Schwertransport in Südniedersachsen

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In der Nacht von Sonnabend, 20. Juni 2009, auf Sonntag, 21. Juni 2009, rollte der größte Schwertransport der vergangenen Jahre von Hann. Münden nach Hessisch-Lichtenau. Die Autobahn 7 war zeitweise in beide Richtungen gesperrt.

Es soll die größte Schmiedepresse Europas werden. Die Saarschmiede in Völklingen will mit ihr Turbinenteile aus Titan pressen. Die für den Bau der Anlage benötigten Gussteile fertigt eine Firma im englischen Sheffield. Die Hessisch-Lichtenauer Richter Maschinenfabrik AG übernimmt mit ihren 240 Beschäftigten die Bohr- und Fräsarbeiten. Der Transport der bis zu 250 Tonnen schweren Teile verlangte eine monatelange Vorbereitung.

Besonders das mit acht mal acht Metern kompakteste Teil stellte die Spedition Kuebler aus Schwäbisch Hall vor Herausforderungen. Es wurde zunächst auf der Bundesstraße oberhalb der Weserumschlagstelle auf sogenannte Elefantenfüße gestellt. Dann fuhr das 34-achsige Transportfahrzeug so unter das Gussteil, dass es dies diagonal versetzt wieder aufnehmen konnte. Die eigentlich auf eine Stunde angesetzten Arbeiten zogen sich dreieinhalb Stunden hin. Gegen 22 Uhr war der Klotz an der Autobahnauffahrt Hedemünden erneut umzusetzen. Es wurde auf einen zehn Meter breiten Transporter geladen, der das Gewicht auf eine möglichst große Fläche verteilte. Statische Berechnungen hatten nämlich ergeben, dass ein nur drei Meter breiter Schwertransporter die Werratalbrücke zum Einsturz bringen könnte.

2340 PS im Einsatz

Um Mitternacht war die Brücke passiert. Nun galt es die achtprozentige Steigung der Kasseler Berge zu bewältigen. Drei Zugmaschinen zogen, ein Fahrzeug schob. 2340 PS waren nötig, um das Gussteil im Schritttempo nach oben zu fahren. Um 9.30 Uhr erreichten die drei Teile dann Hess. Lichtenau. „Wir hätten maximal bis 10 Uhr Zeit gehabt“, sagte Prokurist Joachim Kraus.

„100000 Euro hat die Planung des Transports gekostet, 80000 der Transport selbst, 50000 Euro seine Sicherung“, erklärt Vorstand Axel Richter. 50 Polizisten und 15 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks waren im Einsatz. Zahlreiche Schaulustige mit Kameras säumten den Weg. Einige hatten Picknickkörbe und Bierkästen dabei. In zehn Wochen gehen die Teile wieder über Münden zurück auf die Weser. 15 Großteile will Firma Richter 2009 noch transportieren.

Von Michael Caspar, Göttinger Tageblatt