Martinskirche Lenglern: Unterschied zwischen den Versionen

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===Aus der mittelalterlichen Kirchengeschichte===
 
===Aus der mittelalterlichen Kirchengeschichte===
  
Den Anlaß zu r Gründung der Lenglerner Martinskirche hat wahrscheinlich der Burgsitzhof gegeben. Zur geistlichen Versorgung seiner Bewohner und derzugehörigen Kötner ist sie in dessen Nähe errichtet worden. Das Martinspatrozinium ist mit dem des Erzpriestersitzes Nörten, zu dem Lenglern gehörte, gleich. Das Kapitel der Nörtener Kirche hatte drei Vorwerke in Lenglern, und es ist deshalb auch möglich, daß die Lenglerner Kirche von Nörten aus gegründet und dem Titelheiligen der Mutterkirche geweiht ist.
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Den Anlaß zur Gründung der Lenglerner Martinskirche hat wahrscheinlich der Burgsitzhof gegeben. Zur geistlichen Versorgung seiner Bewohner und derzugehörigen Kötner ist sie in dessen Nähe errichtet worden. Das Martinspatrozinium ist mit dem des Erzpriestersitzes Nörten, zu dem Lenglern gehörte, gleich. Das Kapitel der Nörtener Kirche hatte drei Vorwerke in Lenglern, und es ist deshalb auch möglich, daß die Lenglerner Kirche von Nörten aus gegründet und dem Titelheiligen der Mutterkirche geweiht ist.
  
 
Neben der Kirche des Oberdorfes gab es noch eine Kirche im Unterdorf, die an der Niederen Kirchstraße zwischen den Häusern Nr. 4 und 8 lag. Sie war dem Heiligen Laurentius geweiht. Das Patronatsrecht soll das St. Blasienkloster in Northeim gehabt haben. Von den alten Kirchen sind nur zwei Inschriftsteine der unteren Kirche auf uns gekommen. Sie sind nach deren Abbruch neben dem Turmportal der neu erbauten oberen Kirche eingesetzt worden. Die Inschriften berichten über die Anlage eines Chores im Jahre 1515 und nennen die Patronatsheiligen St. Laurentius und St. Ebba sowie die Namen des damaligen Pfarrers, der Kirchenältesten und des Opfermanns.
 
Neben der Kirche des Oberdorfes gab es noch eine Kirche im Unterdorf, die an der Niederen Kirchstraße zwischen den Häusern Nr. 4 und 8 lag. Sie war dem Heiligen Laurentius geweiht. Das Patronatsrecht soll das St. Blasienkloster in Northeim gehabt haben. Von den alten Kirchen sind nur zwei Inschriftsteine der unteren Kirche auf uns gekommen. Sie sind nach deren Abbruch neben dem Turmportal der neu erbauten oberen Kirche eingesetzt worden. Die Inschriften berichten über die Anlage eines Chores im Jahre 1515 und nennen die Patronatsheiligen St. Laurentius und St. Ebba sowie die Namen des damaligen Pfarrers, der Kirchenältesten und des Opfermanns.
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Die noch aus dem Mittelalter stammenden Kirchen waren schließlich so baufällig geworden, daß man die Laurentiuskirche ab 1728 nicht mehr benutzen konnte. Auch für die Martinskirche lohnte sich keine Erneuerung mhr; sie wurde deshalb 1754 abgebrochen. Der Gottesdienst fand in einer Scheune statt, und die Glocken erhielten ihren Platz auf dem Tie.
 
Die noch aus dem Mittelalter stammenden Kirchen waren schließlich so baufällig geworden, daß man die Laurentiuskirche ab 1728 nicht mehr benutzen konnte. Auch für die Martinskirche lohnte sich keine Erneuerung mhr; sie wurde deshalb 1754 abgebrochen. Der Gottesdienst fand in einer Scheune statt, und die Glocken erhielten ihren Platz auf dem Tie.
  
Nach 26 Jahren begann man mit einem Neubau nach dem Entwurf und unter der Leitung des Pastors Stollberg aus Obernjesa. Obwohl nach dem Urteil des damaligen Amtmanns die Gemeinde Lenglern "die bei weitem wohlhabendste" im Amte Harste war, weigerten sich doch die meisten Gemeindemitglieder, die gesetzlichen Zuschüsse zum Kirchenbau zu leisten. Die Hartnäckigsten bequemten sich erst zur Zahlung, als ihnen mit dem "Hundeloch" (Gefängnis)auf dem Amt Harste gedroht worden war. Die Hauptkosten des Baues, die mit 2100 Talern veranschlagt waren, trug die Kirche. Die Lenglerner Ackerleute leisteten dazu insgesamt 450 Tage Spanndienste und die Kötner 1730 Tage Handdienste. Die Kirche wurde entgegen der üblicher Anordnung von Nord nach Süd ausgerichtet. Ihr Inneres sollte nach der Auffassung der damaligen Zeit vor allem Predigtraum sein. Darum nimmt die Kanzel über dem Altar einen zentralen Platz ein. Auch die Altarwand hat Pastor Stollberg entworfen. Die Bildhauerarbeiten fertigte Heinr. Christ. Schrader aus Göttingen an. Die feierliche Einweihung der Kirche fand am 4. Juli 1784 statt. Gegenüber dem Kanzelaltar wurde 1795 eine Orgel gebaut, deren Anschaffung besonders durch eine Stiftung der Sophie Christine Klages möglich geworden war. Diese Orgel, von Stephan Heeren aus Gottsbühren erbaut, ist ein gutes Werk ihrer Zeit und steht heute unter Denkmalschutz. In der Turmwand wurden die oben schon genannten Inschriftsteine der unteren Kirche eingemauert. Die Inschrift über dem Hauptportal an der Ostseite nennt die Nahmen der am Neubau beteiligten Kirchenkommissare sowie des Pastors Baring und zitiert den Spruch: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen; Offenb. 21,3.
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Nach 26 Jahren begann man mit einem Neubau nach dem Entwurf und unter der Leitung des Pastors Stollberg aus Obernjesa. Obwohl nach dem Urteil des damaligen Amtmanns die Gemeinde Lenglern "die bei weitem wohlhabendste" im Amte Harste war, weigerten sich doch die meisten Gemeindemitglieder, die gesetzlichen Zuschüsse zum Kirchenbau zu leisten. Die Hartnäckigsten bequemten sich erst zur Zahlung, als ihnen mit dem "Hundeloch" (Gefängnis)auf dem Amt Harste gedroht worden war. Die Hauptkosten des Baues, die mit 2100 Talern veranschlagt waren, trug die Kirche. Die Lenglerner Ackerleute leisteten dazu insgesamt 450 Tage Spanndienste und die Kötner 1730 Tage Handdienste. Die Kirche wurde entgegen der üblicher Anordnung von Nord nach Süd ausgerichtet. Ihr Inneres sollte nach der Auffassung der damaligen Zeit vor allem Predigtraum sein. Darum nimmt die Kanzel über dem Altar einen zentralen Platz ein. Auch die Altarwand hat Pastor Stollberg entworfen. Die Bildhauerarbeiten fertigte Heinr. Christ. Schrader aus Göttingen an. Die feierliche Einweihung der Kirche fand am 4. Juli 1784 statt. Gegenüber dem Kanzelaltar wurde 1795 eine Orgel gebaut, deren Anschaffung besonders durch eine Stiftung der Sophie Christine Klages möglich geworden war. Diese Orgel, von Stephan Heeren aus Gottsbühren erbaut, ist ein gutes Werk ihrer Zeit und steht heute unter Denkmalschutz. In der Turmwand wurden die oben schon genannten Inschriftsteine der unteren Kirche eingemauert. Die Inschrift über dem Hauptportal an der Ostseite nennt die Nahmen der am Neubau beteiligten Kirchenkommissare sowie des Pastors [[Eberhard Johann Baring]] und zitiert den Spruch: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen; Offenb. 21,3.
  
 
==Quellen==
 
==Quellen==

Aktuelle Version vom 14. Januar 2020, 21:42 Uhr

Die Martinskirche ist eine Kirche in Lenglern.

Aus der mittelalterlichen Kirchengeschichte

Den Anlaß zur Gründung der Lenglerner Martinskirche hat wahrscheinlich der Burgsitzhof gegeben. Zur geistlichen Versorgung seiner Bewohner und derzugehörigen Kötner ist sie in dessen Nähe errichtet worden. Das Martinspatrozinium ist mit dem des Erzpriestersitzes Nörten, zu dem Lenglern gehörte, gleich. Das Kapitel der Nörtener Kirche hatte drei Vorwerke in Lenglern, und es ist deshalb auch möglich, daß die Lenglerner Kirche von Nörten aus gegründet und dem Titelheiligen der Mutterkirche geweiht ist.

Neben der Kirche des Oberdorfes gab es noch eine Kirche im Unterdorf, die an der Niederen Kirchstraße zwischen den Häusern Nr. 4 und 8 lag. Sie war dem Heiligen Laurentius geweiht. Das Patronatsrecht soll das St. Blasienkloster in Northeim gehabt haben. Von den alten Kirchen sind nur zwei Inschriftsteine der unteren Kirche auf uns gekommen. Sie sind nach deren Abbruch neben dem Turmportal der neu erbauten oberen Kirche eingesetzt worden. Die Inschriften berichten über die Anlage eines Chores im Jahre 1515 und nennen die Patronatsheiligen St. Laurentius und St. Ebba sowie die Namen des damaligen Pfarrers, der Kirchenältesten und des Opfermanns.

Im Jahre 1443 wurde die Margarethenkapelle in Holtensen von der Lenglerner Martins-Kirche abgetrennt und zur selbständigen Pfarrkirche erhoben. Nach der Reformation, die in unseren Dörfern um das Jahr 1542 einzog, hat man den Lenglerner Pastoren die Versorgung der Gemeinde Holtensen wieder übertragen, bis diese Verbindung 1974 wiederum getrennt wurde.

Der Neubau der Martinskirche

Die noch aus dem Mittelalter stammenden Kirchen waren schließlich so baufällig geworden, daß man die Laurentiuskirche ab 1728 nicht mehr benutzen konnte. Auch für die Martinskirche lohnte sich keine Erneuerung mhr; sie wurde deshalb 1754 abgebrochen. Der Gottesdienst fand in einer Scheune statt, und die Glocken erhielten ihren Platz auf dem Tie.

Nach 26 Jahren begann man mit einem Neubau nach dem Entwurf und unter der Leitung des Pastors Stollberg aus Obernjesa. Obwohl nach dem Urteil des damaligen Amtmanns die Gemeinde Lenglern "die bei weitem wohlhabendste" im Amte Harste war, weigerten sich doch die meisten Gemeindemitglieder, die gesetzlichen Zuschüsse zum Kirchenbau zu leisten. Die Hartnäckigsten bequemten sich erst zur Zahlung, als ihnen mit dem "Hundeloch" (Gefängnis)auf dem Amt Harste gedroht worden war. Die Hauptkosten des Baues, die mit 2100 Talern veranschlagt waren, trug die Kirche. Die Lenglerner Ackerleute leisteten dazu insgesamt 450 Tage Spanndienste und die Kötner 1730 Tage Handdienste. Die Kirche wurde entgegen der üblicher Anordnung von Nord nach Süd ausgerichtet. Ihr Inneres sollte nach der Auffassung der damaligen Zeit vor allem Predigtraum sein. Darum nimmt die Kanzel über dem Altar einen zentralen Platz ein. Auch die Altarwand hat Pastor Stollberg entworfen. Die Bildhauerarbeiten fertigte Heinr. Christ. Schrader aus Göttingen an. Die feierliche Einweihung der Kirche fand am 4. Juli 1784 statt. Gegenüber dem Kanzelaltar wurde 1795 eine Orgel gebaut, deren Anschaffung besonders durch eine Stiftung der Sophie Christine Klages möglich geworden war. Diese Orgel, von Stephan Heeren aus Gottsbühren erbaut, ist ein gutes Werk ihrer Zeit und steht heute unter Denkmalschutz. In der Turmwand wurden die oben schon genannten Inschriftsteine der unteren Kirche eingemauert. Die Inschrift über dem Hauptportal an der Ostseite nennt die Nahmen der am Neubau beteiligten Kirchenkommissare sowie des Pastors Eberhard Johann Baring und zitiert den Spruch: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen; Offenb. 21,3.

Quellen

Aus " 1025 Jahre Lenglern ein Dorf verändert sich", "Die Geschichte des Dorfes Lenglern" Karl Heinz Bielefeld, ehem.Ortsheimatpfleger und ehem. Lehrer in Lenglern.


Neue Glocke

Noch in der Kirche: die neue Glocke vor dem Einbau.

Fast zwei Jahre lang mussten die Dorfbewohner auf das gewohnte Mittags- und Abendläuten verzichten. Doch bald wird es wieder zu hören sein, denn nun ist eine neue Glocke im Kirchturm montiert. Am Pfingstmontag wird sie eingeweiht, sehr zur Freude der Kirchenvorstands-Vorsitzenden Renate Fricke und auch von Bernd Blumenthal.

Der Baubeauftragte der evangelischen Kirchengemeinde hatte sich besonders für den Guss der Glocke engagiert.

Geborsten

Drei Glocken läuten zu den Gottesdiensten in Lenglern, jedoch nur eine davon beim Mittags- und Abendgeläut. Und ausgerechnet die klang im Sommer 2011 blechern. Bei der Untersuchung stellte sich heraus: Die Glocke war geborsten, hatte einen sichtbaren Außenriss. Die 1949 aus einer Bronzelegierung gegossene und 1983 von der Gemeinde gebraucht gekaufte Glocke musste stillgelegt werden.

Die Kirchengemeinde sammelte Spenden für eine neue Glocke: Zu den Kosten in Höhe von 15 000 Euro gab es nur einen Zuschuss von 1000 Euro von der Landeskirche. Im Januar wurde die neue Glocke in Anwesenheit einer Gemeindedelegation von der Firma Bachert in Karlsruhe gegossen – schon das sei ein feierlicher Moment gewesen, sagt Fricke.

Über 400 Kilo schwer

Die neue Bronzeglocke wiegt 436 Kilogramm und trägt die Inschrift „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen“ aus Psalm 36. Sie ergänzt nun die beiden übrigen Glocken, von denen eine aus dem Jahr 1847 stammt. Die andere wurde 1984 gegossen.

Die Glocke wird in einem Gottesdienst am Pfingstmontag, 20. Mai, um 11 Uhr in der Kirche St. Martini eingeweiht.

Quelle: Artikel von Jörn Barke im Göttinger Tageblatt vom 17. Mai 2013.

Foto: Christina Hinzmann.