Schützenmuseum Duderstadt

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche
Enthüllung des Bauschildes

Das Schützenmuseum in Duderstadt ist ein Projekt im Auftrag der Stadt Duderstadt und auf Initiative von Otto-Bock-Chef Hans Georg Näder.

Es besteht im Gebäudeensemble der ehemaligen Turmstube. Dazu wurden zwei von drei Gebäudeteile denkmalgerecht saniert. Das letzte Drittel wich einem skulpturalem Neubau. Umgesetzt wurde es von dem Berliner Architekten Rolf Gnädinger. Die Berliner Firma Art+Com übernahm die Planungen.

Am 6. September 2010 gab es mit der Enthüllung des Bauschildes den Startschuss für die Bauarbeiten. Die Bauarbeiten waren für ein Jahr angesetzt. 2011 wurde das Museum dann eröffnet werden.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 19.07.2010, Eichsfelder Tageblatt, 06.09.2010

Planung

Brandi-Glaskonstruktion am Bachmannschen Haus

„Es wird kein althergebrachtes Museum mit Gähnfaktor“, erläuterte Maria Hauff. Die aktualisierten Pläne für die Ausstellung stellte die Historikerin im Tourismusausschuss der Stadt vor. Das sogenannte Schützenmuseum ist Teil des Projekts „Erlebnisstationen einer mittelalterlichen Stadt“. Dazu gehört als zweites Element eine Ausstellung im Rathaus, deren Konzeption noch entwickelt werden muss.

Die Berliner Firma Art+Com hat, gemeinsam mit Maria und Reinhard Hauff, auch die Schau im Westerturmensemble konzipiert. Die Erlebnisstation Westerturmensemble läuft unter dem Titel „Stadtluft macht frei“. Das mittelalterliche Schlagwort, das die juristische Stellung und die Schutzfunktion der Stadt beschreibe, werde über den Aspekt Stadtverteidigung mit dem Schützenwesen in Verbindung gebracht, erläuterte Hauff. Die Besonderheit des Westerturmensembles sei, dass diese Themen an authentischem Ort dargestellt werden könnten. „Es war schnell klar, dass der eigentliche Star der Ausstellung die Stadtmauer ist“, so Hauff mit Blick auf den an die Mauer grenzenden Gebäudekomplex.

Dem Ausschuss stellte Hauff die schon bekannten Eckpunkte der auf drei Stockwerken präsentierten Schau vor: Im Erdgeschoss ist die Stadtverteidigung der Schwerpunkt. Ein interaktives Modell der Stadt wird hier verschiedene Angriffsszenarien auf die Stadt erlebbar machen. Im ersten Obergeschoss geht es um das frühe Schützenwesen. Es wird zwei virtuelle Schießstände geben. Zum einen wird das Schießen mit der Armbrust, zum anderen das Vogelschießen „als Kernritual der Schützen“ erlebbar sein. Im zweiten Obergeschoss schließlich wird die Stadtmauer als juristische Grenze für die rechtliche Dimension der Stadt in Szene gesetzt. Auf Stelen sollen hier Rechtsbegriffe und Aspekte des Stadtlebens schlaglichtartig erklärt werden.

Erlebnischarakter mit historischer Armbrust

Laut Hauff, handelt es sich um eine moderne Konzeption. „Wir wollen nicht mit Lesestoff ermüden. Wir sind um Prägnanz bemüht.“ Sie verwies drauf, dass Art+Com ein weltweit renommiertes Unternehmen sei. „Das ist ein Museum, das es sonst nur in Metropolen gibt“, sagte sie.

Neu waren die Pläne für die Einbeziehung von Westerturm und Georgstürmchen, die Hauff dem Ausschuss präsentierte. Der Westerturm wird über einen Zugang in der zweiten Etage für das Museum erschlossen. Hier soll das Bauwerk selbst vorgestellt werden. Im angrenzenden Bau, der von Jochen Brandi geschaffenen Glaskonstruktion im ehemaligen Bachmannschen Haus, ist eine ergänzende Schau zum zeitgenössischen Umgang mit historischer Bausubstanz geplant.

Im Georgstürmchen, das über einen Steg an der Stadtmauer erschlossen wird, sollen in Gucklöchern Alltagsszenen des Stadtlebens gezeigt werden. Somit ist der gesamte Komplex – die ehemalige Turmstube mit dem Neubau nach den Plänen des Berliner Architekten Rolf Gnädinger, der Westerturm und das Brandi-Haus – in das Projekt „Erlebnisstationen einer mittelalterlichen Stadt“ einbezogen.

Die Stadt hat den Gebäudekomplex inzwischen vom vorherigen Eigentümer, Hans Georg Näder, gekauft. Den Kaufpreis hat der Otto-Bock-Chef der Stadt als Spende zur Verfügung gestellt. Die Summe soll für den Betrieb des Museums eingesetzt werden.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 29. November 2010, S. 7


Eröffnung am 9. Juli 2011

Das Gerüst ist abgebaut, die letzten Arbeiten laufen auf Hochtouren: Am Sonnabend, 9. Juli, um 15 Uhr wird das Schützenmuseum am Westerturm eröffnet. Für Gesprächsstoff sorgt das Gebäudeensemble schon jetzt: Die Kombination aus alt und neu, aus goldfarbenen Falzblechen und saniertem Fachwerk polarisiert, erntet bei Passanten sowohl missbilligendes Kopfschütteln als auch begeisterte Zustimmung. Im Inneren bildet die freigelegte Stadtmauer einen Kontrast zu den interaktiven Exponaten. Geöffnet ist das Museum am Schützenfestsonntag und -montag von 10 bis 18 Uhr, dann bis auf montags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet 1,50 Euro für Erwachsene, 90 Cent für Kinder.

Schützenmuseum mit Salutschüssen und Segnung eröffnet

Die letzten Schrauben wurden am Sonnabend eine Stunde vor der symbolischen Schlüsselübergabe festgezogen. Zur Eröffnung des Schützenmuseums samt Salutschüssen und ökumenischem Segen war dann fast alles aufgeboten, was die Stadt an Traditionsträgern zu bieten hat: Anreischke, Schützen, Blasorchester, Stadtpfeifer und -hauptmann.

Am Westerturm herrschte Volksfestatmosphäre, als Schützenhauptmann Friedrich Einecke und Ehrenhauptmann Ernst-Wilhelm Werner mit den Schützenkindern Josefina Hasse und Jacob Borchardt das goldene Portal erstmals für Museumsbesucher öffneten. Zuvor gab es viele lobende Worte über den ebenfalls golden glänzenden Museumsanbau, der das Westerturm-Ensemble abrundet, für den Initiator und Sponsor Hans Georg Näder das Goldene Protektorabzeichen des Deutschen Schützenbundes und die Goldene Ehrenplakette des Landesverbandes.

„Ein Traum geht in Erfüllung“, sagte Näder und erinnerte daran, dass die Idee bereits vor zehn Jahren bei einer Schützenrunde im Rathaus geboren wurde. „Unser Guckenheim wird heute eröffnet“, spielte Näder mit Blick auf den Architekten Rolf Gnädinger, der auch das Science Center in Berlin entworfen hat, auf das Guggenheim-Museum in Bilbao und den Heimatbegriff an: „Architektur soll polarisieren. Aus Reibung entsteht Bewegung, aus Bewegung Zukunft.“

Einen Bogen zu drei Jahrzehnten Weiterentwicklung des städtebaulichen Erbes schlug Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) – von der Stadtmauersanierung bis zum Rathaus, das im kommenden Jahr als weitere Erlebnisstation auf allen sieben Ebenen zugänglich gemacht wird. Mit dem neuen Museum sei Duderstadt auf dem Weg zur Schützenhauptstadt der Republik. Der mutige Architekturentwurf werde in der Bürgerschaft akzeptiert, ohne Zustimmung der Nachbarn wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

„Besser kann das Schützenwesen nicht erlebbar gemacht werden“, freute sich Einecke über die Realität gewordene Vision. Die Bedeutung der Einrichtung gehe weit über die Region hinaus. „Es harmoniert fantastisch“, merkte Pastor Karl Wurm an, der anfangs „äußerst skeptisch“ gegenüber der Kombination von „Fachwerk und Guggenheim“ gewesen war.

Das multimediale Ausstellungskonzept, an dem Maria und Reinhard Hauff mitgestrickt haben, lässt herkömmliche Schützenmuseen wie in Celle oder Neuss alt aussehen. Exponate wie Waffen, Schützenvogel und -scheiben spielen nur eine Nebenrolle. Zweisprachig erzählen sprechende Steine in der freigelegten Stadtmauer mit sonorer Stimme Stadtgeschichte. An einem interaktiven Tisch werden zur Synchronstimme von Kevin Costner und Al Pacino Verteidigungsszenarien im Mittelalter simuliert, im Georgsturm zeigen Dioramen familienverträgliche Bordell- und Folterszenen, mit Armbrust und Vogelbüchse kann virtuell geschossen werden.