Manfred Eigen

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Manfred Eigen
Porträt aus dem Göttinger Ratssaal

Manfred Eigen ist ein in Göttingen lebender Chemie-Nobelpreisträger und Ehrenbürger der Stadt Göttingen.

Manfred Eigen, deutscher Physiko-Chemiker und Molekularbiologe, erhält den Nobelpreis für Chemie 1967 zusammen mit Ronald Norrish und George Porter. Die Begründung der Jury: „… für ihre Untersuchungen äußerst schneller chemischer Reaktionen, verursacht durch die Störung des Gleichgewichts durch sehr kurze Energieimpulse“.

Eigen, geboren am 9. Mai 1927 in Bochum als Sohn eines Musikers, will nach dem Vorbild des Vaters zunächst Pianist werden. Doch dann studiert er von 1945 bis 1950 in Göttingen Physik und physikalische Chemie und promoviert 1951 zum Doktor der Naturwissenschaften.

Von 1951 bis 1953 ist er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Physikalische Chemie der Universität, danach am Max-Planck-Institut für Physikalische Chemie, wo er 1958 zum Wissenschaftlichen Mitglied ernannt wird. 1962 ist Eigen hier Leiter der Abteilung für Chemische Kinetik und seit 1964 Direktor dieses Institutes. Seit 1985 leitet er das MPI für Biophysikalische Chemie in Göttingen.

Manfred Eigen hat die Relaxationsmethoden zur Untersuchung schneller Reaktionen im Nanosekundenbereich entwickelt. Diesen Verfahren ist gemeinsam, dass ein im chemischen Gleichgewicht befindliches System durch einzelne (Druck, Temperatur, elektromagnetisches Feld) oder periodische (Schallwellen) schnelle Einwirkungen von außen gestört wird. Es treten dann kleine Konzentrationsänderungen ein, die (infolge ihrer Kleinheit vergleichsweise langsam) bis zum ursprünglichen Gleichgewichtszustand zurückgebildet werden. Diese Relaxationsmessungen hat Eigen zu unübertroffener Meisterschaft entwickelt und damit wichtige Fragen der Biochemie wie der Steuerung von Enzymaktivitäten geklärt – die wiederum viele Stoffwechselvorgänge in der Zelle regelt.

Eigen entwickelte später eine Theorie der präbiologischen Evolution, die sich vor allem auf eine Erklärung der Entstehung von Informationen von sich selbst organisierenden Systemen konzentriert. Diese Koppelung von Eiweißmolekülen und Nukleinsäuren betrachtet Eigen als den Ursprung des Lebens. Er betont, dass mit seinen Untersuchungen den Biologen gezeigt werden soll, dass Lebensvorgänge von physikalischen Prinzipien kontrolliert werden, die sich einer quantitativen Formulierung nicht entziehen.

In neuerer Zeit gilt Eigens Interesse einer technologischen Nutzung der Evolutionsidee. In der von ihm entwickelten Evolutionsmaschine werden neue Wirkstoffe nach den Prinzipien der biologischen Evolution optimal an ihre Funktion angepasst. Neue Verfahren wurden entwickelt, mit deren Hilfe sich einzelne Moleküle nachweisen lassen. Anwendungen befassen sich mit dem molekularen Nachweis von Viren und Prionen sowie mit einer molekularen Diagnostik der Alzheimerschen Krankheit.

Zu seinen zahlreichen und allgemeinverständlich formulierten Büchern gehören „Das Spiel. Naturgesetze steuern den Zufall“ sowie „Stufen zum Leben“, erschienen 1987, in dem er eine systematische molekularbiologische Rekonstruktion der Evolution vornimmt. Eigen war von 1982 bis 1993 Präsident der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 14 Ehrendoktorate, die Mitgliedschaften in vielen in- und ausländischen Akademien sowie zahlreiche Preise und Medaillen wurden ihm für sein Lebenswerk zuteil. Im August 2002 verlieh ihm der Rat der Stadt Göttingen die Ehrenbürgerschaft.

„Serial Transfer“: Mit der weltweit ersten automatischen Evolutionsmaschine lassen sich die bei der natürlichen Evolution über Jahrmillionen verlaufenden Anpassungen molekularer Strukturen an bestimmte Funktionen im Zeitraffer vollziehen.

Tabellarischer Lebenslauf

  • 1927: Geboren am 9. Mai in Bochum
  • 1944: Abitur
  • 1953: Beginn der Arbeit am Max-Planck-Institut für physikalische Chemie
  • 1957: Berufung zum Direktor des Instituts
  • 1962: Verleihung des "Otto-Hahn-Preises für Physik und Chemie" an Eigen
  • 1967: Zusammen mit Ronald Norrish und George Porter wird Eigen der Chemie-Nobelpreis für die "Untersuchungen äußerst schneller chemischer Reaktionen, verursacht durch die Störung des Gleichgewichts durch sehr kurze Energieimpulse" verliehen
  • 1976: Eigen wird Mitglied der "Russischen Akademie der Wissenschaften"
  • 1994: Verleihung der "Heimholtz-Medaille" durch die "Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften"
  • 2001: Eigen wird Ehrenmitglied der Ruhr-Universität Bochum
  • 2002: Eigen wird Ehrenbürger der Stadt Göttingen

Links

Eigens Homepage am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie


Literatur

Stein, Ilse: Die Evolutions-Maschine. Göttinger Tageblatt, 12. September 2002.


Video

Manfred Eigen zu seinem wissenschaftlichen Werdegang und seinen Forschungen - Aufnahmen aus den Jahren 1981-1986 Informationen
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Autor: Stephan Dolezel (Bearb.)
Hersteller: IWF Göttingen
Produktion: 1981-1986
Länge: 33:45 min
Beschreibung: Von der Musik zur Physik und Chemie - -Unmeßbar schnelle Reaktionenì - Relaxationsverfahren - Nobelpreis; Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen - Fragen nach der Selbstorganisation chemischer Systeme - Richtig/falsch, wahr/unwahr in den Naturwissenschaften. Mit Aufnahmen einer Schallplattenaufzeichnung, eines öffentlichen Vortrags, einer Diskussion mit Hans Frauenfelder, Hermann Haken und Peter Schuster sowie persönlichen Statements.