Otto Hahn

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Otto Hahn
Porträt aus dem Göttinger Ratssaal von William Schöpp

Otto Hahn war ein deutscher Physiker und Chemiker. Er erhielt den Nobelpreis für Chemie für das Jahr 1944. Hahn war nach dem Zweiten Weltkrieg Professor für Physik an der Georg-August-Universität Göttingen.

Vita

Hahn wird am 8. März 1879 in Frankfurt am Main geboren und studiert ab 1897 in Marburg Physik und Chemie, promoviert 1901. Es folgt eine Forschungstätigkeit bei Sir William Ramsay in London, wo er die Chemie radioaktiver Stoffe kennenlernt. Nach dem Besuch der Vorlesungen widmet er sich der Lösung einer Aufgabe, die ihm Ramsay gestellt hat: der Abtrennung von neun Milligramm Radium aus den Rückständen eines seltenen Minerals, Thorianit genannt.

Dabei findet er heraus, dass die Lösungen immer noch radioaktiv sind, obwohl er das Radium bereits abgetrennt hatte. Schließlich gelingt es ihm, eine winzige Menge der unbekannten Substanz aus der radioaktiven Lösung abzuscheiden. Das neue Radioelement unterscheidet sich chemisch nicht vom Thorianit, ist aber viel stärker radioaktiv. Er nennt es deshalb kurz Radiothorium. Im Jahre 1905 wird Hahn von Rutherford nach Montreal eingeladen, wo er noch ein weiteres Zerfallsprodukt findet, das Radioactinium.

1907 habilitiert er sich in Berlin, erhält die Lehrbefugnis im Fach Radiochemie und wird Stammgast bei den Kolloquien des Physikalischen Institutes. Hier lernt er die gleichaltrige Physikerin Lise Meitner kennen und gemeinsam beginnen sie mit ihrer Forschungsarbeit.

Gemeinsam mit Lise Meitner und Otto von Baeyer gelingt es ihm 1910 zum ersten Mal, Betastrahl-Spektren von einer Reihe radioaktiver Strahlen zu erhalten. Dieses Verfahren spielt in der modernen Atomforschung eine wesentliche Rolle. Gemeinsam mit Meitner entdeckt Hahn 1918 das Element 91, das Proactinium, das den Schlüssel zur Klärung der Zerfallserscheinungen der radioaktiven Elemente darstellt.

1934 beginnen Hahn und Meitner mit Fritz Straßmann ihre Versuche über die Vorgänge bei der Bestrahlung von Uran mit Neutronen. Ende 1938, als Meitner Deutschland bereits hatte verlassen müssen, kommt Hahn mit Straßmann zu dem völlig unerwarteten Ergebnis, dass durch Bestrahlen des Urans mit Neutronen ein ganz neuartiger Prozess eintritt, nämlich die explosionsartig verlaufende Zerspaltung des Urans in mittelschwere Elemente.

Versuchsaufbau, mit dem Otto Hahn, Lise Meitner und Fritz Straßmann 1938 die Kernspaltung entdeckten.

Die Atommassen der beim Neutronenbombardement von Uran entstandenen radioaktiven Isotope der Elemente Barium, Lanthan und Cer sind etwa halb so groß wie die von Uran. Erklärbar ist dies nur durch die Spaltung des schweren Uranatomkerns. Diese Spaltung ist von der Freisetzung großer Energiemengen und energiereicher Neutronen begleitet, die selbst wiederum neue Kernspaltungen bewirken. Sie können eine Kettenreaktion auslösen, die den Bau von Atomreaktoren, aber auch von Atombomben ermöglicht. Atomenergie nutzbar machen

Am 2. Dezember 1942 gelang es einer amerikanischen Arbeitsgruppe unter Enrico Fermi in Chicago erstmalig, in einem Atommeiler diese Kettenreaktion in Gang zu bringen. Der beobachtete Zerfall des schweren Elements Uran bei Beschuss mit langsamen Neutronen in zwei mittelschwere Kerne hat weitreichende Konsequenzen und macht Hahn zum „Vater des Atomzeitalters“. Seine Entdeckung bildete den Ausgangspunkt für die von den Physikern der ganzen Welt durchgeführten Versuche zur Nutzbarmachung der Atomenergie einschließlich der Atombombe.

Otto Hahns Wohnhaus in der Gervinusstraße

1945 wird Hahn, wie viele andere deutsche Forscher, in England interniert. Dort erfährt er davon, dass am 6. und 9. August 1945 die ersten (und bislang einzigen) bei Kriegshandlungen eingesetzten Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki explodieren. Hahn ist über diese Anwendung seiner Entdeckung tief deprimiert. Wiederholt ergreift er in Sorge über die nun mögliche Selbstvernichtung des Menschen das Wort für eine friedliche Anwendung der Kernenergie.

Auf Bitten Plancks kommt er am 14. Februar 1946 nach Göttingen, wo er von 1946 bis 1960 als Präsident die Max-Planck-Gesellschaft – Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft – aufbaut. In dieser Eigenschaft fordert er wiederholt ein Atomwaffenverbot. So unterzeichnet er 1957 die Göttinger Erklärung gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.


Die Stadt Göttingen ernennt ihn 1959 zum Ehrenbürger. 1964 wird er Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Am 28. Juli 1968 stirbt Hahn in Göttingen und wird auf dem alten Stadtfriedhof begraben.

1968 bringt die Stadt in der Gervinusstraße 5 eine Gedenktafel an. 1969 benennt man die Otto-Hahn-Straße nach ihm, ein Göttinger Gymnasium trägt seit 1977 seinen Namen.

Video

Otto Hahn spricht zur Geschichte der Uranspaltung Informationen
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Autor: Friedrich Terveen
Hersteller: IWF Göttingen
Produktion: 1956
Länge: 9:48 min
Beschreibung: Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Otto Hahn, gibt einen Überblick über seine und die Arbeiten seiner Kollegen L. Meitner und F. Straflmann auf dem Gebiet der Uranspaltung.

siehe auch

Links

  • [1] Wikipedia
  • [2] YouTube Video Otto Hahn erklärt den Versuch.

Literatur