Niedersächsische Klosterbuch

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Das Niedersächsische Klosterbuch umfasst vier Bände. Auf 2296 Seiten widmet sich das Lexikon dem monastischen Leben im Land gewissermaßen seit Erschaffung der Welt.

Hintergründe

„Wir haben eine vollständige Inventur der Klöster und ihrer Geschichte gemacht“, sagt der Historiker Prof. Arnd Reitemeier vom Institut für historische Landesforschung der Universität Göttingen.

„Erstmals wird damit ein wissenschaftlich fundierter Überblick über die monastischen Einrichtungen in Niedersachsen und Bremen geschaffen. Die Forschung wird so außerordentlich von diesem Grundlagenwerk profitieren“, betont Reitemeier.

Für das 116 Euro teure Werk, erschienen im Gütersloher Verlag für Regionalgeschichte, haben 138 Autoren unter der Leitung von Dr. Josef Dolle vom Institut für historische Landesforschung alle großen Archive Niedersachsens durchforstet. Es erfasst in 365 Artikeln alle Domkapitel, Stifte und Klöster in 205 Orten Niedersachsens und Bremens, berichtet über Ordenskommenden, Beginen- und Begardenhäuser von der Christianisierung bis zum Jahr 1810. Gegliedert ist das Werk nach Ortsnamen. Der erste Band umfasst die Klöster in den Orten Abbingwehr bis Gandersheim, der zweite Gartow bis Mariental, der dritte Marienthal bis Zeven, der vierte enthält ein detailliertes Orts- und Personenregister sowie ein umfassendes Literaturverzeichnis.

Standardwerk für Historiker

Eine Übersichtskarte und 16 Stadtpläne lokalisieren die monastischen Institutionen in Niedersachsen und in den wichtigsten Städten. Das Lexikon informiert über Münz- und Marktrechte, über Archivalien und Wandmalereien, über Beginen und Begarden – das sind Angehörige christlicher Laien-Gemeinschaften seit dem 13. Jahrhundert, die weiblichen hießen Beginen, die männlichen Begarden – oder über die Unterschiede zwischen (katholischen) Nonnen und (evangelischen) Konventualinnen. Besonders hervorgehoben werden in dem Werk die Geschichte, die innere Verfassung, die Wirtschaftsgeschichte sowie die Geschichte von Archiv und Bibliothek. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Bau- und Kunstdenkmäler sowie die Ausstattung der Gebäude. Die Listen der Institutsvorstände sowie ein Literaturverzeichnis runden die Artikel ab. Das Buch dürfte auf Jahrzehnte ein Standardwerk für Historiker sein.

Seit der Christianisierung waren Klöster nicht nur zu Orten geistlichen und geistigen Lebens, sondern auch zu handwerklichen und wirtschaftlichen Zentren geworden. Daher werfen die Autoren sozusagen immer wieder Blicke über die Klostermauern und betrachten auch soziale und technische Entwicklungen. Nach der Reformation zogen die Landesherren im heutigen Niedersachsen nur einen Teil der Klöster ein; besonders Frauenklöster blieben erhalten, etwa die fünf im ehemaligen Fürstentum Calenberg gelegenen Frauenklöster Barsinghausen, Mariensee, Marienwerder, Wennigsen und Wülfing­hausen.

Die Klosterkammer, die bis heute für 15 evangelische Einrichtungen zuständig ist, unterstützte die Edition mit 75 000 Euro. Den ­Löwenanteil finanzierte das niedersächsische Kulturministerium, das 205 000 Euro beisteuerte.

Josef Dolle (Hg.): Niedersächsisches Klosterbuch – Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, 2296 Seiten, 4 Bände, Verlag für Regionalgeschichte Gütersloh, ISBN 978-3-89534-956-0, 116 Euro (Subskriptionspreis 88 Euro bis 31. Juli).

  • Quelle: Simon Benne und Michael Schäfer, "Klöster und Stifte in Niedersachsen", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 4. Juli 2012.