Mieterverein Göttingen

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Der Mieterverein Göttingen ist ein Verein in Göttingen, der sich für die Belange von Mietern einsetzt.

Entstehungsgeschichte des Mietervereins

Für Deutschland war 1949 ein Jahr des Aufbruchs. Nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen von 1948, die das Ende von Zwangswirtschaft und Schwarzmarkt, von Lebensmittelrationierung und Bezugscheinen für fast alle Artikel des täglichen Bedarfs bedeutete, kam das politische Leben und der Wirtschaftskreislauf wieder in Gang. Im Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet und die Bundesrepublik Deutschland wurde als demokratischer Rechtsstaat gegründet, in dem sich Parteien, Verbände und Vereine neue organisieren konnten. Auch Organisationen, die an Traditionen aus der Weimarer Republik anknüpften, aber in der Nazizeit verboten worden waren, wie z.B. einige Mietervereine, formierten sich neu. Ursprünglich waren die meisten Mieterschutzvereine der Weimarer Republik SPD-nahe Arbeitervereine, die noch vor der Jahrhundertwende in den industriellen Ballungsgebieten, wie in Berlin oder Hannover-Linden, mit ihren "Mietskasernen" in den Elendsquartieren entstanden waren. Die gab es in der Universitätsstadt Göttingen nicht. Hier gab es allerdings einen Verein Mieterschutz , mit maklerähnlicher Funktion, der also eher von kommerziellem Charakter war. Er wurde am 12.10.1931 im Gewerberegister eingetragen, nachdem er nach Auskunft der Polizeidirektion (19.3.1931) "schon seit Jahren" als nicht eingetragener Verein bestand. Er hatte etwa 70 Mitglieder und das Ziel, "die Wahrnehmung der Mieterinteressen im weitesten Sinn" zu vertreten. Vorsitzender und Geschäftsführer war der Rentner N.Levy (*1863), der in Göttingen als Kaufmann und Immobilienmakler tätig gewesen war. (1) Ganz offensichtlich war der Verein weder in einem der damaligen Dachverbände, noch im heutigen Verständnis "gemeinnützig". Wie in den 20er Jahren und auch heute noch in den Großstädten üblich, vermittelte der Verein Wohnungen und Zimmer. (2) Der schon 70jährige Levy floh im Herbst 1933 nach Prag, wo sich seine Spur verliert. (3) Den Göttinger Verein Mieterschutz gab es danach nicht mehr. Bis zu Hitlers "Machtergreifung" 1933 hatten sich in Deutschland zwei große Dachverbände der Mietervereine herausgebildet: der Reichsbund Deutscher Mieter, der eher auf der Seite der Linksparteien und Gewerkschaften war und deshalb natürlich aufgelöst wurde und der Bund Deutscher Mietervereine. Dieser verstand sich als politisch neutral, liess sich von den Nationalsozialisten gleichschalten und existierte bis 1945 weiter. Die sachliche Gegnerschaft von Mieter und Vermieter wurde ideologisch aufgehoben, indem man beide zu "Volksgenossen" erklärte. Der Bund Deutscher Mietervereine war nur einer von vielen Zentralverbänden, die in den Dienst nationalsozialistischer Organe gestellt wurden. Er wurde daher 1945 erst einmal von den Alliierten verboten. Schon 1946/47 soll es in Göttingen wieder einen Mieterschutzverein gegeben haben, der aber wohl nicht ins Vereinsregister eingetragen worden war. Die Militärregierung erschwerte noch Vereins- und Verbandsgründungen, weil sie zunächst auf der Entnazifizierung der Mitglieder und vor allem aber der Vorstände bestand. " ... nachdem in verschiedenen Städten der Britischen Zone Geschäftsstellen des im Vorjahr gegründeten Deutschen Mieterverbandes eingerichtet worden sind, wurde auch in Göttingen eine eröffnet." (4) Das drückendste Problem jener Nachkriegsjahre war in Göttingen und überall in Deutschland eine nicht mehr vorstellbare, unbeschreibliche Wohnungsnot. Zwangseinquartierungen von Evakuierten, Heimkehrern, Ausgebombten und vor allem Flüchtlingen, die ja alle ein Dach über dem Kopf brauchten, wurden nötig. Das Wohnungsamt inspizierte und vermaß alle Häuser, Wohnungen, Zimmer, auch Hotelzimmer, jeden nur irgendwie bewohnbaren Verschlag, um dann entsprechend je einen Mieter auf 3,25 qm einzuweisen. Es wurden auch u.a. für die Militärregierung ganze Häuser und sogar Möbel beschlagnahmt (5), in der Baurat-Gerber-Straße z.B. vier von 22 Häusern. Insgesamt waren es 1950 noch 90 Häuser. Studenten, also jungen Menschen, denen man meinte, noch mehr zumuten zu können, hatten noch weniger Chancen, eine "Bude" zu finden. Sie hausten mit Kommilitonen in Bretterbuden in Gärten, mieteten ein Bett auf einem Dachboden oder sie lebten in Baracken z.B. am Kreuzbergring, die bereits 1910 errichtet und dann 1960 abgerissen wurden, um der heutigen Hautklinik Platz zu machen. Flüchtlinge und Vertriebene mussten in Holzbaracken zusammengepfercht leben. Hinzu kamen die, die wegen Mietschulden aus ihren Wohnungen geklagt worden waren und für die auch der Mieterverein nichts mehr tun konnte. Berüchtigt waren die Baracken von Ebertal, oberhalb der Wörthstraße, in denen einmal Kriegsgefangene des 1.Weltkrieges und dann die Allerärmsten der Stadt untergebracht worden waren. Die Wohnbereiche der Familien wurden oft nur durch einen Vorhang oder einen quer gestellten Schrank voneinander getrennt. Die Lebensbedingungen hier waren erbärmlich und menschenunwürdig.

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Baracke von Ebertal um 1946 Wäsche in der Zinkwanne mit einem Schrubbrett

Die großen Wohnungen im Ostviertel waren mit 12-20 Personen ebenfalls völlig überbelegt. Eine Witwe beispielsweise, die vorher 4 Zimmer bewohnte, mußte nun 3 davon untervermieten. In den seit Jahrzehnten nicht renovierten, teils ziemlich verrotteten Häusern in der Altstadt gab es oft keine abgeschlossenen Wohnungen, sondern vom Treppenhaus abgehende Zimmer. Darin lebte je eine Familie. Der Strom fiel ständig aus, viele Räume waren nicht zu heizen und außerdem waren Kohlen und Brennholz rationiert. Oft mußten die Bewohner mit einer Wasserstelle im Keller oder je Etage auskommen. Toiletten mit Wasserspülung waren noch nicht Standard, so daß bei der enormen Überbelegung auch die hygienischen Verhältnisse problematisch waren.

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Angerstrasse mit Blick auf die Kommende um 1949 Am Strassenrand Handwagen, nicht Autos. Die Häuser schlecht erhalten und desolat.

Im Jahr 1946 warteten 3400 Menschen in Göttingen auf ihre Unterbringung. 1949 waren es noch 1700 Familien- und 600 Einzelpersonen. Zeitungsberichte von Bestechungsversuchen in den Wohnungsämtern, die die schier unlösbare Aufgabe hatten, den knappen Wohnraum zu verteilen, erhitzten den Zorn der Bevölkerung. (8) Man war auch empört, daß sich einige, die sich als Nationalsozialisten hervorgetan hatten, weiter allein in ihren weitläufigen, bequemen Wohnungen lebten, die Göttinger Bevölkerung dagegen sich bis in die letzte Privatsphäre einschränken mußte. (9) Das waren selbstverständlich Einzelfälle. Die rechtlichen Probleme der Mieter ergaben sich aus dieser Situation: Viele fühlten sich, vielleicht nur subjektiv, vom Wohnungsamt, das die Wohnungen und Zimmer zuwies, ungerecht behandelt. Das Wohnungsamt konnte es aber unter diesen Bedingungen ohnehin keinem recht machen. Wenn Mieter und Vermieter überhaupt nicht miteinander auskamen oder die Miete nicht gezahlt werden konnte, kam es zu Räumungsklagen,1950 allein 134 mal! Dann hatte man sich mit dem Wohnungsamt auseinanderzusetzen, das die Atteste dafür ausstellte. Da die Wohnungen oft in schlechtem Zustand waren, verlangten die Mieter eine Mietminderung; Untermieter beklagten sich über die Abrechnung von Strom und Wasser, denn Zwischenzähler wie heute gab es noch nicht. In allen solchen Fällen wurde der Mieterverein meistens erfolgreich tätig. Das Schlimmste in jener Zeit war: in der unvorstellbaren Enge ging man sich gehörig auf die Nerven. Jeder Vermieter, Mieter und Untermieter glaubte sich zu Recht in seinen persönlichen Freiheiten unerträglich eingeschränkt. Die zahllosen Flüchtlinge und Vertriebenen fühlten sich durch den verlorenen Krieg weniger befreit als gedemütigt. Sie waren erschöpft, schlecht ernährt und durch die Strapazen der Flucht nervlich reizbar. Trotz der dann doch erfolgten, großartigen Integrationsleistung der deutschen Nachkriegsgesellschaft, die ja insgesamt unter dem Zusammenbruch litt, waren einigen Göttingern die Flüchtlinge nicht gerade willkomen. Niemand machte gern Platz und wollte seinen Herd in der Küche mit ihnen teilen. Hier, im Bereich des menschlichen Miteinanders lagen deshalb die größten Schwierigkeiten nach 1945 bis in die ersten 60er Jahre.

Viele Göttinger waren großzügig und hilfbereit. Davon berichten Flüchtlinge noch heute mit Dankbarkeit. So waren aber nicht alle. Da den Hauptmietern Fremde zur Untermiete aufgezwungen worden waren, ließen manche sie das durch herrisches Auftreten und kleinliche Vorschriften und Schikanen spüren. Alle Parteien sollten in den katastrophal überbelegten Wohnungen miteinander auskommen, waren dem aber menschlich nicht gewachsen. Sie rieben sich oft in gehässigen Kleinkriegen auf. Im Flur wurde immer wieder eine Blumenvase an einen anderen als den gewohnten Platz gestellt. Man kehrte den Dreck im Flur unter die Fußmatte des Nachbarn. Es kam auch vor, dass die Kinder der Untermieter ständig die Vermieterin, so wie sie mit einem Tablett aus ihrem Zimmer kam, anrempelten, bis alles am Boden lag. Auch in diesen Fällen griff der Mieterverein ein und versuchte, zu vermitteln und Frieden zu stiften. Um Mieterhöhungen mußte man sich Gott sei dank noch nicht streiten. Denn die Britische und Amerikanische Militärregierung hatte bei dieser gigantischen Nachfrage nach Wohnraum die Mietsätze auf den Stand von 1936, eingefroren. Auch Zuschläge auf Untervermietung, die ja auch für den Vermieter erhöhte Abnutzung der Mietwohnung und Wasserverbrauch bedeutete, waren seit 1945 verboten, da man eher auf die Vertriebenen Rücksicht nehmen wollte, als auf die Interessen der Hausbesitzer. Das galt bis in die ersten 50er Jahre.

In jenen schweren Jahren, im April 1949 , nahm in Göttingen der Mieter- und Untermieter-Schutzverein e.V. seine Arbeit auf.


Von Anfang an konnte der Göttinger Mieterverein mit qualifizierter Beratung für die Mieter da sein, sowie durchaus auch einigen ihrer Anwälte als Sprungbrett für ihre Karrieren dienen. Die Gründungsmitglieder und später immer wieder Vorstände und Geschäftsführer waren Juristen und Beamte aus Justiz und Verwaltung. (12) Von der ersten Stunde an wurde der Verein kompetent geleitet und in der Öffentlichkeit vertreten. Ende der 50er Jahre übernahm ein besonders fähiger, mit Entschlossenheit und Autorität auftretender Anwalt Vorsitz und Geschäftsführung des Göttinger Mieter- und Untermieter-Schutzvereins e.V.: Walter Kießling.

Die Ära Walter Kießling in der Wirtschaftswunder-Zeit (1956-1966)

Noch im April 1950 war der Ansturm auf das Wohnungsamt im Göttinger Amtshaus groß, als 21 beschlagnahmte Häuser freigegeben wurden. Das Göttinger Tageblatt kommentierte unter der Überschrift: "Wettlauf um freie Wohnungen Es ist zwecklos, in der Dienststelle des Wohnungsamtes mit dem Stock zu drohen oder Herzanfälle vorzutäuschen ... Die Wohnungen müssen gerecht, nach Dringlichkeit ... verteilt werden." (1) Mit dem Wirtschaftsminister und späterem Bundeskanzler Ludwig Erhard, der "Wohlstand für Alle" wollte, ging es in Deutschland von den 50er bis in die 60er Jahre wirtschaftlich rapide aufwärts. Mit Hilfe der Zahlungen des "Lastenausgleichs" (1952) an die Flüchtlinge und billige Kredite, also kräftige Subvention des privaten und sozialen Wohnungsbaus (1953), wurde energisch gebaut. In Göttingen entstanden bis 1952 neue Wohngebiete des sozialen Wohnungsbaus: auf dem Hagenberg 380, im Baugebiet Pfalz-Grona Breite 280, in der Südstadt um die Kant- und Dürrstraße ca. 300 Wohnungen, alle mit Landesmitteln gefördert. Auch im oberen Ostviertel um die Brüder-Grimm-Allee und am Kreuzbergring wurden neue Eigenheime mit Hilfe öffentlicher Mittel gebaut. Viele atmeten durch und genossen den Komfort und ihre abgeschlossenen Wohnungen. Der Wohnungsmarkt entspannte sich etwas und die krasseste Wohnungsnot war behoben. Alleinstehende junge Angestellte, wie z.B. Buchhändlerinnen, Postbeamte oder Lehrerinnen wohnten dagegen immer noch häufig zur Unter¬miete, also "möbliert", oft bei Witwen, denen ihre Wohnungen zu groß und die Renten zu klein waren. Wie entwickelte sich in Göttingen die Lage der Mieter in den 50er Jahren? Ganz allmählich und in kleinen Schritten lockerte sich mit dem wachsenden Wohnungsangebot die staatliche Mietpreiskontrolle. In diesen Bereich verschoben sich nun die Probleme der Mieter. Am 1.12.1951 trat die "Kleine Mietreform" in Kraft. Von nun an konnten Eigentümer dem Hauptmieter bis zu 20% auf Untervermietungen aufschlagen. Das betraf in Göttingen in erster Linie Flüchtlinge mit ihren Angehörigen und Studenten. Ob und in welcher Höhe die Zuschläge auf den Untermieter abgewälzt werden konnten, ergab sich aus einer Berechnung von Leerraummiete, frei vereinbarter Miete, dem zulässigen Höchstpreis und dem Jahr, in dem die Wohnung bezugsfertig wurde. Das war kompliziert, brachte viel Ärger und in jedem Fall war ein Antrag bei der Preisbehörde zu stellen. Bei Wechsel des Untermieters konnten die Zimmermieten dann frei vereinbart werden. Schon 1955 kam es mit dem "Bundesmietengesetz" zu einer weiteren Lockerung der Mietenkontrolle, die den Wohnungsmarkt öffnen und beleben sollte. Die Vermieter wollten ihre Wohnungen endlich instand setzen und renovieren, Bäder installieren, neue Fenster einsetzen, die Wohnungsqualität insgesamt heben und selbstverständlich auch höhere Mieten dafür einnehmen. Altbauwohnungen aus der Vorkriegszeit und neue Sozialwohnungen waren aber nun nicht mehr vergleichbar und pauschale Mietenrichtpreise machten keinen Sinn mehr. Sowohl Mieterhöhungen als auch Mietsenkungen wurden möglich, worauf der Mieter- und Untermieter-Schutzverein im Göttinger Tageblatt ausdrücklich hinwies: "Das Bundesmietengesetz sieht für die bis 31.12.1949 bezugsfertig gewordenen Wohnungen nicht nur Mieterhöhungen, sondern auch die Möglichkeit von Mietherabsetzungen vor, wenn die am 1.Januar 1955 vereinbarte Miete die preisrechtlich zulässige Miete um mehr als 10% übersteigt. Entsprechende Herabsetzungsantraäge können von den Mietern bei der Preisbehörde jedoch nur bis 31.Dezember 1955 gestellt werden." (2) Von dieser Möglichkeit wurde kein nennenswerter Gebrauch gemacht, da sich die Mieter vor schlechten Beziehungen zu ihren Vermietern fürchteten. Denn in jener Wirtschaftswunder-Zeit war in vielen Fällen der Mieter immer noch eine Art Untertan seines Hausherrn, der vor allem seine Miete pünktlich zu zahlen, sonst aber keine Forderungen zu stellen hatte. Er wurde mit Hausordnungen drangsaliert, in denen der autoritäre Geist der Vergangenheit weiter wirkte. Das oberste Gebot war: Ruhe, Ordnung, Sauberkeit. Einige Mieter mußten am 1. des Monats wie zum Apell antreten und sich in einem Heft die Bareinzahlungen quittieren lassen. Familien mit Kindern hatten es besonders schwer. Keinen Mucks zwischen 12°° und 15°° und nach 18°° Uhr! Manche Familien hatten dicke Lagen an Zeitungen unter den Teppichen, um die Zimmerdecken gegen den Lärm der trampelnden kleinen Füße zu isolieren. Die Rasenflächen vor den Häusern durften bei Strafe nicht von den Kindern betreten werden. Die Sauberkeit im Treppenhaus, das "Treppeputzen" war ein neuralgischer Streitpunkt zwischen Mieter und Vermieter, aber auch unter den verschiedenen Mietparteien. Die Holztreppen wurden erst gefegt, "aufgenommen" (d.h. naß gewischt), und dann mit Bohnerwachs, das nach dem Krieg noch schwer zu haben und kostbar war, eingerieben und anschließend mit einem alten Lumpen und großem Kraftaufwand poliert. Jede Mietpartei war in wöchentlichem Wechsel dafür verantwortlich und gab dann nach dieser, von den Nachbarn und dem Vermieter oft argwöhnisch beobachteten Arbeit, ein Pappschild von der einen Wohnungstür zur nächsten weiter. Noch heute verbinden ja ältere Menschen den Samstag mit dem Duft von Badewasser und Bohnerwachs. Viele Vermieter verlangten auch, daß man jede Woche seine Fenster putzte. Wir befinden uns noch in einer Zeit, als es die Segnungen der "weißen Helfer" im Haushalt, sprich Waschmaschinen, noch nicht gab. Man wusch in der Waschküche im Keller, die von allen im Wechsel benutzt, ebenfalls dem Nächsten tadellos und blitzblank hinterlassen werden mußte. Die Hausfrauen weichten am Sonntag abend ihre Wäsche ein, Montag morgen wurde sie im Kessel gekocht, mit der abgegossenen Lauge wurde die Buntwäsche gewaschen. Alle Wäschestücke wurden dann nach Größe und Art sortiert in "Reih und Glied" meistens draussen auf die Leine gehängt. Nach dieser Knochenarbeit, die einen ganzen Tag beanspruchte und der riesigen Plantscherei hatte jede Hausfrau den Kessel zu "wienern", bis kein Fleckchen mehr dran war - sonst wurde sie vom Hausherrn zurechtgewiesen und ihr Ruf in der Nachbarschaft war ruiniert.

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