Platz der Synagoge

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Erinnert an die Form einer Flamme: Mahnmal für die ehemalige Göttinger Synagoge. © CR

Der Platz der Synagoge ist ein Platz, an dem die Göttinger Synagoge für ungefähr 500 jüdische Gemeindemitglieder in Göttingen stand und 1938 während der nationalozalistischen November-Pogrome zerstört wurde. Er befindet sich an der Ecke zwischen der Oberen und Unteren Maschstraße. Auf dem Platz der Synagoge befindet sich das sogenannte Mahnmal Synagoge.

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Mahnmal erinnert an Narbe im Stadtbild

Eine solche Narbe als Folge eines selbst gelegten Brandes erinnert das Denkmal für die ehemalige Synagoge, die 1869/70 als neuromanischer Bau errichtet worden war. Sie wurde unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in der Pogromnacht vom 9. auf den 10.11.1938 angezündet und brannte vollständig aus.


Die Lücke im Stadtbild blieb nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ungeschlossen, nur eine Gedenktafel am neuen Gebäude des Deutschen Gewerkschaftsbundes erinnerte an die Synagoge.


Das änderte sich 1973, als mit einer fast sechs Meter hohen Plastik aus Beton und Stahl ein unübersehbares Mahnmal eingeweiht wurde. Das Werk des Künstlers Corrad Cagli besteht aus Dreiecken, die auf dem Grundmotiv des Davidsternes nach oben immer kleiner werden und so eine Pyramide bilden, die durch Achsverschiebungen in sich gedreht ist.


Die Form erinnert an eine Flamme. Der vertiefte Platz unterhalb der Plastik ist begehbar. Als das Mahnmal 1973 eingeweiht wurde, war noch in weiter Ferne, was heute wieder selbstverständlich ist: dass es in Göttingen eine jüdische Gemeinde mit einer eigenen Synagoge gibt. Das aus Bodenfelde nach Göttingen in die Angerstraße versetzte Gebäude wurde am 70. Jahrestag der Pogromnacht eingeweiht.


Das Mahnmal steht auf dem Platz der Synagoge, Ecke Obere-/Untere-Masch-Straße in Göttingen.


  • Quelle: Göttinger Tageblatt 21.07.2011


Wie es zu dem Mahnmal kam

Der erste Anstoß

Das Mahnmal erinnert an die alte Göttinger Synagoge, die von 1869 bis 1872 als neuromanischer Bau errichtet worden war und 1895 eingeweiht wurde. Sie wurde unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in der Pogromnacht vom 9. auf den 10.11.1938 angezündet und am Folgetag durch Sprengungen vollständig zerstört. 1939 wurde das Gelände eingeebnet und ein Jahr später wiederum an den Göttinger Spar- und Bauverein verkauft. Die Idee, am ehemaligen Standort der Synagoge ein Mahnmal zu errichten, kam bereits 1947 von Zwi Horowitz, Vorsitzender der Jüdisch Historischen Kommission. Das Vorhaben scheiterte. Der als Eiferer geltende Horowitz fand kein Gehör. Er wanderte 1949 mit seiner Familie nach Israel aus. 1952 wurde das Grundstück an die jüdische Gemeinde Göttingen zurückgegeben. Da diese aber keinen Gebrauch dafür fand, verkaufte sie es an den deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Auf dem heutigen Platz der Synagoge befand sich zu diesem Zeitpunkt ein Parkplatz. An die alte Synagoge erinnert wurde lediglich durch eine kleine Gedenktafel.


Einweihung

9. November 1973: Feierstunde anlässlich des neu errichteten Mahnmals. (Sammlung Paul)

1970 regte die SPD-Ratsfrau Hannah Vogt, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit, erneut den Bau eines Mahnmals an. Im Mai 1970 habe der Rat das Vorhaben beschlossen, berichtete der damalige Göttinger Oberbürgemeister Artur Levi, am 9.11.1973, dem 35. Jahrestags des Progroms, während seiner Rede zur Einweihung, die unter Polizeischutz und großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfand.


Aufbau des Mahnmals

Das Mahnmal wurde vom jüdischstämmigen italienischen Künstler Corrado Cagli geschaffen, der aufgrund von Verfolgung ins Exil in die USA ging, sich dort als Soldat der US-Armee anschloss und so an der Befreiung des KZ Buchenwald mitwirkte. Es besteht aus einer 5,60 Meter hohen und 5 mal 5 Meter breiten stählernen Skulptur, in der 86 Dreiecke pyramidenförmig übereinander gestapelt sind. So wird fortlaufend durch jeweils zwei versetzt übereinanderliegende Dreiecke das jüdische Glaubenssymbol des Davidssterns visualisiert. Die Skulptur erinnert zudem an eine Flamme, was dadurch verstärkt wird, dass sie nachts beleuchtet wird und somit das Gebäude auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge anstrahlt. 1995 wurde zudem eine bronzene Gedenktafel mit den Namen der 282 jüdischen Opfer des Landkreises Göttingens angebracht. Seit Errichtung des Mahnmals findet außerdem jährlich am 9. November, dem Jahrestag des Novemberpogroms 1938, eine Gedenkfeier am Platz der Synagoge statt, um an die getöteten Juden und anderen Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu erinnern.

Quellen: