Lutz Kobes

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die bei ihm verbleibenden Exemplare seiner Sammlung: Lutz Kobes und ein Kasten voller Falter.

Der emeritierte Professor Lutz Kobes lebt in Geismar. Der 77-Jährige sammelt seit seiner Jugend Schmetterlinge – und stiftet nun seine Sammlung von Nachtfaltern der Zoologischen Staatssammlung in München.

Schon als vierjähriger Junge ging Lutz Kobes mit der Botanisierungstrommel – einer Blechbüchse mit Deckel – durch den Garten seiner Familie in Crimmitschau (Sachsen) und sammelte alles ein, was ihn interessierte. Damals erwachte seine Liebe zu den Schmetterlingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie ins bayerische Augsburg und Kobes wieder in die Natur, um Falter zu sammeln. Er studierte Zahnmedizin in Erlangen, promovierte und erhielt 1973 den Ruf nach Göttingen. Von 1982 bis 1986 war er Leiter des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Göttingen.

Trotzdem fand er immer genug Zeit für sein Hobby. Und in seinem Haus auch genug Platz: Zwei ganze Räume sind den Schmetterlingen gewidmet. Die Bibliothek enthält immer noch Werke über Falter, Kobes nennt sie liebevoll „Viecher“, in der ganzen Welt. Auch die Bestimmungsbände der von Kobes und den bis zu seinem Tod 2003 auf Sumatra lebenden Arzt Edi Diehl gegründeten Gesellschaft „Heterocera Sumatrana Society“, in deren Rahmen tausende von Schmetterlingen der Insel gesammelt, präpariert und bestimmt wurden, stehen dort. Im anderen Raum finden sich noch die Reste seiner Sammlung an Schmetterlingen. An die 50 000, fein aufgespießt in Kästen, waren es einmal.

„Ich lebe an der Toleranzgrenze“, erzählt Kobes und lacht laut auf. Diese Grenze abgesteckt hat seine Frau Gerta. Seit über 50 Jahren sind die beiden verheiratet, haben vier Söhne großgezogen, doch seine Leidenschaft für das Sammeln hat sie nie geteilt. „Aber eben toleriert“, sagt Kobes. Selbst wenn mal die Raupen der Züchtungen an unerwünschten Orten im Haus herumkrabbeln. „Da darf man eben nicht zimperlich sein“, meint er. Zudem seien einige Raupen „wunderschön“. Seine Frau schmunzelt.

Dank seines Hobbys hat Kobes Freundschaften mit Menschen in aller Welt geschlossen und erhielt sogar ein Arbeitszimmer im Natural History Museum in London, um seine Falter zu untersuchen. Die Landwirtschaftliche Fakultät im türkischen Izmir bat ihn einmal, einen Falter zu bestimmen, der es auf die Artischockenernte abgesehen hatte. Kobes stellte fest, dass es ein Schädling aus der Ukraine war, und gab Tipps, wie man ihn aufhalten könne. Und er steht immer noch in Kontakt zu anderen Sammlern und Museen. Artenbestimmung ist Umweltschutz, ist sich Kobes sicher. „Ich war nie daran interessiert, die Falter aufgespießt im Kasten zu haben“, sagt der 77-Jährige. Im Idealfall fängt er sie, betäubt sie mit Zyankali – „was die Tiere im Gegensatz zu Menschen sehr gut vertragen“, – lässt sie Eier ablegen, weiterfliegen und „kümmert sich um den Nachwuchs“. Und er freut sich, wenn er Falter sichtet, die eigentlich schon als ausgestorben gelten.

An die 130 neue Arten hat Kobes entdeckt und einige Dutzend Nachtfalter, wie zum Beispiel der „Alcis lutzi“, wurden sogar nach ihm benannt. Er selbst hat einen von ihm auf Sumatra neu entdeckten Falter auf Wunsch eines Freundes nach Ernst Jünger benannt: den Earias juengeriana. Der Schriftsteller, selbst ein passionierter Käfersammler, bedanke sich seinerseits mit Erwähnung Kobes in seinem Tagebuch „Zwei Mal Halley“.

Seine Sammlung von Nachtfaltern der Familie der Eulenfalter hat Kobes nun der Zoologischen Staatssammlung München gestiftet. Dafür erhielt er die Ritter-von-Spix-Medaille. Mehr als darüber freut er sich jedoch, dass die Sammlung jetzt öffentlich zugänglich ist und sich „noch andere an den Kästen voller unbestimmter Falter austoben können“.

Ganz trennen kann sich Kobes von seinen Viechern aber auch nicht: Einige hat er noch zuhause „um sich genussvoll zu entwöhnen“. Doch es ist „absehbar, dass es einmal zu Ende geht“ mit seinem Hobby: Kobes Augen sind nicht mehr so gut wie früher. Er wurde auch schon operiert, das schuf etwas Abhilfe. Bei dem Augenarzt bedankte Kobes sich auf seine Art: Er benannte einen Nachtfalter nach ihm.