Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

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Das Buch Mormon steht am Anfang der Geschichte der Mormonen, nach ihm haben sie die Bezeichnung erhalten, die anfangs ein Schimpfwort war. Die offizielle Bezeichnung lautet Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Für sie ist das Buch Mormon eine heilige Schrift wie die Bibel - eine Schrift mit einer abenteuerlichen Geschichte.

Sie beginnt im Frühjahr 1820 in einem Wäldchen im amerikanischen Bundesstaat New York. Dort will der erst 14-jährige Joseph Smith in einer Vision Gott und Jesus Christus gesehen haben. Diese hätten ihm geraten, sich keiner bestehenden Kirche anzuschließen, sondern auf weitere Anweisungen zu warten. Die kamen nach Smith' Bericht 1823 in Gestalt eines Engels namens Moroni, Sohn eines Mormon, der im 5. Jahrhundert in Amerika als christlicher Prophet gewirkt haben soll. Der Engel bringt Smith auf die Spur eines Ringbuches mit Goldplatten, das er mit Hilfe von zwei göttlichen Steinen übersetzt und das 1830 als "Das Buch Mormon" veröffentlicht wird. Nach der Übersetzung, so schrieb Smith, habe er die Platten an Moroni zurückgegeben.

Smith gilt den Mormonen ebenso als Prophet wie seine Nachfolger als Präsidenten der Kirche. Ein Wort eines Propheten hebe das eines vorigen nicht auf, so Meyer, aber es gebe doch Veränderungen. Diese allerdings können ziemlich gravierend sein. Das Prinzip der Vielehe etwa, räumt Meyer ein, gab es zu Beginn der Mormonen. Heute gelte jedoch: "Wer Polygamie betreibt, wird aus der Kirche ausgeschlossen." Es gebe aber Absplitterungen der Mormonen, bei denen die Vielehe betrieben werde.

Nachdem Smith 1844 erschossen worden und es vielfach zu Unruhen und Auseinandersetzungen mit Nicht-Mormonen gekommen war, zogen die Mormonen 1845 aus Illinois ab und in einem Treck nach Westen zum Großen Salzseetal der Rocky Mountains. Dort kultivierten sie ein Wüstengebiet mit Salt Lake City als Zentrum.

Für eine Taufe muss man mindestens acht Jahre alt sein. Der ganz in weiß gekleidete Täufling wird in einem großen Taufbecken ganz untergetaucht. Mit der Taufe, so Meyer, bekunde man auch seinen Willen, den Zehnten zu zahlen, aus dem die Mormonen sich finanzieren.

Die Mormonen kennen auch eine Taufe, die stellvertretend für Tote vollzogen wird. Die Möglichkeit der Totentaufe ist der Motor für die intensive Ahnenforschung, die die Mormonen betreiben. Ein kleiner Raum für Familienforschung ist auch in Göttingen eingerichtet - im 3. Stock des Gebäudes an der Ecke Godehardstraße/Königsallee, in dem zugleich AOK und Sparkasse untergebracht sind. Dort im dritten Stock befinden sich auch die übrigen schlicht und nüchtern gehaltenen Gemeinderäume.

Eine Heirat ist bei Mormonen eine ziemlich geheimnisvolle Sache - wie alles, was im Tempel stattfindet. Denn während die Gemeindehäuser für jedermann zugänglich sind, dürfen in die Tempel nicht einmal alle Mormonen hinein. Man muss mindestens zwölf Jahre alt sein und braucht nach einem Gespräch mit Kirchenoberen ein Tempelempfehlungsschreiben, um einen Tempelschein zu bekommen. Über Details zu Ritualen und Kleidung schweigen Mormonen außerhalb des Tempels. Begründet wird dies mit der Heiligkeit des Ortes.

Gottes Thron ist laut einer Schrift der Mormonen nahe dem Stern Kolob. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage versteht sich selbst als eine christliche Glaubensgemeinschaft. Sie sieht sich jedoch nicht als eine Abspaltung des Christentums. Denn die Urkirche habe nach dem Tod von Jesus nicht lange überlebt und sei verloren gegangen. Erst durch die Mormonen sei die Kirche wiederhergestellt worden.

Kritik von evangelisch-lutherischer Seite und Ex-Mormonen gibt es vor allem an den okkulten Tempelritualen, der strengen hierarchischen Gliederung der Kirche und dem Bruch mit der bisherigen Umwelt, zu dem es bei neuen Mitgliedern komme. Schon Sir Arthur Conan Doyle stellt in Sherlock Holmes' erstem Fall "Eine Studie in Scharlachrot" die Mormonen wenig schmeichelhaft dar. In dem 1887 erschienenen Werk schildert er eine streng hierarchisch aufgebaute Gemeinschaft der frühen Mormonen, die Abweichler unbarmherzig verfolgt.





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