Steidl-Verlag

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Steidl Verlag

Der Steidl Verlag ist einer der wenigen eigentümergeführten Verlage in Deutschland, die konzernunabhängig bestehen. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf internationaler Fotografie sowie auf Belletristik. Unter den Autoren hervorzuheben ist Günter Grass. Der Verlag wird geleitet von Gerhard Steidl. Das Gebäude befindet sich in der Düsteren Straße 4.


Unisex-Parfum

Mal was Neues zum Thema Buch: Verleger Steidl (links) und Parfumeur Schön.

Die Verpackung sieht, wie zu erwarten, aus wie ein Buch. Eines mit einem weißen Leinen-Einband. Darin, in rotem Seidenpapier eingehüllt, liegt, hinter 32 bedruckten Seiten, in einer roten Aussparung der Flakon. Mit dem Duft nach Buch. Ein so genanntes Unisex-Parfum mit einem weltweit einzigartigen Geruch.

Die Idee stammt von dem 61-jährigen Göttinger Verleger Gerhard Steidl, den weltweit vor allem seine hochwertigen Fotobücher bekannt gemacht haben.

Genau ging die Geschichte, in der viele bekannte Namen vorkommen, so: Steidl ist die Hauptfigur des Filmes „How to make a book with Steidl“. Darin gibt es eine Szene mit dem Fotografen Robert Frank, der an einem Buch, made by Steidl, schnuppert und sagt: „Ja, das ist dein Parfüm.“ Das wiederum bringt Tony Chambers, Chefredakteur des Wall Paper Magazins, auf die Idee, die er sofort Steidl unterbreitet: Ein Parfüm mit Bücherduft. Steidl musste dazu, so erinnert sich Chambers, nicht lange überredet werden.

Irgendwann, so erzählt Steidl am Küchentisch seines Verlagsgebäudes mitten in der Göttinger Altstadt, war dann auch Karl Lagerfeld dabei. Steidl und Lagerfeld arbeiten bereits seit vielen Jahren eng zusammen. Lagerfeld also, der Modeschöpfer, fand die Idee eines „Buches in der Flasche“ faszinierend. Nun kommt der Parfumeur Geza Schön ins Spiel: Er ist­ einer von weltweit vielleicht 2000 dieser raren Gattung. Und nach gut einem Jahr Gemeinschaftsarbeit war das Parfüm fertig. Es ist jetzt aktuell auf dem Markt.

Das Design hat, natürlich, Modezar Lagerfeld entworfen, von dem auch das Vorwort zu dem Buch stammt. Der Chanel-Designer outet sich darin als „Paper Freak“ und schwärmt von der sinnlichen Erfahrung, schönes Papier anzufassen und zu riechen. In einer Welt ohne Papier könne er nicht leben.

Grass-Verleger

Günter Grass kommt auch noch ins Spiel. Immerhin macht Steidl einen großen Teil seines Geldes als Grass-Verleger und baut derzeit, aber das ist eine andere Geschichte, eine Art Grass-Museum direkt neben sein Verlagshaus.

Zurück zum Parfüm: Grass steuert für das „Verpackungsbuch“ ein eigenes Gedicht bei. Titel: „Duftmarken“. Letzter Satz: „Wer liest, der riecht.“ Soviel Design und Entwicklungsgeschichte machen neugierig auf das eigentlich Wesentliche: den Duft. Steidl selbst findet ihn gelungen und erzählt stolz: „Lagerfeld hat uns gesagt, genau so sollte ein modernes Parfum, ein Unisex-Parfum, riechen.“

Fachmännisch erzählt Steidl von der olfaktorischen Pyramide, schwärmt von diesem weder nach Rosen oder anderen Blumen duftenden Produkt: „Es ist ein eher technischer Geruch“.

Der Eigentest ergibt unter den Kollegen in der Redaktion ergibt ähnliche Ergebnisse: vom neutralen „interessant“ über das begeisterte „das will ich auch!“ bis zum eher vorsichtigen: „Das ist aber für deinen Typ wohl eher nichts...“. Finde ich allerdings dennoch und trage derzeit bereits mit großem Vergnügen „Paper Passion“ am Handgelenk – das Parfüm für Buchliebhaber.

Da drängt sich zum Abschluss des Gespräches nur noch die Frage auf: Was kommt als nächstes? Die Brille zum Buch? Steidl zuckt nur kurz und findet die Idee toll: „Es gibt viele Menschen, die nichts lesen, denen man aber das Buch sozusagen mit Chic aufladen kann“. Zunächst aber hat er andere Termine: Im Frühjahr 2013 wird es im Design-Museum von Korea eine Ausstellung über „Books made by Steidl“ geben, die danach durch Asien wandert und von Peking aus auch in die USA.

Das Parfüm wird er bei all den angesagten Vernissagen sicher im Gepäck haben.

Geza Schön und Gerhard Steidl: „Paper Passion Perfum“. Parfüm von Geza Schön, Leineneinband mit einem 50 ml Parfümflakon in einer ausgestanzten Passform, eingeschlagen in rotes Seidenpapier, geliefert in einer handgefertigten Pappschachtel. 85 Euro (erhältlich in Buchhandlungen und ausgewählten Parfümerien seit August 2012).

Quelle: Artikel von Ilse Stein im Göttinger Tageblatt vom 24.August 2012.

Foto von Koto Bolofo, erschienen im Göttinger Tageblatt.