Kirche zu Nikolausberg

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Kirche zu Nikolausberg
Klosterkirche Nikolausberg


Die Kirche zu Nikolausberg ist dem hl. Nikolaus geweiht und gehörte ursprünglich zu einem Augustinerinnenkloster. Ihre Gründungs- und Erbauungszeit sind nicht dokumentiert. Die älteste urkundliche Erwähnung, ein Schutzbrief von Papst Alexander III., des Nikolausberger Klosters ist aus dem Jahre 1162. In dieser Bulle wird den Augustinerinnen nur ein geringer Betrag garantiert, was vermuten lässt, dass das Kloster zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange bestanden hat. Die erhöhte Lage und die damit verbundene Sicherheit war gewiss mit ausschlaggebend für die Gründung des Augustinerinnenklosters auf dem Nikolausberg. Die Nähe zu der Nord-Südstraße durch das Leinetal und zu einer Straße, die schon damals entlang der Lutter dieses Tal mit dem Harz und dem Eichsfeld verband, begünstigte zudem die Wahl des Ortes.

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Nikolausberg hat die Trägerschaft für "Baumhaus" – Evangelische Kindertagesstätte Nikolausberg inne.

Gotisches Gewölbe: das Langhaus der Klosterkirche.

Die Glocken

Glockenstube im Turm der Nikolausberger Klosterkirche.

Bis zum 16. Jahrhundert soll dort ein Geläut von sechs Glocken vorhanden gewesen sein. Heute hängen im Turm nur noch zwei Bronzeglocken.

Die größere mit dem Schlagton c” hat einen Durchmesser von 81 Zentimetern und wiegt 250 Kilogramm. Gegossen wurde sie 1858 von J. H. Bartels in Hildesheim unter Verwendung einer älteren Glocke. Sie trägt die Inschrift „Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango“, auf Deutsch „Die Lebenden rufe ich. Die Toten beweine ich. Die Blitze breche ich“ – eine uralte Glockeninschrift, die Schiller 1801 seinem „Lied von der Glocke“ vorangestellt hat.

Die kleinere mit dem Schlagton d” wurde 1993 in Karlsruhe gegossen und läutete Heiligabend 1993 zum ersten Mal. Sie trägt die Inschrift „Sit nomen domini benedictum ex hoc nunc et usque in saeculum“, „Der Name des Herrn sei gelobt von nun an bis in Ewigkeit“.

Die Geschichte der Vorgänger dieser kleineren Glocke ist ungewöhnlich bewegt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt die Nikolausberger Kirche vom Hamburger Glockenfriedhof eine kleine Glocke aus Schlesien. Dieses Instrument erwies sich aber als zu klein, es gab keinen harmonischen Zusammenklang. Umgekehrt hatte die Northeimer Corvinuskirche eine zu große Glocke zugewiesen bekommen. So einigte man sich 1953 auf einen Tausch: Die Northeimer Glocke, angeblich ebenfalls aus den Ostgebieten, kam nach Nikolausberg. Doch stellte 1983 der hannoversche Glockensachverständige Karl-Friedrich Waack durch Tonvergleiche fest, dass diese 1769 von Joseph Arnold gegossene Glocke aus Franken stammte, genauer: aus Villersbronn bei Dinkelsbühl. Nach der geltenden Rechtslage war die Kirchengemeinde verpflichtet, die nun nicht mehr herrenlose Glocke zurückzugeben. Dies geschah – wenn auch erst zehn Jahre später.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 21.09.2010



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