Mohan Meinhart Krischke Ramaswamy

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Mohan Meinhart Krischke Ramaswamy ist als Politiker bei den Piraten aktiv und lebt in Göttingen.


Mohan Meinhart Krischke Ramaswamy

Porträt im Göttinger Tageblatt

Mohan Meinhart Krischke Ramaswamy aus Göttingen ist der Kapitän der Piraten in Niedersachsen – oder auch nicht: Obwohl im April von seiner Partei zum Spitzenkandidaten gewählt, muss er sich ebenso wie die anderen 41 Kandidaten am Wochenende erneut zur Wahl stellen.

Grund: ein Formfehler bei der ersten Runde der Listenwahl. Unter anderem hatten an der Abstimmung ein schwedischer und ein britischer Staatsbürger teilgenommen. Das ist unzulässig, weil beide an der Landtagswahl nicht teilnehmen dürfen. Ramaswamy zeigt sich ziemlich zuversichtlich, auch den zweiten Wahldurchgang zu gewinnen. Aber so harmonisch wie noch vor einigen Monaten ist die Stimmung bei den Piraten mittlerweile nicht mehr, räumt auch Ramaswamy ein.

Mit Begeisterung, sagt Ramaswamy, ist er immer noch beim Projekt Piratenpartei dabei. Der Aufruhr in der Parteienlandschaft, als eine angeblich völlig programmlose Partei massenweise Zuspruch potenzielle Wähler erhielt, habe sich gelegt: „Der große Hype ist schon ein bißchen vorbei.“

Keine Fundamentalopposition

Das, meint der 59-Jährige, liege auch ein wenig daran, dass die Piraten nicht mehr nur Wirbel machen, sondern in Parlamenten und Ausschüssen sitzen: „Und da wird deutlich, die politischen Möglichkeiten sind begrenzt.“ Auch deshalb wollten die Piraten, wie auch er selbst, im Falle eines Einzugs in den Landtag weder Fraktionszwang noch Fundamentalopposition betreiben.

Das in fast jedem Interview mit einem Piraten-Politiker angesprochene Thema der angeblichen Programmlosigkeit bringt Ramaswamy gern selbst ins Gespräch: „Wir haben kein Programm, aber wir haben Ziele.“ Und zu deren Durchsetzung setzten die Piraten auf Sachpositionen, nicht auf Ideologie. Ramaswamy bringt ein Beispiel aus dem Göttinger Stadtrat: „Mit der CDU haben wir normalerweise nicht sehr viel Gemeinsamkeiten. Aber nehmen wir einmal Thomas Häntsch. Wenn dieser CDU-Mann sachlich sinnvolle Positionen zur Schulpolitik bezieht, dann machen wir mit. Weil es um die Sache geht, nicht um Ideologie.“ Für die Piraten sei wichtig, „immer die Menschen im Blick zu behalten“. So solle es auch im Landtag sein.

Kein schnurgerader Werdegang

Besonders die Vielfalt und Offenheit innerhalb der Piratenpartei habe ihn angezogen, sagt Ramaswamy – und die Möglichkeit, eine sich erst entwickelnde Partei aktiv mitzugestalten. Auch andersherum wird ein Schuh draus: Allein sein Hang zu manchmal verwegen wirkender optischer Selbststilisierung passt zum Piratenbegriff. „Mein Vater“, sagt Ramaswamy, „ist Inder, meine Mutter stammt aus Tschechien. Ich bin in Wien geboren und in Deutschland aufgewachsen. Die Familie meiner Frau stammt aus Polen. Und ich bin unheimlich gern in Frankreich. Die Internationalität ist sozusagen schon in mir drin, das geht gar nicht anders.“ Seit 1972 lebt Ramaswamy in Göttingen. Und das mit einer großen Familie. Seit 34 Jahren ist er verheiratet, hat vier Söhne und drei Töchter.

Zu einer Partei, die sich (zumindest jetzt noch) als unkonventionell begreift, passt auch Ramaswamys Hang, sein Leben nicht immer schnurgerade zu gestalten. Nach einem Studium der Pädagogik, Völkerkunde und Publizistik in Göttingen promovierte er 1977 zum Thema kulturelle Erneuerung durch Erziehung am Beispiel Indiens im 20. Jahrhundert. Untertitel: „Ein Beitrag zur Kultur- und Persönlichkeitsforschung“. Später drehte Ramaswamy unter anderem Filme, arbeitete als Verleger, Autor und als Lektor. 1989 begann er ein weiteres Studium: Arbeitsrecht und Verwaltung an der Universität Witten. Das wiederum eröffnete Ramaswamy neue berufliche Möglichkeiten – beispielsweise als Unternehmens- und Personalberater und als Geschäftsführer an einer Waldorf-Schule in Hannover. Den Göttingern ist Ramaswamy darüber hinaus durch seine Tätigkeit als Geschäftsführer für das Stadtradio bekannt.

Kulturelle Projekte

Einer, der nur neutral die Geschäfte führt, wollte Ramaswamy allerdings niemals sein. Mit seinen kulturellen, künstlerischen und pädagogischen Interessen mischte er sich immer wieder ein. Daraus erwuchs unter anderem an der Hannoverschen Waldorf-Schule eine als Schülerfirma geführte Buchhandlung, die es noch heute gibt. Der Bücherladen diente gleichzeitig als praktischer Anschauungsunterricht im Fach Wirtschaftskunde. Ambitionierter war ein Projekt, das aus der Schule heraus betrieben und von Volkswagen gefördert werden sollte. Im Rahmen der Expo stieß Ramaswamy als „indirekter Ableger“ der Waldorf-Schule eine Ausbildungsstätte für Bio-Landwirte mit Hotel-Charakter an: „Ich dachte, Lebensmittel und Nahrung sind definitiv Zukunftsthemen.“ Das Projekt sei „an Widerständen gescheitert, die Wirtschaftlichkeit war nicht gegeben“. Schließlich revoltierten die Lehrer gegen ihren Geschäftsführer – das Projekt zöge zuviel Energie aus dem eigentlichen Schulbetrieb. Resultat: Ramaswamy ging „im verflixten siebten Jahr“ im Krach. „Das war trotzdem eine gute Zeit“, meint er in der Rückschau.

In Hildesheim wollte Ramaswamy danach ein Studienzentrum für Schulmanagement einrichten und so seine pädagogischen und wirtschaftlichen Kompetenzen fruchtbar machen: „Immerhin habe ich drei Jahre lang Unternehmensberatung gelernt.“ Zum Schluss aber sei die geplante Finanzierung durch die Volkswagen-Stiftung geplatzt.

Turbulenter Lebenslauf

Ärger gab es wieder beim Göttinger Stadtradio. Ramaswamy mischte sich in den Redaktionsbetrieb ein, was den Journalisten nicht passte. „Ich habe zuviel inhaltlich gemacht“, räumt Ramaswamy heute mit einem Anflug von Selbstkritik ein. Der manchmal erbittert geführte interne Krach wurde öffentlich, zeitweise fühlte man sich an die böse Formulierung erinnert, Gefangene würden nicht gemacht. 2006 folgte der Rausschmiss. „Heute“, sagt Ramaswamy, „grüßt man sich schon mal wieder.“

Trotz seines teilweise turbulenten Lebenslaufs bereut Ramaswamy keine seiner vielen beruflichen Stationen grundsätzlich: „Im Rückblick war das alles okay.“ Der 59-Jährige wird dabei nicht müde zu erwähnen, wie wichtig ihm auch und gerade in schwierigen Phasen der unerschütterliche Zusammenhalt seiner immerhin neunköpfigen Familie war und ist. Das gelte auch für einen seiner vier Söhne, der als Linksaktivist in den vergangenen Jahren öfter in Konflikt mit Staatsanwaltschaft und Polizei geriet: „Ich bin zwar nicht immer seiner Meinung, ich stehe aber immer zu ihm, egal was passiert. So sind wir eben.“

Büro für Grafikdesign

Seit einiger Zeit betreibt Ramaswamy in Göttingen ein Büro für Grafikdesign. Nach einem Großauftrag ruht aber der Betrieb derzeit: „Momentan lebe ich von der Substanz.“ Geld von der Piratenpartei, sagt Ramaswamy, erhalte er nicht: „Das ist alles ehrenamtlich.“ Das dürfte sich ändern, wenn Ramaswamy als Abgeordneter in den Landtag einzieht und Diäten bezieht. Wenn das nicht klappen sollte, sagt der Piraten-Politiker, werde er eben seine Grafik-Firma wiederbeleben.

Der Listenwahl am Wochenende sieht Ramaswamy gelassen entgegen: „Eigentlich gehe ich davon aus, dass ich erneut zum Spitzenkandidaten gewählt werde. Aber in den vergangenen Wochen hat es in der Piraten-Partei einigen Wirbel gegeben. Ganz genau kann man das nicht kalkulieren.“


  • Quelle: „Ganz genau kann man das nicht kalkulieren“, Artikel von Matthias Heinzel im Göttinger Tageblatt vom 20.Juli 2012.
  • Foto von Christina Hinzmann, erschienen im Göttinger Tageblatt vom 20.Juli 2012.


Spitzenkandidat

Die niedersächsischen Piraten haben ihre Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Januar 2013 gewählt. Zweimal war das zuvor an Formfehlern gescheitert.

Die Piratenpartei zieht mit Meinhart Ramaswamy als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf.

Der 59-Jährige Göttinger setzte sich am Sonnabend auf dem Parteitag in Delmenhorst knapp gegen Katharina Nocun durch, die ebenfalls zu den Favoriten zählte.

Ramaswamy erhielt 693 Punkte und damit nur vier Punkte mehr als Nocun. „Ich bin erleichtert, dass das jetzt geklärt ist“, sagte er. „Jetzt können wir richtig losstarten.“


  • Quelle: „Ramaswamy knapp gewählt“, dpa-Meldung, erschienen im Göttinger Tageblatt vom 27.August 2012.