Postdoktorandinnen-Mentoring

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche

In Göttingen wurde 2012 zum ersten Mal ein Postdoktorandinnen-Mentoring durchgeführt.

Positive Erfahrungen gemacht: Mentee Dr. Friederike von Criegern und Prof. Simone Winko (von links).


Bericht im Göttinger Tageblatt

Die Chancen für eine akademische Karriere in Deutschland sind schlecht, für Frauen geradezu katastrophal. Um die Voraussetzungen für eine solche Karriere zu verbessern, hat die Philosophische Fakultät der Universität Göttingen erstmals ein Postdoktorandinnen-Mentoring organisiert.

Der erste Durchgang dieses zehnmonatigen Mentorings, der im September 2011 begonnen hatte, wurde jetzt mit einer feierlichen Verabschiedung der sogenannten Mentees in der Paulinerkirche abgeschlossen.

Mentoring-Partnerschaft

Kern des Programms ist die Mentoring-Partnerschaft. Jede Mentee wird von einem Mentor oder einer Mentorin betreut. Es gibt drei Programmbausteine. Im Zentrum stehen regelmäßige Gespräche, dazu gibt es Gruppencoachings für Mentees mit einer professionellen Trainerin sowie Einführungs-Workshops, in denen es beispielsweise um strategische Karriereplanung und das Verhältnis zwischen Arbeits- und Privatleben geht.

Zeitlich platziert sei das Programm in der „sensiblen Phase zwischen Promotion und Habilitation“, sagte Prof. Irene Schneider, die Dekanin der Philosophischen Fakultät. 70 Prozent aller Teilnehmer – je sechs Mentoren sowie sechs Mentees – bezeichneten die Partnerschaft als sehr gut bis gut, berichtete Christina Durant, die Gleichstellungsbeauftragte der Philosophischen Fakultät. Nochmals teilnehmen an einem solchen Programm würden fünf der sechs Mentees und vier von fünf Mentoren.

"Höchstrisiko"

Von ihren Erfahrungen als Mentorin berichtete die Göttinger Germanistin Prof. Simone Winko. Sie habe sich gern für dieses Programm zur Verfügung gestellt, weil sie wisse, dass junge Wissenschaftlerinnen, die eine Universitätsprofessur anstreben, „ein Höchstrisiko“ eingingen. Dabei habe sie „sehr, sehr positive Erfahrungen“ gemacht. Die teaminterne wie die mentoringspezifische Kommunikation mit ihrer Mentee, der promovierten Romanistin Friederike von Criegern, sei ausgesprochen erfolgreich gewesen, getragen von „wechselseitigem Vertrauen und Respekt“. Criegern hob in ihrem Bericht aus Sicht der Mentee hervor, dass sie die Aufnahme in das Mentoring-Programm als Zeichen gewertet habe, dass der Universität etwas an ihr liege. Sie sehe dies als „Auszeichnung und Chance“. Sie habe sich „im besten Sinne begleitet gefühlt“ und in dieser Zeit die „Basis für ein horizontales Netzwerk“ bilden können.

Als Gast aus Berlin beschrieb Dr. Christine Kurmeyer, Leiterin des „Dual Career Netzwerks“, die Ausgangspositionen von Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben. „Strukturen in den Köpfen“ stünden solchen Karrieren im Wege: etwa die Unvereinbarkeit von notwendigen Machtritualen und Rollenzwängen von Frauen oder die konservative Exklusion aus traditionellen, kulturellen und funktionalen Gründen. Gern würden Frauen als „zu empfindlich und schwach“ eingestuft, umgekehrt nicht selten auch als „zu unweiblich“, im schlimmsten Falle seien sie „gar nicht erst vorhanden“. Denn Frauen würden bisweilen gar nicht wahrgenommen, „weil sie nicht laut genug ,Hier!‘ schreien“.

Probleme der Außendarstellung

Frauen sollten im Mentoring-Programm etwas über die Möglichkeiten einer thematischen Profilierung erfahren, über wissenschaftliche Schwerpunktsetzung und die Probleme der Außendarstellung, über strategische Produktionsplanung, über Vernetzung, Feldwissen und über Managementkompetenzen. Der Nutzen für die Mentees liege beispielsweise im Erwerb von Insiderwissen, im Bewusstseinstraining und in der Netzwerkarbeit. Mentoren erhielten ein unabhängiges Feedback sowie die nicht zu unterschätzenden Erfahrungen, helfen zu können und Wissen weitergeben zu dürfen. Sie sei sich sicher, dass die Mentees nach Absolvierung dieses Programm „nicht ungehört in der Bibliothek verstauben“ würden: „Erfolg brauche ich Ihnen nicht zu wünschen, den werden Sie haben.“

Am 15. Oktober beginnt der zweite Durchgang des Postdoktorandinnen-Mentorings. Die Bewerbungsfrist endet am 7. September. Informationen: phil.uni-goettingen.de/pd-mentoring.


Quelle: "Erste Gruppe im Postdoktorandinnen-Mentoring verabschiedet", Artikel von Michael Schäfer im Göttinger Tageblatt vom 3. August 2012.

Foto von Peter Heller, erschienen im Göttinger Tageblatt vom 3. August 2012.