Lindewerra

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Lindewerra
Wappen Lindewerra.png
Wappen von Lindewerra
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Eichsfeld
Schulen:
Einwohner: 257 (31. Dez. 2007)
Postleitzahl: 37318
Telefonvorwahl: 036087
Kfz-Kennzeichen: EIC
Bürgermeister: Manfred Sippel
Website: www.vg-hanstein-rusteberg.de

Lindewerra ist eine Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg im thüringischen Landkreis Eichsfeld.

Geschichte

Der wahrscheinlich bereits in der fränkischen Zeit vor 900 entstandene Ort Lindewerra wurde 1299 erstmals als „Lindenewerde“ urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich von lindenbestandenem Werder ab, und wurde erst später auf die Werra bezogen. Der Ort gehörte bis zur Säkularisation 1802 zu Kurmainz. Die Gerichtsherrschaft hatte bis 1849 die Familie von Hanstein inne. Von 1815 bis 1945 war der Ort Teil der preußischen Provinz Sachsen. 1830 brachte Wilhelm Ludwig Wagner das Stockmachergewerbe in den Ort. Dieses bestimmte von da an weitgehend das Leben im "Stockmacherdorf" Lindewerra. Der Export von Wander- und Spazier-Stöcken ging in alle Welt. Es entwickelte sich ein lebhaftes Vereinsleben im Ort, bei dem der Männergesangverein eine besondere Rolle spielte. 1900/1901 wurde eine schöne sechsbogige Sandsteinbrücke über die Werra gebaut. Lindewerra -gelegen an der Werra-Schleife, am Fuß von Teufelskanzel und Burg Hanstein- entwickelte sich zur "Sommerfrische" und wurde auch von Göttinger Studenten regelmäßig zu Feiern besucht. Während des Rückzugs der Wehrmacht wurde am 8. April 1945 der Mittelteil der Werra-Brücke gesprengt. Der Ort wurde von US-Truppen besetzt und kam Anfang Juli zur Sowjetischen Besatzungszone. Direkt neben dem Dorf, in Fluß-Mitte, verlief von da an die Zonengrenze, ab 1949 die Staatsgrenze der DDR. Daher wurde auch die Werrabrücke nicht wieder aufgebaut. Bis 1952 durften die Menschen noch auf einer Fähre zu ihren Feldern auf der anderen Flußseite. Dann wurde das Grenzregime verschärft und alteingesessene Familien wurden ausgewiesen. Die 1961 und noch bis 1987 laufend verstärkten Grenzanlagen -auf dem erhaltenen östlichen Brückenkopf stand ein Wachtturm- riegelten den Ort hermetisch ab. Er durfte nur mit Sondergenehmigung von zuverlässigen Personen aus der DDR besucht werden. Die Grenzöffnung im November 1989 war eine Erlösung für die Bevölkerung. Diese begann schon selbst mit dem Abbau der Grenzanlagen, bevor diese im März 1990 durch NVA systematisch beseitigt wurden. 1993 fielen die letzten Reste, der "Wiederaufbau" eines kurzen Stücks Grenzzaun als Denkmal ist geplant. Seit 1990 gehört Lindewerra im Eichsfeldkreis zum Land/Freistaat Thüringen. 1991 begann die dringend notwendige Sanierung der Dorfkirche, der Dorfanger wurde neu gestaltet und die Restaurierung der schönen Fachwerkhäuser gefördert. Viele waren aber den Grenzanlagen oder der Vernachlässigung zum Opfer gefallen. Eine Bürgerinitiative kämpfte für den Wiederaufbau der Werra-Brücke mit Erhalt des historischen Teils. Die restaurierten Brückenköpfe wurden durch ein Stahlsegment verbunden und 1999 konnte anlässlich der 700-Jahr-Feier des Ortes die Werra-Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Lindewerra liegt in einem reizvollen Wandergebiet, am Werra-Radweg und die Werra ist hier für Kanus schiffbar.

Schon der Kreisrichter Theodor Storm aus Heiligenstadt, der später als Literat bekannt wurde, wanderte im Mai 1857 mit seiner Familie und Freunden von Lindewerra auf die Teufelskanzel. Der Weg heißt heute Storm-Weg.

Weblinks