Sattenhausen

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Sattenhausen ist ein Ort im nordöstlichen Bereich der Gemeinde Gleichen, Landkreis Göttingen, in Südniedersachsen.

Das Ortsbild wird durch Fachwerkbauten und einer spätmittelalterlichen Kirchhofsbefestigung geprägt.

Aktuell

Personen und Organisationen

Wehrkirche in Sattenhausen

Basisdaten

Geschichte

Das Entstehungsdatum des Ortes ist mangels schriftlicher Quellen unklar, aber etwa auf das 9. bis 10. Jahrhundert anzusetzen.

Im Dorf Sattenhausen im Kreis Göttingen lebten bis 1943 etwa 500 Einwohner. Ab Ende 1943 kamen zuerst 30 ausgebombte Familienmitglieder aus Hannover und Aachen, danach 300 Flüchtlinge aus Schlesien und Ostpreußen in die engen Wohnungen dazu. Die damaligen Bürgermeister Karl Pieper und später Louis Rümenapf hatten es nicht einfach diese zum Teil großen Familien zusätzlich unterzubringen. Wir Tjardes mit 7 Personen kamen zum Gastwirt und Bürgermeister Karl Pieper in das Klubzimmer der Gaststätte. Es hatte 63 m². Die "Wohnungstür" öffnete direkt auf den Hof. Geheizt wurde lange nur mit einem Küchenherd.

Luftkampf am 24. März 1945 über Sattenhausen-Gr. Lengden/GÖ, jetzt Gemeinde Gleichen

24 Jäger vom Typ P51-Mustang der 350. Staffel der 353. US-Jägergruppe unter Leitung des Commander Wayne K. Blickenstaff griffen die z.T. in 80-100 m Höhe fliegende deutsche Flugformation im Sturzflug an und schossen nach eigenen Angaben insgesamt 29 Flugzeuge ab. Die Amerikaner verloren fünf eigene Flugzeuge. Die nachfolgend genannten Piloten des Jagdgeschwaders 300 stürzten mit ihren Flugzeugen im Kreis Göttingen ab und kamen dabei überwiegend ums Leben. * Hans Fenten, Fw Günter Izquierdo und Robert Jung haben überlebt. Auf dem Göttinger "Alten Stadtfriedhof", Kasseler Landstr. Block 74 A sind die Kriegsgräber der nachfolgend Genannten mit den beigefügten Grabnummern.

Wo abgestürzt_ Name:_ Vorname: JG300 Staffel Flugz.Typ geb._ Grab

Bad Sassendorf___ Jung __Robert______?______ 3.__ ?-- BF 109G-?__ mit dem Fallschirm abgesprungen, überlebt

Rückflug Löbnitz__ Altenhof Hugo____ UFFZ ___6.__ FW 190A-8 Friedhof Löbnitz Reihe3 Nr3

Mengershausen___ Bastek__ Hans____ Uffz ___5.__ FW 190A-8 13.09.1924 GÖ 13

GÖ Lazarett______ Büthe___ Alfred___ Fw_ ___3.__ Bf 109G10 __________ GÖ 5

Rosdorf_________ Dürrling___ Fritz___ Uffz ___5.__ FW 190A-8 06.04.1921_ Gö 1

GÖ ____________ Fenten_____Hans____ ?__ 1.____ BF 109G-10 weiße 10 mit dem Fallschirm abgesprungen, überlebt

Gr. Lengden_____ Gausepohl Hubert__ Uffz ___6.__ FW 190A-8 22.09.1923_ GÖ 2

?______________ Hachmann Karl-Heinz_Gfr ___5.__ FW 190A-8 Kerstlingeröder Feld Hackenschmidt Herb Uffz _ 6. FW 190A-8 06.02.1923___ GÖ 3

Rückflug Köthen__ Heck____ Anton___ Uffz ___2.__ Bf 109G10 Köthen Reihe5

Kl. Lenden______ *Izquierdo Günther_ Ofw ____4.__ Bf 109G10 02.09.1925, wurde über Gr. Lengden angeschossen, stieg mit dem Fallschirm aus und überlebte verwundet. Seine FW 190A flog noch führerlos bis zum Absturz bei der Gartenschänke. Aus einer Göttinger Klinik entwisch er und kam in amerikanische Gefangenschaft. 2003 ist er verstorben.

Nesselröden_____ Kloos___ Johann__ Fw ___6.__ FW 190A-8 07.07.1921 11 An der Absturzstelle wird eine Gedenktafel vom Heimatpfleger Josef Engelke betreut.

Rosdorf_________ Kuhblank Günter__ Fw ___5.__ FW 190A-8 __________ GÖ 6

?______________ Loos____ Kurt____ Hptm _8.__ FW 190A-8 02.01.1920_ GÖ 9

Olenhusen______ Noske___ Rudi____ Fw ___8.__ FW 190A-8 05.02.1924_ GÖ 12

Potzwenden_____ Pflüger_ Gerhard_ Ltn ___6.__ FW 190A-8 17.05.1924__ GÖ 8

Gr. Lengden_____ Preis___ Ewald___ Fw ___6.__ FW 190A-8 __________ GÖ 10

Gartenschenke___ Richter_ Klaus___ Ofw ___5.__ FW 190A-8 03.11.1918 GÖ 7

Göttingen_______ Schaller Gerald___ Ltn ___5.__ FW 190A-8

Gr. Lengden_____ Stubenrauch Werner Gefr__3.___ FW 190A-8

Gr. Lengden_____ Weisbrod Erich ____Uffz ___6.__ FW 190A-8 _________ GÖ 4


Bei Gr. Lengden ist mit einer P51 Mustang ein Amerikaner Ltn. Onkay abgestürzt und verbrannt.

Die Aufschlagstellen der in dem Luftkampf abgestürzten Flugzeuge, soweit sie mir in Gesprächen oder aus anderen Quellen bekannt wurden:

Nr. Datum Ortslage Flugzeugtyp Quelle

1. 24.03.1945	Südl.Ortsrand Gr.Lengden bei Winters Schweinemastbetrieb,P 51 Mustang	   F.W. Boehme
2. 24.03.1945	Südhang Staneberg, vermutl. Me 109  Nov.1998 Schwimmweste einer Me 109  dort gefunden,F.W. Boehme	
3. 24.03.1945	Siegerts Winkel	             nicht bekannt	  Hörensagen
4. 24.03.1945	Westflanke Hengstberg unterhalb des oberen Weges. Heute noch Lichtung,. nicht bekannt	Hörensagen
5. 24.03.1945	Südlich der Köhlerhütte am Osthang des Kronenberges. Bäume des Hochwaldes weisen noch alte Beschädigungen auf.                                      
6. 24.03.1945	Auf dem Sundern bei Niedeck   nicht bekannt	Bericht Förster Scholz
7. 24.03.1945	Arschkerbengrund bei Niedeck  nicht bekannt	Bericht Förster Scholz
8. 24.03.1945	Jagen 44 	              nicht bekannt	Bericht Förster Scholz
9. 24.03.1945	Jagen 45		      nicht bekannt	Bericht Förster Scholz

10. 24.03.1945 Jagen 35 bei Fascherode nicht bekannt Bericht Förster Scholz 11. 24.03.1945 Jagen 38 oberhalb der Potswendener Wiesen nicht bekannt Förster Scholz 12. 24.03.1945 Am Alten Kaiser auf Mahlstedt's Acker nicht bekannt Förster Scholz 13. 24.03.1945 Jagen 22 unbekannt Bericht Förster Scholz 14. 24.03.1945 Garteschänke bei Göttingen (*) Fw 190 F. Sebode/ K. Rudolf 15. 24.03.1945 Riekenrode. Notlandung. Maschine hatte keine Schäden Me 109 Gellert 16. 24.03.1945 Arschkerbengrund bei Niedeck (evtl. identisch mit Nr. 7 ) unbek.G. Nikolaus 17. 24.03.1945 ca. 700 m nordöstlich Sattenhausen bei Höhe 218,0, P 51 Mustang Gellert 18. 24.03.1945 ca. 600 m südöstlich Sattenhausen auf freiem Feld Me 109 oder Fw 190 Gellert 19. 24.03.1945 Direkt unterhalb des alten Aussichtsturms der Mackenröder Spitze Me 109 Windel/ Fahrenholz

(*) Nach Zeitzeugenberichten war kein Pilot in der Maschine zu finden, als man sie untersuchte, nur ein Handschuh wurde gefunden.

Vermutlich handelt es sich um die Maschine von Uffz. Günter Izquierdo von der 14.Staffel, der eine Mustang über Klein Lengden abgeschossen hatte, ehe er selbst in Brand geschossen wurde und in 300 m Höhe ausstieg. Uffz. Isquierdo hat den Krieg überlebt und wohnte 1978 noch in Hamburg, 2003 ist er gestorben. F.W. Boehme - Göttingen, Karl-Heinz Tjardes,

Hildesheim, 1999


== Auszüge aus einer Zusammenfassung von Friedrich W. Boehme aus Groß Lenden, der den Luftkampf ebenfalls beobachtete. ==

Meine Mutter und ich befanden uns gegen 15:30 Uhr auf dem Rückweg von Diemarden, wo wir meine Tante besucht hatten, als wir etwa in Höhe des heutigen Gewerbegebietes von Klein Lengden von einer großen Anzahl amerikanischer Jagdflugzeuge überflogen wurden, die sich einigermaßen hoch in Richtung Sattenhausen bewegten. . . . . Die nun folgenden Bilder werde ich nie vergessen: 40 – 50 Flugzeuge kurvten auf engstem Raum umeinander und schossen dabei aus allen Rohren. Wir sahen abstürzende Flugzeuge, zwischendurch weiße Fallschirme und immer wieder steil in den Himmel ziehende Maschinen. Im Laufe des Luftkampfes war es zu mehreren Abstürzen gekommen – so lag am südlichen Ortsrand von Groß Lengden ein amerikanisches Flugzeug, das noch brannte, als wir dort eintrafen.. . . . Der Pilot war in der Maschine verbrannt und wurde gerade geborgen. Er war nur noch so groß wie ein Kleinkind.

Weiter nach Osten in Richtung Mackenrode lag noch ein Wrack am Südhang des so genannten Staneberges im Wald. Weitere Flugzeuge sollten noch im Wald um den Hengstberg heruntergekommen sein.

Herr Böhme hat später folgendes recherchiert:

Auf dem Flugplatz Löbnitz bei Köthen in Thüringen herrscht am Samstag, den 24.3.1945 große Anspannung bei den Piloten des Jagd – Geschwaders 300. Den ganzen Morgen über hat es dauernd wechselnde Bereitschaftsstufen gegeben und irgendwie haben die Piloten das Gefühl, dass etwas nicht stimme. . . . . Es wird strengste Funkstille befohlen. Aufgeboten wird so ziemlich alles, was das Geschwader noch zu bieten hat um bei Bottrop in Bodenkämpfe mit amerikanischen Bodentruppen unterstützend einzugreifen.. Das JG300 startet mit den Standard-Typen der Jagdwaffe, die Focke-Wulf 190 in den Ausführungen A-8 und A-9, sowie Meserschmitt Bf 109 in den Ausführungen G-10 und G-14. Sie passieren im Tiefflug gerade das Gartetal, als sie von einem amerikanischen Flugzeugverband aus großer Höhe entdeckt und sofort angegriffen wurden. Das Wetter ist klar mit guter Fernsicht, jedoch gibt es in Bodennähe leichten nebelartigen Dunst. Der deutsche Verband ist dadurch von oben sehr gut zu sehen, während die deutschen Piloten nach oben in den hellen Himmel nahezu keine Sicht haben. Dazu kommt, dass die deutschen Flieger alle Aufmerksamkeit der Einhaltung von Höhe und Abstand zum Nebenmann schenken müssen und gar nicht wissen, wo sie sich befinden. Sie fliegen einfach ihrem Verbandsführer hinterher. Um 15:25 Uhr bricht das Unheil buchstäblich „aus heiterem Himmel“ über den deutschen Verband herein: Schwarmführer Ernst Schröder, der mit drei weiteren Maschinen etwas links abgesetzt fliegt, ist wohl der erste, der plötzlich hinter sich die Rauchwolken von „Aufschlagbränden“ sieht. Er durchbricht die befohlene absolute Funkstille und warnt seinen Verbandsführer über Sprechfunk. Dieser reagiert jedoch überhaupt nicht. Also kurvt Schröder mit seinem Schwarm von links nach rechts quer durch den ganzen Verband, um seine Kameraden „aufzuwecken“. Aber es ist schon zu spät: Fünf seiner Kameraden liegen schon abgeschossen unten. Wegen der geringen Flughöhe hat keiner eine Chance, mit dem Fallschirm abzuspringen. Von den anschließenden Minuten wüster Kurbelei bleiben Schröder kaum noch Erinnerungen. Er weiß nur noch, wie er mit aller Gewalt versucht, nach oben zu kurven, um Höhe zu gewinnen. Dabei sieht er, dass der dicht hinter ihm fliegende ObFw. Richter, seine Nr.2, eine lange chwarze Rauchfahne hinter sich her zieht. Er fordert ihn auf, sofort auszusteigen, kann sich jedoch nicht wei-ter um ihn kümmern, da er eine P 51 vor sich sieht, die er sofort beschießt, allerdings ohne Erfolg. Seine Nr.4, Uffz. Hans Bastek wird ebenfalls tödlich getroffen. Die deutschen Piloten haben erkannt, dass sie ihren Auftrag bei Bottrop nicht erfüllen können und versuchen nun, die hinderlichen Zusatztanks loszuwerden. In Landolfshausen fällt ein Tank an der Ecke vor der Schulzeschen Gastwirtschaft auf die Straße, ein zweiter fällt auf das gegenüberliegen-de Haus, das zum Teil ausbrennt. Tanks fallen auf Starkstromleitungen und setzen eine Schonung bei Niedeck in Brand. In und um Niedeck ist es besonders schlimm. Der Lärm der Motoren und der Maschinenwaffen lässt Gespanne von ackernden Bauern durchgehen und das Wild kopflos in den Wäldern umherpreschen. Die Maschinen fliegen so tief, dass die Menschen teilweise um die Dächer ihrer Häuser fürchten. Zwei abgesprungene Amerikaner werden gefangen genommen. Ein abgesprungener deutscher Pilot meldet sich telefonisch bei der nächsten Sammelstelle. . . . .- Uffz. Günter Izquierdo von der 14.Staffel gelingt es, eine Mustang in die Tiefe zu schicken. Im nächsten Moment wird er selbst von einer zweiten Maschine in Brand geschossen und steigt in 300 m Höhe über Klein Lengden aus. Seine Maschine stürzt bei der Garteschänke an der B 27 neben der Kleinbahntrasse in einen Wassergraben. Isquierdo überlebt den Krieg. Die von ihm abgeschossene P 51 bohrt sich am südlichen Ortsrand von Groß Lengden in einen Acker. Der Pilot, vermutlich Lt. Onkey verbrennt bis zur Unkenntlichkeit. Oberstleutnant Blickenstaff, er leitet den amerikanischen Verband, sichtet zunächst 15 FW 190 in 1000 m Höhe, die Bomben unter ihrem Rumpf tragen. Die Messerschmitts, die die Fw leicht hö-henversetzt eskortieren sieht er erst, als sein Nebenmann zu ihnen hinzeigt. Als er sicher ist, dass es wirklich FWs sind und keine Thunderbolts drückt er auf den Auslöser seiner sechs 12,7 mm Mg’s. Im selben Moment sieht ihn der deutsche Pilot, wirft seine Bombe (Zusatztank) ab und fliegt einen harten Turn nach rechts oben. Blickenstaff sieht die Einschläge seiner Geschosse in der FW, die plötzlich eine Rolle fliegt und in einen Wald stürzt, wo sie zerschellt. Die Hölle ist los. Die gesamte Staffel ist jetzt in die Kämpfe verwickelt. Als Blickenstaff sich kurz umschaut, sieht er überall ein heilloses Durcheinander, Luftkämpfe, wohin er sieht und alles in Höhe der Baumwipfel. Unglaublich viele Flugzeuge fliegen nahe am Boden in verschiedenen Richtungen, so dass er keinen Überblick gewinnen kann. Also reißt er den Steuerknüppel zurück und versucht zu steigen und sieht sich plötzlich einer Me 109 gegenüber. Die Blitze aus deren Tragflächen sagen ihm, dass der Pilot auf ihn schießt. Die beiden verfehlen sich nur um wenige Zentimeter. Auf 1.500 m Höhe gestiegen, wirft der Oberstleutnant einen Blick nach unten, wo er überall die Striche der Leuchtspurgeschosse, Explosionen und schwarzen Rauch sieht. Links von ihm steigt eine einzelne Me 109 auf. Blickenstaff macht eine halbe Rolle und stürzt sich schießend auf die Me. Er hat sehr viel mehr Fahrt als der Deutsche und so rammt er die Me und hat Glück, nicht von den Trümmern der sich zerlegenden Maschine beschädigt zu werden. Er steigt wieder auf Höhe und wird plötzlich über Funk von einem Kameraden aufgefordert, nach rechts zu ziehen. Er reißt den Steuerknüppel nach hinten und tritt voll in das rechte Seitenruderpedal. Die Mustang macht einen Turn nach rechts und beim Stürzen nach unten ist er hinter der FW, die ihn angreifen wollte. Er schießt und die FW stürzt mit einer Rauchfahne in den Wald, wo sie explodiert. Major Elder wird von zwei Me 109 gejagt, zwei weitere kreisen über ihm. Blickenstaff kommt ihm zu Hilfe und schießt eine Me ab. Mit nur noch einem funktionierenden MG, die anderen haben Ladehemmung, gelingt es dem Oberstleutnant schließlich noch, eine weitere FW abzuschießen. Der amerikanische Verband landet um 17:40 Uhr wieder in Raydon. Nach Zählung der Abschüsse des Tages stellen sie fest, dass mit 29 Abschüssen bei fünf eigenen Verlusten das höchste Ergebnis erzielt wurde, das die 353.Gruppe im ganzen Krieg zu verzeichnen hatte. Oberstleutnant Blickenstaff und Major Elder stellten mit je fünf Abschüssen an einem Tag einen in der Geschichte der 8.USAAF einmaligen Rekord auf. Die wenigen überlebenden deutschen Flieger, unter ihnen Schwarmführer Ernst Schröder, sind nach 120 Minuten Gesamtflugzeit wieder in Löbnitz.

Die deutschen Verluste:

Von der 5.Staffel JG 300 fallen fünf Flugzeugführer, darunter Feldwebel Kuhblank und Oberfeld-webel Richter, während Leutnant Schaller sich durch Fallschirmabsprung vor einem Absturz retten kann. Nach verzweifelter Gegenwehr sind sechs Mann im Luftkampf gefallen: Die Unteroffiziere Gausepohl, Hackenschmitt und Weisbrod, die Feldwebel Kloos und Preiss sowie Leutnant Pflüger. Und ein weiterer Pilot, der Unteroffizier Hugo Altenhof, kommt nach dem Kampf noch ums Leben, als seine gelbe >12< sich bei der Landung auf dem Platz in Löbnitz überschlägt. Da mit Hauptmann Loos und Feldwebel Rudi Noske auch die 7.Staffel zwei Flugzeugführer verliert, verzeichnet die II./JG 300 an diesem Tag mit insgesamt 14 Gefallenen, sowie einem Verwundeten einen Verlust, den dieser Verband nun nicht mehr aufzufüllen vermag. Insgesamt verliert das Geschwader am 24.3.1945 18 Piloten. Dem Piloten der deutschen Maschine, die etwa 600 m südöstlich von Sattenhausen auf ein Feld stürzte, war ein Arm abgerissen worden. Man konnte ihm nicht helfen; er verblutete gegen Abend. Seine letzten Worte sollen immer wieder „Herne, Herne“ gewesen sein. Es blieb unklar, ob er damit seine Heimat oder sein Tagesziel, das ja ganz in der Nähe von Herne lag, meinte. Die namentlich genannten deutschen Piloten ruhen allesamt nebeneinander auf dem Ehrenteil des Göttinger Stadtfriedhofes an der Kasseler Landstraße.

Der Bericht von Friedrich-W. Böhme wurde von K.H. Tjardes gekürzt wiedergegeben.

Wer Fehler entdeckt, oder zusätzlich etwas weiß, möge sich bei mir melden. Ich berichtige oder vervollkommne diesen Bericht umgehend.

Als damals 12 Jähriger habe ich, Karl-Heinz Tjardes, einen großen Teil des Luftkampfes und mindestens fünf Abschüsse in der Nähe des Kreuzigenteiches bei Sattenhausen deutlich sehen und verfolgen können. Ich befand mich zu der Zeit auf einem dortigen Acker. Eine abgeschossene Maschine stürzte in der Nähe des heutigen Fußballplatzes auf Mahlstedt's Acker ab, eine östl. vom Ohrberg, am Weg zur Grundmühle, mehrere im Hengstberg, eine hinter dem Hengstberg, eine bei Riekenrode und eine bei Nesselröden ab. Andere durch Treffer rauchende und trudelnde Maschinen sind dann aus meinem Gesichtsfeld Richtung Göttingen verschwunden. Die Daten über Zahl und Typ der abgestürzten Flugzeuge habe ich zum Teil einem Bericht im Göttinger Tageblatt, einem Bericht im Eichsfelder Tageblatt oder Aufzeichnungen von Friedrich Boehme aus Groß-Lendgen (heute Göttingen), oder der Suche im Internet unter

http://Weltkriegsopfer.de von Jürgen Winkelbach zusammengetragen.

Karl-Heinz Tjardes, Hildesheim


Bürgermeister Karl Pieper rettet mit mutiger Zivilcourage den Saal der Gastwirtschaft Georg Seebode vor einer beabsichtigten Sprengung

Im April 1945, kurz vor dem Einmarsch der amerikanischen Besetzer (im nachfolgenden Text "Feinde" genannt, kam ein Motorrad mit Beiwagen, besetzt mit zwei SS-Soldaten, zum Bürgermeister Pieper. Die SS-Männer waren mit Maschinengewehr bewaffnet und "befahlen": "Bürgermeister lassen sie den Ort Sattenhausen räumen". Warum soll ich den Ort räumen lassen, fragte Karl Pieper.

Im Saal der Gastwirtschaft Seebode lagern 300 Zentner Zucker. Diese sollen dem Feind, der schon in der Nähe im Anmarsch ist, nicht in die Hände fallen. Darum wird der Saal Seebode gesprengt, sagten die beiden SS-Männer.

Wie lange braucht der Sprengtrupp für die Vorbereitung?, fragte Bürgermeister Pieper in meinem Beisein.

Ca. drei bis 4 Stunden war die Antwort.

Kommen sie in 3 Stunden wieder zu mir und ich zeige Ihnen, dass in dem Saal kein Zucker mehr lagert, entgegnete Karl Pieper.

Er ließ sofort Henkel-Heinrich, den Ausklingeler, eine Bekanntmachung im ganzen Ort ausklingeln. Diese lautete etwa so. Jede Familie kann dringend sofort pro Person ihres Haushaltes und der Knechte und Mägde, je einen halben Zentner Zucker aus dem Saal von Georg Seebode kostenlos abholen. So etwas hatte es im 2. Weltkrieg noch nicht gegeben. Mit Handwagen. Kinderwagen, Mistkarren und Schlitten kamen sofort die Bewohner und holten sich erfreut den versprochenen Zucker. Karl Pieter hatte den Schmied (Pinkepank) angewiesen das Saaltor, das verschlossen war, zu öffnen. Karl Pieper stand am Saaleingang und bestätigte die angegebenen Personenzahlen. Ich erhielt für unsere 7 Personen dreienhalb Zentner Zucker, die ich mit einer Mistkarre nach Hause brachte. Mehr als ein Jahr lang besserte der Zucker unsere sehr knappe Ernährung auf. Als die SS-Männer wiederkamen konnte der Bürgermeisten den leergeräumten Saal vorweisen. Die geplante Sprengung war verhindert. Karl Pieper wurde allerdings belehrt, daß seine eigenmächtige Handlung für ihn noch ein Nachspiel haben würde. Der Bürgermeister umging weitere Bürokratie in dem er eine zeitlang an die Empfänger des Saal-Zuckers keine Zucker-Lebensmittelkarten ausgab. Der ganze Ort Sattenhausen kann auf den Mut und die Zivilcourage des damaligen Bürgermeisters stolz sein. Karl-Heinz Tjardes, damals 12 Jahre alt

"Bericht des Dorfschullehrer Georg Ay,damals aufgezeichnet."

Gleich zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurden Lebensmittelkarten ausgegeben. Die Ernährungslage verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Während die einheimischen Bauern als Selbstversorger gut auskommen, leiden die Arbeiter und besonders die Bevölkerung der Städte. Hamsterer und Bittende besuchen das Dorf. Manche stehlen auch Frucht von den Feldern. Es werden Flurwachen eingesetzt, die in der Gemarkung patrouillieren, besonders in der Dämmerung und an Sonntagen. Während 1939-1941 die Hoffnung auf einen militärischen Endsieg die meisten Einwohner beflügelt, sinkt seit 1942 (Stalingrad) der Glaube an einen glücklichen Ausgang des Krieges immer mehr. Die feindliche Luftwaffe beherrscht gegen 1943 den Luftraum. Flak und Jagdflieger können die Feindmaschinen nicht abwehren. Vom Sommer 1940 an überfliegen Bombergeschwader in großen Höhen den Göttinger Raum. Gegen Ende des Krieges werden die Sattenhäuser Zeugen von Luftkämpfen über ihren Gemarkungen. Im April 1945 nähern sich Sattenhausen motorisierte feindliche Truppen. Die eigenen Truppen, die sich vom Feind absetzen mussten, ließen in Sattenhausen und in anderen Orten Geschütz, Munition und allerhand Material zurück. Am 9. April beschoss feindliche Artillerie Rittmarshausen, und bald rollten feindliche Panzer an. Bis auf Abenteurer, die in die amerikanische und in die englische Armee eingegliedert worden waren, sind Übergriffe durch feindliche Truppen in den Dörfern nicht vorgekommen. Die Katastrophe, die nach der Besiegung Deutschlands einsetzte war ungeheuer. Über die einzelnen Phasen der Besetzung, über die sonstigen Folgen des verlorenen Krieges schreiben und unterrichten Dokumente und Geschichtsbücher. Die Gegner suchten nach den Schuldigen. Britische Truppen verblieben im Göttinger Raum. Monatelang mussten sich alle Bewohner von einbrechender Dunkelheit an in ihren Wohnungen aufhalten. Viele Deutsche benahmen sich äußerst unwürdig. Sie denunzierten alle Bekannten, die sich für die N.S.D.A.P eingesetzt hatten. Durch diese Intrigen haben viele ehemalige Parteiangehörige, die von der Hitler-Idee überzeugt waren, die sich selbstlos eingesetzt hatten von den Auswüchsen und den Verbrechen der Diktatoren aber nicht wussten, schwer leiden müssen. Durch solche Denunziationen, auch durch Verlogenheit über frühere Parteizugehörigkeit, haben sich unwürdige Elemente in Positionen gebracht, die sie keinesfalls verdienten. Bis zur Währungsreform am 21.06.1948 herrschte im Dorfe bei allen denen die nicht Selbstversorger waren und bei denen, die nichts zum tauschen hatten, bittere Not. Hinsichtlich der Lebensmittel, Heizung, Kleidung und Unterkunft standen wir auf einem Niveau, wie es seit 100 Jahren in der Geschichte des Ortes nicht bekannt war. Der Normalverbraucher erhielt im Februar 1947 täglich 150g Brot, 15 g Fleisch und 7 g Fett. Die Spannung im Dorf wurde deshalb sehr groß, der Unterschied der Ernährungslage der Bauern und der Flüchtlinge wirkte sich aus. Manche Flüchtlinge trugen jedoch durch ihr Verhalten gegenüber den Landwirten selbst Schuld daran, dass sie nicht besonders unterstützt wurden. Mit der Währungsreform war schlagartig alles da, was bislang zurückgehalten wurde. Überall war gehortet worden. Jeder Deutsche erhielt für 600 RM 60 DM. 100 RM wurden auf 6,50 DM abgewertet. Rentner und alte Leute mit ihren Spargroschen waren wieder die Geschädigten. Für die Not leidende Jugend wurde im März 1947 die Hover-Speisung eingerichtet. Es wurden aus Amerika Lebensmittel gesandt. Die Schulen richteten Küchen ein. In Sattenhausen kochten die Mädchen der Oberstufe jeweils in der Küche einer Privatwohnung und brachten die Speisen zur Zeit der großen Pause in die Schule. 1950 war die Ernährungslage – Gott sei Dank – so, dass die Speisung dann aufhörte. 1952 führte die Schule auf Anregung des Milchwirtschaftverbandes die Milchbelieferung zur Frühstückzeit ein.

Quelle: Archiv bei Horst Rümenapf, hier eingestellt von Karl-Heinz Tjardes

"In Sattenhausen (heute "Gleichen") gab es noch nach dem 2. Weltkrieg eine zweiklassige Volksschule." Dort wurden von Dezember 1945 - Ostern 1949 unter der Leitung von Lehrer Kurt Klett - und nach und nach zwei weiteren Lehrern bis zu 130 Schüler in zwei Klassenräumen unterrichtet. Die Schule befand sich neben der Kirche. Das Gebäude wird jetzt als Dorf- gemeinschaftshaus für besondere Anlässe wie Taufen, Hochzeiten Konfirmationen, Klassen- treffen usw. benutzt.

Ein Rückblick, (geschrieben von unserem Lehrer Kurt Klett im Jahre 1978 anlässlich unseres 2. Schülertreffens in Potzwenden)"

Der 5. Dezember 1945, also vor nunmehr fast 33 Jahren, stand im Kalender, als ich zum ersten Male die Schule in Sattenhausen betrat und über den Flur das übervolle Klassenzimmer. Eure jungen, wachen Augen blickten mich an und ich meinte in ihnen zu lesen, „was wird er wohl für einer sein?“ Vor sieben Monaten hatte ich noch im Verband der Armee Wenk bei Havelberg gelegen, zwischen der russischen und amerikanischen Front. So trug ich auch noch das einzige Kleidungsstück, das ich besaß, meine „abmontierte“ Uniform. Eines hatte ich schon auf der Regierung in Hildesheim erfahren. Unter allen, die dort saßen, und mich anblickten, waren auch viele von Euch auf langen Fluchtwegen aus Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetenland – ja sogar wenn ich an Margarete Schweizer denke, aus Russland nach Sattenhausen gekommen und hatten hier ein erstes Zuhause gefunden. Und nicht nur das. Von einigen Schwierigkeiten mit Bezug auf den Wohnraum abgesehen, wurden die Flüchtlinge in Sattenhausen gut betreut, insbesondere durch das verständnisvolle Wirken des Bürgermeisters Louis Rümenapf. Mich plagte vorerst nur ein Gedanke: Wie fängst du es am besten an, alle von Anbeginn unter - wie man so sagt - unter einen Hut zu bringen, besser noch, gleich zu einer echten Arbeitsgemeinschaft zu führen. Erst am frühen Morgen als ich von Benniehausen durch die Helle über Niedeck das erste Mal nach Sattenhausen ging, hatte ich, wie ich später feststellen konnte, den richtigen Gedanken. Er bestand in einer Frage, die lautete: „Schlagt ihr vor, was wir uns in diesem Monat bis zu den Weihnachtsferien vornehmen wollen!“ Ihr werdet Euch gewiss noch heute an diese Frage erinnern. Ihr machtet erstaunte Gesichter. Dann kam bereits ein Vorschlag, zwar noch zögernd, „eine Weihnachtsfeier im Saal bei Georg Seebode." Bei allen fand dann dieser Vorschlag freudige Zustimmung. Mir war er auch recht, wusste ich doch, dass dabei alle beteiligt werden konnten. Nur ein Bedenken plagte mich, wie würde es mit der Heizung für den Saal werden. Aber dieser Sorge wurde ich gleich zu Beginn enthoben. Von mehreren Besuchern der Oberstufe hörte ich: „Für Holz sorgen wir schon!“ Heute wissen wir alle, dass diese drei Wochen zu einer echten Arbeitsgemeinschaft wurden, die zum Teil bis in die späten Nachmittagsstunden währte. Das Krippenspiel fand dann auch in der Gesamtdarstellung den Weg in die Herzen der Sattenhausener und die der Flüchtlinge. Darsteller, Flötenspieler und der Chor unterbauten das Ganze. Für mich gab es dabei ein ganz besonders rührendes Bild: Auf der rechten Seite der Bühne vor der Krippe stand der kleine Rudi Seebode mit einem Schaflamm auf den Armen, das dann, was nicht vorgesehen war, leise blökte. Doch Rudi wusste sich sofort zu helfen. Er steckte dem kleinen Lämmchen seinen Daumen ins Maul, das auch gleich kräftig zu saugen begann. Bereits zwei Tage zuvor sah ich an den Nachmittagen Bollerwagen, hoch bepackt mit Holzscheiten, in Richtung Seebodes Saal fahren. Gefroren hat niemand an diesem Abend im Saal. Mir persönlich war es mehr als warm. Nicht vergessen in diesen kurzen Erinnerungen sei der Wilhelm-Busch-Abend ein oder zwei Jahre später! Da war es Heinrich Gellert, der alle im gerappelt vollen Saal zu immer neuen Lachsalven hinriss. Warum, so werdet Ihr Euch fragen, soviel über diesen Anfang? Er wurde die Grundlage für unsere gemeinsame Arbeit, meine lieben Ehemaligen. Er brachte uns in der Folgezeit für alles Tun, für alle Arbeit das gegenseitige Vertrauen und das Musische, die Freude an der Arbeit. Nicht ohne Grund kamen in den nächsten Jahren laufend in jeder Woche Studenten der PH in Göttingen mit dem einen oder anderem Professor oder Dozenten, um im Unterricht zu hospitieren. Ein Höhepunkt! Der Besuch der Oberstufe in der PH in Göt-tingen und die abschließenden Diskussionen zwischen Euch und den Studenten. Als Erika Füssel, Margarete Schweizer und Martha Curdt sich besonders rege an der Diskussion beteiligten, sagte ein Student: „Nun, das habt ihr doch alle aus Büchern.“ Worauf ihn Margarete Schweizer sofort fragte: „Benutzen sie denn keine Bücher?" Für mich waren die vier Jahre mit Euch durchaus keine leere Zwischenzeit, weder inhaltslos noch schrecklich. Die Zeit von 1945 bis Ostern 1949 bei Euch meine lieben Sattenhausener, haben mir, der ich aus Berlin kam, nach dem zweiten Weltkrieg für die folgenden Jahre von 1949 bis 1960 in Hildesheim an einer Schule mit 1300 Schülern und 32 Lehrerinnen und Lehrern und anschließend an einer neu erbauten S Schule in Hannover von 1960 bis 1966 für meine Arbeit die Kraft und Freude zur Weiterarbeit gegeben, zur Weiterarbeit mit und für die Nachkriegsgeneration. Ihr seid für mich damals, der ich zum ersten Mal und das nach dem großen Krieg, vier Jahre an einer Landschule wirkte, das gewesen, von dem die Dichterin sagt:

Ein kleines Lied, wie geht's nur an, dass man so lieb es haben kann, Was liegt darin – erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang, ein wenig Wohllaut und Gesang und - eine ganze Seele! Euer Kurt Klett - hier eingestellt von Karl-Heinz Tjardes