Schulen und Lehrer in Holzerode

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Schulgebäude, die Schulstruktur und der Schulbetrieb

950Holzerode 085a.jpg

Geschichte

Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Holzerode schon ein eigenes Schulhaus, das jedoch aufgrund seines sehr schlechten Zustandes durch einen Neubau im Jahre 1825 ersetzt wurde; dies war das spätere Lehrerwohnhaus in der Dorfstraße, das heute im Eigentum der Familie Wegener ist. Zum erbärmlichen Zustand des ersten Schulhauses schrieb der damalige Lehrer Karl F. Nachtigall 1824 an das zuständige königliche Kirchenkonsistorium:

„Das ganze (…) Schul Gebäude enthält nur eine heizbare Wohnstube, alle übrigen

Gemächer sowohl in der unteren als oberen Etage sind dunkle Behälter, die weder Fußboden noch Fenster haben und wegen Mangels an Thüren-Schlössern jedem offen stehen. Dieser beschränkten Verhältnisse wegen sind meine Hausgenossen genötigt, ihre Geschäfte während dem Unterricht in der Schulstube auszuüben, wodurch die Aufmerksamkeit der Kinder zu meinem Verdruß nicht selten unterbrochen wird“ Und weiter an anderer Stelle: „…(ich) erlaube mir nur noch anzuführen, daß ich in einem elenden Locale Schule halten muß, wo ich mit Frau und Kindern wohne. Hier wo mein Bette, mein Speiseschrank, mein Esstisch steht, wird Schule gehalten; hier wo meine drei Kinder herumspielen und mitunter auch schreien, da soll ich unterrichten und die Dorfjugend zu verständigen und frommen Menschenbilden. (…) dazu kommt dass meine Frau im nächsten Winter ihrer Niederkunft entgegen sieht und in der Schulstube ihr Wochenbett halten muss. Dann kommt natürlich auch eine Wiege hinzu und nicht selten schreiet das kleine Kind alle frommen Herzen-Erhebung aus unseren Schulgebeten hinweg“.

950Holzerode 085b.jpg

Das Konsistorium hat darauf endlich eine Einsicht und im Jahre 1825 wurde das neue Schulhaus zusammen mit der Gemeinde Holzerode gebaut und nun gab es auch einen eigenen Unterrichtsraum im Schulhaus. Es gehörten allerdings jetzt auch wirtschaftlich nutzbare Nebenräume wie Ställe dazu, damit der Lehrer bei seinem überaus schlechten Einkommen einen kleinen landwirtschaftlichen Nebenerwerb zur Existenzsicherung betreiben konnte. Über der Eingangstür wurde die bis heute sichtbare Inschrift angebracht: „Wir bauen nicht aus Stolz noch Pracht, wir sind mit Zwang dazu gebracht. Wir können es nicht enden, Gott hilf es uns vollenden.“

Im Winkel

In den Jahren 1910/11 wurde dann auch das Schulgebäude „Im Winkel“, das jetzige Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schule“, gebaut. Das alte Schulhaus war jetzt nur noch Lehrerwohnhaus und wurde bis zur Veräußerung durch die Gemeinde an die Familie Wegener immer von den in Holzerode wohnenden Lehrern genutzt. In der ersten Nachkriegszeit nach 1945 wurden hierin aber auch gleichzeitig Flüchtlingsfamilien untergebracht, so dass zeitweise vier Familien mit bis zu 18 Personen im Haus wohnten. Erst 1952 wurde das Lehrerhaus mit dem Auszug der letzten Flüchtlingsfamilie des Revierförsters Ting wieder voll als Lehrerwohnhaus nutzbar.

"Alte Schule"

Die Grundsteinlegung für die heutige „Alte Schule“ war am 20. Mai und das Richtfest am 23. Juni 1911. Es bestand zunächst aus zwei Klassenräumen im Erdgeschoss und einem großen Raum zur Verwaltung im Obergeschoss. Zu Ostern 1949 wurde ein drittes Klassenzimmer im Raum im Obergeschoss eingerichtet. Der benachbarte Bodenraum im Obergeschoss diente immer wieder als Turn- und Lagerraum. Somit mussten bis in die 60-er Jahre – nicht zuletzt aufgrund der geringen Lehrerzahl und wie üblich auf dem Lande – häufig bis zu vier Jahrgänge gleichzeitig in einem Klassenraum unterrichtet werden. Eine Wasserstelle gab es in der Schule bis 1954 nur über eine Pumpe auf dem Schulhof. Dann wurde auf Anweisung des Gesundheitsamtes in Göttingen eine Wasserleitung in das Gebäude hinein verlegt. Auch die alte Ofenheizung war lange Zeit nicht sehr leistungsfähig, so dass z.B. im Winter 1954/55 bei Schulbeginn nur einer Temperatur von 4°+ in den Klassenzimmern erreicht wurde, nie jedoch mehr als 12°+. Erst im Jahre 1961 baute die Fa. Beckmann eine Warmwasserheizung mit Ölfeuerung in der Schule ein. Auch die Toilettenanlage konnte aus Kostengründen in der Zeit des Schulbetriebes nie den Anforderungen an eine moderne Hygiene angepasst werden. Die Toilettenanlage wurde im Schulhaus erst in den Jahren 1966/67 gebaut; aus dem alten Toilettenbau auf dem Schulhof wurde ein kleines Gerätehaus der Gemeinde. Zum Schulbetrieb gehörten neben dem obligatorischen Unterricht natürlich auch vielfache Sonderaktivitäten der Schule sowie eine rege Beteiligung am Dorfleben. Seit Beginn des 20. Jh. wurden regelmäßig Schulfahrten z.T. mit allen Klassen an die Weser, in den Solling und in den Harz durchgeführt. Von 1946 bis Mitte der 50-er Jahre wurden regelmäßig zum Jahresende auf dem Saal des Gasthauses Rühling eine Weihnachtsfeier mit der Aufführung von Theaterstücken durchgeführt. Die Sportvergleichskämpfe mit den Schulen der benachbarten Orte einmal im Sommer sowohl als Reichsjugendwettkämpfe in der Weimarer Zeit als auch als Bundesjugendspiele ab Ende der 40-er Jahre des vorherigen Jahrhunderts waren ein fester Bestandteil des Schuljahresprogramms.

950Holzerode 087.jpg


Die Lehrer und Lehrerinnen

Hans Kirchmann

Der erste uns bekannte Lehrer in Holzerode war der für 1690 erwähnte Lehrer Hans Kirchmann, von der Ausbildung her Schreiner, der bis 1709 die Lehrerstelle inne hatte.

Dann erfahren wir erst wieder etwas – wie oben in seinem Bemühen

um den Bau des ersten Schulhauses beschrieben – von einem seiner Nachfolger, dem Lehrer Karl F. Nachtigall.

Karl F. Nachtigall

Er wurde in Sattenhausen geboren und war Sohn auch eines Lehrers. Er starb hier [[1837].]

Sein Nachfolger wurde der Lehrer Kurre, der vorher schon in Spanbeck eine Lehrerstelle hatte.

Kurre

Kurre zog 1852 wieder von Holzerode fort, nachdem seine Frau von einem Soldaten, der Spatzen töten wollte, unabsichtlich erschossen wurde.

Nachfolge

Ihm folgte als Holzeröder Schulleiter am 23. Mai 1852 für 47 Jahre der Lehrer Carl Isenhut, der

aus Spanbeck bzw. Eddigehausen stammte. Am 1. Oktober 1899 wurde Otto Peter der Nachfolger von Carl Isenhut und blieb hier der sog. „erste Lehrer“ 38 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1937. Im Jahre 1909 bekam die Schule eine zweite Lehrerstelle, die von folgenden Lehrern im Laufe der Jahre besetzt wurde: 1909 bis 1911 Edmund Otte, 1911 bis 1912 von Christoph Wille, 1912 bis 1921 von Heinrich Witz (er war allerdings von 1914 bis 1919 als Freiwilliger im Kriegsdienst), von 1921 bis 1935 August Bornträger. Auf Bornträger folgte vom 1. August 1935 bis zum 1. Oktober 1935 wegen Einberufung zur wieder eingeführten Wehrpflicht für nur ein Vierteljahr der Lehrer Kuhlmann. Er wurde bis zum 1. Januar 1936 von Frl. Krohne ersetzt. Als auch sie wieder versetzt wurde, kam für ein Jahr bis Weihnachten 1936 Frl. Loß an die Holzeröder Volksschule, bis dann mit der Übernahme der zweiten Lehrerstelle durch Karl Truthe am 1. Januar 1937 wieder etwas Kontinuität auf dieser einzutreten schien. Dann kam es im September 1939 jedoch zum Kriegsbeginn und Truthe wurde sofort zum Kriegsdienst eingezogen. Zwischenzeitlich kehrte er noch einmal von der Front zurück und nahm wieder den Schuldienst in Spanbeck auf, fiel dann aber noch im Frühjahr 1945 an der Westfront.

950Holzerode 088a.jpg
950Holzerode 088b.jpg

Zum Schuljahresende 1936/37 trat der Schulleiter Otto Peter nach 38 Jahren Dienst an der Schule in Holzerode in den Ruhestand. Seine Nachfolge wird am 2. Oktober 1937 dem Lehrer Heinrich Albermann, der aus Putensen im Kreis Lüneburg stammte, übertragen. Bis 1939 gab es also das „Lehrergespann“ Albermann/Truthe, dann in der Kriegszeit musste Albermann allerdings lange Zeit allein den Unterricht tragen: Von 1943 bis 1945 wurde er dann jedoch noch einmal von einem Frl. Medenus als zweite Lehrerin unterstützt. Nach dem Kriegsende im Mai 1945 wurde wenige Monate später am 30. September 1945 Lehrer Albermann wegen angeblicher nationalsozialistischer Belastungen vom Schuldienst suspendiert. Zwei Jahre später erfolgte wegen nachgewiesener Verleumdung jedoch seine Rehabilitation und er wurde erneut an der Holzeröder Schule eingesetzt. Inzwischen war allerdings der gebürtige Berliner Alfred Liers am 1. Oktober 1945 zum kommissarischen Schulleiter bestellt worden und behielt nun auch diese Position. Bis 1947 stand ihm Frau Ingeborg Scholz als zweite Lehrerin zur Seite; dann kam auf diese zweite Lehrerstelle der später noch zum Dr. phil. promovierende Günther Jahn, der aus Wathlingen bei Celle stammte. Von 1947 an gab es also drei Lehrerstellen in Holzerode, was nicht zuletzt bei der durch den Zuzug von Flüchtlingen und Evakuierten in der ersten Nachkriegszeit erheblich gestiegenen Schülerzahl zur Aufrechterhaltung eines einigermaßen geordneten Unterrichtsbetriebes auch notwendig wurde. Die Schülerzahlen betrugen in Holzerode in der Zeit von Mitte des 19. Jahrhunderts (erste Aufzeichnungen) bis Anfang der 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts immer um ca. 100, dann gingen sie in der wirtschaftlich schwierigen Zeit der 20-er, 30-er Jahre sowie in der Kriegszeit auf ca. 60 bis 70 Kinder zurück, um in der ersten Nachkriegszeit auf ein Maximum von 183 zu steigen. Erst ab Mitte der 50-er Jahre pegelten sie sich wieder bei ca. 80 Schüler/innen ein. Am 1. Mai 1952 bekam Heinrich Albermann wieder eine Schulleiterstelle und wurde nach Volkerode versetzt. Da zur gleichen Zeit auch Günther Jahn an eine Mittelschule versetzt wurde, zuerst nach Hannover und dann am 1. Mai 1953 an die Kreismittelschule in Göttingen, übernahmen zunächst die Lehrerinnen Frl. Moysich und Frau Wabbels, geb. Klose, die freiwerdenden Stellen, dann kam für die nach Eddigehausen versetzte Lehrerin Moysich Helmut Jahn am 14. April 1953 auf die zweite Lehrerstelle in Holzerode. In den Jahren 1956 und 1957 gab es wiederum einen größeren Lehrerwechsel in Holzerode. Nach 11 Jahren als Schulleiter ging Alfred Liers am 30. September 1956 in den Ruhestand, während Frau Wabbels schon zum Schuljahresbeginn am 31. Mai 1956 offiziell aus dem Schuldienst ausgeschieden war. Am 1. Oktober 1956 kam Gustav Lohrenz aus Osterode als neuer Schulleiter nach Holzerode. Bei der zweiten Lehrerstelle gab es nun in den kommenden Jahren wieder einen sehr häufigen Wechsel. Helmut Jahn wurde 1957 nach Grone versetzt, von wo aus er anschließend Schulleiter in Bovenden wurde. Ihm folgten von 1957 bis 1959 Helmut Schmidt-Harries, zwischenzeitlich von 1958 bis 1959 auch dessen Frau Klara, geb. Lickfelt, von 1959 bis 1962 Helmut Meyer, als dritte Lehrkraft, zwischendurch auch von 1959 bis 1961 Frau Ziss und Frau Busche, bis dann die dritte Lehrerstelle ab 1962 nicht wieder besetzt wurde und die ab 1961 in Nachfolge von Frau Busche an die Schule gekommene Lehrerin Frau Ilse Storbeck die zweite Stelle einnahm, bis sie am 1. August 1967 in die neue Mittelpunktschule Reyershausen versetzt wurde. Bis zur Aufhebung der Volksschule Holzerode im Jahre 1969 und der dann folgenden Beschulung aller Schülerjahrgänge in der Plesseschule Reyershausen war Gustav Lohrenz der „Hauptlehrer“ in Holzerode, also mit 13 Dienstjahren nach den 47 Jahren von Karl Isenhut und den 38 Jahren Otto Peter der drittlängst amtierende Schulleiter. Zu nennen sind noch die sog. „nebenbeschäftigten“ Lehrkräfte der Volksschule, die alle Handarbeiten unterrichteten. Die erste Handarbeitslehrerin um die Jahrhundertwende war Frl. G. Hinze, der am 1. April 1910 Frau Peters folgte, 1914 Frl. Warsing, 1915 Frl. Minna Bode, 1930 Frl. Thiele. Ihr folgt direkt schon Anfang der 30-er Jahre Frau Amalie Bährens, die erst 1956 nach mehr als 25 Jahren aus dem Dienst ausschied und 1957 von Frau Lilli Finke ersetzt wurde. Diese unterrichtete noch einmal 10 Jahre bis 1967; letzte Handarbeitslehrerin war die Ehefrau des letzten Schulleiters Lohrenz, E. Lohrenz.

Autor: Wolfgang Buss. Aus: Festschrift 950 Jahre Holzerode, 2005

siehe auch:

Holzerode