Realgemeinde Adelebsen

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Mit Schild zum 175-jährigen Bestehen der Realgemeinde Adelebsen: Joachim Kelpe und Lothar Kake (v.l.)

Die Realgemeinde Adelebsen besteht im Mai 2009 seit 175 Jahren. Heute gehören knapp 130 Mitgliedern Anteile an zwei insgesamt 460 Hektar großen Waldstücken.

Realgemeinden sind auf alte Rechte und Strukturen zurückgehende Genossenschaften, deren Mitglieder Anteile an einem größeren Grundstück haben. Sie stehen damit zwischen dem Privateigentum und der politischen Gemeinde, was bisweilen zu Konflikten führte. In der DDR wurde Realgemeinden teilweise aufgelöst und deren Besitz in die politische Kommune überführt. Das Bundesverwaltungsgericht wertete dies 2006 aber nicht als Enteignung, sondern als Verwaltungsreform.

Die Realgemeinde Adelebsen entstand durch einen Rezess, eine Art Vertrag, im Jahr 1834. Er wurde zwischen der Familie von Adelebsen und den gewählten Bevollmächtigten der Forstinteressenten geschlossen. Die Bevollmächtigten waren Kaufmann Heinrich Bunnemann, Färber Carl Hetzer, die Ackermänner Christoph Tolle, Heinrich Ernst und Heinrich Keunemann, Schuhmacher Heinrich Lösche und Einwohner Friedrich Lurg.

Die Gutsherrschaft übergab damals den Forstrevieren eine Reihe von Forstrevieren zum Eigentum und zur privaten Nutzung, behielt sich aber zunächst noch die Jagdausübung und die Anlage von Vogelfallen vor.

Zu den Forstrevieren zählten damals nach Angaben der Realgemeinde unter anderem die Behrendsche Breite, die Hohe Warte, das Lechtmer Gehege und die Wolfskuhle. Die Größe des überlassenen Waldes betrug damals etwa 445 Hektar.

Im Mai 2009 seien es 460 Hektar, so der Vorsitzende der Realgemeinde, Lothar Hake. 40 Hektar befinden sich entlang der Straße zur Bramburg. Der größte Teil, 420 Hektar, liegt nördlich der Kirchenruine Reinshagen zwischen Adelebsen und Offensen. Der Wald besteht laut Hake im Wesentlichen etwa je zur Hälfte aus Laubholz und Nadelholz. Die Jagd sei heute an Bürger von Adelebsen verpachtet. Im Wald sei Schwarzwild und Rotwild vorhanden. Forstlich betreut wird die Realgemeine vom Forstamt Münden, den Wald bewirtschaftet sie aber selbst.

Die Anteile an der Realgemeinde sind im Wesentlichen ein Privileg der alteingesessenen Familien. Denn die Anteile, so Hake, werden vererbt oder verkauft – und das Letztere nur an Bewohner Adelebsens. Die Realgemeinde habe zudem ein Vorkaufsrecht.

Bis 1923 war der Bürgermeister Adelebsens zugleich der Vorsitzende der Realgemeinde, dann endete die Doppelfunktion. Mehr als 30 Jahre lang, von 1933 bis 1965, war Gustav Spörhase Vorsitzender der Realgemeinde. Ihm folgten Karl Maas sen. bis 1988 und seitdem Hake.

Vom Hutewald über Mittelwald bis hin zum ertragreichen Wirtschaftswald hat sich ihr Wald nach Angaben der Realgemeinde entwickelt. Derzeit sei die wirtschaftliche Situation aber schlecht, so Hake.