Odagsen

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Wappen von Odagsen

Odagsen ist ein Ort im Landkreis Göttingen zwischen Harz und Solling. Er gehört zu Einbeck.

Personen und Organisationen

  • Ortsbürgermeister: Gerhard Günther

Lexikonteil

Allgemein

  • Einwohner gesamt (Stand 01/2007): 391. Davon sind 203 Einwohner männlich. 188 sind weiblich.
  • Geographische Lage: 9° 52' Länge 51° 47' Breite
  • Odagsen liegt 132 Meter über dem Meeresspiegel. Es hat ein durch milde Winter und kühle Sommer gekennzeichnetes sogenanntes Übergangsklima. Die normale Niederschlagsmenge bewegt sich zwischen 700 - 720 mm. Die Gemarkung Odagsen umfasst eine Gesamtfläche von 341,05 ha. Davon werden 296,99 ha. als Acker, Wiese und Weide genutzt; die restlichen 44,06 ha. verteilen sich auf Gebäudeflächen, Hofräume, Wege und Gewässer. Außerdem liegen noch 196,75 ha. Eigen- und Pachtland in den angrenzenden Gemarkungen. Der Boden besteht zu 80 % aus Lösslehm und zu 20 % aus schwerem, stark mit Ton durchsetztem Lehm. Damit ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für einen ertragreichen Weizen- und Rübenanbau gegeben.

Wo der tonige Untergrund nach oben durchstößt - das ist zumeist in unmittelbarer Nähe des Dorfes der Fall -, liegt das flächenmäßig geringe Grünland. Die Einwohner sind zu 70 % ausschließlich in der Landwirtschaft beschäftigt. Auch für den übrigen Teil der Einwohnerschaft ist sie mehr oder weniger die Grundlage des Lebensunterhaltes. Damit ist die Landwirtschaft für Odagsen fast die alleinige Trägerin des dörflichen Lebens. Das Dorf hat 75 Wohnhäuser und zählt 59 landwirtschaftliche Betriebe.

Geschichte

Da, wo 4 km südlich von Einbeck die Aue sich der Rebbe zugesellt, um mit ihr vereint dem Ilmetal zuzustreben, liegt, eingebettet zwischen waldlosen Hügeln, das Dorf Odagsen in einer landwirtschaftlich um so wertvolleren Umgebung. Das Dorf hat ursprünglich »Osdageshus« geheißen und aus nur einem einzigen befestigten Hof bestanden. Wigand berichtet, daß die Herren von Osdagessen nach dem Dorfe gleichen Namens, jetzt Odagsen, genannt sind, sich aber nur der Ritter Heinrich v. O. in einer Urkunde von 1241 findet, der 3 Hufen in Osdagessen dem Kloster Amelunxborn verkauft hat. Durch die alten Kirchenrechnungen ein Zusammenhang mit dem Kloster Amelungsborn bestätigt wird. Das zum jetzigen Ernst Willeschen Hof gehörige Land wird darin als »Kloster Amelungsbornsches Land« bezeichnet. Es wird auch berichtet, daß von diesem Hof der Fruchtzins an das Kloster Amelungsborn abgeliefert werden mußte.

Im Laufe der Zeit kamen zu dem ersten Hof noch andere hinzu, so als zweiter der jetzige Illemannsche Hof, der zunächst ein Pachthof war und dem Kloster Fredelsloh zinspflichtig. Später wurde dieser Hof von einem Karl Illemann käuflich erworben. Somit kann als ziemlich sicher angenommen werden, daß der Willesche Hof der erste und älteste Hof in Odagsen ist. Auch die Lage des Hofes spricht dafür; denn der Hof ist an hoher und übersichtlicher Stelle, die auch leicht gegen äußere Angriffe verteidigt werden konnte, angelegt. Da nach der Chronik an Stelle einer alten, verfallenen Holzkapelle St. Pancratii im Jahre 1183 eine steinerne Kirche erbaut worden ist, ist anzunehmen, daß der Besitzer des Friedhofes auch der Erbauer dieser Kapelle war, da sie dicht bei seinem Hof gestanden hat. Ein Torbogen der ersten Kapelle ist an der Südwand unserer Kirche eingemauert.

In dem Hirtenhaus (heute Anwesen H. Thormann) brach am 5. Mai 1807 morgens 10 Uhr ein schreckliches Feuer aus, das binnen weniger Stunden 12 Wohnhäuser und 8 Nebengebäude in Asche legte. Auch der Willesche Hof - damals Heise - brannte nieder, und die Flammen schlugen so hoch, daß die ursprünglich vergoldete Kugel auf dem Kirchturm schwarz geworden ist.

Das Amt Rotenkirchen war der Ansicht, daß es zur Verhütung eines ähnlichen Unglücks durchaus erforderlich sei, die abgebrannten Gebäude regelmäßiger und weiter voneinander entfernt aufzubauen. So hat durch diesen großen Brand das Dorf seine Gestalt wesentlich verändert, indem es nach der Trift zu erweitert wurde.

Aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Kriege finden sich nur spärliche Nachrichten. Im Jahre 1592 vernichtete ein großes Hagelwetter die Felder; außerdem mußte in diesem Jahre der baufällige Kirchturm repariert werden. Einige dürftige Nachrichten aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges besagen jedoch sehr deutlich, daß dieser Krieg auch in unserem Kirchspiel schreckliche Verwüstungen angerichtet hat. Im Jahre 1627 ist der ganze Ort, nur mit Ausnahme der Kirche und des Pfarrhauses, niedergebrannt. Der damalige Pastor, Johannes Möhle, mußte am 26. Juli 1627 aus Odagsen fliehen. Er bat das Wolfenbüttelsche Konsistorium um eine andere Pfarre, weil das ganze Dorf in Asche lag und von der Gemeinde niemand mehr übrig sei. Er ist jedoch später zurückgekehrt und im Jahre 1640 in Odagsen gestorben. Im Jahre 1628 hatte man eine ungewöhnlich große und verheerende Mäuseplage, so daß man bei der Ernte nicht einmal die Einsaat wiederbekam. Im Jahre 1641 sind von den Kirchenländereien keinerlei Pachten aufgekommen, weil, wie es wörtlich heißt, »die Soldaten bei der Belagerung von Einbeck alles verderbet hatten.« 

Dass der Dreißigjährige Krieg dem Kirchspiel tiefe Wunden geschlagen hatte, geht auch daraus hervor, dass noch 30 Jahre später die Kirchenbücher eine sehr niedrige Bevölkerungszahl angeben. Im Jahre 1700 hatte das ganze Kirchspiel (Odagsen, Edemissen und Immensen) nur gegen 600 Einwohner. Das heute noch stehende Pfarrhaus wurde im Jahre 1711 auf Kosten des Stiftes St. Alexandri zu Einbeck gebaut. Das Stift hatte nämlich durch einen Vertrag aus dem Jahre 1613 die Baulast des Pfarrhauses übernommen. Da bei der späteren Verstaatlichung des Stiftes der Staat alle Rechte und Pflichten des Stiftes mit übernahm, trägt der Staat durch die Klosterkammer in Hannover auch heute noch die Baulast des hiesigen Pfarrhauses.

Der Siebenjährige Krieg scheint auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vorübergegangen zu sein. Die Chronik berichtet, dass im Jahre 1758 in der Gemeinde 55 Personen gestorben sind. Welche Seuche damals das Kirchspiel heimsuchte, wird nicht gesagt. Nach einer anderen Notiz mussten im Jahre 1760 drei Viertel aller Pachtgefälle erlassen werden, was auf die bestehenden Kriegsnöte gedeutet werden kann. 30 Jahre später berichtet der Pastor Lauenstein (1785 - 1791), dass damals die furchtbare Seuche der Blattern in der Gemeinde umgegangen ist. Es starben damals in Odagsen und Immensen 13 Kinder.

Aus dem Jahre 1804 hören wir die ersten Klagen über die französische Einquartierung. In Odagsen erschienen die Franzosen am zweiten Ostertag. Der Chronist schreibt dazu: »Zwei Jahre lang trug dieses Dorf die Lasten der französischen Occupation. Endlich verließen sie unser Land im Jahre 1805; aber auch bei dieser Gelegenheit litten die drei Dörfer außergewöhnlich, weil die Durchmärsche kein Ende nahmen.«  Im Jahre 1857 wurde im Kirchspiel mit der Verkoppelung begonnen, und nach 5 Jahren, am 1. September 1862, war man endlich damit fertig. Auch in Odagsen ist es nicht ohne Kampf abgegangen, und es hat lange gedauert, bis sich alle wieder beruhigt hatten.

Über die geschichtlich bedeutsamen Jahre 1866 und 1870/71 berichtet der Chronist, dass unser Kirchspiel keine Verluste an Menschenleben zu beklagen hatte. An dem für die Gefallenen des ersten Weltkrieges 1921 errichteten Ehrenmal stehen die Namen von 22 Gefallenen und Vermissten, die Odagsen zu beklagen hatte. Aus dem zweiten Weltkriege kehrten allein von der einheimischen Bevölkerung 24 Teilnehmer nicht zurück. Bei der Einnahme Odagsens durch die Amerikaner, am 10.4.1945, geriet das Dorf infolge des Beschusses an fünf Stellen in Brand. Glücklicherweise verbrannten aber nur Wirtschaftsgebäude, nämlich Scheunen und Stallungen. Aber auch ein Menschenleben war zu beklagen: Eine junge Kriegerwitwe wurde durch Kopfschuss getötet.

Die Odagser Mühle war früher eine herrschaftliche, vom Amte Rotenkirchen konzessionierte Erbenzinsmühle, die nur für den bäuerlichen Bedarf an Mahlerzeugnissen von Odagsen zu befriedigen hatte. Sie wurde durch das gestaute Wasser der Rebbe getrieben, da die Wasserkraft der Rebbe an sich zu schwach war.

Wie aus einigen Flurnamen (Eichengrund, Eichenfeld) hervorgeht, hat Odagsen auch einmal einen Wald gehabt. Er ist im Laufe der Jahrhunderte durch Rodung in Ackerland verwandelt worden. Die Gemeinde gehört aber mit noch 10 anderen Dörfern zu der Forstgenossenschaft »Landmannsholz«, deren 401 ha großer Genossenschaftswald im Grubenhagener Forst liegt. Auch die hiesige Pfarrstelle und die erste Lehrerstelle sind mit einem Anteil dotiert.

Ein dringliches Problem war seit langem die Schaffung besserer Schulverhältnisse. Wie dringlich diese Aufgabe war, erhellt daraus, dass schon 1887 der Bau einer neuen Schule geplant, aber erst 1950 verwirklicht wurde. Die Schule war bis zum 1. April 1947 einklassig. Die dritte Lehrkraft konnte erst am 1. Januar 1951 eingestellt werden. Mit ihr erhielt die Odagser Schule seit ihrem Bestehen die erste hauptamtliche Lehrerin. Die Schule wurde vierklassig, und die Schulverhältnisse hatten sich zum Segen für Lehrer und Schüler in verhältnismäßig kurzer Zeit von Grund auf gewandelt.

  • Quelle: Albert Falke


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