Leine

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Blick von der Odilienmühle. In den 1920er Jahren war die Brücke der Gartenstraße über den Leinekanal noch aus Holz.
Leinehochwasser an der Rosdorfer Brücke im Februar 1909
Leinebadetag

Die 281 Kilometer lange Leine entspringt im thüringischen Eichsfeld. Sie fließt über Heiligenstadt, Uder und Arenshausen nach Niedersachsen. Dort verläuft der Fluss über Friedland nach Rosdorf, wo die Garte in die Leine mündet. Schließlich in Göttingen fließen von Osten her die Lutter und von Westen her die Grone (Fluss) in die Leine. Vorbei an Bovenden, Nörten-Hardenberg, Northeim und Einbeck durchquert der Flusslauf die Landeshauptstadt mündet östlich von Gilten in die Aller, die dann in Nordsee fließt. Die Wasserqualität der Leine ist so gut, dass nicht nur Junglachse erfolgreich ausgesetzt werden. Im Sommer 2004 tauchte auch der Maifisch in der Leine auf, der zu diesem Zeitpunkt als ausgestorben galt. Von der Quelle bis zur Mündung kann man den Fluss per Fahrrad auf dem Leine-Radweg erkunden.

Leinebadetag

17 Grad Wassertemperatur, 23 Grad in der Luft und ein steiler Einstieg – nicht gerade ideale Bedingungen zum Fluss-Baden. Gut 30 Menschen trauen sich trotzdem und bis zu 100 Gäste schauen zu. Oder sie entspannen sich gemütlich sitzend im weichen Gras. Für alle war der erste Leinebadetag in Göttingen gestern ein ganz neues Erlebnis.

„Ganz schön kalt, aber toll“, schwärmt Florian. Der 11-Jährige ist mit Freund Daniel und Eltern aus Katlenburg angereist. „Das ist mal was anderes“, sagt die Mutter. Jetzt sitzt die Familie auf Klappstühlen am Leineufer gleich hinter der Lokhalle und staunt. Immer mehr Kinder, ganze Familien aber auch ältere klettern den kleinen Uferhang hinab. Viele waten nur vorsichtig durch das etwa 50 Zentimeter tiefe Wasser, ganz mutige tauchen voll ein und lassen sich von der Strömung treiben.

„Die Leute sollen vor allem Spaß haben und ihren Fluss wiederentdecken“, sagt Ralph Mederake vom Göttinger Kreisverband im Bund für Umwelt- und Naturschutz. Nur wenigen sei bekannt, dass man in der Leine baden kann und darf. Ihr Wasser sei mit 88-prozentiger Sauerstoffsättigung „ganz ordentlich“. Biologisch sei sie zurzeit sie als „mäßig belastet“ eingestuft, „das könnte noch besser sein“. Wenig einladend aber sei die Uferstruktur, sagt Mederake. Und nur mit Mühe sei es gelungen, bei geplanten Hochwasserschutzprojekten auch der Naherholung mehr Raum zu geben.

Aus einem weiteren Grund hat der Nabu den Leinebadetag auf den Europäischer Flussbadetag gelegt: Über die Kampagne „Big Jump“ drängen Umweltverbände seit 2002 auf die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Das Ziel: Alle Gewässer sollen bis 2015 ökologisch und chemisch in einem guten Zustand sein.

Susanne Strauß und Karin Zinkand reicht es schon jetzt: „Es ist ganz wunderbar und nicht kalt“, sagt Strauß. Und die Strömung „ist harmlos, es ist ja nicht tief“, ergänzt Zinkand. Sie wollen wieder kommen.

Leine: Kein Abwasserkanal, sondern Lebensader

Badetag in der Leine: 25 Schwimmer und 150 Schaulustige kamen auf Einladung des BUND.

32 verschiedene Fischarten schwimmen in der Leine, zehn davon allein im Stadtgebiet. Gestern kam eine elfte Spezies dazu: der gemeine Göttinger. Beim dritten Leinebadetag erfrischten sich rund 25 Badegäste vom Kleinkind bis zum Oberbürgermeister vor mindestens sechsmal so vielen Schaulustigen in den beachtlich sauberen Fluten des sonst kaum beachteten Flusses.

Göttingen. Das zu ändern, darum ging es: Die Leine soll wieder ins Bewusstsein der Göttinger gelangen, nicht als Abwasserkanal, sondern als Lebensader mit ökologischer Funktion und zur Freude der Menschen, die sich darin erfrischen und daran erholen. So begründete Ralph Mederake vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den Leinebadetag, der diesmal am Westufer im noch nicht renaturierten Abschnitt nördlich der Godehardbrücke organisiert worden war. Jene Bereiche, die erst in diesem und im letzten Sommer umgestaltet wurden, wollten die Badenden noch schonen, erklärt Organisatorin Ulrike Teuscher. 2009 fand der zweite Badetag noch in Höhe der Lokhalle statt.

Als so ganz ideal erwies sich die Stelle dann doch nicht: Fionn Pape, demnächst im freiwilligen ökologischen Jahr beim BUND, fischte zunächst noch die Reste eines Fahrrades und eine Einkaufstasche aus den Fluten. Dann konnte gebadet, ja gar gegen den Strom geschwommen werden. Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) und Ehefrau Annette, er mit Innerstewasser getauft, ist nun auch mit Leinewasser gewaschen. Und er kann sich vorstellen, dass nach der Renaturierung besonders im Bereich Lokhalle die Stadt und ihre Bürger näher an den Fluss rücken – mit Badetuch und Grill. „Wie in den Isarauen vielleicht nicht, aber so ähnlich“, sagt er.

Dass es überhaupt dazu gekommen ist, der kanalisierten Leine im Stadtgebiet nach und nach ein natürliches Bett zu geben, rechnen sich auch die BUND-Leute selbst an. Gemeinsam mit den Anglern hatten sie gegen einen Planfeststellungsbeschluss zum Hochwasserschutz protestiert, der eine Vertiefung des Flusses und Erhöhung der Deiche vorsah. Nach dem neuen Beschluss von 2007 darf die Leine nun Sandbänke und Röhrichtzonen, ja sogar einige hochstämmige Bäume im Flussbett haben. Seltene Flussneunaugen fühlen sich jetzt schon wohl darin – menschliche Badegäste auch.