St.-Martini Kirche Bovenden

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Die St.-Martini Kirche in Bovenden ist eine reformierte Kirche. Sie steht am Westrand von Bovenden in der "Untere Straße" in 37120 Bovenden. Aktuelle Pastoren sind Herr Niemann und Herr Nordmann.

Der Innenraum der St.-Martini Kirche

Geschichte

Die ältesten Teile des Turmes stammen aus der Zeit der Romanik. Eine erste Erwähnung einer Kapelle an der Stelle der heutigen Kirche datiert 1211. Das heutige breite Kirchenschiff wurde um 1600 erbaut. Zuvor war bei einem Brand 1540 ganz Bovenden zerstört worden – einzig die Kirche war übrig geblieben. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Emporen eingezogen und ein barocker Kanzelaltar errichtet, der bei einer Renovierung um 1950 entfernt wurde. Das heutige Aussehen der Kirche mit ihrer hellen, schlichten Innenausstattung geht auf eine Renovierung 1983/84 zurück.

St. Martini ist eine reformierte Kirche. Das hat historische Gründe. Die anfangs lutherische Herrschaft Plesse kam 1571 an den Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. Durch dessen Sohn Moritz – der 1599 das musikalische Talent des jungen Heinrich Schütz erkannte und nachhaltig förderte – wurde dort 1610 das reformierte Bekenntnis durchgesetzt. Die zur Plesse-Herrschaft gehörenden Gemeinden (Bovenden, Angerstein, Reyershausen, Spanbeck, Oberbillingshausen, Holzerode und Höckelheim) sowie die in der Nachbarschaft gelegenen Kirchengemeinden des Amtes Neuengleichen (Sattenhausen, Mackenrode, Etzenborn), das ebenfalls zu Hessen gehörte, waren daher reformiert.

Die evangelische Kirchengemeinde Bovenden aber hat seit 1970 eine eigene Tradition: Hier leben Christen evangelisch-reformierter und evangelisch-lutherischer Prägung in einer Gemeinde zusammen. Die Gottesdienste werden im Wechsel nach lutherischer oder reformierter Liturgie gehalten, und es gibt eine lutherische und eine reformierte Pfarrstelle, dazu eine halbe lutherische Diakonenstelle. Die anfangs gehegte Hoffnung, dass dieses „Bovender Modell“ den Anstoß zu einer gemeinsamen evangelischen Kirche in ganz Niedersachsen geben könnte, hat sich allerdings nicht erfüllt.


Die Glocken

268 Jahre alt: Bronzeglocke in St.-Martini

Die St.-Martini-Kirche besitzt zwei Glocken. Die ältere Glocke ist eine Bronzeglocke mit dem Schlagton a’. Ihr Guss im Jahr 1742 fällt zeitlich mit dem Umbau der Kirche in der Mitte des 18. Jahrhunderts zusammen. Sie trägt eine dreizeilige Inschrift in Großbuchstaben. Am oberen Rand ist zu lesen „Bofetten gehor ich / Melchior Petri Hansen gos mich / Soli Deo Gloria / Anno 1742“. In der Mitte steht „Iohann Gerhard von Wurmb Gesambt Drost der Herrschafft Plesse / Johann Casber Schuls Meier Bolthan“, unten „Johan Nicolaus Muller Burgemeister“.

Der Drost war Vertreter des (hessischen) Landesherrn, das Adelsgeschlecht der Wurmbs ist im sächsisch-thüringischen Raum angesiedelt. Ein Johann Gerhard von Wurmb lebte von 1704 bis 1746, wie einem Stammbaum der Familie von Hattorf zu entnehmen ist. Johann Casber Schuls (Schulz) dürfte im Rang unter dem Drost gestanden haben. Der als Dritter genannte Johan(n) Nicolaus Muller (wohl Müller) war 1742 Bovendens Bürgermeister. Der Glockengießer Hansen stammte vermutlich aus Allendorf: In der Stadtpfarrkirche in Vacha (Thüringen) hängt eine von einem M. P. Hansen gegossene Glocke aus dem Jahre 1743. Dieser Hansen, so die Vachaer Kirchenchronik, war in Allendorf ansässig. Hansens Bovender Bronzeglocke hat einen Durchmesser von 94 Zentimetern.

Neben ihr hängt eine Klanggussglocke mit dem Schlagton fis’, die im September 1959 montiert wurde. Gegossen wurde sie von der Firma Wilhelmshütte im Werk Bockenem. Sie hat 1,29 Meter Durchmesser und trägt die Inschrift „Suchet den Herrn, so werdet ihr leben / Bovenden 1959“.


  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 28. September 2010, Seite 8