Lünemann

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Die Firma Lünemann wurde 1783 von Hufschmied Johann Andreas Lünemann gegründet.

Firmengründer Johann Andreas Lünemann stammte aus Oedelsheim an der Weser. In Göttingen heiratete er die Tochter des Hufschmieds Georg Christoph Busse. Schon bei Eröffnung der eigenen Schmiede in der Kurzen Geismarstraße handelte der Handwerker nebenher mit Hacken, Schaufeln und Spaten. Unter seinem Sohn entwickelte sich die Firma zur Eisenhandlung weiter. In diesem Segment erwirtschaftet das Unternehmen heute die Hälfte des Gesamterlöses.

1916, während des Ersten Weltkriegs, trat Wilhelm Günther als kaufmännischer Angestellter in die Firma ein. Er wurde in den Nachkriegsjahren Gesellschafter des Unternehmens, das damals zwölf Mitarbeiter beschäftigte. Angehörige der Familie Lünemann waren bereits seit 1882 nur noch Teilhaber. 1926 legte sich die Firma ihren ersten großen Lastkraftwagen zu. Sie expandierte in der Langen Geismarstraße. 1936/37 entstand dort im rückwärtigen Bereich eine Lagerhalle für Walzmaterial.

1946 zählte die Belegschaft 22 Mitarbeiter. Mit Gründung der DDR verlor das Unternehmen seine Absatzmärkte in Thüringen. Die schwierigen Verkehrsverhältnisse in der Innenstadt zwangen das Unternehmen schon Ende der 40er Jahre dazu, sich am Stadtrand ein Lager einzurichten. So kaufte die Firma auf dem ehemaligen Groner Flughafen eine 120 Meter lange Wehrmachtshalle mit Gleisanschluss und großem Freigelände. Dort in Grätzelstraße 13/15 befindet sich heute der Firmensitz.

Als Wilhelm Günthers Sohn Reimar 1955 ins väterliche Geschäft eintrat, wurde unter dessen Leitung das Stadtgeschäft erweitert. Anstelle des „Laden-Schlauchs“, so Chronik-Autor Kosching, entstand eine Verkaufshalle. Aus deren Mitte führte eine schwungvolle Treppe in das neu geschaffene Untergeschoss. Dort residierten in den kommenden Jahrzehnten die „Kellerkinder“ der Firma, die Mitarbeiter der Werkzeug-Abteilung. Aus den Lagerräumen im ersten Obergeschoss wurden ebenfalls Verkaufsräume. Das Gebäude war so verwinkelt, dass sich Karl-Heinz Apel, der heute die Abteilung Werkzeugtechnik leitet, als Lehrling mehrfach verlief.

Reimar Günther, dessen Vater 1979 starb, beschloss, das Innenstadtgeschäft 1985/86 zu einem Kaufhaus umzugestalten. Im Rahmen der größten Baumaßnahme der Firmengeschichte ließ Günther die Verkaufsfläche mit 5000 Quadratmetern mehr als verdoppeln. Sieben Häuser in einer Reihe, die über Jahre zusammengekauft worden waren, wurden für mehr als drei Millionen Mark umgestaltet. Das Problem: Damals ging der Trend zur Grünen Wiese, merkt Kosching kritisch an. In den ersten Jahren schien Günther jedoch die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Legendär waren die Hochzeitstische, bei denen Gäste Geschenke für das Brautpaar aussuchten. Bis zu 40 Stück standen bei Lünemann. Die Grenzöffnung bescherte dem Unternehmen Rekordumsätze. Gefragt waren in erster Linie Haushaltswaren und Küchengeräte, aber auch Werkzeuge. Diese Produkte waren in der DDR nur schwer zu bekommen. Die Thüringer und Sachsen standen damals mit offenem Mund und leuchtenden Augen vor den Regale, zitiert Kosching Mitarbeiter. Männer weinten angesichts von Schweißbrennern, die es in der DDR nur auf Antrag zu kaufen gab. Manchen packte die Wut auf die Kommunisten, die ihnen all das vorenthalten hatten. 1994 befand sich das Unternehmen mit 239 Mitarbeitern, darunter 39 Auszubildende, auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung.


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