Lemshausen

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lemshausen bildet mit seiner geographischen Lage den Mittelpunkt der Gemeinde Rosdorf. es hat ca. 250 Einwohner.

Aktuell

Personen und Organisationen

Geschichte

Der Name Lemshausen stammt ursprünglich vom Namen Lyammanneshusun ab, was soviel bedeutet wie "bei den Häusern des Lyammann". Die erste urkundliche Erwähnung des Namens Lyammanneshusun stammt aus den Jahren 986 bis 988. Es handelt sich dabei um eine Schenkungsnachricht, in der dem Kloster Corvey eine Familie von "Unfreien" aus Lyammanneshusun übereignet wurde. In einer weiteren Schenkungsurkunde aus den Jahren 989 bis 992 wurde dem Kloster Corvey ein Tagwerk sowie eine halbe Hufe und zwei "Hörige" aus Lyammanneshusun für das Seelenheil der Mutter des Schenkers übereignet. Die beiden schriftlichen Erwähnungen Lemshausens lassen darauf schließen, dass es um 1000 bereits eine feste Siedlung in diesem Gebiet gegeben haben muss. Die Urkunden nennen folgende Namensformen: Lyamanneshusen und Liamanneshusen zwischen 891 und 1037; Liemoneshus zwischen 1015 und 1036; Lehmanneshusen, Lemanneshusen, Lemaneshusen und Lemanshusen 1235; Lemmenshusen 1383 - 1398 und etwa 1470; Lemmanshusen 1448; Lemmeshausen 1550; im XVII. und XVIII. Jahrhundert Lemmershusen und Lemmershausen. Die Ortsnamenforschung setzt die Entstehung der auf -husen endigenden Ortschaften ins VIII. Jahrhundert.

Bis zur Verkoppelung herrschte in Lemshausen die uralte Dreifelderwirtschaft. Die landwirtschaftlich genutzte Flur bestand aus drei Flächen von etwa gleicher Größe, die in regelmäßigem Wechsel von allen Einwohnern, soweit sie Grundbesitz hatten, mit Winter-, Sommer- und Brachfrucht bestellt wurden und daher Winterfeld, Sommerfeld und Brachfeld hießen. Roggen und Weizen sind bekanntlich Winterfrucht, Hafer Sommerfrucht. Das Brachfeld blieb nur in früheren Jahrhunderten brach oder unbestellt liegen, später trug es Klee, Flachs, Rüben, kartoffeln und vor allem Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen). In diesen drei Feldern lagen die von Ängern (gemeinsamen weiden) und Wiesen unterbrochenen Äcker der Einwohner in reichlich buntem gemenge in zahlreichen Parzellen.

Die Verkoppelung der Gemarkung lemshausen begann 1873 und endete 1879. Die Verkoppelungsmasse setzte sich zusammen aus: 214,92 Hektar Ackerland, 9,074 Hektar Hofstellen und Gärten, 20,414 Kektar Wiesen, 8,964 Hektar Ängern, zusammen 253,372 Kektar. Nach Austausch mit den nachbargemeinden blieben 250,569 Hektar. Mit der Verkoppelung hörte die bisherige gemeinsame Beweidung der ganzen Flur mit dem Rindvieh, den Schweinen, den Gänsen und acht Schafen pro Reihestelle - es werden im ganzen 29 Reihestellen - auf. Auch die Anbauer durften ihr Vieh gegen Entrichtung des Weidegeldes austreiben. Durch die Verkoppelung hatte die Feldmark ein wesentlich anderes Aussehen bekommen. Die bisher im Gemeindebesitz befindlichen Änger gingen in der Verkoppelungsmasse auf und wurden meist in Ackerland verwandelt. Kleine Wälder, Büsche, Bäume und Hecken waren der Axt zum Opfer gefallen und damit manche landschaftliche Schönheit. Der zersplitterte Grundbesitz des einzelnen Besitzers wurde zu koppeln zusammengelegt; die äcker erhielten nach Möglichkeit die Form von rechtecken und waren an jedem Ende von besonderen Wegen, den Koppelwegen, zugänglich. Die Verkoppelung war eine Vorbedingung für den landwirtschaftlichen Aufstieg gegen Ende des XIX. Jahrhunderts. In dem 1426 durch die Gemeinde Rosdorf von der Stadt Göttingen gekauften Großen Leinebusch hatten Lemshausen und Volkerode das Recht der Viehhude und des sammelns von dürrem Holz. Als sie darin von Rosdorf beeinträchtigt wurden, klagten sie 1572 bei den Räten zu Münden und 1595 am Hofgericht zu Wolfenbüttel, das aufgrund eines von der juristischen fakultät Rostock gefällten Urteils die Gemeinden in ihren rechten bestätigte. Im Jahre 1654 mussten lemshausen und Volkerode der Gemeinde Rosdorf 11 Rtl. 18 Mgr. Entschädigung zahlen, weil sie durch Abhauen grüner Bäume und Sträucher im Grundlosen Suhle des Großen Leinebusches Forstfrevel begangen hatten, und zugleich Besserung geloben. Laut Bericht von 1685 klagte Rosdorf über das unvernünftige Viehhüten der beiden Dörfer, die den Wald ohne Rücksicht auf das Alter seines Baumbestandes beweideten. Im jahre 1744 wurden bei der grenzregelung zwischen dem Rosdorfer Holz und der Lemshäuser Länderei 10 Malsteine in Gegenwart von Beamten des Amtes Friedland und des Gericxhts Leineberg gesetzt. Laut Bericht von 1787 hatten Lemshausen und Volkerode folgende Gerechtsame im Großen Leinebusch: Sammeln von dürrem Holz, Graskrauten mit der Hand, Hude und Weide mit Kühen vom 1. Mai bis 25. Juli unter Meidung von Schonungen unter 9 Jahren. Zur Bekämpfung des Waldfrevels drückte Rosdorf im Jahre 1790 durch, dass Leseholz künftig nur dienstags und freitags von den beiden Gemeinden gesammelt werden durfte. Als die zuständige Behörde 1859 zwecks allgemeiner Beseitigung der Waldschädigungen durch Hude und Holzsammeln die Ablösung dieser Berechtigungen anregte, war Rosdorf einverstanden, während Lemshausen die Beibehaltung des alten Zustandes wünschte. Trotzdem beantragte Rosdorf 1866 beim Amtsgericht Göttingen die Ablösung, die durch Rezess vom 27.04.1868 ausgesprochen wurde. Lemshausen erhielt für den Fortfall seiner rechte im Großen Leinebusch 1150 taler, Volkerode 1450 Taler Entschädigung. Eigene Waldung besitzt Lemshausen nicht.

Wappen

Das Wappenbild der Ortschaft Lemshausen bezieht sich auf eine 1000-jährige Ortslinde, die mit 29 Blättern dargestellt die ursprünglich 29 Hofstellen des Dorfes symbolisiert. Die Farben gelb und weiß sind die hannoverschen Landesfarben. Die alte Wappenlinde, die den Platz vor dem ehemaligen Schulgebäude maßgeblich geprägt hat, musste Mitte der 70er Jahre aus Sicherheitsgründen gefällt werden. 1976 wurde dafür eine neue Linde gepflanzt.