Max Bergmann

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Göttinger Max Bergmann will Medaille holen

Wenn am 11.September 2008 um 9.30 Uhr vor mehreren zehntausend Zuschauern im „Vogelnest“ der Startschuss zum Finale über 5000 Meter der sehbehinderten Läufer fällt, dann kämpft der Göttinger Student Max Bergmann um eine Medaille. „Wenn das Rennen nicht allzu schnell angegangen wird, dann habe ich eine recht gute Chance“, sagt der 22-Jährige.

Im Vorlauf (15:29,33 Minuten) habe er das Glück gehabt, kräfteschonend laufen zu können, sagt Bergmann, der für den TSV Kirchdorf auch bei Wettkämpfen gegen Nichtbehinderte antritt. Er gehe somit topfit in das Finale. „Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass einige Konkurrenten müde sind, weil sie am Vorabend noch Qualifikationen über 800 oder 1500 Meter laufen“, glaubt Bergmann. Vor vier Jahren in Athen ging der aus Dedensen bei Seelze stammende Bergmann selbst noch über die drei Distanzen an den Start. „Jetzt konzentriere ich mich auf die 5000, weil da die Medaillenchancen am größten sind“, verrät er.

Der Mittelstreckler leidet unter einer Augenkrankheit, der so genannten Makula-Degeneration. „Ich habe eine Restsehstärke von 18 Prozent, das wird sich wohl nicht mehr verändern. Das periphere Sehen funktioniert bei mir ganz gut, deswegen ist das mit dem Laufen auch kaum ein Problem“, versichert Bergmann. Durch die Makula-Degeneration löst sich der gelbe Fleck auf der Netzhaut auf. Er sorgt dafür, dass man das scharf sieht, was man sehen will.

Im Gespräch macht Bergmann allerdings klar, dass er über sein Leistungsvermögen und nicht über seine Behinderung definiert werden will. „Auf die Leistung kommt es an und darauf, was man bereit ist, dafür zu tun“, sagt er energisch. Geschenkt möchte der ambitionierte Athlet nichts bekommen – weder im Sport noch im Studium.

„Mein Studium unterscheidet sich kaum von denen meiner Kommilitonen. Einige Prüfungen konnte ich mündlich ablegen. Das war aber die einzige Extrawurst, die ich bekommen habe“, so Bergmann. Jetzt hat er an der Georg-August-Universität fünf Semester Agrarwissenschaften studiert und schreibt seine Bachelor-Arbeit. „Ein Semester früher als üblich. Im kommenden Sommersemester beginne ich dann mit dem Master-Studium“, sagt Bergmann.

Mit dem Lernen habe er keine Probleme gehabt. Zum Lesen von Büchern und Word-Dokumenten nutzt er die Hilfe eines Vorleseprogramms am Computer. Zuvor hat er die Texte eingescannt. „Jetzt lerne ich aber viel mit meinem WG-Mitbewohner Christian. Bei Power-Point-Präsentationen habe ich bei Vorlesungen zwar große Probleme, dafür höre ich dann aber vielleicht doch ein bisschen genauer zu als meine Kommilitonen“, sagt Bergmann schmunzelnd.

Im paralympischen Dorf eilt ihm der Ruf des Einzelgängers voraus, was der 22-Jährige jedoch abstreitet. Er gibt aber zu, dass er schon „sehr gerne seinen eigenen Weg“ gehe und erklärt: „Wenn man Fragen stellt muss man viel Zeit für die Antworten der anderen aufbringen. Deshalb stelle ich eher wenige Fragen und mache einfach viel selbst.“ Ihm zur Seite steht nicht nur in Peking meistens sein Bruder Hannes, mit dem er an den Wochenenden intensiv in Kirchdorf trainiert. Die meiste Zeit machte er sich allerdings für seinen zweiten Paralympics-Auftritt in Göttingen fit. Neun Trainingseinheiten in der Woche absolvierte er, es gab lange nur „Sport und Studium“ für ihn.

„Ich laufe oft am Kerstlingeröder Feld, und meine Tempoeinheiten absolviere ich in der Regel am Uni-Sportzentrum am Sprangerweg“, sagt Bergmann. Kontakt zum Läuferteam der Leichtathletik-Gemeinschaft Göttingen hat er nicht. Heute um 9.46 Uhr wird er wissen, ob sein Trainingsplan gut war und ihn die zahlreichen Einheiten am Kerstlingeröder Feld und am IfL in die körperliche Verfassung versetzt haben, sich seinen Medaillentraum zu erfüllen.