Stadtarchiv Duderstadt

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadtarchiv an der Christian-Blank-Straße
Eingang des Stadtarchivs
Archivar Dieter Wagner
Älteste Urkunde: Dieter Wagner präsentiert das Schriftstück, das sonst im feuergeschützen Stahlschrank lagert.

Das Stadtarchiv Duderstadt liegt an der Christian-Blank-Straße am Duderstädter Stadtwall

Bestand und Aufbewahrung

Dieter Wagner ist Stadtarchivar in Duderstadt. Rund 1000 Urkunden, die älteste aus dem Jahr 1266, 7000 Handschriften und Amtsbücher, 40000 Fotos, 1000 Plakate, 1200 Landkarten und sämtliche Ausgaben der lokalen und regionalen Zeitungen seit 1815 lagern in einem grauen Gebäude an der Christian-Blank-Straße. Auf 500 laufende Meter Akten schätzt Wagner den Bestand, der nie zerstört wurde: „Unsere Überlieferung ist vollständig seit dem frühen Mittelalter bis heute.“ Ratsprotokolle, Stadtbücher, Bürgerbücher, Rechnungen – „das Archiv ist das Gedächtnis der Verwaltung“, beschreibt Wagner den formalen Hintergrund der seit Jahrhunderten währenden Sammelleidenschaft. Doch das ist nur der äußere Rahmen. Ein Rechnungsbuch aus dem Jahr 1506 in der Hand erklärt Wagner, darin sei verzeichnet, wer wieviele Steuern gezahlt, wieviel die Stadtoberen für Baumaßnahmen ausgegeben hätten. Durchgängig bis 1928 seien diese Bücher in einer bestimmten Reihenfolge, gelistet nach Straßenvierteln, geführt worden. „Da kann man feststellen: Wer war der Reichste, wer der Ärmste, wo haben sie gewohnt.“ Das sei „ein großer Schatz“, so Wagner. Und nachdenklich fügt er hinzu: Das Archiv sei nicht nur das Gedächtnis, „das ist die Seele einer Stadt“. Neben den Unterlagen der Verwaltung – gekennzeichnet mit „DUD 1“ für die Zeit zwischen 1500 und 1802 sowie „DUD 2“ für die Jahre ab 1802 – sind auch die Bücher des Armenhauses und der Gilden im Archiv verwahrt. Protokolle des Stadtgerichtes aus den Jahren 1670 bis 1802 sind hier gelagert. Die Urkunden liegen in zwei feuergeschützten Stahlschränken: Dokumente bis 1500 in dem einen, spätere Urkunden im anderen. In einem Raum unter dem Dach sind die Fotos – Abzüge auf Papier, Dias, Glasplatten – untergebracht. Es sind Postkarten und deren Vorlagen, Fotos der Stadtverwaltung, Ankäufe aus privaten Beständen. Zum Stadtarchiv gehören zudem die Plakate: Werbeaushänge, Veranstaltungshinweise, Propaganda aus den Weltkriegen sind darunter zu finden. Ausgewertet werden diese Dokumente für wissenschaftliche Zwecke oder bei privaten Anfragen. Ein Ergebnis einer archivinternen Auswertung ist der „Kretzmarsche Zettelkasten“, eine nach dem früheren Stadtarchivar benannte Karteikartensammlung. Geordnet nach den Namen bekannter Familien ist dort vermerkt, welche Person wann und als was in der Stadt aufgetaucht ist. Von „Abraham“ bis „von Zwehl“ reicht diese Familiengeschichtliche Sammlung. Gestützt auf das Stadtarchiv ist auch das Duderstädter Häuserbuch entstanden. Geschichte und Besitzer der über 500 Fachwerkgebäude der Innenstadt sind darin in Beiträgen zahlreicher Duderstädter Persönlichkeiten dargestellt und erläutert. Die Öffnung der Archive für die Bürger sei eine der Forderungen der Französischen Revolution gewesen, erläutert Wagner. Dass auch das Duderstädter Stadtarchiv Nutzern offen steht, wird an einem eigens eingerichteten Arbeitsraum deutlich. Hier können Schulklassen oder andere Gruppen zu Werke gehen. Inzwischen sind Teile des Bestandes sogar von jedem Punkt der Welt aus zugänglich. In Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen ist das Stadtarchiv über Internet per „Online Public Access Catalogue“ (kurz OPAC), einem öffentlich zugänglichen digitalen Bibliothekskatalog, nutzbar. Das heimelige Gefühl, das knarzende Holzfußböden und der Geruch von Papier vermitteln, bleibt dem Nutzer dabei allerdings verwehrt.

Ältestes Dokument

Ältestes Dokument im Bestand des Duderstädter Stadtarchivs ist eine Urkunde aus dem Jahr 1266 (Foto). Es ist die Erklärung Ritters Bruno von Berlingerode, in den Deutschen Orden einzutreten, um so von den Stadtoberen Straffreiheit für einen begangenen Mord zu erhalten.