Museum am Thie

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Biedermeierzimmer im Museum am Thie
Außenansicht Museum am Thie

Das Museum am Thie ist ein Museum im Ortskern von Geismar. Es wird vom Volkskundlichen Arbeitskreis Geismar Museum am Thie e.V. betrieben.


Geschichte

An der Stelle des heutigen Museums am Thie errichtete die Gemeinde Geismar 1604 ihr erstes öffentliches Gebäude, das von Anfang an verschiedene Funktionen hatte: Es war gleichzeitig Gemeindehaus und Schule. Im Kellergeölbe war das gefängnis untergebracht, welches aber 1608 zum Junkernhof verlegt wurde.

Nachdem das Rathaus 234 Jahre lang seinem Zweck diente, entschloss man sich 1838 zu einem Neubau an gleicher Stelle – dem heutigen Museum am Thie. Das zweigeschossige Gebäude mit Walmdach ist größer als sein Vorgänger: 19 Meter lang und elf Meter breit. Für den Bau nutzte man alle noch brauchbaren Teile des Vorgängerbaus. Bis 1959 wurden in dem Gebäude Schüler, unter anderem von Moritz Jahn, unterrichtet, Mit der Aufstellung eines Werkschrankes begann 1969 die Umwidmung des historischen Gebäudes iin ein Museum.

Ausstellung

  • Im Erdgeschoss findet sich die Nachbildung einer Grabungsstelle aus der Zeit von etwa 200 v. Chr. bis 100 n. Chr. Zwei Modell zeigen die Urzelle des Dorfes geismar um etwa 800 und nach dem Lageplan von 1744. Die soziale Lage der damaligen bewohner wird an Schautafeln und alten Karten verdeutlicht.
  • Ebenfalls im Erdgeschoss ist eine dörfliche Küche aus dem 18./19. jahrhundert eingerichtet. Es gibt Geräte zur Milchverarbeitung, Sauerkrautherstellung und Vorratshaltung zu sehen. Im Schglafzimmer wird deutlich, dass der Raum nicht nur zum Schlafen diente, sondern auch gleichzeitig Kinderzimmer, Bad, Toilette und Garderobe war. Im Biedermeierzimmer ist ein Wohnraum aus der Biedermeierzeit (1815-1848) aufgebaut.
  • Im Flurbereich findet sich eine Darstellung des ersten Industrieunternehmens in Geismar, der Plath-Jauche-Gesellschaft mbH, die 1920 von den Geismaranern Paul Plath und Stadtgutpächter Carl geiger 1920 gegründet und 1922 ins Handelsregister eingetragen wurde. Die Firma entwickelte Maschinen, mit denen Jauche gesammelt und auf den Äckern verteilt werden konnte. Die fabrik entstand im Mühlenweg, der heutigen Kiesseestraße und beschäftigte zeitweise bis zu 40 Mitarbeiter.
  • Im Obergeschoss findet sich eine größere Textilabteilung. Es wird der Prozess der Wollverarbeitung gezeigt, Geräte zur Wäschepflege sowie ein seltener Posamierwebstuhl. Außerdem sind Zugeschirre und Erntegeräte ausgestellt. Eine Schuhmacherwerkstatt, ein dörflicher Kaufmannsladen , eine Tischlerwerkstatt sowie ein Backhaus und eine Schmiede im Außenbereich runden das Bild des alten Ortes ab.

Sonderausstellung 2011

Organisatorinnen der Ausstellung: Vera Lenz (links) und Monika Kindler-Bothe.

In der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand das Berufsbild des Schneiders. Auch in Geismar hatte das Handwerk Tradition – bis 1977 der letzte Schneidermeister Willi Hampe in den Ruhestand eintrat. Mit der Schneiderei beschäftigt sich jetzt eine Ausstellung des volkskundlichen Arbeitskreises im Museum am Thie, die am Sonntag, 4. Dezember 2011, um 10.30 Uhr vor Beginn des Weihnachtsmarktes eröffnet wurde.

Wer weiß noch, was ein „Elefantenei“ ist? Ein gedrungenes, stoffbezogenes Gebilde mit vielerlei Rundungen, auf die sich Puffärmel und andere ausladende Stoffgebilde auflegen lassen, um sie zu glätten. Ein solches Bügelkissen haben die Organisatorinnen der Ausstellung, Monika Kindler-Bothe und Ortsheimatpflegerin Vera Lenz ausgegraben. „Das wurde noch bis in die 60er Jahre benutzt“, sagt Kindler-Bothe.

Was unterschied eigentlich eine Weißnäherin von einer Damen- oder Herrenschneiderei? Auch zu diesem Themenbereich ist der volkskundliche Arbeitskreis fündig geworden. Die Weißschneiderin war auf das Anfertigen von Haustextilien aller Art spezialisiert, erklärt Lenz: Tischdecken oder Bettwäsche mit gehäkelten Einsätzen oder Stickereien. Aber auch Damenunterwäsche und Taschentücher fielen in ihren Fachbereich. Bis in die 50er Jahre kam auch in Geismar die Weißnäherin regelmäßig in die Haushalte, um Kleidungsstücke oder sonstige Textilien auszubessern.

Die Ausstellung in Geismar zeigt das Handwerkszeug der Schneider. Dazu zählen alte Bügeleisen, Nadeln, Nähring und Scheren. Eines der seltenen Exponate ist eine sogenannte Ochsenzunge, ein Bügeleisen, dessen inwendiger Bolzen im Herdfeuer erhitzt wurde. Ein weiteres Schmuckstück ist ein alter Nähkasten, von Kindler-Bothe schweren Herzens für die Präsentation im Museum am Thie ausgeliehen: „Den brauche ich eigentlich jeden Tag“.

Die Ausstellung „Leute machen Kleider, Kleider machen Leute“ wurde am 4. Dezember 2011 um 10.30 Uhr im Museum am Thie eröffnet. Sie kann etwa ein halbes Jahr lang donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr, jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 10.30 bis 12.30 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 05 51 / 79 49 44 besucht werden.

Adresse

Geismar Museum am Thie
Am Geismar Thie 2
37085 Göttingen

Öffnungszeiten

  • An jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 10.30 bis 12.30 Uhr.
  • An jedem Donnerstag von 20 bis 21.30 Uhr.