St. Marien-Kirche Obernjesa

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Die St. Marien-Kirche in Obernjesa ist eine evangelisch-lutherische Kirche. Derzeitige Pastorin ist Dr. Dagmar Henze.

Die St. Marien-Kirche in Obernjesa, ein Bau aus dem 13. Jhd.

Geschichte

732 Jahre alt ist die Marienkirche, auch wenn sich ihr heutiger schlichter Bau als Ergebnis mehrerer Umgestaltungen darstellt. Der hohe Turm zeigt noch das Bruchstein-Mauerwerk, aus dem die ganze Kirche besteht. Doch musste das Kirchenschiff bei der letzten Restaurierung aus konservatorischen Gründen verputzt werden. Die Fassade stammt aus dem Barockzeitalter. Auch der schieferbehangene Turmaufsatz ist jüngeren Ursprungs. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Ersatz für ein baufällig gewordenes Satteldach aufgesetzt. Weitere Turmrenovierungen gab es 1811, 1845 und 1950, wobei jeweils Nachrichten in den Kopf der Wetterfahne eingeschlossen wurden, wie es in einer Kirchenchronik heißt.


Glocken

Glocke der Gießerei Otto: gegossen 1887 in Hemelingen

Die erste beurkundete Glocke der Marienkirche stammt von 1633, etwa 80 Jahre nach Einführung der Reformation in Obernjesa. Der Schmied Christoffel Hardege aus Blume bei Münden erhielt von der Gemeinde Obernjesa 33 Taler und einen Scheffel Weizen für den Verkauf einer Glocke. Doch war sie wohl recht klein, denn Pastor Andreas Siburg notierte bei einer Visitation 1646, dass die Glocke im Dorf kaum zu hören sei.

So wurde 1663 eine neue Glocke angeschafft, gegossen von Ludolph Sigfriedt in Hannover. Sie wog acht Zentner und hing bis zum ersten Weltkrieg in der Kirche. Dann aber wurde sie beschlagnahmt, um aus dem Metall Geschütze zu gießen. 1923 lieh sich die Kirche eine gleich schwere Glocke, gegossen 1887 von den aus Duderstadt stammenden Brüdern Karl und Franz Otto in Hemelingen bei Bremen. Karl war ursprünglich Priester, Frank Schuhmacher. Die Kunst des Glockengießens lernten sie bei Lange in Hildesheim. Diese Otto-Glocke mit dem Schlagton a’ hängt bis heute in St. Marien, die Kirche hat sie später nämlich gekauft. Die Rundschrift am Helm lautet „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.“

1926 ließ die Kirche bei Störmer in Erfurt eine zweite Bronzeglocke gießen, die dem Gedächtnis der im Ersten Weltkrieg Gefallenen gewidmet war. Sie war 750 Kilogramm schwer – und wurde im Zweiten Weltkrieg wiederum für Rüstungszwecke beschlagnahmt, so dass zu Kriegsende 1945 die Kirche wieder nur eine einzige Glocke besaß.

Dies war der Anlass, im Jahr 1946 zwei neue Glocken anzuschaffen. Angesichts der bitteren Erfahrung, dass Bronzeglocken immer für Kriegszwecke eingezogen wurden, wählte die Gemeinde diesmal Klangguss-Glocken der Gießerei Weule in Bockenem. Die größere mit dem Schlagton fis’ wiegt 1100 Kilogramm und ist, wie ihre Inschrift besagt, „Dem Andenken der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges 1939 bis 1945“ geweiht. Als Bibelspruch ist auf ihr der Vers „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebr. 13, 8) zu lesen. 450 Kilogramm wiegt die kleinere Glocke mit dem Schlagton h’, die an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert. Sie trägt die Bibel-Inschrift „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ (Psalm 130, 1).

Das Geläut der drei Glocken wurde 1953 vom amtlichen Glockenrevisor Frohwalt Hardege im Tonaufbau als „musikalisch nicht einwandfrei“ eingestuft. Doch gewiss haben sich in den vergangenen 50 Jahren die Obernjesaer an den Klang ihrer Glocken so gewöhnt, dass sie nun keinen anderen Akkord haben wollen.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt, 05.10.2010, S. 11