Kurt von Figura

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Kurt von Figura (* 16.05.1944 in Heiningen/Baden-Württemberg) ist ein deutscher Mediziner und Biochemiker. Er wurde am 29. April 2004 vom Senat der Georg-August-Universität zum Präsidenten der Universität Göttingen gewählt. Der Stiftungsrat bestätigte das einstimmige Votum des Senats am 10. Mai 2004. V. Figura trat seine sechsjährige Amtszeit am 1. Januar 2005 an. Zum Jahreswechsel 2010/2011 endet seine Amtszeit als Präsident der Univerität Göttingen.

Akademischer Lebenslauf

V. Figura studierte von 1963 bis 1969 Medizin an den Universitäten Tübingen und Wien. Anschließend war er Medizinalassistent in Bad Wildungen, Tübingen und München (1969 – 1970). 1970 wurder er in Tübingen zum Dr. med. promoviert.

Wesentliche Schritte seiner Karriere absolvierte v. Figura am Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Münster, wo er von 1971 bis 1986 beschäftigt war:

  • wissenschaftlicher Assistent: 1972-1976
  • Habilitation an der Universität Münster: 1975
  • Oberassistent: 1976-1977
  • Wissenschaftlicher Rat und Professor bzw. Professor C3: 1977-1986

Ab 1986 hatte v. Figura eine Professor für Biochemie (C4) am Zentrum Biochemie und Molekulare Zellbiologie, Abt. Biochemie II, der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen inne. 1989 wurde er an die Biologische Fakultät kooptiert. 1992 lehnter er einen Ruf auf eine Professur für Biochemie (C4) an der Universität Heidelberg ab.

Werk

- noch Platz -

Amtsführung als Präsident der Georgia Augusta

Im Januar 2005 trat der Mikrobiologe das Amt des Universitätspräsidenten der Georgia Augusta an, „weil es noch einmal eine Herausforderung war – und die war es“, sagt er mit Nachdruck. Der 66-jährige Naturwissenschaftler hat mit der ihm eigenen konsequenten Art die Hochschule vorangebracht im Sinne seiner Überzeugung, dass die Georgia Augusta eine Reformuniversität war, ist und bleibt. Figura, seine sechs Amtsjahre bilanzierend, nennt das auch an erster Stelle: „Die entscheidende positive Erfahrung für mich ist, dass die Universität sich als reformfähige und reformbereite Einrichtung herausgestellt hat.“

Und bei aller Kritik an der Verteidigung von Partikularinteressen der Professoren oder der Fakultäten, haben dennoch die meisten Mitglieder die negativen wie positiven Herausforderungen angenommen. Die Folgen des Hochschuloptimierungskonzepts (HOK) der Landesregierung seien ebenso schwierig zu meistern gewesen wie die unerwarteten Kostensteigerungen in den Bereichen Energie und Literaturbeschaffung, zählt Figura auf.

Aber zu den Grunderfahrungen seiner Amtszeit zählt der Erfolg, seit 2007 zu den neun deutschen Universitäten zu zählen, deren Zukunftskonzepte sich bei der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern durchsetzten. Sie erhält damit in den nächsten fünf Jahren 14 Millionen Euro pro Jahr zusätzliche Förderung. Ein Erfolg für die Universität und die Göttinger Forschungsinstitute. Sie haben gemeinsam überzeugt und machen den Wissenschaftsstandort interessant. Bis zu 70 Berufungen und Bleibeverhandlungen habe er in manchem Jahr geführt, berichtet Figura. Er freut sich darüber, „dass sich immer wieder junge Wissenschaftler für Göttingen entschieden haben“.

Die Teilnahme an der ersten Exzellenzinitiative war das wichtigste Ereignis der Amtszeit. Die Antragstellung und das Manko der Universität, nur drei Sonderforschungsbereiche (SFB) bieten zu können, „das hat mich am meisten beschäftigt“, sagt Figura. Ab Januar 2011 werden an der Georg-August-Universität wieder sechs SFB der Deutschen Forschungsgemeinschaft angesiedelt sein, für drei weitere stehen die Chancen gut.

Figuras Nachfolgerin Ulrike Beisiegel wird, wenn die Universität für die zweite Exzellenzinitiatvie im nächsten Jahr begutachtet wird, kein SFB-Problem haben. Das hatte Figura in anderer Form im vergangenen Jahr, als der Forschungsskandal um den SFB 552 „Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien“ (Storma) bekannt wurde. Figura war vom wissenschaftlichen Fehlverhalten, das einigen Göttinger Wissenschaftlern später nachgewiesen wurde, schockiert. Und das Präsidium erklärte, „unabhängig von den Ergebnissen der Prüfverfahren ist die Reputation der Universität Göttingen erheblich beschädigt worden.“

Heftigen Gegenwind erfuhr der Präsident, als er im November 2005 die inzwischen erfolgte Umstrukturierung der sozialwissenschaftlichen Fakultät ankündigte. Die Streichung von zwei Politik-Professuren und Schaffung von zwei neuen Soziologie-Professuren brachte ihm vor Ort Protest und landesweit Kritik ein. Das würde er heute anders machen, bemerkt Figura dazu – in der Form, nicht in der Sache.

Protest im großen Stil hagelte es im Jahr 2009. Der Bildungsstreik brachte Schüler und Studenten bundesweit auf die Straßen. In Göttingen war der Protest gegen Studiengebühren und die Schwächen des Bildungssystems nach Ansicht von Figura „sehr konstruktiv“ und habe der Diskussion um den Bologna-Prozess Schubkraft gegeben. Zugleich gebe es positive Veränderungen in der Lehre und in den Studiengängen. Figura sieht es als „Aufgabe einer Universität an, dass jeder Studierende sein Studium auch zum Abschluss bringt. Und da kommen wir mit Bologna ein ganzes Stück weiter.“

Einflüsse von außen wie der Bologna-Prozess verändern die Universität ebenso wie andere positive Einwirkungen. Und die lassen den Präsidenten sagen: „Ich habe Glück gehabt in meiner Amtszeit.“ Neben der Exzellenzinitiative habe die Einführung der Studiengebühren und die Programmkostenpauschale der Universität „finanziellen Spielraum gegeben, der Reformfähigkeit erzeugt hat“. Zudem sei die Zusammenarbeit mit dem Land sehr konstruktiv gewesen. So sorgten die Zukunftsverträge für finanzielle Konstanz und das Bekenntnis zur Stiftungsträgerschaft für Vertrauen.

Durch den damaligen Wissenschaftsminister Lutz Stratmann und Staatssekretär Dr. Josef Lange habe er moralisch wie materiell „uneingeschränkte Unterstützung“dfür das 2005 begonnene Auswahlverfahren der Exzellenzinitiative erfahren, und, erinnert Figura an den damaligen Ministerpräsidenten, „ohne Wulff wäre es auch nicht gegangen“.Dass vor Ort die Zusammenarbeit aller Forschungseinrichtungen im „Goettingen Research Campus“ auf bestem Wege ist, zeigt nach Ansicht von Figura die gemeinsame Imagekampagne „Freiraum für neues Denken“. „Dieser Anspruch gehört jetzt der Universität Göttingen“, erklärt der scheidene Präsident. Und wenn die Hochschule den Anspruch mit Leben fülle, „dann sehe ich die Universität wirklich sehr gut ihrem 300-jährigen Jubiläum entgegen gehen“.

Auszeichnungen

  • 1978: Preis der Hoechst AG
  • 1981: FEBS Anniversary Price
  • 1982: Dozentenstipendium des Fonds der Chemischen Industrie
  • 1988: EMBO-Mitgliedschaft
  • 1998: Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
  • 2002: Dr. h.c. der Universität Namur/Belgien
  • 2002: Otto-Warburg-Medaille
  • 2004: Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Funktionen an der Georg-August-Universiät

  • Sprecher des Graduiertenkollegs "Signalvermittelter Transport von Proteinen und Vesikeln" (1990 – 1996)
  • Sprecher des SFB 523 "Protein- und Membrantransport zwischen zellulären Kompartimenten" (seit 1996)
  • Geschäftsführender Direktor des Zentrums Biochemie und Molekulare Zellbiologie (1989-1991, 1997-1999 und 2002-2004)
  • Geschäftsführender Direktor des Göttinger Zentrums für Molekulare Biowissenschaften (1999 – 2003)
  • Mitglied des Senats der Universität Göttingen (1999 – 2003)
  • Leiter des Internationalen M.Sc./Ph.D. Studiengangs "Molecular Biology" (2000 2004)

Mitarbeit in wissenschaftlichen Gremien und Kommissionen

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft
    • Fachgutachter (1988 – 1990)
    • Vorsitzender des Fachausschusses "Biologische Chemie und Biophysik" (1990)
    • Mitglied im Senat und Hauptausschuss (1990 – 1996)
    • Mitglied in der Senatskommission für Klinische Forschung (seit 1997)
  • Max-Planck-Gesellschaft
    • Mitglied des Fachbeirats des Max-Planck-Instituts für Biochemie, Martinsried (1994-2001)
    • Mitglied der Forschungsfeldkommission "Neurobiologie der Max-Planck-Gesellschaft" (1999 – 2000)
    • Mitglied im Kuratorium des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, Göttingen (seit 2004)
    • Mitglied im Kuratorium des Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin (seit 2004)
  • Helmholtz-Gemeinschaft
    • Mitglied des Kuratoriums des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin "Berlin-Buch" (seit 2003)
  • BMBF
  • Mitglied der Deutsch-Israelischen Projektkooperation (DIP) (seit 1997)
  • Alexander von Humboldt-Stiftung
    • Mitglied des Auswahlausschusses für die Humboldt- und F.W. Bessel-Forschungspreise (seit 2001)
  • Universitäten
    • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) (1998 - 2002)
    • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung der Universität Münster (IZKF) (seit 2000)
    • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Zentrums für Molekulare Neurobiologie der Universität Hamburg (ZMNH) (seit 2001)
    • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Rudolf-Virchow-Zentrums für Experimentelle Biomedizin/DFG Forschungszentrums, Universität Würzburg (seit 2002)
    • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Biochemiezentrums Heidelberg (BZH) (seit 2003)
  • Sonstige
    • Mitglied im Verwaltungsrat der GlaxoSmithKline Stiftung (früher SmithKline Beecham Stiftung) (seit 1991)
    • Mitglied im Vorstandsrat der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (1997 - 2001)
    • Mitglied der Expertengruppe Hochschulplanung des Landes Mecklenburg-Vorpommern (2001 – 2002)
    • Mitglied der Expertengruppe "Strukturreform in der Berliner Hochschulmedizin" (2002)
    • Mitglied der Arbeitsgruppe "Forschungs- und lehrförderliche Strukturen in der Universitätsmedizin" des Wissenschaftsrats (seit 2001)
  • Herausgebertätigkeiten (Editorial Work)
    • European Journal of Biochemistry
    • Biochemistry Journal
    • European Journal of Cell Biology (seit 1999)

Weblinks