Renshäuser Annenbild

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Renshäuser Annenbild

Mehr als 100 Jahre lang lag das Bild der Heiligen Anna auf dem Dachboden der Renshäuser Kirche. Im März 2009 wurde es während der Josefswallfahrt erstmals wieder einem größeren Publikum gezeigt.


Hausmeister Alfred Richter fand bei Dämmarbeiten am Kirchendach 1985 eine Falltür. Er blickte in den toten Raum über der damaligen Sakristei. In sechs Meter Tiefe türmte sich ein Haufen Gerümpel. Richter ließ sich abseilen und entdeckte inmitten alter Bretter ein Ölgemälde. Es zeigt eine sitzende Frau. Auf ihrem Schoß liegt ein Buch, in dem ein Mädchen liest. Ein Mann betrachtet die Szene. Auf der Fensterbank steht eine Vase mit fünf Rosen und drei Tulpen. Draußen erstrecken sich Wiesen.


Das Mädchen mit dem Heiligenschein ist Maria, die gerade von ihrer Mutter, der Heiligen Anna, belehrt wird. Der Mann ist Joachim, der Vater der Gottesmutter. Das Bild entstand nach Einschätzung von Kunsthistorikern zwischen 1680 und 1690. Es wird wahrscheinlich die alte Renshäuser Dorfkapelle geschmückt haben, die zunächst der Heiligen Anna geweiht gewesen war.


Als der Ort in den Jahren 1847/50 die neue Kirche Mariae Geburt erhielt und die Kapelle kurz darauf abgerissen wurde, war für das Annenbild offenbar kein Platz mehr, mutmaßen die Kirchenvorstände. Das etwas jüngere Renshäuser Josefsbild aus der Kapelle, das in den Jahren nach 1702 von Pater Josephus Blume gestiftet worden ist und bis heute Pilger anzieht, wurde dagegen über dem Nebenaltar aufgehängt.


Die alte Annenkapelle war im Auftrag des Adligen Friedrich Wilhelm von Amelunxen, der 1723 gestorben ist, errichtet worden. Das Dorf Renshausen gehörte seit dem 11. Jahrhundert zum Hildesheimer Benediktinerkloster Michaelis. Der Orden verlor 1802 im Zuge der Säkularisation seinen Besitz. Die Baulast für die Renshäuser Kirche liegt heute bei der Klosterkammer Hannover. Sie hat auch die Kosten für die Restaurierung des Bildes übernommen.