Rotenkirchen

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Wappen von Rotenkirchen

Rotenkirchen ist ein Ort im Landkreis Northeim zwischen Harz und Solling. Er gehört zu Einbeck.


Personen und Organsationen

  • Ortsbürgermeister: Dieter Schrader.

Lexikonteil

Allgemein

  • Einwohner gesamt (Stand 01/2007): 235. Davin sind 116 Einwohner männlich. 119 sind weiblich.
  • Geographische Lage: 9° 49' Länge 51° 46' Breite.
  • Rotenkirchen liegt in südwestlicher Richtung von Einbeck am Fuß des alten Grubenhagen, der nebst der Ahlsburg und dem Eichfast einen von Osten nach Westen hinziehenden Höhenzug bildet.

Geschichte

Rotenkirchen ist eine Rodesiedlung und wird zum ersten Male urkundlich im Jahre 1203 erwähnt. Im Jahre 1251 erscheint ein Priester Hartmann als Zeuge, 1354 ein Pleban Horstmann. Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort den Edlen von Grubenhagen, die im Ilmetal bedeutende Besitzungen hatten und auf der Burg Grubenhagen saßen. Nach 1365 nannten sich die Edlen von Grube Herren von Grubenhagen, jedoch am Ende des 14. Jahrhunderts werden sie in der Geschichte nicht mehr verzeichnet. Erst die Nachkommen Heinrichs der Wunderlichen fügen seit dieser Zeit ihrem Titel hinzu »Herren von Grubenhagen«. So nennt sich zum Beispiel Albrecht III.: »Wie von der Gnade Gottes Albrecht ichtes vom Herzogen Ernstes Sohne, Hartoge to Brunswick unde Herr to dem Grubenhagen unde to Einbeck«.

1488 wurde Rotenkirchen bei der vergeblichen Belagerung der Burg Grubenhagen durch den Landgrafen Wilhelm von Hessen zerstört. Seine Länderei wurde der alten Domänenländerei zugelegt und das Vorwerk Wetze damit verbunden. Doch die Zeit, wo Fürsten und Adel auf hohen Burgen Schutz und Zuflucht suchen mussten, war infolge der Anwendung von Artillerie vorüber. Außerdem war es zu umständlich und beschwerlich, die Zehntfrüchte und den sonstigen Bedarf auf den Grubenhagen zu bringen. Deshalb fing Herzog Philipp der Aeltere um 1521 an, Rotenkirchen wieder aufzubauen. Damals war noch die Feldkirche des verwüsteten Dorfes vorhanden. Wirtschaftsgebäude entstanden, und mit dem Schlossbau wurde begonnen.

Die Kapelle der Domäne wurde errichtet und von der Herzogin Klara, deren Witwensitz Rotenkirchen war, reich ausgestattet. Die Herzogin erwählte den Pastor Johannes Letzner aus Iber zu ihrem Hofprediger. Die Einweihung der Kapelle erfolgte am 6. Januar 1588 durch den Abt von Amelungsborn. Die innere Einrichtung mit Predigtstuhl, Taufstein und einem wohlklingenden Positiv hat die Herzogin Klara beschafft.

Statt der einzelnen Höfe in Rotenkirchen errichtete Philipp der Ältere einen großen, aus einem einzigen Haushalt bestehenden Betrieb ein. Statt des Vogtes, der bisher auf dem Grubenhagen gewohnt hatte, wurde ein Amtmann in Rotenkirchen eingesetzt. Von den Nachfolgern Philips hat besonders Philipp II., dem Rotenkirchen und Katlenburg als Leibgedinge zugefallen waren, viel für Rotenkirchen getan. Das Ablegerhaus nebst Kirche stammt von ihm her. Er legte auch den Park an.

Diejenigen Dörfer, die Rotenkirchen am nächsten liegen, bildeten früher ein besonderes Amt, das Amt Rotenkirchen. Zu ihm gehörten die Ortschaften Edemissen, Dörrigsen, Odagsen, Iber, Strodthagen, Buensen, Stöckheim, Wetze, das Landgut Wickershausen, Dassensen, Wellersen, Hullersen, Holtensen, Vardeilsen, Avendshausen, Rengershausen, Kuventhal, Andershausen und Kohnsen.

Laut Rescripts Königlicher Landdrostei vom 9. Januar 1826 wurde das Amt Rotenkirchen 1826 aufgehoben und unter dem Namen Grubenhagen mit dem Amt Salzderhelden vereinigt und der Amtssitz nach Salzderhelden verlegt. Im Siebenjährigen Krieg war Rotenkirchen das Hauptquartier des Grafen von Montan, und z. Zt. Napoleons war es für kurze Zeit im Besitz Darus, eines Generals des Korsen.

Als die Verbindung des Königreiches Hannover mit Großbritannien im Jahre 1837 aufhörte, nahmen König Ernst August und später auch sein Sohn Georg V. oft Sommeraufenthalt in Rotenkirchen. Wenig bekannt und doch äußerst folgenschwer in der Geschichte unseres niedersächsischen Heimatgebietes ist ein Ereignis, das sich im Jahre 1837 im Schloss zu Rotenkirchen abgespielt hat. Der neue König Ernst August fand bei seinem Regierungsantritt das Staatsgrundgesetz von 1833 vor, in dem das Königreich Hannover seinen Übergang vom ständischen zum konstitutionellen Staat vollzogen hatte. Am 5. Juli 1837 erklärte sich der Fürst weder formell noch materiell an das Staatsgrundgesetz gebunden und hob es am 1. November auf, wobei er erklärte, dass die Hannoversche Ständeversammlung aufgelöst sei.

Die Göttinger Sieben, die Professoren Dahlmann, Gervinus, Jacob und Wilhelm Grimm, Albrecht, Ewald und Weber protestierten gegen diesen Verfassungsbruch in mannhafter Weise. Darauf verfügte der König auf dem Jagdschloss Rotenkirchen am 11. Dezember 1839 die Entlassung der Göttinger Sieben, und am 17. verließen die Verbannten Göttingen und das Staatsgebiet. Die Würde ihres Abschieds gehörte zu dem Erhebendsten, das es in der deutschen akademischen Geschichte gibt. Das Schloss des jetzigen Domänenpachtgutes ist ein neueres Gebäude. Bis zum Jahre 1816, wo es der Herzog von Cambridge zu einem Sommer- und Jagdschloss einrichten ließ, war es die Wohnung des ersten Beamten. Im einem Teil des Großablager- oder Logierhauses war früher die Kirche. Bis 1816 blieb die Kapelle »Schlosskirche«, von da ab wurde sie einer anderen Bestimmung übergeben. Sie wurde Pferdestall. Seit dieser Zeit sind die Bewohner von Rotenkirchen nach Dassel eingepfarrt.

Mit dem Schloss war der Park und eine Fasanerie verbunden. Umfangreiche Ökonomiegebäude genügten den wirtschaftlichen Forderungen des Amtes. Zu dem Betrieb gehörte auch eine Mühle. Da jedoch der Bach, der die Mühle trieb, im Sommer und auch bei starkem Frost im Winter nicht genug Wasser hatte, so war der Pächter der herrschaftlichen Mühle zu Hullersen in solchen Fällen verpflichtet, den Bedarf für Rotenkirchen unentgeltlich zu mahlen. Bei der Wirtschaft der Domäne war früher auch eine Brauerei, die ein gutes Normalbier lieferte. In geringer Entfernung von Rotenkirchen liegt mitten im Wald die in schweizerischem Stil erbaute »Schweizerei«. Ihre Entstehung verdankt sie der Herzogin von Cambridge. Heute ist sie die Wohnung eines Revierförsters.

Die Domäne Rotenkirchen war und ist noch heute eine der bedeutendsten unserer Heimat und als Musterwirtschaft bekannt. Zu dem Wirtschaftspersonal gehörten in der hannoverschen Zeit vor 1866 ein Oberverwalter und zwei Unterverwalter, eine Haushaltsdemoiselle, eine Molkenmeierin, ein Ackervogt, ein Scheunenvogt, ein Braumeister, ein Schweinemeister, ein Schafmeister, ein Gärtner, ein Schmied, ein Kuhhirt, 22 Knechte und sechs Dienstmägde.

An Ländereien besaß damals Rotenkirchen 1200 Morgen Ackerland, 170 Morgen Wiesen, 2800 Morgen Wald, 31 Morgen Park, 19 Morgen Fasanerie. An Viehbestand waren vorhanden 24 Pferde, 72 Kühe, 1800 Schafe und ein bedeutsamer Schweinebestand. Zur Rotenkirchener Domäne gehörte auch noch das Vorwerk Wetze.

Zur Zeit der verstärkten feindlichen Fliegerangriffe auf Hannover während des zweiten Weltkrieges diente das Schloss Rotenkirchen dem damaligen Gauleiter Lauterbacher als Ausweichstelle.

Heute ist Rotenkirchen Domäne des Landes Niedersachsen. Ihre Feldmark umfasst 1108,18 ha.

  • Quelle: Georg Ernst

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