Nordstadt

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Die Nordstadt ist ein Stadtteil der Stadt Göttingen

Ein Quartier im Umbruch: Artikel im Göttinger Tageblatt

Einst Kneipe (Café Kreuzberg), heute Studentenwohnung: In der Nordstadt gibt es kaum noch Gastronomie.

Wie kann die Göttinger Nordstadt künftig weiterentwickelt werden? Das Gebiet befindet sich durch entstehende Industriebrachen und einen steigenden Anteil von Studenten im Umbruch. Es weist neben der Stärke Innenstadtnähe auch Schwächen wie eine hohe Belastung durch die Hauptverkehrsadern Weender Landstraße und Robert-Koch-Straße auf.

Städtebauförderungsprogramm des Landes

Die Stadt will deshalb die Nordstadt in das Städtebauförderungsprogramm des Landes bringen. Für den erforderlichen Antrag soll das Büro „Plan zwei“ aus Hannover die vorbereitenden Untersuchungen leisten. Eine erste Analyse der Stärken und Schwächen des Gebietes hat ein Büro-Team um Klaus Habermann-Nieße nun bei einer Zukunftswerkstatt für die Bewohner der Nordstadt vorgestellt.

Einwohnerzahl relativ stabil

Die Nordstadt umfasst das Gebiet zwischen Kreuzbergring, Robert-Koch-Straße, Christophorusweg und den Bahngleisen im Westen. Die dortige Einwohnerzahl sei mit etwa 5500 seit 1980 relativ stabil, so Habermann-Nieße. Auffällig, aber angesichts von Uni-Nähe und Studentenwohnheimen nicht verwunderlich ist der hohe Anteil der 18- bis 30-Jährigen, der mit 49 Prozent weit über dem städtischen Durchschnitt von 26 Prozent liegt.

Umgekehrt beträgt der Anteil der Senioren über 60 nur elf Prozent statt 21 Prozent im städtischen Schnitt. Einzelhandel mit großen Parkplatzflächen ist laut Analyse überreichlich vorhanden, öffentliche Grünflächen sind dagegen Mangelware, öffentliche Spielplätze gar nicht vorhanden.

Stärken der Nordstadt

Die Gastronomie- und Kneipenszene in dem Viertel sei fast völlig zum Erliegen gekommen, bis auf einen Kiosk gebe es keine öffentlichen Treffpunkte. Weender Landstraße, Kreuzbergring und Robert-Koch-Straße seien hochbelastete Straßen an der Grenze zur Wohnverträglichkeit.

Studenten und Klinikums-Beschäftigte, die mit dem Auto kommen, sorgen zudem für Parkplatzmangel. Doch auch Stärken der Nordstadt hat das Büro ausgemacht: günstige Mieten, Innenstadt- und Uninähe, Entwicklungspotenzial auf den Brachflächen.

Bürger bringen eigene Vorschläge ein

In Anwesenheit von Stadtbaurat Thomas Dienberg hatten die Bürger die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen. Angeregt wurde zum Beispiel, bei Modernisierungen größere Wohnungen zu schaffen, um Familien anzulocken und zu verhindern, dass der Studentenanteil noch weiter steigt und ein Studentendorf mit hoher Fluktuation entsteht.

Vorgeschlagen wurde auch, das Gebiet nördlich bis zur B 27 auszuweiten, auch wenn es dann nach Weende hineinreicht. Im Sommer soll der Antrag für die Städtebauförderung gestellt werden.

Quelle: Artikel von Jörn Barke im Göttinger Tageblatt vom 6.04.2013.

Foto: Christina Hinzmann.

Entwicklungskonzept für Göttinger Nordstadt vorgestellt

Die ältesten Wohnblöcke im Bestand der Wohnungsgenossenschaft in der Nordstadt: Hier könnten sich die Planer einen Stadtteilplatz vorstellen.

Auf rund 14,2 Millionen Euro beliefe sich das Sanierungsvolumen, würde die Göttinger Nordstadt in ein entsprechendes Förderprogramm des Landes aufgenommen. Damit die Stadt den Antrag rechtzeitig einreichen kann, waren vorbereitende Untersuchungen – eine Stärken- und Schwächen-Anlalyse – und darauf aufbauend formulierte Sanierungsziele notwendig.

Das Entwicklungskonzept für die Nordstadt wurde jetzt den Stadtteilbewohnern und dem Bauausschuss vorgestellt.

Was Planer Klaus Habermann-Nieße an Visionen ausführte, barg manchen Vorschlag, der zumindest für ein Raunen unter den Zuhörern sorgte.

Weil der Stadtteil mit seinen rund 5500 Einwohnern nicht über einen zentralen Platz verfüge, bescheinigen die Planer der Nordstadt eine nur geringe Stadtteilidentität.

Das Entwicklungskonzept führt daher als Infrastrukturmaßnahme zum Beispiel den Abbruch von vier Wohnblöcken zwischen Goßlerstraße und Annastraße zugunsten einer Stadtteilmitte vor.

Keine Entscheidung für einen Abriss

In Gesprächen mit der Wohnungsgenossenschaft (WG), der ein Großteil der Wohnbebauung im Quartier gehört, sei die Aufgabe modernisierungsbedürftiger Gebäude für die Schaffung eines Quartierszentrums als möglich bezeichnet worden, „wenn gleichzeitig als Ersatz neuer Wohnungsbau auf Umstrukturierungsflächen ermöglicht würde“.

Michael Przibilla, Vorstandsmitglied der WG, betonte, die Genossenschaft fühle sich der Stadtteilentwicklung verpflichtet. Er versicherte aber auch, dass es bisher keine Entscheidung für einen Abriss der Wohnblöcke gebe.

Entwicklungspotenzial erhoffen sich Stadt und Planer vor allem auf dem spätestens im Jahr 2020 frei werdenden Gelände der Firma Sartorius.

Nicht studentisches Wohnen bedienen

Diese etwa 20 000 Quadratmeter große Gewerbefläche an der Weender Landstraße wie auch das Gelände des Rewe-Marktes sieht das Entwicklungskonzept Nordstadt für eine Umnutzung zugunsten von Wohnungsbau vor.

Dieser sollte aus Sicht der Stadtplaner nicht studentisches Wohnen bedienen, sondern familiengerechte sowie alten- und behindertengerechte Angebote ermöglichen.

Wegen der hohen Lärmbelastung durch die an das Sanierungsgebiet angrenzende Bahn, wird auf dem westlich der Weender Landstraße gelegenen Bereich der stadtplanerische Entwicklungsschwerpunkt auf Gewerbe und Dienstleistung gelegt – vor allem für die brach liegenden Flächen und das ehemalige Firmengelände Mehle in Nachbarschaft des Gallus-Parks.

Mehr Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer

Die Weender Landstraße selbst sei „hochbelastet“ vom Verkehr, so Habermann-Nieße. Er glaubt aber: „Man kann die Straße anpassen.“

Planungsskizzen im Entwicklungskonzept sehen etwa eine Reduzierung auf eine Fahrbahnbreite von 6,50 Metern (also in jede Richtung nur eine Fahrspur), mehr Grün und Parkstreifen sowie ausreichend breite Geh- und Radwege auf beiden Seiten vor.

Auch wenn dieser Punkt von einigen Nordstadtbewohnern skeptisch gesehen wird, mehr Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer, um die Weender Landstraße sicher zu überqueren, wünschen sich nicht nur die Planer.

Im Übrigen müssten laut Entwicklungskonzept auch die stark frequentierten Kreuzungen Kreuzbergring / Weender Landstraße sowie Kreuzbergring / Robert-Koch-Straße umgebaut werden.

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