Open Air im KWP

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Publikum im Kaiser Wilhelm Park

Das Open Air im KWP ist ein Festival im Kaiser-Wilhelm-Park im Göttinger Stadtwald.

Presse

2010

Zwar gibt es Ohrstöpsel am Eingang, gebraucht werden sie aber an diesem Wochenende nicht. Es lässt sich bei der angenehmen Lautstärke noch gut plaudern und dabei Cocktails schlürfen, was viele taten. Das zweitägige „Open Air im KWP“ im Göttinger Stadtwald lockte außerdem mit sommerlichen Temperaturen, einladendem Ambiente und einer musikalischen Vielfalt um die 3000 Zuschauer (vorwiegend mittleren Alters) in den Kaiser Wilhelm Park.

Viele kommen seit Jahren und vieles hat hier Tradition. Wie die Moderation von Förster Wilhelm Kaiser alias Christoph Huber, der in Schwyzerdütsch und Försterkluft durch das Programm am Freitag und Sonnabend führt.

Am Freitag haben „Black&Schwarz“ als Gewinner des Musikwettbewerbs „Local Heroes Göttingen“ den Vortritt vor der Band „Silly“. Die lockt Göttinger und Fans von außerhalb an. Mit kraftvollen und Gänsehaut provozierenden Balladen wie „Wo bist du?“ und nicht zuletzt mit dem Song „Alles rot“ springt der Funken nach anfänglicher Ladehemmung aber schießlich über und Silly gibt mehrere Zugaben.

„Danke an Anna Loos. Wenn es sie nicht geben würde, würde es uns nicht geben!“ lauten die abschließenden Worte der männlichen Bandmitglieder an ihre Frontfrau. Eine große und bewegende Geste.

Richtig ausgelassen wird es dann mit „Mitteldeutschlands ältester Boyband“ wie sich die Jungs von Fab4Soul scherzhaft nennen. Sie starten mit einem Eagles-Medley und haben Tanzbares im Gepäck. Nicht nur das weibliche Publikum ist angetan. Burkhardt Eiben, Andrew Gräser, Frank Reudenbach und Joey Brück haben großartige Stimmen und sind echte „Rampensäue“, die Stimmung machen. Daran können sie auch kleine technische Schwierigkeiten nicht hindern. Ihrem Arbeitgeber Howard Carpendale widmen sie dann ihre Version von „Hello Again“, das gerne mitgesungen wird.

Rockig beginnt der Sonnabend mit „Treehouse“, den Gewinnern des Bandnachwuchs-Contest „Rock am Kauf Park“, bevor Jian & Friends ihre Songs von Jamie Cullum, Radiohead oder Bill Withers zum Besten geben. Besonderheit: Die Musiker Max Gebauer, Leon Hast und Felix Barth stehen nun schon zum zweiten Mal auf der Waldbühne, nachdem sie am Vorabend schon mit „Black & Schwarz“ auftraten.

Neue musikalische Akzente setzen die 17 Hippies bei ihrer KWP-Premiere. „Ich weiß nicht, warum wir noch nie hier waren, denn ihr seid ja da“, ruft Kiki Sauer von den Hippies angetan in die Menge. Das Blätterdach über den Zuschauern bildet mit seinen Lichtpunkten eine stimmungsvolle Kulisse für die über 1100 Zuschauer. Bei nächtlichen Temperaturen um die 25 Grad schunkelt das Publikum mit, tanzt ausgelassen oder heult auch mal wie ein Rudel Wölfe. Die Hippies singen auf französisch, deutsch, englisch und auch mal auf hessisch. Die Musikstile reichen von Country & Western, über französischen Chanson bis hin zu Balkanrhythmen. Kaum zu glauben, dass das eine deutsche Band ist und erstaunlich wie 13 Leute ohne Dirigent auf der Bühne funktionieren. „Das macht die jahrelange Übung“, so Kiki Sauer (Akkordeon ) nach dem Konzert. Die Hippies spielen seit 15 Jahren zusammen. „Begonnen hat alles ganz klein in einer Bar in Kreuzberg. Da haben wir experimentiert und es kamen irgendwie immer mehr Leute.“ Vom Festival und der Organisation sind sie begeistert: „ Das ist der beste Backstagebereich, den wir je hatten!“ lobt Christopher Blenkinsop (Ukulele u.a.) die Unterbringung im nahen Tennisclub. Ein geglückter Einstand.

Den schweißtreibenden Abschluss nach den 17 Hippies bildet „Soulvillage“. Sänger David A. Tobin in Glitzerkostüm animiert mit seiner großartigen Performance alle, die noch durchgehalten haben zum Tanzen und Mitsingen bei Göttingens schönster und größter Sommernachtsparty bis zum Ende nach Mitternacht.

2011

Wer kein Feuerzeug hat, bringt sein Handy zum Leuchten: Stefanie Heinzmann bringt‘s dem Publikum bei.

Zum 22. Mal schlug im Göttinger Wald das Kaiser-Wilhelm-Park (KWP) Festival seine Zelte auf. Zu den Waldbewohnern gesellten sich insgesamt 3000 Zuschauer, die unter einem illuminierten Blätterdach mit sehr abwechslungsreichen musikalischen Darbietungen versorgt wurden.

Mit stählernen Riffs und knallharten Beats begrüßten die Trash-Metaller von „Steel Ignition“ die Gäste am Freitagabend. Die Hardliner um Sänger Jannik Nyga machten keinen Hehl aus ihrer musikalischen Orientierung. Obwohl sie ihr Set sauber ablieferten, kamen Mohspit und Headbanger nicht richtig in Wallung. Spaß machte der Auftritt der „Stahl-Zünder“ trotzdem.

Zu Wachs wurde das Publikum in den Händen von Soul-Sängerin Stefanie Heinzmann. Mit ihrer Stammband, den „Fonky Fonks“, brachte die Schweizerin das Areal vor der Freilichtbühne zum Tanzen, lehrte die Besucher ihren „Reggae-Arm“ zu benutzen und ließ einen kleinen Fan zwischen ihre Background-Sängerinnen schlüpfen. Den Göttingern machte sie außerdem Hoffnung auf einen guten Platz in ihrem internen „Bestes-Publikum“-Contest. Die „White Lady of Soul“ im Holzfällerhemd überzeugte dank ihrer jungen, aber kraftvollen Stimme und Hits wie „My Man Is a Mean Man“, „Roots to Grow“, „Like a Bullet“ und dem Metallica-Cover „The Unforgiven“.

Den „Run“ auf den vorgezogenen Headliner Heinzmann konnten „Los Dos Y Compañeros“ nicht ganz halten, die Gäste mit Stehvermögen ließen sich aber von jeder Menge südländischem Flair und heißen Rhythmen überzeugen. Das 12-Mann-Orchester mischte Salsa-, Rumba, Merengue- und ChaChaCha-Klänge mit bayrischen Texten und produzierte so semantische Perlen wie „Sunntoch is heit und heit koch de Mama“ und „Kannt ma dau niat oina sogn wa d‘weiba san, de weiba de souchat ma“. Wer dem süddeutschen Dialekt nicht folgen konnte, beschränkte sich darauf, das Tanzbein zu schwingen und sich von der guten Stimmung mitreißen zu lassen.

Mit späterer Stunde stieg auch beim Organisatoren-Team um Margot Blotevogel vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen die Zufriedenheit über einen gut gefüllten Wald. „Am Freitagmittag habe ich noch gezittert, weil es so massiv geregnet hat“, gab Blotevogel zu, aber nachdem man die Tanzfläche noch einmal extra geschottert habe und der Himmel aufklarte, sei man beruhigt gewesen.

Am Sonnabend begrüßte wieder Revierförster und Bärenbändiger Wilhelm Kaiser alias Christoph Huber moderierend die Gäste und gab pünktlich um 19.30 Uhr die Bühne frei für die Gewinner des „Rock am Kaufpark“-Contests „Peanut Gallery“. „Doch schon so viel da...“, stellte Sängerin Maria Koch zur noch frühen Stunde ironisch fest. Aber die Newcomerband lockte mit ihrer energiegeladenen „Mischung aus Sommerpop und auf die Fresse“ die Gäste innerhalb des 30-minütigen Auftritts von Bänken und Bierständen hin zur Bühne. Die Rathausrocker, zu deren Unterstützung sich Dienstherr Wolfgang Meyer (SPD) unter die Besucher gemischt hatte, trafen den Nerv des Best-Ager-Publikums nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten mit einem soliden Potpourri aus Klassik-Rock Nummern von Pink Floyd, Cream und den Dire Straits.

Highlight des Abends waren eindeutig die Deutsch- und Ex-DDR-Rocker „Karat“. Mit einem rund zweistündigen Set von epischer Breite, das von „Jede Stunde“, über „Der blaue Planet“ bis hin zu „Albatros“ und „Über sieben Brücken“ keinen Erfolg ausließ. Mit ausgedehnten instrumentalen Passagen und Herzschmerz-Ansagen von Sänger Claudius Dreilich („Ihr habt Herbie verloren, ich habe meinen Vater verloren“) gewann die Kult-Band ihre Zuhörer. Ein Heimspiel.

Gegen Mitternacht startete die Gruppe „Tuneship“. Mit einer ordentlich Portion Funk, R&B, House und einer dichten musikalischen Besetzung brachte die siebenköpfige Combo um Tanja Rotsch und Kat Moore aber auch zu später Stunde noch den einen oder anderen Fuß zum Wippen. Und wenn es nicht die Musik war, so war es der Atmosphäre geschuldet, dass im Wald die Lichter noch lange nicht ausgingen.