Kassel

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Infobox

Kassel
Wappen Kassel svg.png
Wappen von Kassel
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Schulen: alle Schulformen
Einwohner: 193.803 (31. Dez. 2007)
Postleitzahl: 34001–34134
Vorwahl: 0561
Kfz-Kennzeichen: KS
Bürgermeister: Bertram Hilgen (SPD)
Website: Kassel im Internet

Kassel (bis 1926 amtlich Cassel) ist die einzige Großstadt in Nordhessen und nach Frankfurt am Main und Wiesbaden die drittgrößte Stadt des Landes Hessen.

Geographie

Kassel befindet sich ca. 70 km nordwestlich des geografischen Mittelpunkts von Deutschland. Nach Erfurt und Göttingen ist Kassel damit die am zentralsten gelegene Großstadt Deutschlands.

Die Stadt befindet sich in Nordhessen nahe der Grenze zu Niedersachsen im so genannten Kasseler Becken, das im geomorphologischen Sinn kein Becken ist sondern ein weit ausgedehnter Talkessel, in dem sich insbesondere im Bereich der Karls- und Fuldaaue eine weitläufige Flussniederung der Fulda befindet.

In diesem Talkessel wird die Stadt von den etwas entfernten Langenbergen im Südwesten und dem Habichtswald im Westen (jeweils ein Bestandteil vom Naturpark Habichtswald) sowie von den südlichen Ausläufern des Reinhardswalds im Nordosten, dem Kaufunger Wald (ein Teil vom Naturpark Meißner-Kaufunger Wald) im Osten und der Söhre im Südosten und Süden eingerahmt. Diese fünf Mittelgebirge sind durch zwei nördlich und südlich der Stadt gelegene und in West-Ost-Richtung verlaufende Höhenrücken miteinander verbunden, so dass der Kasseler Talkessel – abgesehen vom Flusstal der Fulda, das diesen von Süd nach Nord durchschneidet – rundum durch Bergzüge umrundet ist.


Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Kassel ist in 23 Stadtteile eingeteilt, von denen jeder einen Ortsbeirat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden hat. Die Ortsbeiräte werden alle 5 Jahre von der Bevölkerung der Stadtteile direkt gewählt. Der Ortsbeirat ist zu allen wichtigen Fragen, die den Stadtteil berühren, zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme obliegt jedoch der Stadtverordnetenversammlung der Gesamtstadt Kassel.

Gechichte

Aussicht auf Kassel vom Herkules

Die erste urkundliche Erwähnung Kassels geht auf das Jahr 913 zurück. Sie ist der erste schriftliche Beleg für die Existenz Kassels und damit der Beweis, dass die Stadt auf eine mehr als tausendjährige Entwicklung zurückblicken kann. Zunächst konnte man jedoch nicht von einer Stadt sprechen. Vielmehr stand an der Stelle des heutigen Regierungspräsidiums eine Befestigungsanlage, in deren Schutz sich in den nächsten Jahrhunderten eine Siedlung entwickelte, deren geringe Ausdehnung man heute noch an dem Straßenzug „Graben“ ablesen kann. Der ehemalige fränkische Königshof wurde um 1150 als Residenz der Grafen des fränkischen Hessengaus, d.h. der Gudensberg, ausgebaut. 1189 war Kassel erstmals als Stadt im heutigen Sinne bezeugt, und 1277 wurde sie Hauptresidenz des Landgrafen Heinrich I. der neugeschaffenen Landgrafschaft Hessen. Seitdem ist die Stadtgeschichte eng verflochten mit den Geschicken der hessischen Regenten. Anfang des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Landgraf Philipp zu einem wichtigen Protagonisten der Reformation. Entscheidend prägte Landgraf Karl das Stadtbild ab 1700 durch seine ambitionierten barocken Bauprojekte, wie die Karlsaue oder den Herkules.

Kurz nachdem der Landgraf von Hessen-Kassel 1803 zum Kurfürsten geworden war, besetzten 1806 napoléonische Truppen die Stadt und machten Kassel bis 1813 zur Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs Westfalen und Residenz von Napoleons Bruder Jérôme.

Am Ende des Krieges von 1866 wurde Kurhessen, das wie auch das Königreich Hannover auf der Seite Österreichs gestanden hatte, von Preußens annektiert.

Zwischen 1920 und 1925 war Philipp Scheidemann Oberbürgermeister der Stadt Kassel.

Am Abend des 7. November 1938 wurden die Synagoge und andere jüdische Einrichtungen in Kassel verwüstet, zwei Tage vor dem 9. November, dessen Pogrome als Novemberpogrome in die deutsche Geschichte eingehen sollten.

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zerstörten mehrere Luftangriffe weite Teile der städtischen Bebauung und forderten viele Menschenleben. Das schwerste Bombardement erlebte die Stadt am 22. Oktober 1943. In dieser Nacht starben über 10.000 Menschen und 80 % der Wohnhäuser wurden zerstört. Weil Kassel, insbesondere in den Altstadtbereichen, eine Stadt mit vielen Fachwerkhäusern war, wurde sie zum perfekten Ziel von Brandbombenangriffen im Rahmen der britischen Moral-bombing-Offensive. Durch den gezielten Massenabwurf von Phosphor- und Stabbrandbomben entstand durch das in Brand gesetzte Holz ein Feuersturm wie z.B. auch in Hamburg, Dresden, Pforzheim, Hildesheim und Darmstadt.

Die Bewerbung Kassels 1949 als neue Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland war nicht erfolgreich. Neben Kassel hatten sich auch die Städte Bonn, Frankfurt am Main, und Stuttgart um den Regierungssitz beworben. Einer der Hauptgründe, den die eigens zur Prüfung der vier Bewerber gebildete Kommission in ihrem Abschlussbericht für den Parlamentarischen Rat anführte, war die exponierte Lage Kassels an der damaligen Zonengrenze.[1] Kassel wurde dafür aber 1953 Sitz sowohl des Bundesarbeitsgerichts als auch des Bundessozialgerichts.

Als Begleitprogramm zur Bundesgartenschau von 1955 wurde von Arnold Bode die documenta initiiert, die sich seitdem zu der weltweit bedeutendsten Ausstellung moderner Kunst entwickelt hat.

Kassel war in den 1960er Jahren die erste Stadt in Europa, in der verstädterte Waschbären beobachtet wurden. Kassel gilt heute als die Großstadt mit der höchsten Waschbärendichte Europas

documenta

Die documenta ist die weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie findet alle fünf Jahre in Kassel statt (ursprünglich alle vier Jahre) und dauert jeweils 100 Tage. Die erste documenta wurde 1955 veranstaltet und geht auf die Initiative von Arnold Bode zurück. Die letzte documenta, die documenta 12, fand vom 16. Juni bis zum 23. September 2007 statt. Die nächste, die documenta 13, beginnt am 9. Juni 2012.

Verkehr

Durch seine zentrale Lage ist Kassel gut zu erreichen. Die Stadt liegt an den Bundesautobahnen A 7, A 44 und A 49 und an der Neubaustrecke Hannover–Würzburg des ICE-Netzes. Neben dem Fernbahnhof Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe verbindet die RegioTram über den Hauptbahnhof Kassel direkt das Regional-Schienennetz der Bahn mit dem Netz der Kasseler Straßenbahn als S-Bahn-ähnliches System (Karlsruher Modell), das Stadtzentrum ist somit ohne Umstieg direkt aus dem Umland anzufahren. Die Innenstadt und viele angrenzende Gemeinden werden durch die Straßenbahn Kassel sowie Busse erschlossen.

Flughafen

Über den nordwestlich der Stadt liegenden Flughafen Kassel-Calden kann die Kasseler Region mit kleinen Flugzeugen angesteuert bzw. verlassen werden. Der potentielle Ausbau des vorhandenen Flughafens steht in der Diskussion (Planfeststellungsverfahren läuft), weil er für die Wirtschaft Kassels von Bedeutung ist, aber die Wohnqualität durch erhöhte Emissionen belasten könnte, was jedoch noch nicht bewiesen ist. Bislang wird ein Check-in am Vorabend für den etwa 80 km entfernten Flughafen Paderborn-Lippstadt im Hauptbahnhof Kassel angeboten.

Weblinks