Medizinische Fakultät

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Die Medizinische Fakultät ist ein Teil der Universitätsmedizin Göttingen.

Geschichte zur medizinischen Fakultät

Mit der Gründung der Universität 1737 sollte auch „eine medicinische Facultät in Flor“ gebracht werden. Der erste Professor dieser Fakultät war der Anatom, Physiologe und Botaniker Johann Wilhelm Albrecht (*1703 - †1736), der noch vor der offiziellen Gründung der Universität im November 1734 aus Erfurt berufen wurde. Er wirkte im ersten Domizil der Anatomie, dem Turm am Albanitor.

Auf Albrecht folgten Georg Gottlob Richter (* 4. Februar 1694 in Schneeberg (Erzgebirge); † 28. Mai 1773 in Göttingen) und Albrecht Haller (* 16. Oktober 1708 in Bern; † 12. Dezember 1777 ebenda). Richter, der ehemalige Leibarzt des Fürstbischofs von Lübeck, wurde erster Dekan der medizinischen Fakultät, Haller, der in seiner Göttinger Zeit geadelt wurde, gab der Universität und vor allem der medizinischen Fakultät während der Aufbauphase entscheidende Impulse. Haller arbeitete zunächst noch im Turm des Albanitores, doch bald konnte die neu errichtete Anatomie am botanischen Garten, dessen Ausbau ebenfalls Hallers Werk war, bezogen werden.

Goßlerstraße 14: einst Augenklinik, heute Institut für Psychologie

Nach eigenen Angaben präparierte Haller in seiner Göttinger Zeit bis 1753 fast 350 Leichen selbst. Die Leichen aller im Großraum Göttingen Hingerichteten mussten in die Anatomie gebracht werden. Dazu kamen unter anderem tödlich Verunglückte und alle Armen, die kostenlos beerdigt werden mussten.

Der Universalgelehrte von Haller war allerdings ein schwieriger Charakter. Nach Spannungen in der Fakultät verließ er 1753 Göttingen, und die medizinische Fakultät verlor zunächst an wissenschaftlichem Glanz. Mit dem Amtsantritt Jacob Henles (* 19. Juli 1809 in Fürth; † 13. Mai 1885 in Göttingen) 1852 erreichte die Anatomie im 19. Jahrhundert in Göttingen ihren Höhepunkt. Zuvor war 1829 die neue, klassizistische Anatomie an der heutigen Berliner Straße eröffnet worden, die 1945 bei einem Bombenangriff zerstört wurde.

Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in der medizinischen Fakultät wirklich praktisch-klinischer Unterricht gegeben. 1773 richtete Ernst Gottfried Baldinger (* 13. Mai 1738 in Großvargula; † 21. Januar 1804 in Marburg) das „Collegium clinicum“ ein, es folgten unter anderem das im ehemaligen Gasthaus „Zu den sieben Türmen“ eingerichtete akademische Hospital und das nach dem hannoverschen König benannte Ernst-August-Hospital. Es wurde 1851 in Anwesenheit des Königs offiziell eröffnet.

Eine wesentliche Forderung, die die medizinische Wissenschaft am Ende des 19. Jahrhunderts an einen universitären Krankenhausbetrieb stellte, war die Zusammenführung der unterschiedlichen Teilkliniken an einem zentralen Ort. Der Ankauf eines großflächigen Grundstücks von etwa acht Hektar Größe zwischen der Goßlerstraße und dem Kirchweg – der heutigen Humboldtallee – schuf dazu die Voraussetzungen.

1889 eröffneten die Chirurgische, 1891 die Medizinische und 1896 die Frauenklinik ihren jeweiligen Neubau, 1906 folgte die Augenklinik. Das ebenfalls neu errichtete pathologische Institut begann seine Arbeit bereits 1891. Die vier Teilkliniken mit ihren gelben Klinkersteinen zeichneten sich durch ein einheitliches Erscheinungsbild aus. Heute befinden sich vor allem geisteswissenschaftliche Seminare der Universität in den Gebäuden.

Das Ernst-August-Hospital in der Geiststraße: Farbige Lithographie von Friedrich Besemann, um 1852

Die Frauenklinik hatte schon eine lange Tradition, als sie am Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet an der heutigen Humboldtallee angesiedelt wurde. Sie war 1751 als erste Krankenanstalt der Universität im Armenhospital St. Crucis am Geismartor eingerichtet worden. Das St.-Crucis-Hospital wurde später abgerissen und durch das 1791 eröffnete Accouchier-Hospital (von französisch accoucher = niederkommen, entbinden) mit seinem beeindruckenden Treppenhaus abgelöst. Heute ist in dem Gebäude das musikwissenschaftliche Seminar untergebracht.

Mit der zunehmenden Ausbildung medizinischer Spezialfächer entstanden weitere Kliniken. 1911 eröffnete an der heutigen Ecke Kreuzbergring/Humboldtallee die Kinderklinik, 1928 die Hautklinik am Steinsgraben. Bereits 1878 war die „königliche Universitäts-Poliklinik für Ohren- und Nasenkrankheiten zu Göttingen“ eröffnet worden, noch früher 1866 die „provinzialständige Landes-Irrenanstalt“ auf dem Leineberg, mit der sich die wissenschaftliche Psychiatrie weiter etablierte.

Die Zahnheilkunde führte auch in Göttingen lange Zeit ein Außenseiterdasein. Erste private Kliniken für Zahnkranke um 1900 wurden zunächst mit Skepsis betrachtet. Erst 1919 erfolgte die Neugründung eines zahnärztlichen Instituts.

Die Gegner eines Frauenstudiums waren auch in der medizinischen Fakultät zahlreich. Friedrich Benjamin Osiander (* 9. Februar 1759 in Zell unter Aichelberg; † 25. Mai 1822 in Göttingen), 1792 bis 1822 Leiter des Accouchier-Hospitals, bestritt, „dass beim Unterricht characterloser Weiber und Mädchen viel Erfreuliches herauskomme. Sie sind wie ein Rohr, das der Wind hin und her wehet, und vollends zur Auctorschaft verdorben. Das Schwangerwerden steht ihnen auf jeden Fall besser an, als über Schwangerschaften zu schreiben.“ Doch es gab unter den Medizinern auch Befürworter wie Wilhelm Ebstein (* 27. November 1836 in Jauer, Schlesien; † 22. Dezember 1912 in Göttingen), Direktor der medizinischen Klinik und Poliklinik am Ernst-August-Hospital. 1908 wurde das Frauenstudium in Preußen und damit auch in Göttingen zugelassen.

Eine düstere Phase macht die medizinische Fakultät während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten durch. Allein in der Frauenklinik wurden knapp 800 Frauen zwangssterilisiert. An der Stelle der Indikationen stand „angeborener Schwachsinn“ mit rund 60 Prozent, an zweiter Stelle folgte „Schizophrenie“ mit 22 Prozent. Drei Frauen starben an den Folgen der Sterilisation. 238 psychisch kranke Menschen wurden im Rahmen der Euthanasie umgebracht. Zwangsarbeiter wurden an den Kliniken ausgebeutet und zu medizinischen Zwecken missbraucht.

Eine Zäsur in der jüngsten Geschichte stellt der Bau des Universitätsklinikums an der Robert-Koch-Straße dar. 1977 begann der Umzug der einzelnen Kliniken dorthin, 1988 fand er seinen Abschluss – vorläufig. Denn Veränderungen gibt es ständig. So zog erst vor kurzem ein Teil der Hautklinik in der Von-Siebold-Straße in das Uni-Klinikum um.

Die Universitätsmedizin Göttingen ist heute einer der größten Arbeitgeber der Region. Unter ihrem Dach sind das Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät zusammengefasst.

Vier bedeutende Sammlungen sind im Verlauf der Geschichte der medizinischen Fakultät entstanden: die human­embryologische Dokumentationssammlung Blechschmidt, die kulturgeschichtliche Sammlung Heinz Kirchhoff „Symbole des Weiblichen“, die Sammlung zur Geschichte der Geburtshilfe und die Blumenbachsche Schädelsammlung, die 850 Schädel und Abgüsse enthält.