St. Mariä Verkündigung Germershausen

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Die Wallfahrtskirche "Maria in der Wiese" in Germershausen.

St. Mariä Verkündigung ist eine Wallfahrtskirche in Germershausen. Sie wurde 1889 im neoromanischen Stil erbaut. In der Kirche befinden sich eine Glocke und ein Gnadenbild aus dem Jahr 1513. Das Marienbild wurde bei der Gestaltung des Wappens der Samtgemeinde Gieboldehausen aufgenommen.

Das Gnadenbild Maria in der Wiese, eine sitzende Madonna, ist aus Holz geschnitzt. Maria hält das Zepter in der rechten Hand und das Jesuskind im linken Arm. Die Figur kann auf Mitte des 15. Jahrhundert datiert werden. Diese Statue wurde wohl schon in einer vor 1500 bestehenden Kapelle aufgestellt und verehrt. Bis 1876 war die Statue bekleidet. Von einer Wallfahrt im Mittelalter gibt es kein geschichtliches Zeugnis. Die erste Nachricht datiert aus einer Germershäuser Kirchenrechnung von 1678. Jedes Jahr am ersten Sonntag im Juli findet an der Kirche der Gottesdienst zur Wallfahrt "Maria in der Wiese" statt, an der jährlich bis zu 10000 Gläubige teilnehmen. Betreut wird die Germershäuser Marienwallfahrt von den Augustinern, die seit 1864 in dem kleinen Ort des Untereichsfeldes mit ihrem nördlichsten Kloster in Deutschland vertreten sind.

Weitere Wallfahrten zu Maria in der Wiese sind die Kleine Wallfahrt: letzter Sonntag im März Frauenwallfahrt: 1. Sonntag im Mai Männerwallfahrt: 1. Sonntag im September


Die Glocken

Erinnert an Wallfahrtstag vor 58 Jahren: Die große Glocke trägt die Inschrift „Christus Rex“ und hat den Schlagton ges’.

Täglich läuten die Kirchenglocken, sonntags besonders lange, wenn sie zum Gottesdienst einladen. Wir stellen in einer zwölfteiligen Serie ausgewählte Glocken aus dem Eichsfeld und die zugehörigen Kirchen vor. Den Glockenklang können Sie im Internet als Podcast herunterladen. Heute die erste Folge: die Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in Germershausen.

Am ersten Sonntag im Juli ist die Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in Germers­hausen das Ziel tausender Gläubiger im Eichsfeld: bei der Wallfahrt Maria in der Wiese. Diese Wallfahrt ist die älteste (spätestens seit 1678) und größte im Bistum Hildesheim. Dabei wird ein Gnadenbild gezeigt, eine 72 Zentimeter hohe Muttergottesstatue aus Holz, die in der Zeit zwischen 1400 und 1450 entstanden ist. Die bei der Prozession mitgeführte Statue ist das Original, in der Kirche ist dagegen aus Sicherheitsgründen eine Kopie – mit kleinerer Krone – aufgestellt.

Der heutige Kirchenbau wurde 1887 begonnen, Weihe der neuromanischen Kirche war am 27. Juni 1889. Entworfen hatte sie Maurermeister Algermissen aus Moritzberg, heute ein Stadtteil von Hildesheim. Algermissen hat darüber hinaus die Kirchen von Langenhagen, Fuhrbach und Seulingen gebaut. Das Innere der Kirche, ursprünglich in neugotischem Stil, ist nach mehreren Umbauten heute schlicht gestaltet.

Zwei Glocken hängen im Turm gleich hinter der Uhr, eine große, die genau 58 Jahre alt ist, und eine etwas kleinere. Mit einiger Mühe lassen sich die Inschriften entziffern. Die kleinere Glocke ist lateinisch datiert: anno dni m ccccc xiii, also im Jahre des Herrn 1513. Dies ist der Überlieferung nach die Glocke der ersten Kapelle, in der die Muttergottes-Statue aufgestellt wurde. Die Glocke ist 85 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 98 Zentimetern, ihr Schlagton ist as’. Die Inschrift verrät, dass es sich um eine Marienglocke handelt: „ave maria gracia plena hilf inot Maria berot“. Die Wendung „Maria berot“ (Maria berate) findet sich schon auf Glocken des 13. Jahrhunderts, sie steht unter anderem auch auf der Glocke von St. Johannis in Hilkerode. Auch im Germershäuser Wallfahrtslied heißt es in der gleichbleibenden Schlusszeile der sieben Strophen: „Du Mutter der Gnad’, gib Trost uns und Rat!“ Sowohl die Hilkeröder als auch die Germershäuser Glocke wurden von Andreas Botger gegossen, einem Glockengießer aus Rassow, wie es in dem kleinen Führer „Germershausen. Wallfahrt und Kloster“ heißt, der in der Kirche ausliegt.

Die zweite Glocke trägt die Inschrift „Christus Rex“ und „St. Josef“, ist bei einem Durchmesser von etwa 1,18 Metern 1,10 Meter hoch und hat den Schlagton ges’. Sie ist am 5. Juli 1953 datiert, dem Wallfahrtstag 1953. Das war eine sehr bewegte Zeit. Den Aufstand in der DDR am 17. Juni hatten die Sowjets zweieinhalb Wochen zuvor niedergeschlagen, kurz davor, am 2. Juni, war die Krönung von Queen Elizabeth II. in London, und im Himalaja bezwangen Edmund Hillary den Mount Everest (29. Mai) und Hermann Buhl den Nanga Parbat (3. Juli).

In Germershausen aber dürften am 5. Juli 1953 die Wallfahrt und die neue Glocke die wichtigsten Ereignisse gewesen sein. Denn Germershausen ist ja, wie Pfarrer Schönemann (seit 1872 Pfarrer der Gemeinde) in einem Brief an seinen Bischof geschrieben hatte, „der Herzschlag des Eichsfeldes“.