Liebe 47

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Liebe 47 ist ein Film der Filmaufbau Göttingen GmbH, der nach Wolfgang Borcherts Roman "Draussen vor der Tür" in Göttingen entstand. Für Drehbuch und Regie zeichnete Wolfgang Liebeneiner verantwortlich.

Synopsis

Der Film erzählt die Geschichte des Kriegsheimkehrers Beckmann (gespielt von Karl John). bei seiner Rückkehr muss er feststellen, dass sich seine Frau während seiner Gefangenschaft in einem sibirischen Lager einen neuen Partner gesucht hat. Zudem starb sein Sohn. Beckmann sieht in seiner Verzweiflung den Suizid als einzigen Ausweg. Doch kurz bevor er sich dem Wasser übergibt, trifft er am Ufer der Elbe auf Anna Gehrke (gespielt von Hilde Krahl). Auch sie plante, sich das Leben zu nehmen. Die beiden erzählen sich ihre Geschichte.

Premierenankündigung für den Erfolgsfilm "Liebe 47"

"Fanfare gegen Krieg und Unmenschlichkeit"

Liebe 47: Premiere vor 60 Jahren begründet Ruf Göttingens als "Aushängeschild des deutschen Films"

Heute vor exakt 60 Jahren wurde Göttingen als Filmstadt bekannt - mit der Uraufführung des Films "Liebe 47", der ersten Produktion der Göttinger Filmaufbau.

Von Matthias Heinzel

Göttingen. "Der größte Erfolg seit der Währungsreform" sei die Uraufführung am 7. März 1949 gewesen, teilte das Capitol mit, in dem "Liebe 47" das erste Mal gezeigt worden war: Ein guter Start für die kurz zuvor gegründete Göttinger Filmaufbau GmbH.

Dabei gestalteten sich Produktion und Dreharbeiten als schwieriger als erwartet. Zum einen wollten die Gründer der Filmaufbau, Hans Abich und Rolf Thiele, als Regisseur und Drehbuchautor gerne Wolfgang Liebeneiner verpflichten. Das aber ging nicht, weil Liebeneiner als ehemaliger Leiter der Reichsfilmakademie zunächst nicht arbeiten durfte. Für ihn traten einflussreiche Fürsprecher ein - darunter die jüdische Theaterintendantin Ida Ehre. Außerdem wurde erst das dritte eingereichte Drehbuch von der britischen Film Section zugelassen, die damals über die politische Korrektheit des neuen deutschen Kulturschaffens wachte. Im August 1948 schließlich konnte mit den Dreharbeiten begonnen werden.

Fehlendes Fachpersonal

Damit hatten die Schwierigkeiten jedoch kein Ende. Weil wichtige Geräte ausfielen, mussten aufwendige Einzelbearbeitungen im Schneideraum vorgenommen werden, um beispielsweise Probleme beim Gleichlauf von Film und Ton im Nachhinein zu beheben. Zudem führte der Mangel an Fachpersonal dazu, dass der Produktionsetat um zehn Prozent und die veranschlagte Drehzeit um vier Wochen überschritten wurden. Die Folge: Die Uraufführung musste vom 31. Dezember 1948 auf den 7. März verschoben werden.

Die aber wurde zu einem Riesenerfolg. Der Spielfilm-Erstling von Abich und Thiele, sagt der Göttinger Heimatforscher Karl Haupt, begründete den Ruf der Filmaufbau, "Aushängeschild des deutschen Films zu sein".

"Liebe 47", 110 Minuten lang, beruht auf dem fragmentarischen Bühnenstück "Draußen vor der Tür" des Schriftstellers Wolfgang Borchert und wird daher der sogenannten Trümmerliteratur zugerechnet - mit Inge Meysel als "Betty aus Berlin" in ihrer ersten Filmrolle.

Die Handlung: Der Kriegsheimkehrer Beckmann (dargestellt von Karl John) muss feststellen, dass in den Jahren seiner sibirischen Gefangenschaft sich seine Frau Lisa (Erika Müller) einem anderen Mann zugewandt hat und sein Sohn tot ist. Als ihn die Verzweiflung packt, sieht er für sich nur noch einen Ausweg - Selbstmord. Doch am Ufer der Elbe trifft er auf Anna Gehrke (Hilde Krahl), eine Flüchtlingsfrau, die auch nicht mehr leben will. Einander erzählen sich beide ihr Schicksal. Mit dieser Wendung verleiht der Film dem tiefen Pessimismus von "Draußen vor der Tür" einen Zug von Lebensbejahung.

Begeisterte Kritiken

Die Kritik war des Lobes voll. Die Drehbuchautoren Wolfgang Liebeneiner und Kurt Joachim Fischer, schrieb "Die Zeit" am 19. Mai 1949, "haben die forschende Hintergründigkeit des Stückes vertieft und haben zugleich durch die Einführung einer weiblichen Figur als gleichstarken Partner zu dem Heimkehrer Beckmann einen Weg gezeigt, wie verlorene Menschen sich am Rande des Unterganges durch gegenseitiges Helfenwollen noch Rettung und Halt sein können. Das klingt vielleicht banal, aber es hat menschliche Größe." Vor allem die junge Hilde Krahl (1917 - 1999), Darstellerin der jungen Witwe Anna, wird gelobt: "In dieser Flüchtlingsfrau Anne", schreibt die Rezensentin weiter, "ist - wohl zum ersten Male so klar ausgeleuchtet - das Wesen und die Lage der modernen Frau umrissen, die sich selbständig gemacht hat und doch immer einem beschützten Dasein nachtrauern wird, die ,im Leben' steht und deren Seele friert." Und weiter: "Die Ereignisse der letzten Jahre haben die Frauen mehr denn zuvor gezwungen, kühl zu denken, und für Gefühl war kein Platz. Krass und überdeutlich forciert wird an dieser Anna demonstriert, wie die Seelen erstickt wurden in Blut und Tod, in Gehetztsein und Oberanstrengung, in Liebesprovisorien aus Mangel an echter Liebe, in Episoden ohne Moral… aus Selbsterhaltungstrieb." Der Film sei "eine Fanfare gegen Krieg und Unmenschlichkeit".

  • Quelle Matthias Heinzel im Göttinger Tageblatt vom 9. März 2009

Göttinger Filme der ersten Stunde

Von Nadine Eckermann

Der erste Film, der in der Göttinger Filmaufbau entstanden ist, war "Liebe 47" unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner, der gemeinsam mit Kurt-Joachim Fischer das Drehbuch verfasst hatte. Kaum war es da, war es auch schon wieder weg, denn Berichten Hans Abichs zufolge ist das Buch aus dem "Leukoplast-Volkswagen vor unserem Büro" gestohlen worden. "Wir machten ein Plakat mit Finderlohn, das war unsere erste Werbetat", schrieb er für die Broschüre 100 Jahre Kino und die Filmstadt Göttingen auf.

Das Heimkehrerdrama, dem Wolfgang Borcherts Bühnenstück "Draußen vor der Tür" zugrunde liegt, zählt zu den bedeutendsten Filmen der Nachkriegszeit, den sogenannten Trümmerfilmen. Beckmann (Karl John) kehrt nach Jahren der Gefangenschaft in Sibirien zurück. Was er erhofft, ist Geborgenheit. Was er vorfindet Frust: Seine Frau hat sich einen anderen gesucht, der Sohn ist tot. Beckmann "kann nicht mehr". Der für ihn einzige Ausweg aus diesem Leiden ist der Gang ins Wasser. Am Elbufer trifft er Anna Gehrke (Hilde Krahl), eine Witwe ebenfalls am Rande des Zusammenbruchs.

  • Quelle Nadine Eckermann im Göttinger Tageblatt vom 29. November 2008