Lokhalle

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Lokhalle aus der Luft
(selber fliegen?)

Die Lokhalle ist ein im Otto-Hahn-Zentrum westlich der Innenstadt liegendes Industriedenkmal, das 1920 errichtet wurde.

Benutzung

Sie wird aufgrund des großen Platzangebotes von 8.400 m² sowie einer Platzkapazität von 10.000 Steh- oder 3.600 Sitzplätzen gerne für Veranstaltungen in Göttingen benutzt, da sie eine der größten Hallen der Region ist. Die Lokhalle ist ein historisches Industriedenkmal am Göttinger Bahnhof. Heute befindet sich in dem als Veranstaltungs- und Tagungsort genutzten Gebäude mit 5.400 m² Veranstaltungs- und 3.000 m² Foyerfläche unter anderem ein Kino. Ursprünglich befand sich dort seit 1855 ein Eisenbahnausbesserungswerk. Nachdem dieses 1976 geschlossen wurde, war das Gelände zunächst für zwei Jahrzehnte dem Verfall freigegeben. Obwohl die Lokhalle 1981 in die vorläufige Liste der Baudenkmäler durch das niedersächsische Institut für Baudenkmalpflege aufgenommen wurde, fand sich zunächst keine Nachnutzung. Erst ab 1993 wurden die Pläne für die Hallennutzung als Veranstaltungsgelände konkreter. Das Multiplexkino im nördlichen Teil der Anlage wurde 1996 eröffnet, die Veranstaltungsfläche im südlichen Bereich der Lokhalle eröffnete im Dezember 1998.

Das Team des Lokhallen-Betreibers GWG (Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung) sorgt mit einem Sound- und Licht-Konzept für eine Flut von Sinneseindrücken.

Dass jedoch überhaupt wieder Leben in die 1920 erbaute, 161 Meter lange, 106 Meter breite und zwölf Meter hohe Lokrichthalle gekommen ist, war lange Zeit nicht absehbar. Nach der Werksschließung 1976 stand das Industrie-Denkmal mehr als 20 Jahre lang leer und verfiel zusehends. Es gab zwar engagierte Pläne – allen voran von Architekt Jochen Brandi –, doch die Konzepte zum Umbau der zum Politikum und städtebaulichen Zankapfel gewordenen Lokhalle scheiterten meistens an konkreten Finanzierungsmodellen. Ende der 90er Jahre ging dann aber alles recht schnell. Mit der Erstellung eines Masterplans der US-amerikanischen Architekten Moore, Ruble und Yudell, der nicht mehr die Nutzung der Halle, sondern die Entwicklung des ganzen Bahnhofs-areals vorsah, begann die Umbauphase. Im Februar 1999 folgte dann nach nur achtmonatigen Sanierungsarbeiten die Eröffnungsfeier der imponierenden Multifunktionsarena.

Geschichte

Historisches Luftbild
Lokhalle vor der Renovierung
  • 1855: In Göttingen gibt es nun ein "Eisenbahnausbesserungswerk".
  • 1920: Fertigstellung der Lokhalle.
  • 1976: Schließung des Ausbesserungswerkes.
  • 1981: Die Lokhalle wird vom Niedersächsischen Institut für Baudenkmalpflege in die vorläufige Liste der Baudenkmäler aufgenommen.
  • 1983: Die Lokhalle wird an Bauunternehmer Ebel verkauft.
  • 1984: Ebel lässt alle Nebengebäude abreißen.
  • 1987: Die Stadt Göttingen kauft das Gelände zwischen Bahnhof und Leine.
  • 1992: Der Rat der Stadt beschließt das Gelände "zu einem eigenständigen, vitalen, städtischen Bereich mit attraktiven, öffentlich ausstrahlenden Nutzungen zu entwickeln".
  • 1994: Ein Otto-Hahn-Zentrum wird geplant.
  • 1995: Das Gelände wird an die GWG übertragen.
  • 1998: Sanierung der Lokhalle und Eröffnung mit 5.400 m² Veranstaltungsfläche und 3.000 m² Foyerfläche.
  • 2008: 10 Jahre "neue" Lokhalle Göttingen

Heutige Nutzung

Eiszeit in der Lokhalle


Künstler auf Tournee benutzen, wenn sie mit Göttingen besuchen, die Lokhalle für Veranstaltungen (siehe Links: "Programm").

Auch Pop meets Classic findet jährlich in der Lokhalle statt.

Auch sahen hier im Sommer 2006 Tausende von Fußballfans die Spiele der Weltmeisterschaft. 2006 wurden insgesamt 260.670 Besucher in der Lokhalle gezählt.

Ebenfalls werden die Herren der BG 74 ihre Erstliga-Heimspiele ab der Saison 2007/2008 in der Lokhalle austragen. Grund für den Wechsel ist die Anforderung, in der Basketball-Bundesliga mindestens 3.000 Zuschauern Platz zu bieten. Die Spielstätten Godehardhalle bzw. FKG-Halle erfüllen diese Anforderung nicht.

Während der kalten Monate ist hier die sogenannte "Eiszeit" untergebracht, eine Schlittschuhbahn.

Am 21. November 2009 wurde das 10-Jährige Bestehen der Lokhalle mit einer großen Party gefeiert.

10-Jahres-Feier: Lokhalle wird zur Großraumdisko.

Stars und Hightech hinter alten Industriemauern

Monster-Kranhaken im Lokhallen-Foyer: Alexander Konrad erklärt der Besuchergruppe die Vorgeschichte der Event-Halle.
Auf Entdeckungstour in der Göttinger Lokhalle: Moderne Technik verdunkelt in minutenschnelle das imposante Industriedenkmal.

Aus der halbzerfallenen ehemaligen Lokrichthalle am Göttinger Bahnhof ist ein modernes Veranstaltungszentrum geworden. Hinter den Kulissen der Lokhallenbühne und der Cinemaxx-Kinos gibt es viel Interessantes zu entdecken. Gerald Kräft und Christoph Mischke (Fotos) sind auf Entdeckertour gegangen.

In einer Stadt, die Wissen schafft, gibt es genügend Neugierige, die gerne auf Entdeckertour gehen und Blicke auch hinter die Kulissen werfen wollen. Die Lokhalle, das imposante Industriedenkmal am Bahnhof, bietet sich dafür geradezu an. Die geführte Tour durch das ehemalige Ausbesserungswerk der Bahn ist ausgebucht. Angeregt durch einen Tageblatt-Bericht über die Entdeckertouren des Tourismus-Verbandes stoßen noch zwei Göttinger dazu. „Ich habe es gestern in der Zeitung gelesen und mich spontan entschieden“, sagt Werner Grübl. „So eine Gelegenheit gibt es ja sonst nicht.“ Die Halle ist fast gänzlich leer. Die riesigen Dimensionen sind nicht durch Bühnenbauten oder Raumteiler verdeckt. Allein das Foyer, in dem im Winter die Eisbahn steht, ist 3000 Quadratmeter groß, die Halle selbst 5400 Quadratmeter. Mitarbeiter schrauben fast verloren in der Hallenmitte am Mobiliar. Scheinwerferbatterien liegen am Boden. Die Sommerpause bietet Gelegenheit, die moderne Technik zu warten und Reparaturen auszuführen. Durch die alten Tore, durch die früher Lokomotiven in die Halle fuhren, können jetzt mit Bühnenausstattung beladene Lastwagen fahren. Die verdeckten Arbeitsgruben führen jetzt Wärme und Frischluft in die Halle. Mächtige Eisenstreben halten die Decke, und ein überdimensionierter Kranhaken hängt an Laufrädern. „Keine Attrappe, alles echt“, versichert GWG-Projektleiter Kai Ahlborn. „Nur die blauen Träger sind nachträglich eingebaut worden.“ Selbst bei 40 Tonnen Schneelast können noch 20 Tonnen Last an die Decke gehängt werden. Die Kinderschar aus Holzminden staunt. Im Ferienprogramm besuchen sie Göttingen. „Das Gänseliesel müssen wir mindestens noch anschauen“, sagt Betreuerin Angela Lechte. Wo ist Ottos Garderobe? „Generell ist hier alles möglich“, sagt Ahlborn. Nicht nur Musikveranstaltungen, Messen und Tagungen finden statt, sondern auch Firmenfeiern, Basketball- und Fußballspiele. „In zwei Minuten können wir die Halle in eine Black Box verwandeln, alles ist komplett dunkel“, erklärt der technische Leiter Uwe Süssmeyer seine Möglichkeiten. Die Verdunkelung wird heruntergefahren und nur ein Lichtstrahl aus dem mittleren Dachsegment dringt in die Halle. Jan-Hendrick Racke ruht sich einen Moment auf einem Sofa in der Ecke aus. Vielleicht hat ja hier auch Thomas Gottschalk vor seinem „Wetten, das“-Auftritt gesessen. Die Besuchergruppe kann auch den normalerweise verdeckten Künstlersteg betreten. Von dort kommen die Stars auf die Bühne. „Wo ist Ottos Garderobe?“ Diese Frage kann Ahlborn nicht beantworten. Dafür weiß er, was Künstler normalerweise für ihren Rückzugsbereich ordern – einen Ganzkörperspiegel, ein paar Bananen und Wasserflaschen. An der Solokünstler-Garderobe im Südflügel hängt noch das Schild von Michael Mittermeier. Der bayerische Comedy-Star benötigte offenbar ein Bügelbrett, wozu auch immer.

Räumlichkeiten

Die Lokhalle teilt sich in 2 eigentliche Hallen auf

Halle 1

Die Halle 1 bietet 10.000 Zuschauern auf 5.400 m² Platz; Die Halle ist 17 Meter (innen) hoch.

Halle 2

In der Halle 2 können 1.200 Zuschauer auf Sitzplätzen, 2.000 im Stehen untergebracht werden. Die Halle verfügt über 3.000 m².

Sonstige Räume

Es gibt zahlreiche Nebenräume, u.a. ein "Catering-Raum" sowie 9 Künstlergarderoben. Auch ausreichend Sanitäranlagen sind vorhanden.

GWG plant, Lokhalle auszubauen

Baupläne für Lokhalle: An der Westseite sollen Gebäude errichtet werden, um auch kleinere Tagungsräume bieten zu können.
Lokhallen-Westseite: Pläne für zwei neue Gebäude.

Die Lokhalle stößt langsam an ihre Kapazitätsgrenzen. Die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft GWG schmiedet Pläne für eine Erweiterung. Zwei neue Gebäude sollen fehlende kleinere Veranstaltungsräume ermöglichen, um die wachsende Nachfrage im Bereich Messen und Firmenveranstaltungen zu bedienen.

Die GWG plant, hinter der Lokhallen-Westseite zwei neue Gebäude zu errichten, angelehnt an die städtebauliche Studie des Architekten Jochen Brandi. Ein zentrales Hochlager und ein Gebäude für Seminar- und Büroräume, soll Bereiche für kleinere Tagungsräume in der Lokhalle frei machen.

Die Tagungsfähigkeit und die Kapazität würde dadurch gestärkt, sagt GWG-Geschäftsführer Klaus Hoffmann. Noch sei man in den Anfängen, die GWG arbeite an Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Durch ein neues Lager könne auch die Veranstaltungslogistik verbessert werden. Kleinere Veranstaltungsräume könnten in den bislang als Lager genutzten Bereichen eingerichtet werden. Hoffmann verweist auf den wachsenden Markt für Messen und Firmenveranstaltungen. Dort gebe es noch Wachstumspotenziale. Eine Stärkung der Lokhalle betreffe auch den Standort Göttingen insgesamt. Mehr Flexibilität sei nötig, um sich im Veranstaltungsmarkt unter den großen Anbietern behaupten zu können. Auch wenn die Lokhalle ein einzigartiger Veranstaltungsort sei, beispielsweise durch den ICE-Halt direkt nebenan.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Netto-Veranstaltungstage um mehr als 50 Prozent auf 90 gestiegen – noch ohne die BG-Basketballspiele. 115 Aufbautage waren notwendig. Die Veranstaltungsfrequenz kann aus Sicht Hoffmanns noch erhöht werden. Eine Klimaanlage fehlt und Rauchern können bislang nur mobile Container angeboten werden. Um Göttingen als Tagungs- und Kongressregion zu vermarkten, wurde bereits Anfang des Jahres die gemeinsame Initiative „Meetings, Incentives, Congress, Events“ von Göttingen Tourismus, Hotel Freizeit In, Lokhalle und dem Gräflichen Landsitz Hardenberg gestartet.


Verein Stadt und Planung kritisiert Erweiterungsentwurf

Auf der Westseite der Lokhalle: Lagerfläche und Parkplatz. Künftig soll hier die Lokhalle erweitert werden, um den gestiegenen Buchungsanfragen nachzukommen.

Der Verein Stadt und Planung sorgt sich um den Denkmalschutz für die Lokhalle. Fünf Monate nachdem die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG) Entwürfe für eine künftige Erweiterung der größten Göttinger Veranstaltungshalle vorgelegt hat, hagelt es vom Verein Kritik an den Plänen.

„Baudenkmäler müssen auch von außen erlebbar sein“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Er fordert deshalb „eine Neuplanung für einen Lokhallenanbau, der den Denkmalcharakter respektiert und den Leineauenpark mit einbezieht“, heißt in einer aktuellen Pressemitteilung des Vereins.

Durch den Siegerentwurf eines Gestaltungswettbewerbes, bei dem das Berliner Architektenbüro Anderhalten die Jury überzeugte, wäre das „imposante Gebäude“ fast nur noch von innen her erlebbar. „Der geplante Schuhkarton weist mit der Verwendung einer Betonfertigteilfassade auf der gesamten Länge einen der Lokhalle nicht angemessenen, monotonen Charakter auf. Die Gestaltung und Länge des Baukörpers wirken trennend und abweisend in Richtung Leineaue und Weststadt“, argumentiert der Verein. Das Vorgehen von Stadt und GWG stehe damit in der „bewährten“ Tradition, „mit der historischen Bausubstanz trotz vollmundiger Ankündigungen beliebig und unsorgfältig umzugehen“.

Die Stadt reagiert derweil gelassen auf die Kritik: „Wir haben keine Sorgen wegen des Denkmalschutzes der Lokhalle. Das liegt vor allem daran, dass das Verfahren wegen der Denkmalschutzbelange hervorragend vorbereitet war“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. GWG-Chef Klaus Hoffmann verweist dabei auf einen Vorentwurf des Braunschweiger Architekten Uwe Kleineberg, der bereits am Umbau der Lokhalle beteiligt war.

Johannson betont die „einstimmige Entscheidung des Preisgerichts“ zu den Anbauplänen. Dort sei die Stadt durch Stadtbaurat Thomas Dienberg vertreten gewesen, zudem gehörten auch Manfred Hegger aus Kassel, „ein absoluter Experte im Umgang mit Baudenkmalen“ und der Göttinger Architekt Jochen Schwieger der Jury an. Ein „höchst engagierter Verfechter von Baukultur und Denkmalschutz, nicht nur in unserer Stadt“, sagt Johannson. Die Erweiterung der Lokhalle setze in der Leineauc „einen baulichen Impuls, ohne das Baudenkmal zu verstecken“.

„Dass die Lösung nicht jedem gefällt, ist klar“, sagt Hoffmann. Die GWG könne mit dem Entwurf aber sehr gut leben. Sie sei „klar, modern“ und für einen klassischen Industriebau wie die Lokhalle „absolut angemessen“. Die Behauptung, Belange des Denkmalschutzes würden ignoriert, nennt Hoffmann „unsäglich“. Zumal die „Crème de la Crème“ an Denkmalschutzexperten beteiligt gewesen sei.

Einen Zeitplan, wann an der Lokhalle angebaut wird, gibt es nach Hoffmanns Angaben noch nicht. Zunächst werde der Markt für zusätzliche und größere Veranstaltungsflächen geprüft. Ebenso wenig stehe fest, wie teuer die geplante Erweiterung werde.

Quelle: Artikel von Michael Brakemeier im Göttinger Tageblatt vom 13. September 2012.

Foto von Swen Pförtner, erschienen im Göttinger Tageblatt vom 13. September 2012.

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