Max Born

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Max Born
Bild aus der Ehrenbürgergalerie im Göttinger Ratssaal, gemalt von William Schöpp

Max Born: dt. Physiker, Studium tw. in Göttingen, von 1921 bis 1933 Professor an der Georg-August-Universität, Mitunterzeichner des Manifests der Göttinger Achtzehn.

1933 wurde Max Born wegen seiner jüdischen Vorfahren und seiner pazifistischen Einstellung aufgrund des Berufsbeamtengesetzes von seinen Aufgaben an der Georg-August-Universität entbunden und zwangsbeurlaubt.

Am 28. Juni 1953 wurde Max Born zusammen mit James Franck, Herman Nohl und Richard Courant die Ehrenbürgerschaft der Stadt Göttingen verliehen.


Max Born (18821970) erhielt als deutsch-britischer Physiker den Nobelpreis für Physik 1954 zusammen mit Walter Bothe. In der Begründung der Preisvergabe durch die Nobel-Kommission heißt es dazu „… für seine grundlegenden Forschungen in der Quantenmechanik, besonders für seine statische Interpretation der Wellenfunktion“.

Born, geboren am 11. Dezember 1882 in Breslau, ist in der Schule – wie er später gesteht – ein eher „schlechter Rechner“. 1901 beginnt seine Studienzeit in Breslau: Er beschäftigt sich mit Astronomie, Mathematik und Physik so nebenbei, auch in Biologie und Philosophie schaut er sich um. Entscheidend wird dann sein Aufenthalt in Göttingen. Bereits ein Jahr nach seinem Eintreffen hier ist Born Privatassistent bei David Hilbert. Mit einer Arbeit aus dem Gebiet der Elastizitätstheorie erwirbt er 1907 den Doktortitel. Es folgen einige Monate in Cambridge, und Ende 1908 kehrt er nach Göttingen zurück. Hier erlangt er im Herbst 1909 die Lehrbefugnis für Theoretische Physik. Professorenjahre in Berlin und Frankfurt folgen, 1921 forscht er wieder in Göttingen.

In den zwölf Jahren in Göttingen begründet Born eine große Schule der theoretischen Atomphysik. Er schreibt eine erweiterte Fassung seines Buches über die Dynamik der Kristallgitter im Rahmen der Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften, gefolgt von einer Reihe von bedeutenden Untersuchungen der Quantentheorie.

Angeregt von den „Bohr-Festspielen“ – einem großen Vortragszyklus von Niels Bohr in Göttingen 1921 –, beteiligt sich auch Born an der Suche nach einer neuen Atomtheorie. Ergebnisse seiner Kristallphysik haben ihn schon länger überzeugt, dass das Bohrsche Atommodell nur einen begrenzten Wert besitzt.

Um 1925 greift die Göttinger Schule entscheidend in die Entwicklung der Quantenphysik ein. In diesem Jahr formuliere Werner Heisenberg, der damals 24-jährige Assistent Borns, einen bahnbrechenden Ansatz, an den anknüpfend Born kurz darauf – in Zusammenarbeit mit Jordan und Heisenberg – in der berühmten „Drei-Männer Arbeit“ die geschlossene mathematische Theorie der Quantenmechanik (Göttinger Matrizenmechanik) formulierte. Heisenberg nennt die Gruppe 1951 den "Göttinger Kreis".

Auf Born geht auch die so genannte statistische Interpretation der Quantenmechanik zurück. In weiteren Arbeiten mit seinen Schülern werden ab 1926 wichtige Folgerungen aus der Quantenmechanik gezogen – unter anderem eine Erklärung des Schalenaufbaus der Elektronenhülle der Atome, der Molekülstruktur und der chemischen Bindung sowie der physikalischen Eigenschaften der Festkörper.

Grab Borns auf dem Göttinger Stadtfriedhof

Bis 1927 erarbeiten die Göttinger Physiker die Grundlagen der statischen Atommechanik. Born selbst erdenkt und begründet die wahrscheinlichkeitstheoretische Deutung der Quantenmechanik und begründet jene „neue Art, über Naturerscheinungen zu denken“, in der nach Meinung vieler Wissenschaftshistoriker sein größtes wissenschaftliches Verdienst besteht.

Um Born versammeln sich hervorragende Schüler und Mitarbeiter aus der ganzen Welt. Unter seinen Kollegen und Mitarbeitern befinden sich viele später sehr berühmt gewordene Physiker wie Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg, Friedrich Hund, Max Delbrück oder Maria Goeppert-Mayer.

1933, nach Hitlers Machtergreifung, wird Born als Leiter seines Institutes beurlaubt, sein Lehrbuch über Optik aus dem gleichen Jahr darf nicht mehr verbreitet werden. Im Mai 1933 verlässt er mit seinen Angehörigen das Land und folgt einer Einladung Rutherfords nach Cambridge, wo der 50-jährige Gelehrte wieder von vorn anfängt – dort wo er 25 Jahre zuvor als junger Wissenschaftler gearbeitet hatte.

1953 kehrt Born nach Deutschland zurück, obwohl Einstein ihm davon abrät. Born erhält für seine Leistungen auf dem Gebiet der Quantenmechanik 1954 gemeinsam mit dem Physiker Walter Bothe den Nobelpreis für Physik. Seit den fünfziger Jahren engagiert er sich gegen die Aufrüstung mit Atomwaffen und betonte die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaftlern. Die Anwendungen der physikalischen Forschung im Bereich der Atome und Atomkerne haben zu diesem Zeitpunkt eine Größenordnung und Einflussmöglichkeit erreicht, die für die Menschheit eine neue, noch nicht dagewesene Situation darstellt. Born weist eindringlich auf die neue Verantwortung der Menschen hin, die neugewonnene Macht vernünftig zu nutzen.

Born stirbt am 5. Januar 1970 in Göttingen und liegt dort auf dem Stadtfriedhof begraben – in der so genannten Nobelpreisträger-Ecke. Die Stadt ernennt Born 1953 zum Ehrenbürger, in der Planckstraße 21 erinnert eine Gedenktafel an ihn und in Weende wird 1974 eine Straße nach ihm benannt.

Wohnhäuser

Angaben lt. Nobelpreiswunder-Ausstellung

1904-1905 Walkemühlenweg 24

1905-1906 Humboldtallee 4

1908-1912 Nikolausberger Weg 49

1912-1913 Dahlmannstraße 17

1913-1915 Am Weißen Stein 4

1921-1927 Max-Planck-Straße 21, "Villa Elise"

1927-1928 Merkelstraße 11

1928-1933 Wilhelm-Weber-Straße 42


Literatur

Stein, Ilse: Die Göttinger Physiker-Schule. Göttinger Tageblatt, 20. Juli 2002. Heisenberg, Werner: 50 Jahre Quantenphysik. Naturwissenschaften 1951.

Weblinks

Mehr Informationen über Max Born bei wikipedia oder der Nobelpreiswunder-Ausstellung.