Moritz Jahn

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Moritz Jahn
Moritz Jahn

Der Lehrer und Mundartdichter Moritz Jahn (1884-1979) studierte in Göttingen Deutsche Philologie und Anglistik und war Rektor der Volksschule in Geismar.

Leben und Werk

Moritz Jahn wurde in einem kleinen Ort bei Bremen geboren, Der Vater war ein kleiner Beamte, zog in die Industriestadt Linden, die damals noch nicht zu Hannover gehörte. Jahn wuchs als "Lindener Buttjer" auf. Der Vater starb, als Jahn keine sieben Jahre alt war. Bereits als Kind entschloss er sich dazu, Pädagoge zu werden.

Also wurde Jahn Lehrer: Von 1906 bis 1921 war er an den Präparandenanstalten in Aurich und in Melle tätig. Er zog 1921 in die alte Schule am Thie in Geismar, wo er bis ins hohe Alter im Dachgeschoss lebte. In Geismar übernahm der Lehrer die einklassige Volksschule, die auch einige Kinder aus Treuenhagen besuchten.

Als rund 40-Jähriger schrieb sich Jahn an der Georg-August-Universität ein, hauptsächlich für Germanistik und Anglistik. Zunächst ging er zu Fuß in die Stadt, um zu den Veranstaltungen zu gelangen, später kaufte er sich ein Fahrrad.

Mit seinen Texten machte Jahn Börries Freiherr von Münchhausen auf sich aufmerksam, der junge Mitarbeiter für eine neue Ausgabe des Göttinger Musenalmanachs suchte. Münchhausen förderte Jahn wie er auch Agnes Miegel gefördert hatte. Und er bestimmte Jahn zum Verwalter seines Nachlasses. Einige der Werke Jahns wurden sogar ins Japanische übersetzt. Insbesondere die Figur des "Unkepunz" machte Jahn berühmt.

Moritz Jahn starb am 19. Januar 1979 in Göttingen.

Ehrungen und Auszeichnungen

1936 erhielt Jahn den Literaturpreis der Provinz Hannover, 1941 den Mecklenburgischen Literaturpreis. 1944 wurde Jahn die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät verliehen, außerdem erhielt er den Münchhausen-Preis und den Klaus-Groth-Preis. 1959 kamen der Fritz Reuter-Preis und die Wilhelm-Raabe-Plakette der Stadt Braunschweig hinzu. Die Stadt Göttingen verlieh Jahn 1964 die Ehrenplakette der Stadt. Jahn war Ehrenmitglied in vielen Gesellschaften und Verbänden, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und des Großen Niedersächsischen Verdienstkreuzes.

Verbundenheit zu Geismar

Einer Brieffreundin schilderte Moritz Jahn 1935 den Thie, an dem er wohnte, und das Gebäude: "und so hat auch hier seit Hunderten von Jahren immer ein Rathaus gestanden. Seit 1604 diente es als Schule; an seiner Stelle ist vor einem guten Jahrhundert der heutige große Fachwerkbau errichtet, nach dem Muster des alten: unten die einzige Schulklasse, darüber der Ratssaal, der zugleich zu Tanzfestlichkeiten und Hochzeiten diente, darüber der Ratsboden für die Früchte der Gemeindeländereien. Heute ist der Tanzsaal leider verschwunden, es ist schon vor mehreren Jahren eine zweite Klasse daraus geworden; in den Boden habe ich vor einigen Jahren ein paar winkelige Zimmer für Schulmittel einbauen lassen, das beste und größte darunter mit einem schönen Blick auf das Leinetal habe ich mir zu meinem Arbeitszimmer gewählt."

Bibliografie

  • Die Geschichte von den Leuten an der Außenföhrde, Junge Generation Verlag, Berlin 1930
  • Boleke Roleffs. Eine niederdeutsche Erzählung, Spielmeyer, Göttingen 1930
  • Unkepunz.Ein deutsches Gesicht, Spielmeyer, Göttingen 1931
  • Frangula oder Die himmlischen Weiber im Wald, Reclam, Leipzig 1933
  • Uhlenspegel un Jan Dood - niederdeutsche Gedichte Verlag Westphal, Lübeck 1933
  • Im weiten Land, Erzählungen, Langen Müller, München 1938
  • Die Gleichen, Langen Müller, München 1939
  • Das Denkmal des Junggesellen. Eine harmlose Geschichte, Langen Müller, München 1942
  • Moritz. Das Denkmal des Junggesellen. Eine harmlose Geschichte, Bertelsmann, Gütersloh 1948
  • De Moorfro, Verlag der Fehrs-Gilde, Hamburg 1950

Zitate

In einem unveröffentlichten Vers widmet er sich dem Wahrzeichen Göttingens, dem Gänseliesel:

Gänselieselbrunnen in Göttingen 1972
Metallene Ranken streben empor
Wie eh’ zu luft’gem Gehäuse.
Doch was hat die gute Liese heut vor?!
– Sie zählt bei den Gammlern die Läuse."

Literatur

  • Wolfgang Alexander: "Moritz Jahn. Pädagoge, Dichter - und ein Menschm der in Geismar Wurzeln schlug". Göttinger Monatsblätter, Dezember 1977, Seite 1-3.
  • Dieter Stellmacher (Hrsg.): "Studien zu Moritz Jahn. Ergebnisse des wissenschaftlichen Kolloquium aus Anlaß des 100. Geburtstags des Dichters, Göttingen, den 10.10.1984." Name und Wort. Göttinger Arbeiten zur niederdeutschen Philologie, Bd. 8. Rinteln: Verlag C. Bösendahl 1986. ISBN 3-87085-104-X ISSN 0179-8561
  • Eberhard Rohse: " "Und dat in de Chasmersche Kantorije!" - Moritz Jahn als Dichter in Geismar. Umrisse eines literarischen Porträts." In: Vera Lenz und Karl Semmelroggen (Hrsg.): "1055-2005. 950 Jahre Geismar. Geschichte & Geschichten." Duderstadt: Mecke Druck und Verlag 2005, S. 205-236. ISBN 3-936617-33-3
  • Eberhard Rohse, Dieter Stellmacher, Dirk Hinrichs, Karl Semmelroggen (Hrsg.): "August Hinrichs und Moritz Jahn. Ein literaturwissenschaftlicher Vergleich. 1870-1970." Literatur - Sprache - Region, Bd. 8. Frankfurt a.M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Peter Lang Internationaler verlag der Wissenschaften 2011. ISBN 978-3-631-60820-3 ISSN 1434-3061