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Sattenhausen ist ein Ort im nordöstlichen Bereich der Gemeinde Gleichen, Landkreis Göttingen, in Südniedersachsen.
Das Ortsbild wird durch Fachwerkbauten und einer spätmittelalterlichen Kirchhofsbefestigung geprägt.
Aktuell
Personen und Organisationen
Wehrkirche in Sattenhausen
Basisdaten
Geschichte
Das Entstehungsdatum des Ortes ist mangels schriftlicher Quellen unklar, aber etwa auf das 9. bis 10. Jahrhundert anzusetzen.
Im Dorf Sattenhausen im Kreis Göttingen lebten bis 1943 etwa 500 Einwohner. Ab Ende 1943 kamen zuerst 30 ausgebombte Familienmitglieder aus Hannover und Aachen, danach 300 Flüchtlinge aus Schlesien und Ostpreußen in die engen Wohnungen dazu. Die damaligen Bürgermeister Karl Pieper und später Louis Rümenapf hatten es nicht einfach diese zum Teil großen Familien zusätzlich unterzubringen. Wir Tjardes mit 7 Personen kamen zu Pieper in das Klubzimmer der Gaststätte. Es hatte 63 m². Die "Wohnungstür" öffnete direkt auf den Hof. Geheizt wurde lange nur mit einem Küchenherd.
Luftkampf am 24. März 1945 über Sattenhausen-Gr. Lengden/GÖ, jetzt Gemeinde Gleichen
24 Jäger vom Typ P51-Mustang der 350. Staffel der 353. US-Jägergruppe unter Leitung des Commander Wayne K. Blickenstaff griffen die z.T. in 80-100 m Höhe fliegende deutsche Flugformation im Sturzflug an und schossen nach eigenen Angaben insgesamt 29 Flugzeuge ab. Die Amerikaner verloren fünf eigene Flugzeuge.
Die nachfolgend genannten Piloten des Jagdgeschwaders 300 stürzten mit ihren Flugzeugen im Kreis Göttingen ab und kamen dabei überwiegend ums Leben. * Hans Fenten, Fw Günter Izquierdo und Robert Jung haben überlebt.
Auf dem Göttinger "Alten Stadtfriedhof", Kasseler Landstr. Block 74 A sind die Kriegsgräber der nachfolgend Genannten mit den beigefügten Grabnummern.
Wo abgestürzt_ Name:_ Vorname: JG300 Staffel Flugz.Typ geb._ Grab
Bad Sassendorf___ Jung __Robert______?______ 3.__ ?-- BF 109G-?__ mit dem Fallschirm abgesprungen, überlebt
Rückflug Löbnitz__ Altenhof Hugo____ UFFZ ___6.__ FW 190A-8 Friedhof Löbnitz Reihe3 Nr3
Mengershausen___ Bastek__ Hans____ Uffz ___5.__ FW 190A-8 13.09.1924 GÖ 13
GÖ Lazarett______ Büthe___ Alfred___ Fw_ ___3.__ Bf 109G10 __________ GÖ 5
Rosdorf_________ Dürrling___ Fritz___ Uffz ___5.__ FW 190A-8 06.04.1921_ Gö 1
GÖ ____________ Fenten_____Hans____ ?__ 1.____ BF 109G-10 weiße 10 mit dem Fallschirm abgesprungen, überlebt
Gr. Lengden_____ Gausepohl Hubert__ Uffz ___6.__ FW 190A-8 22.09.1923_ GÖ 2
?______________ Hachmann Karl-Heinz_Gfr ___5.__ FW 190A-8
Kerstlingeröder Feld Hackenschmidt Herb Uffz _ 6. FW 190A-8 06.02.1923___ GÖ 3
Rückflug Köthen__ Heck____ Anton___ Uffz ___2.__ Bf 109G10 Köthen Reihe5
Kl. Lenden______ *Izquierdo Günther_ Ofw ____4.__ Bf 109G10 02.09.1925, wurde über Gr.
Lengden angeschossen, stieg mit dem Fallschirm aus und überlebte verwundet. Seine FW 190A flog noch führerlos bis zum Absturz bei der Gartenschänke. Aus einer Göttinger Klinik entwisch er und kam in amerikanische Gefangenschaft. 2003 ist er verstorben.
Nesselröden_____ Kloos___ Johann__ Fw ___6.__ FW 190A-8 07.07.1921 11 An der Absturzstelle wird eine Gedenktafel vom Heimatpfleger Josef Engelke betreut.
Rosdorf_________ Kuhblank Günter__ Fw ___5.__ FW 190A-8 __________ GÖ 6
?______________ Loos____ Kurt____ Hptm _8.__ FW 190A-8 02.01.1920_ GÖ 9
Olenhusen______ Noske___ Rudi____ Fw ___8.__ FW 190A-8 05.02.1924_ GÖ 12
Potzwenden_____ Pflüger_ Gerhard_ Ltn ___6.__ FW 190A-8 17.05.1924__ GÖ 8
Gr. Lengden_____ Preis___ Ewald___ Fw ___6.__ FW 190A-8 __________ GÖ 10
Gartenschenke___ Richter_ Klaus___ Ofw ___5.__ FW 190A-8 03.11.1918 GÖ 7
Göttingen_______ Schaller Gerald___ Ltn ___5.__ FW 190A-8
Gr. Lengden_____ Stubenrauch Werner Gefr__3.___ FW 190A-8
Gr. Lengden_____ Weisbrod Erich ____Uffz ___6.__ FW 190A-8 _________ GÖ 4
Bei Gr. Lengden ist mit einer P51 Mustang ein Amerikaner Ltn. Onkay abgestürzt und verbrannt.
Die Aufschlagstellen der in dem Luftkampf abgestürzten Flugzeuge, soweit sie mir in Gesprächen oder aus anderen Quellen bekannt wurden:
Nr. Datum Ortslage Flugzeugtyp Quelle
1. 24.03.1945 Südl.Ortsrand Gr.Lengden bei Winters Schweinemastbetrieb,P 51 Mustang F.W. Boehme
2. 24.03.1945 Südhang Staneberg, vermutl. Me 109 Nov.1998 Schwimmweste einer Me 109 dort gefunden,F.W. Boehme
3. 24.03.1945 Siegerts Winkel nicht bekannt Hörensagen
4. 24.03.1945 Westflanke Hengstberg unterhalb des oberen Weges. Heute noch Lichtung,. nicht bekannt Hörensagen
5. 24.03.1945 Südlich der Köhlerhütte am Osthang des Kronenberges. Bäume des Hochwaldes weisen noch alte Beschädigungen auf.
6. 24.03.1945 Auf dem Sundern bei Niedeck nicht bekannt Bericht Förster Scholz
7. 24.03.1945 Arschkerbengrund bei Niedeck nicht bekannt Bericht Förster Scholz
8. 24.03.1945 Jagen 44 nicht bekannt Bericht Förster Scholz
9. 24.03.1945 Jagen 45 nicht bekannt Bericht Förster Scholz
10. 24.03.1945 Jagen 35 bei Fascherode nicht bekannt Bericht Förster Scholz
11. 24.03.1945 Jagen 38 oberhalb der Potswendener Wiesen nicht bekannt Förster Scholz
12. 24.03.1945 Am Alten Kaiser auf Mahlstedt's Acker nicht bekannt Förster Scholz
13. 24.03.1945 Jagen 22 unbekannt Bericht Förster Scholz
14. 24.03.1945 Garteschänke bei Göttingen (*) Fw 190 F. Sebode/ K. Rudolf
15. 24.03.1945 Riekenrode. Notlandung. Maschine hatte keine Schäden Me 109 Gellert
16. 24.03.1945 Arschkerbengrund bei Niedeck (evtl. identisch mit Nr. 7 ) unbek.G. Nikolaus
17. 24.03.1945 ca. 700 m nordöstlich Sattenhausen bei Höhe 218,0, P 51 Mustang Gellert
18. 24.03.1945 ca. 600 m südöstlich Sattenhausen auf freiem Feld Me 109 oder Fw 190 Gellert
19. 24.03.1945 Direkt unterhalb des alten Aussichtsturms der Mackenröder Spitze Me 109 Windel/ Fahrenholz
(*) Nach Zeitzeugenberichten war kein Pilot in der Maschine zu finden,
als man sie untersuchte, nur ein Handschuh wurde gefunden.
Vermutlich handelt es sich um die Maschine von Uffz. Günter Izquierdo von der 14.Staffel,
der eine Mustang über Klein Lengden abgeschossen hatte, ehe er selbst in Brand geschossen
wurde und in 300 m Höhe ausstieg. Uffz. Isquierdo hat den Krieg überlebt und wohnte 1978
noch in Hamburg, 2003 ist er gestorben. F.W. Boehme - Göttingen, Karl-Heinz Tjardes,
Hildesheim, 1999
== Auszüge aus einer Zusammenfassung von Friedrich W. Boehme aus Groß Lenden,
der den Luftkampf ebenfalls beobachtete. ==
Meine Mutter und ich befanden uns gegen 15:30 Uhr auf dem Rückweg von Diemarden,
wo wir meine Tante besucht hatten, als wir etwa in Höhe des heutigen Gewerbegebietes von
Klein Lengden von einer großen Anzahl amerikanischer Jagdflugzeuge überflogen wurden, die
sich eini-germaßen hoch in Richtung Sattenhausen bewegten. . . . . Die nun folgenden
Bilder werde ich nie vergessen: 40 – 50 Flugzeuge kurvten auf engstem Raum umeinander und
schossen dabei aus allen Rohren. Wir sahen abstürzende Flugzeuge, zwischendurch weiße
Fallschirme und immer wieder steil in den Himmel ziehende Maschinen. Im Laufe des
Luftkampfes war es zu mehreren Abstürzen gekommen – so lag am südlichen Ortsrand von Groß
Lengden ein amerikanisches Flugzeug, das noch brannte, als wir dort eintrafen.. . . .
Der Pilot war in der Maschine verbrannt und wurde gerade geborgen. Er war nur noch so groß
wie ein Kleinkind.
Weiter nach Osten in Richtung Mackenrode lag noch ein Wrack am Südhang des so genannten
Staneberges im Wald. Weitere Flugzeuge sollten noch im Wald um den Hengstberg
heruntergekommen sein.
Herr Böhme hat später folgendes recherchiert:
Auf dem Flugplatz Löbnitz bei Köthen in Thüringen herrscht am Samstag, den 24.3.1945 große
Anspannung bei den Piloten des Jagd – Geschwaders 300. Den ganzen Morgen über hat es
dauernd wechselnde Bereitschaftsstufen gegeben und irgendwie haben die Piloten das Gefühl,
dass etwas nicht stimme. . . . .
Es wird strengste Funkstille befohlen. Aufgeboten wird so ziemlich alles, was das
Geschwader noch zu bieten hat um bei Bottrop in Bodenkämpfe mit amerikanischen
Bodentruppen unterstützend einzugreifen.. Das JG300 startet mit den Standard-Typen
der Jagdwaffe, die Focke-Wulf 190 in den Ausführungen A-8 und A-9, sowie Meserschmitt Bf
109 in den Ausführungen G-10 und G-14.
Sie passieren im Tiefflug gerade das Gartetal, als sie von einem amerikanischen
Flugzeugverband aus großer Höhe entdeckt und sofort angegriffen wurden.
Das Wetter ist klar mit guter Fernsicht, jedoch gibt es in Bodennähe leichten nebelartigen
Dunst. Der deutsche Verband ist dadurch von oben sehr gut zu sehen, während die deutschen
Piloten nach oben in den hellen Himmel nahezu keine Sicht haben. Dazu kommt, dass die
deutschen Flieger alle Aufmerksamkeit der Einhaltung von Höhe und Abstand zum Nebenmann
schenken müssen und gar nicht wissen, wo sie sich befinden. Sie fliegen einfach ihrem
Verbandsführer hinterher.
Um 15:25 Uhr bricht das Unheil buchstäblich „aus heiterem Himmel“ über den deutschen
Verband herein: Schwarmführer Ernst Schröder, der mit drei weiteren Maschinen etwas links
abgesetzt fliegt, ist wohl der erste, der plötzlich hinter sich die Rauchwolken
von „Aufschlagbränden“ sieht. Er durchbricht die befohlene absolute Funkstille und warnt
seinen Verbandsführer über Sprechfunk. Dieser reagiert jedoch überhaupt nicht. Also kurvt
Schröder mit seinem Schwarm von links nach rechts quer durch den ganzen Verband, um seine
Kameraden „aufzuwecken“.
Aber es ist schon zu spät: Fünf seiner Kameraden liegen schon abgeschossen unten. Wegen
der geringen Flughöhe hat keiner eine Chance, mit dem Fallschirm abzuspringen.
Von den anschließenden Minuten wüster Kurbelei bleiben Schröder kaum noch Erinnerungen. Er
weiß nur noch, wie er mit aller Gewalt versucht, nach oben zu kurven, um Höhe zu gewinnen.
Dabei sieht er, dass der dicht hinter ihm fliegende ObFw. Richter, seine Nr.2, eine lange
schwarze Rauchfahne hinter sich her zieht. Er fordert ihn auf, sofort auszusteigen, kann
sich jedoch nicht wei-ter um ihn kümmern, da er eine P 51 vor sich sieht, die er sofort
beschießt, allerdings ohne Erfolg.
Seine Nr.4, Uffz. Hans Bastek wird ebenfalls tödlich getroffen.
Die deutschen Piloten haben erkannt, dass sie ihren Auftrag bei Bottrop nicht erfüllen
können und versuchen nun, die hinderlichen Zusatztanks loszuwerden. In Landolfshausen
fällt ein Tank an der Ecke vor der Schulzeschen Gastwirtschaft auf die Straße, ein zweiter
fällt auf das gegenüberliegen-de Haus, das zum Teil ausbrennt. Tanks fallen auf
Starkstromleitungen und setzen eine Schonung bei Niedeck in Brand. In und um Niedeck
ist es besonders schlimm. Der Lärm der Motoren und der Maschinenwaffen lässt Gespanne von
ackernden Bauern durchgehen und das Wild kopflos in den Wäldern umherpreschen. Die
Maschinen fliegen so tief, dass die Menschen teilweise um die Dächer ihrer Häuser
fürchten. Zwei abgesprungene Amerikaner werden gefangen genommen. Ein abgesprungener
deutscher Pilot meldet sich telefonisch bei der nächsten Sammelstelle. . . . .-
Uffz. Günter Izquierdo von der 14.Staffel gelingt es, eine Mustang in die Tiefe zu
schicken. Im nächsten Moment wird er selbst von einer zweiten Maschine in Brand geschossen
und steigt in 300 m Höhe über Klein Lengden aus. Seine Maschine stürzt bei der
Garteschänke an der B 27 neben der Kleinbahntrasse in einen Wassergraben. Isquierdo
überlebt den Krieg. Die von ihm abgeschossene P 51 bohrt sich am südlichen Ortsrand von
Groß Lengden in einen Acker. Der Pilot, vermutlich Lt. Onkey verbrennt bis zur
Unkenntlichkeit.
Oberstleutnant Blickenstaff, er leitet den amerikanischen Verband, sichtet zunächst 15 FW
190 in 1000 m Höhe, die Bomben unter ihrem Rumpf tragen. Die Messerschmitts, die die Fw
leicht hö-henversetzt eskortieren sieht er erst, als sein Nebenmann zu ihnen hinzeigt. Als
er sicher ist, dass es wirklich FWs sind und keine Thunderbolts drückt er auf den Auslöser
seiner sechs 12,7 mm Mg’s. Im selben Moment sieht ihn der deutsche Pilot, wirft seine
Bombe (Zusatztank) ab und fliegt einen harten Turn nach rechts oben. Blickenstaff sieht
die Einschläge seiner Geschosse in der FW, die plötzlich eine Rolle fliegt und in einen
Wald stürzt, wo sie zerschellt.
Die Hölle ist los. Die gesamte Staffel ist jetzt in die Kämpfe verwickelt. Als
Blickenstaff sich kurz umschaut, sieht er überall ein heilloses Durcheinander, Luftkämpfe,
wohin er sieht und alles in Höhe der Baumwipfel. Unglaublich viele Flugzeuge fliegen nahe
am Boden in verschiedenen Richtungen, so dass er keinen Überblick gewinnen kann. Also
reißt er den Steuerknüppel zurück und versucht zu steigen und sieht sich plötzlich einer
Me 109 gegenüber. Die Blitze aus deren Tragflächen sagen ihm, dass der Pilot auf ihn
schießt. Die beiden verfehlen sich nur um wenige Zentimeter.
Auf 1.500 m Höhe gestiegen, wirft der Oberstleutnant einen Blick nach unten, wo er überall
die Striche der Leuchtspurgeschosse, Explosionen und schwarzen Rauch sieht. Links von ihm
steigt eine einzelne Me 109 auf. Blickenstaff macht eine halbe Rolle und stürzt sich
schießend auf die Me. Er hat sehr viel mehr Fahrt als der Deutsche und so rammt er die Me
und hat Glück, nicht von den Trümmern der sich zerlegenden Maschine beschädigt zu werden.
Er steigt wieder auf Höhe und wird plötzlich über Funk von einem Kameraden aufgefordert,
nach rechts zu ziehen. Er reißt den Steuerknüppel nach hinten und tritt voll in das rechte
Seitenruderpedal. Die Mustang macht einen Turn nach rechts und beim Stürzen nach unten ist
er hinter der FW, die ihn angreifen wollte. Er schießt und die FW stürzt mit einer
Rauchfahne in den Wald, wo sie explodiert.
Major Elder wird von zwei Me 109 gejagt, zwei weitere kreisen über ihm. Blickenstaff kommt
ihm zu Hilfe und schießt eine Me ab. Mit nur noch einem funktionierenden MG, die anderen
haben Ladehemmung, gelingt es dem Oberstleutnant schließlich noch, eine weitere FW
abzuschießen.
Der amerikanische Verband landet um 17:40 Uhr wieder in Raydon. Nach Zählung der Abschüsse
des Tages stellen sie fest, dass mit 29 Abschüssen bei fünf eigenen Verlusten das höchste
Ergebnis erzielt wurde, das die 353.Gruppe im ganzen Krieg zu verzeichnen hatte.
Oberstleutnant Blickens-taff und Major Elder stellten mit je fünf Abschüssen an einem Tag
einen in der Geschichte der 8.USAAF einmaligen Rekord auf. Die wenigen überlebenden
deutschen Flieger, unter ihnen Schwarmführer Ernst Schröder, sind nach 120 Minuten
Gesamtflugzeit wieder in Löbnitz.
Die deutschen Verluste:
Von der 5.Staffel JG 300 fallen fünf Flugzeugführer, darunter Feldwebel Kuhblank und
Oberfeld-webel Richter, während Leutnant Schaller sich durch Fallschirmabsprung vor einem
Absturz retten kann. Nach verzweifelter Gegenwehr sind sechs Mann im Luftkampf gefallen:
Die Unteroffiziere Gausepohl, Hackenschmitt und Weisbrod, die Feldwebel Kloos und Preiss
sowie Leutnant Pflüger. Und ein weiterer Pilot, der Unteroffizier Hugo Altenhof, kommt
nach dem Kampf noch ums Leben, als seine gelbe >12< sich bei der Landung auf dem Platz in
Löbnitz überschlägt. Da mit Hauptmann Loos und Feldwebel Rudi Noske auch die 7.Staffel
zwei Flugzeugführer verliert, verzeichnet die II./JG 300 an diesem Tag mit insgesamt 14
Gefallenen, sowie einem Verwundeten einen Verlust, den dieser Verband nun nicht mehr
aufzufüllen vermag. Insgesamt verliert das Geschwader am 24.3.1945 18 Piloten.
Dem Piloten der deutschen Maschine, die etwa 600 m südöstlich von Sattenhausen auf ein
Feld stürzte, war ein Arm abgerissen worden. Man konnte ihm nicht helfen; er verblutete
gegen Abend. Seine letzten Worte sollen immer wieder „Herne, Herne“ gewesen sein. Es blieb
unklar, ob er damit seine Heimat oder sein Tagesziel, das ja ganz in der Nähe von Herne
lag, meinte.
Die namentlich genannten deutschen Piloten ruhen allesamt nebeneinander auf dem Ehrenteil
des Göttinger Stadtfriedhofes an der Kasseler Landstraße.
Der Bericht von Friedrich-W. Böhme wurde von K.H. Tjardes gekürzt wiedergegeben.
Herr Friedrich Böhme gibt über seine umfangreichen Ermittlungen gerne weiter Auskünfte
Wer Fehler entdeckt, oder zusätzlich etwas weiß, möge sich bei mir melden. Ich berichtige
oder vervollkommne diesen Bericht umgehend.
Als damals 12 Jähriger habe ich, Karl-Heinz Tjardes, einen großen Teil des Luftkampfes und
mindestens fünf Abschüsse in der Nähe des Kreuzigenteiches bei Sattenhausen deutlich sehen
und verfolgen können. Ich befand mich zu der Zeit auf einem dortigen Acker. Eine
abgeschossene Maschine stürzte in der Nähe des heutigen Fußballplatzes auf Mahlstedt's
Acker ab, eine östl. vom Ohrberg, am Weg zur Grundmühle, mehrere im Hengstberg, eine
hinter dem Hengstberg, eine bei Riekenrode und eine bei Nesselröden ab. Andere durch
Treffer rauchende und trudelnde Maschinen sind dann aus meinem Gesichtsfeld Richtung
Göttingen verschwunden.
Die Daten über Zahl und Typ der abgestürzten Flugzeuge habe ich zum Teil einem Bericht im
Göttinger Tageblatt, einem Bericht im Eichsfelder Tageblatt oder Aufzeichnungen von
Friedrich Boehme aus Groß-Lendgen (heute Göttingen), oder der Suche im Internet unter
http://Weltkriegsopfer.de von Jürgen Winkelbach zusammengetragen.
Karl-Heinz Tjardes, Hildesheim
Den nachfolgend kopierten Bericht hat der Dorfschullehrer Georg Ay damals
aufgezeichnet.
Gleich zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurden Lebensmittelkarten ausgegeben. Die
Ernährungslage verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Während die einheimischen Bauern als
Selbstversorger gut auskommen, leiden die Arbeiter und besonders die Bevölkerung der
Städte. Hamsterer und Bittende besuchen das Dorf. Manche stehlen auch Frucht von den
Feldern. Es werden Flurwachen eingesetzt, die in der Gemarkung patrouillieren, besonders
in der Dämmerung und an Sonntagen. Während 1939-1941 die Hoffnung auf einen militärischen
Endsieg die meisten Einwohner beflügelt, sinkt seit 1942 (Stalingrad) der Glaube an einen
glücklichen Ausgang des Krieges immer mehr. Die feindliche Luftwaffe beherrscht gegen 1943
den Luftraum. Flak und Jagdflieger können die Feindmaschinen nicht abwehren. Vom Sommer
1940 an überfliegen Bombergeschwader in großen Höhen den Göttinger Raum. Gegen Ende des
Krieges werden die Sattenhäuser Zeugen von Luftkämpfen über ihren Gemarkungen. Im April
1945 nähern sich Sattenhausen motorisierte feindliche Truppen. Die eigenen Truppen, die
sich vom Feind absetzen mussten, ließen in Sattenhausen und in anderen Orten Geschütz,
Munition und allerhand Material zurück. Am 9. April beschoss feindliche Artillerie
Rittmarshausen, und bald rollten feindliche Panzer an. Bis auf Abenteurer, die in die
amerikanische und in die englische Armee eingegliedert worden waren, sind Übergriffe durch
feindliche Truppen in den Dörfern nicht vorgekommen. Die Katastrophe, die nach der
Besiegung Deutschlands einsetzte war ungeheuer. Über die einzelnen Phasen der Besetzung,
über die sonstigen Folgen des verlorenen Krieges schreiben und unterrichten Dokumente und
Geschichtsbücher. Die Gegner suchten nach den Schuldigen. Britische Truppen verblieben im
Göttinger Raum. Monatelang mussten sich alle Bewohner von einbrechender Dunkelheit an in
ihren Wohnungen aufhalten. Viele Deutsche benahmen sich äußerst unwürdig. Sie denunzierten
alle Bekannten, die sich für die N.S.D.A.P eingesetzt hatten. Durch diese Intrigen haben
viele ehemalige Parteiangehörige, die von der Hitler-Idee überzeugt waren, die sich
selbstlos eingesetzt hatten von den Auswüchsen und den Verbrechen der Diktatoren aber
nicht wussten, schwer leiden müssen. Durch solche Denunziationen, auch durch Verlogenheit
über frühere Parteizugehörigkeit, haben sich unwürdige Elemente in Positionen gebracht,
die sie keinesfalls verdienten. Bis zur Währungsreform am 21.06.1948 herrschte im Dorfe
bei allen denen die nicht Selbstversorger waren und bei denen, die nichts zum tauschen
hatten, bittere Not. Hinsichtlich der Lebensmittel, Heizung, Kleidung und Unterkunft
standen wir auf einem Niveau, wie es seit 100 Jahren in der Geschichte des Ortes nicht
bekannt war. Der Normalverbraucher erhielt im Februar 1947 täglich 150g Brot, 15 g Fleisch
und 7 g Fett. Die Spannung im Dorf wurde deshalb sehr groß, der Unterschied der
Ernährungslage der Bauern und der Flüchtlinge wirkte sich aus. Manche Flüchtlinge trugen
jedoch durch ihr Verhalten gegenüber den Landwirten selbst Schuld daran, dass sie nicht
besonders unterstützt wurden. Mit der Währungsreform war schlagartig alles da, was bislang
zurückgehalten wurde. Überall war gehortet worden. Jeder Deutsche erhielt für 600 RM 60 DM.
100 RM wurden auf 6,50 DM abgewertet. Rentner und alte Leute mit ihren Spargroschen waren
wieder die Geschädigten. Für die Not leidende Jugend wurde im März 1947 die Hover-Speisung
eingerichtet. Es wurden aus Amerika Lebensmittel gesandt. Die Schulen richteten Küchen
ein. In Sattenhausen kochten die Mädchen der Oberstufe jeweils in der Küche einer
Privatwohnung und brachten die Speisen zur Zeit der großen Pause in die Schule. 1950 war
die Ernährungslage – Gott sei Dank – so, dass die Speisung dann aufhörte. 1952 führte die
Schule auf Anregung des Milchwirtschaftverbandes die Milchbelieferung zur Frühstückzeit ein.
Quelle: Archiv bei Horst Rümenapf, hier eingestellt von Karl-Heinz Tjardes
In Sattenhausen (heute "Gleichen") gab es noch nach dem 2. Weltkrieg eine zweiklassige
Volksschule. Dort wurden von Dezember 1945 - Ostern 1949 unter der Leitung von Lehrer Kurt
Klett - und nach und nach zwei weiteren Lehrern bis zu 130 Schüler in zwei Klassenräumen
unterrichtet. Die Schule befand sich neben der Kirche.
Ein Rückblick, (geschrieben von unserem Lehrer Kurt Klett im Jahre 1978 anlässlich
unseres 2. Schülertreffens in Potzwenden)
Der 5. Dezember 1945, also vor nunmehr fast 33 Jahren, stand im Kalender, als ich zum
ersten Male die Schule in Sattenhausen betrat und über den Flur das übervolle
Klassenzimmer. Eure jungen, wachen Augen blickten mich an und ich meinte in ihnen zu
lesen, „was wird er wohl für einer sein?“ Vor sieben Monaten hatte ich noch im Verband der
Armee Wenk bei Havelberg gelegen, zwischen der russischen und amerikanischen Front. So
trug ich auch noch das einzige Kleidungsstück, das ich besaß, meine „abmontierte“ Uniform.
Eines hatte ich schon auf der Regierung in Hildesheim erfahren. Unter allen, die dort
saßen, und mich anblickten, waren auch viele von Euch auf langen Fluchtwegen aus
Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetenland – ja sogar wenn ich an Margarete Schweizer denke,
aus Russland nach Sattenhausen gekommen und hatten hier ein erstes Zuhause gefunden. Und
nicht nur das. Von einigen Schwierigkeiten mit Bezug auf den Wohnraum abgesehen, wurden
die Flüchtlinge in Sattenhausen gut betreut, insbesondere durch das verständnisvolle
Wirken des Bürgermeisters Louis Rümenapf.
Mich plagte vorerst nur ein Gedanke: Wie fängst du es am besten an, alle von Anbeginn
unter - wie man so sagt - unter einen Hut zu bringen, besser noch, gleich zu einer echten
Arbeitsgemeinschaft zu führen. Erst am frühen Morgen als ich von Benniehausen durch die
Helle über Niedeck das erste Mal nach Sattenhausen ging, hatte ich, wie ich später
feststellen konnte, den richtigen Gedanken. Er bestand in einer Frage, die
lautete: „Schlagt ihr vor, was wir uns in diesem Monat bis zu den Weihnachtsferien
vornehmen wollen!“ Ihr werdet Euch gewiss noch heute an diese Frage erinnern. Ihr machtet
erstaunte Gesichter. Dann kam bereits ein Vorschlag, zwar noch zögernd, „eine
Weihnachtsfeier im Saal bei Georg Seebode." Bei allen fand dann dieser Vorschlag freudige
Zustimmung. Mir war er auch recht, wusste ich doch, dass dabei alle beteiligt werden
konnten. Nur ein Bedenken plagte mich, wie würde es mit der Heizung für den Saal werden.
Aber dieser Sorge wurde ich gleich zu Beginn enthoben. Von mehreren Besuchern der
Oberstufe hörte ich: „Für Holz sorgen wir schon!“ Heute wissen wir alle, dass diese drei
Wochen zu einer echten Arbeitsgemeinschaft wurden, die zum Teil bis in die späten
Nachmittagsstunden währte. Das Krippenspiel fand dann auch in der Gesamtdarstellung den
Weg in die Herzen der Sattenhausener und die der Flüchtlinge. Darsteller, Flötenspieler
und der Chor unterbauten das Ganze. Für mich gab es dabei ein ganz besonders rührendes
Bild: Auf der rechten Seite der Bühne vor der Krippe stand der kleine Rudi Seebode mit
einem Schaflamm auf den Armen, das dann, was nicht vorgesehen war, leise blökte. Doch Rudi
wusste sich sofort zu helfen. Er steckte dem kleinen Lämmchen seinen Daumen ins Maul, das
auch gleich kräftig zu saugen begann.
Bereits zwei Tage zuvor sah ich an den Nachmittagen Bollerwagen, hoch bepackt mit
Holzscheiten, in Richtung Seebodes Saal fahren. Gefroren hat niemand an diesem Abend im
Saal. Mir persönlich war es mehr als warm. Nicht vergessen in diesen kurzen Erinnerungen
sei der Wilhelm-Busch-Abend ein oder zwei Jahre später! Da war es Heinrich Gellert, der
alle im gerappelt vollen Saal zu immer neuen Lachsalven hinriss. Warum, so werdet Ihr Euch
fragen, soviel über diesen Anfang? Er wurde die Grundlage für unsere gemeinsame Arbeit,
meine lieben Ehemaligen. Er brachte uns in der Folgezeit für alles Tun, für alle Arbeit
das gegenseitige Vertrauen und das Musische, die Freude an der Arbeit. Nicht ohne Grund
kamen in den nächsten Jahren laufend in jeder Woche Studenten der PH in Göttingen mit dem
einen oder anderem Professor oder Dozenten, um im Unterricht zu hospitieren. Ein
Höhepunkt! Der Besuch der Oberstufe in der PH in Göt-tingen und die abschließenden
Diskussionen zwischen Euch und den Studenten. Als Erika Füssel, Margarete Schweizer und
Martha Curdt sich besonders rege an der Diskussion beteiligten, sagte ein Student: „Nun,
das habt ihr doch alle aus Büchern.“ Worauf ihn Margarete Schweizer sofort
fragte: „Benutzen sie denn keine Bücher?" Für mich waren die vier Jahre mit Euch durchaus
keine leere Zwischenzeit, weder inhaltslos noch schrecklich. Die Zeit von 1945 bis Ostern
1949 bei Euch meine lieben Sattenhausener, haben mir, der ich aus Berlin kam, nach dem
zweiten Weltkrieg für die folgenden Jahre von 1949 bis 1960 in Hildesheim an einer Schule
mit 1300 Schülern und 32 Lehrerinnen und Lehrern und anschließend an einer neu erbauten S
Schule in Hannover von 1960 bis 1966 für meine Arbeit die Kraft und Freude zur
Weiterarbeit gegeben, zur Weiterarbeit mit und für die Nachkriegsgeneration. Ihr seid für
mich damals, der ich zum ersten Mal und das nach dem großen Krieg, vier Jahre an einer
Landschule wirkte, das gewesen, von dem die Dichterin sagt:
Ein kleines Lied, wie geht's nur an,
dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin – erzähle!
Es liegt darin ein wenig Klang,
ein wenig Wohllaut und Gesang
und - eine ganze Seele!
Euer Kurt Klett - hier eingestellt von Karl-Heinz Tjardes
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