungsvermögen in vollem Umfang erhalten bleiben müsse. Lediglich die Erträge aus diesem Vermögen dürften zur Erfüllung der Stiftungszwecke verwendet werden. „Das Stiftungsvermögen wird so regelrecht unsterblich“, bringt es Vorwald auf den Punkt. „Der Grundgedanke von Stiftungen ist, dass sie auf Dauer angelegt sind“, benennt auch Walter Stelte, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung, den Unterscheid zu anderen Organisationsformen. Dabei bestreitet die Sielmann-Stiftung ihr Budget zum weitaus größten Teil aus Spenden. Im Jahr 2006 kamen 6,8 Millionen Euro der insgesamt 8,8 Millionen Euro Einnahmen von Spendern. Im Unterschied dazu gewinnt die Kalandfundation ihre Mittel aus dem Besitz von rund 100 Hektar verpachtetem Land – das entsprechende Gebiet zwischen Seulingen und Seeburg trägt auch die vielsagende Flurbezeichnung Kaland. Und die Sparkassenstiftung Untereichsfeld finanziert ihre Projekte aus einem Stiftungsvermögen von inzwischen rund 400000 Euro. Wenn Stelte also formuliert, „der Nachhaltigkeitsgedanke der gemeinnützigen Stiftung passt“, dann ist das nicht nur finanziell, sondern auch ideell gemeint. Die Motive der Stifter sind ein zentraler Aspekt für den anhaltenden Erfolg des Stiftungsmodells. Neben dem seit Jahrhunderten gültigen Motiv, einen Teil des eigenen Vermögens für wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen, sei ein weiterer wichtiger Grund, dass Menschen ihr Lebenswerk erhalten wollten, erklärt Vorwald. So habe beispielsweise der jüngst verstorbene Künstler Friedrich Reimann seine Werke der Sparkassenstiftung vermacht, die sie nun in seinem Sinne verwalte. Schließlich spielten steuerliche Erwägungen eine Rolle, da Stiftungen bei der Ertrags- und Erbschaftssteuer privilegiert seien. Diese Möglichkeiten seien 2007 noch einmal deutlich verbessert worden, erklärt Vorwald. Es sei vom Staat also gewollt, dass auf diesem Wege dauerhaft Kapital sozialen Zwecken zugute komme, interpretiert Vorwald. Dabei kann sich der Gesetzgeber auf eine Tradition stützen, die im Untereichsfeld bereits 1305 seine erste urkundliche Erwähnung gefunden hat.

Kaland-Lade

In einer Holztruhe aus dem 15. Jahrhundert bewahrt Propst Wolfgang Damm historische Dokumente zu der Kalandfundation Seeburg-Duderstadt auf. Übersetzt heißt die lateinische Inschrift im Deckel der Truhe: „Pleban Johannes Pawes in Renshausen hat diese Lade, die er selbst angefertigt hat, seinen Kalandsbrüdern des Stuhles Seeburg im Jahre 1464 gestiftet und bittet um ihr Gebet.“ In der Lade befindet sich unter anderem ein Buch mit einem Mitgliederverzeichnis aus dieser Zeit.