Kerstlingeröder Feld

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Luftbild von Kerstlingeröder Feld
(selber fliegen?)

Das Kerstlingeröder Feld ist eine heute fast 200 ha große Freifläche im Göttinger Wald. In der Mitte stehen heute noch die letzten Zeugen einer Siedlung: Die Ruine eines Gutshofes.

Im frühen Mittelalter wurde eine Siedlung mit dem Namen „(Klein-)Kerstlingeroda“ gegründet. Doch 1387 wurde das Dorf von Truppen aus Göttingen teilweise zerstört. 1410 wurde das Dorf aufgegeben. Probleme stellte nämlich auch die Wasserversorgung des Ortes dar. 1416 ist ist an der Stelle des Dorfes ein Gutshof der Herren von Kerstlingerode dokumentiert. 1410 wird eine wird eine Kapelle gebaut, die vom Bischof von Mainz betreut wird.

Das Gebiet wurde jedoch weiter landwirtschaftlich genutzt. Am 25. Juli 1790 zogen 700 streikende Studenten der Georg-August-Universität auf das Kerstlingeröder Feld, um ihren Forderungen nach mehr Schutz Ausdruck zu verleihen.

1928 wurde ein Teil der Flächen von der Stadt Göttingen an die Reichsheeresverwaltung abgegeben. Während des Dritten Reiches mussten auch die benachbarten Flächen abgegeben werden. Eine 1985 durchgeführte etwa 64 ha umfassende Erweiterung durch Rodung wurde von Protestdemonstrationen begleitet. Das Gebiet diente bis 1992 als Manövergelände für die in Göttingen gelegene Zieten-Kaserne, welche Mitte der 1930er Jahre am Lohberg errichtet wurde. Nach Abzug der Bundeswehr ging das Kerstlingeröder Feld wieder in den Besitz der Stadt Göttingen über. Nach Einstellung des militärischen Übungsbetriebs unterlagen die Freiflächen der natürlichen Sukzession, welche heute durch geeignete Pflegemaßnahmen aufgehalten wird. Die Fläche wird vom Stadtforstamt betreut.

Auf Grund des Vorkommens zahlreicher seltener Tiere und Pflanzen hat das Gebiet einen hohen Wert für den Naturschutz. Es liegt im Landschaftsschutzgebiet „Leinebergland“ und ist als Flora-Fauna-Habitat Teil des EU-Schutzgebietes Nr. 138 „Göttinger Wald“. Eine Ausscheidung als Naturschutzgebiet zusammen mit dem Stadtwald Göttingen erfolgte 2007. Es wurden 410 Gefäßpflanzen nachgewiesen, von denen die Mehrzahl gesetzlich geschützt ist. Von den 53 nachgewiesenen Vogelarten sind zum Beispiel Neuntöter, Wendehals und weitere fünf Arten auf der Roten Liste. Außerdem konnten 432 der 750 in Niedersachsen lebenden Schmetterlingsarten auf dem Kerstlingeröder Feld nachgewiesen werden.