Sportgemeinschaft Lenglern

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Tradition, Lebendigkeit und Spaß an Bewegung – seit 100 Jahren ist es Ziel der Sportgemeinschaft Lenglern (SGL), diese Zutaten im Vereinsleben zu vereinen.

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„Ein dörflicher Sportverein hat längst nicht mehr die Aufgabe, ,nur‘ ein Angebot an Sport für seine Mitglieder bereitzustellen“, beschreibt der Vereinsvorsitzende Björn Itzigehl. Von einem sportlichen Zusammenschluss würden heutzutage die Förderung der Jugend und des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie Möglichkeiten des Engagements gefordert. Dieser Verantwortung habe sich die SGL von Anfang an gestellt. So diene sie heute als „Anlaufstelle für alle Generationen des Dorfes“, fasst Itzigehl die Herausforderungen an einen zeitgemäßen Sportverein zusammen. Mit den Sparten Turnen, Fußball, Volleyball, Tischtennis, Tennis, Badminton und Boule zählt die SG etwa 850 Mitglieder in dem Bovender Ortsteil Lenglern mit rund 2300 Einwohnern.

Seit der Umstellung auf Computer, bei der die Mitgliederzahl bereinigt wurde, sei diese relativ konstant geblieben. Doch die SG hat auch schon mehr Zuspruch erfahren. 954 Mitglieder zählte sie an ihrem 85. Geburtstag. Schwerer als früher sei es heute, den Nachwuchs für den Sportverein zu begeistern, erläutert Itzigehl. Die Interessen der Jugendlichen seien vielfältiger als früher. Nicht jeder trete traditionsgemäß in den örtlichen Sportverein ein.

Alles begann im Mai 1911 mit der Gründung des „Männerturnvereins Friesen Lenglern“. In der Gastwirtschaft Reddersen kamen 16 junge Männer als Gründungsmitglieder zusammen. Karl Friedrich Friesen (1784 bis 1814) hatten sie als ihr Vorbild für den Turnverein auserkoren. Der Mathematiker war ab 1810 in Friedrich Ludwig Jahns Turnkünstlerverein. Er war ein Führer der Lützowschen Freischar und nach Aussage Jahns „eine Siegfriedgestalt von großen Gaben und Gnaden“. Damals war der Sport reine Männersache. Beim alljährlichen Stiftungsfest durften die Damen aber dabei sein. In ortsüblicher Weise wurden sie von zwei Vereinsmitgliedern persönlich eingeladen. Geräteturnen war damals angesagt. Der junge Turnverein musste die Geräte kaufen. Um sie zu finanzieren, musste jeder, der neu eintrat, einen Anteilschein erwerben. Durch den Ersten Weltkrieg wurde die Arbeit in dem wachsenden Verein unterbrochen. Mit 27 Aktiven, sieben passiven Turnfreunden und zwei „Zöglingen“ ging es im Mai 1919 weiter. Zum Zehnjährigen 1921 schaffte der MTV für 2500 Mark seine erste Vereinsfahne an. Als „Traditionsfahne“ begleitet sie die SG bis heute.

1930, als Uruguay im eigenen Land erster Fußballweltmeister wurde, erwachte auch in Lenglern die Lust am Fußball. Am Mai-Feiertag gründeten 20 Männer im Gasthaus Ahlborn den Fußball-Club Lenglern. Mit August Keunecke und Willi Ahlborn an der Spitze schlossen sie sich dem Westdeutschen Arbeiter-Fußballverband „Solidarität“ an. Mit großem Einsatz entstand der erste Sportplatz „An der Spieke“. Kurios war der Lichtmast mitten auf dem Platz, allerdings noch ohne Flutlicht.

Den nächsten Einschnitt brachten der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg. Doch schon im Herbst 1945 rollte in Lenglern der Fußball wieder. Mit im Team waren viele Landser vom Bombensprengkommando der Muna. Als dieses im November 1948 aufgelöst wurde, drohte der Verein auseinander zu fallen. Doch mit neuer Spitze ging es weiter. Auch die Turngeräte kamen im Saal der Gastwirtschaft Ahlborn wieder zum Einsatz. Beim Silvester-Vergnügen traten dort Fußballer und Turner auf. Das größte Problem war damals der Sportplatz. Die nötigen Planier- und Entwässerungsarbeiten überstiegen schon lange die Kräfte des Vereins. Alle Spiele mussten auswärts ausgetragen werden.

Anfang 1949 gelang es dem Vorstand mit der Bundesvermögensstelle, die Freigabe des ehemaligen Sportplatzes in der Muna zu erwirken. Als gefährlich erwies sich die Herrichtung des Platzes. Beim Umpflügen mit Pferdegespannen kamen unerwartet 30 Granatwerfergeschosse zu Tage. Mit damals 250 Mark war der Kauf des Grassamens für den neuen Sportplatz die größte Ausgabe. Alles andere wurde in Eigenleistung und mit Spenden von Mitgliedern und Gönnern geschafft. Die Eröffnung mit einem Fest folgte dann im September. Im selben Monat schlossen sich der wieder gegründete MTV Friesen und der Fußballverein zur Sportgemeinschaft (SG) Lenglern zusammen.

Die Arbeiten am heutigen, gemeindeeigenen Sportplatz wurden 1959 aufgenommen. Pfingsten 1961, zum 50-jährigen Jubiläum, wurde er seiner Bestimmung übergeben. Zu diesem Festtag wurde die neue blau-weiß-rote Fahne geweiht, rot-weiß für die Turner und blau-weiß für den Fußball. Wegen Nachwuchsmangels im Juniorenfußball wurde 1972 die Jugendspielgemeinschaft Lenglern/Harste gegründet. Ab 1977 bot die neue Schulsporthalle dem Verein gute Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten.

1956 wurde die Tischtennisabteilung offiziell ins Leben gerufen und nimmt bis heute mit Erfolg am Punktspielbetrieb teil. Seit 1974 spielte man in der SG auch Volleyball. 1979 wurde die Tennisanlage mit zwei Sandplätzen eingerichtet, fünf Jahre später folgte die Erweiterung. 1984 gründete sich die Badmintonabteilung. Den größten sportlichen Erfolg feierte die SGL mit ihrer Jazztanz-Gruppe, die unter Leitung von Dagmar Schneider 1993 den ersten Platz bei den Deutschen Endrundenwettkämpfen belegte.

Stolz ist die SG auf ihren Mehrzweckraum, der vor zehn Jahren eröffnet wurde. Die Kosten von 300 000 Mark setzten sich aus 140 000 Mark Materialkosten und 160 000 Mark Eigenleistung zusammen. Nach Einsatz von Eigenkapital, einem Zuschuss der Gemeinde und dem Verkauf von Bausteinen musste der Verein eine Hypothek in Höhe von 100 000 Mark aufnehmen. Noch vor seinem 100. Geburtstag konnte er diese abbezahlen. Die Senioren wurden 2004 aktiv und bauten zwei Boule-Plätze.

Dass in Lenglern die Zeit nicht still steht, zeigt der Generationswechsel im Vorstand. 2007 fand der Stabwechsel statt. Neuer Vorsitzender wurde Björn Itzigehl (38) mit Stellvertreter Jörg Waligora. „Die jeweiligen Vereinsvorstände haben früh erkannt, dass sich auch das Sportangebot im ländlichen Bereich modernisieren muss, damit sich alle Generationen angesprochen fühlen. So behält der Sportverein seine wichtige Rolle auch für die Dorfgemeinschaft“, lobt Bovendens Bürgermeisterin Heidrun Bäcker (SPD) den 100 Jahre alten Verein.

Derzeit gelte es, die neuen Herausforderungen durch die schulische Betreuung am Nachmittag zu meistern, schildert Itzigehl. „Den Anforderungen zukünftig gewachsen zu sein, wird unsere ganze Kraft in Anspruch nehmen.“ Ohne das Ehrenamt geht in einem Verein wie der SG Lenglern nichts mehr, lobt der Vorstand den Einsatz der vielen freiwilligen Helfer.