Römerlager Hedemünden

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Das Römerlager Hedemünden war eine frühzeitliche Befestigungsanlage, deren Reste sich nahe dem Unterlauf der Werra auf dem heute bewaldeten Burgberg am Rand Hedemündens finden. Archäologischen Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es sich um ein römisches Militärlager aus der Zeit um Christi Geburt handelt.

Das Römerlager bei Hedemünden ist das einzige in Niedersachsen. Es wurde um das Jahr 11 vor Christus gegründet und mindestens drei bis fünf Jahre lang genutzt. Es diente in den Jahren 11 bis 9 als Lager für die römischen Feldzüge des Nero Claudius Drusus in Richtung Elbe. Möglicherweise bestand das Lager auch über die Zeit der Varusschlacht (Jahr 9 nach Christus) hinaus.

Bei Kalefeld wurden 2008 spätere Spuren der Römer entdeckt.

Presse

Römerlager: Große Häuser, Wege und neue Funde

Kreisarchäologie Göttingen findet Grundrisse von römischen Fachwerkhäusern bei Hedemünden

Das Römerlager war ein durchgehend mit Soldaten besetztes Stand- und Versorgungslager: Mit großen Häusern und mindestens 100 Soldaten. Die Mitarbeiter der Göttinger Kreisarchäologie fanden heraus, dass allein im zentralen "Lager I" mindestens zehn große Häuser gestanden haben. Zwei 40 mal 40 und 20 mal 65 Meter große Holzgebäude dienten vermutlich als Verwaltungs- und Repräsentationsbauten. Dazu kommen noch Vorratsgebäude und -hallen, die bis zu 240 Quadratmeter groß sind.Die Archäologen stießen zudem auf Spuren der alten Marschwege, die die römischen Soldaten in Richtung Mollenfelde und Oberode benutzten. Entlang der Wege fanden die Archäologen Sandalennägel und weitere Hinweise auf die Römer.

Das Lager bei Hedemünden war vermutlich drei bis fünf Jahre in Betrieb. Von der einst imposanten Anlage sind heute Wälle, Steine, Grundrisse und viele andere Funde erhalten geblieben.

Gefunden wurden seit der Entdeckung des Lagers im Jahr 2004 auch rund 750 Metallgegenstände. Waffen, Münzen, Werkzeuge und einige Schmuckgegenstände – zum Beispiel ein Amulett mit einem Phallussymbol.

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Pinoieraxt-Fund

Die Göttinger Kreisarchäologie hat im Römerlager bei Hedemünden eine weitere Pionieraxt aus Eisen ausgegraben. Ein sensationeller Fund, sagt Kreisarchäologe Klaus Grote: Allerdings: Nicht die Axt selbst sei die Sensation, sondern die Fundsituation in Zusammenhang mit anderen ähnlichen Funden.

Das Team um Grote hat bereits fünf weitere gleichartige Äxte ausgegraben, dazu zwei große Pionierhämmer und eine große Pionierschaufel. Alle neun Geräte seien auf der Bodenschicht direkt unter dem Ringwall gefunden worden. Einzig mögliche Schlussfolgerung laut Grote: Bei den Funden, allesamt damals wertvolle Bauwerkzeuge, müsse es sich um rituelle Bauopfer handeln.

Das wiederum sei der Forschung bislang nicht bekannt gewesen. Zwar seien kleinere, vereinzelte Bauopfer aus der römischen Geschichte bekannt, die aber bei weitem nicht vergleichbar seien in Umfang und Wert wie die unter dem Ringwall gefundenen Bauwerkzeuge. Damit, so Grote, schreibe die Erforschung des Hedemündener Römerlagers Wissenschaftsgeschichte. Das Lager sei ein Teil einer durchgängigen römischen militärischen Infrastruktur nördlich von Mainz „weit außerhalb des römischen Reiches im gefährlichen Germanien“ gewesen.

Noch mit Lehm bedeckt: Pionieraxt mit Grote ud Schermann

Gefunden wurde die gut erhaltene Axt vor vier Tagen etwa 60 Zentimeter unter der Erdoberfläche an der Ostseite des Hauptlagers. Mit der Axt, erklärt Grote, „schließt sich der Ring“: Alle Gegenstände seien unter dem Wall in 40 bis 70 Meter Entfernung zum nächsten Fund entdeckt worden.

Weiterhin, erläutert Grote, müsse die Kreisarchäologie das Lager vor Raubgräber schützen. Bisher sei das erfolgreich gewesen: Auch die jetzt gefundene Axt, so Grote, „haben wir den Raubgräbern weggenommen“. Der jahrelange „zeitliche Wettstreit mit den Raubgräbern“ sei jetzt gewonnen.

Für das Lager, erklärte Landrat Reinhard Schermann, werde der Landkreis ein Museumskonzept erarbeiten lassen, mit dem das Lager auch touristisch erschlossen werden könne. Dafür habe er den niedersächsischen Landesdenkmalpfleger Prof. Reinhard Roseneck gewinnen können, der bereits andere Museumskonzepte ausgearbeitet habe. Er selbst, so Schermann, träume „von einer Nachbildung des Römerlagers“ bei Hedemünden, aber: „Ob dies von wissenschaftlicher Seite toleriert werden kann, muss erst noch diskutiert werden.“

Das Römerlager Hedemünden ist eine Befestigungsanlage auf dem heute bewaldeten Burgberg westlich von Hedemünden. Das Fundmaterial römischer Herkunft belegt die Existenz eines Militärlagers aus der Zeit um Christi Geburt. Nachdem Raubgräber die ursprünglich als germanische Ringanlage angesehenen Wall mehrfach heimgesucht hatten, begannen intensivere offizielle Untersuchungen. 2004 schließlich gab Kreisarchäologe Klaus Grote bekannt, dass es sich um ein Römerlager handelt.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt vom 12.8.2010

Römerlager Hedemünden: Pfad in luftiger Höhe

Ein 500 Meter langer Laufsteg, der in fünf Metern Höhe über das Gelände des Römerlagers führt, und ein zweistöckiges, 3500 Quadratmeter großes Besucherzentrum unweit des Lagergeländes – das sind die Hauptbestandteile des „Masterplans Römerlager Hedemünden – touristische Erschließung und Präsentation“.

Hedemünden. Gestern wurde das im Februar vom Landkreis Göttingen in Auftrag gegebene, und 56 000 Euro teure Konzept dem Kulturausschuss des Kreistages vorgestellt. „Die Präsentation des Römerlagers erfolgt ausschließlich am authentischen Ort. Substanz und Aura des Ortes sind die zentralen Standortfaktoren“, erläuterte der mit dem Konzept beauftragte Architekt Uwe Kleineberg aus Braunschweig.

Um den Fundort des Lagers zu schützen, habe man darauf verzichtet, Gebäude auf dem Lagergelände zu errichten, Bäume zu roden oder Besucher direkt über den Boden gehen zu lassen. Daher die Steg-Idee, der durch die Bäume und drei sogenannte „Erlebniskabinette“ führt, in denen nach Vorstellungen der Planer „spezifische Inszenierungen zur Römerwelt“ dargestellt werden. Statt die Bäume auf dem Lagergelände zu fällen, schlagen die Architekten vor, um das Oval des Lagers eine Baumschneise zu schlagen, um so dessen Dimensionen zu verdeutlichen.

Das Besucherzentrum, dessen obere Fassade mit Edelstahlgewebe verkleidet werden soll, während im Erdgeschoss Glas zum Einsatz kommt, bietet Platz für Ausstellungen. Im Erdgeschoss sollen Wechselausstellungen gezeigt werden. Im Obergeschoss sollen die Besucher durch die Dauerausstellung geführt werden, in der die zum Teil archäologisch wertvollen Funde aus Hedemünden ausgestellt werden. Hann. Mündens Bürgermeister Klaus Burhenne (CDU) betonte, dass das Land zugesichert habe, dass diese Stücke in Hedemünden bleiben. Ein Café und ein Spielplatz, der die Möglichkeit für experimentelle Archäologie bietet, sind weiter geplant.

Die Nettokosten für den Bau des Besucherzentrums beziffert Kleineberg auf rund 14 Millionen Euro. Ein Wirtschaftsgutachten zu den laufenden Kosten und dem Besucherpotenzial muss noch in Auftrag gegeben werden. Bei ihren Planungen haben die Architekten die Lage des Lagers nahe der A 7 berücksichtigt. Die auffällige Architektur sei eine werbewirksame Landmarke.

Die Ausschussmitglieder nahmen das Konzept positiv auf. Der CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch betonte, dass es nun gelte, für das Projekt „Fans, mit langem Atem“ zu finden. Landrat Reinhard Schermann (CDU) appellierte an alle Seiten, dass so ein Vorhaben nur gemeinsam umzusetzen sei. Er geht davon aus, dass sich für die Finanzierung ein „kreativer Weg“ finden werde.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt vom 25.8.2011