Stockleffmühle

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Die Stockleff- oder Alte Mühle ist eine Mühle in der Innenstadt von Göttingen an der Mühlenstraße.

Stadt sucht weiter Käufer für Mühle

Kneipe, Café, Restaurant: Die Alte Mühle am Leinekanal soll gastronomisch genutzt werden

Das Stadtbadareal ist verkauft, die benachbarte Stockleff- oder Alte Mühle ist noch zu haben. Die Stadt sucht derzeit einen Käufer für das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkgebäude am Leinekanal.

Die hannoverschen Investoren Delta Bau AG hatten beim Zuschlag für das Stadtbadgelände auf die Mühle verzichtet.

„Kaufinteressenten für die Alten Mühle gab und gibt es“, bestätigt Stadtsprecher Detlef Johannson. Nach Tageblatt-Information gibt es mindesten zwei Kaufwillige aus der Region. Doch die Stadt verweist auf ein geplantes Investorenverfahren. Dieses werde, so Johannson, zur Zeit von der städtischen Immobilienverwaltung vorbereitet. „Vor allem geht es dabei um die Erarbeitung von Rahmenvorgaben“, sagt Johannson. „Die werden sich grundsätzlich auf Gastronomie und auf Museumsgastronomie im Besonderen beziehen. Das Verfahren soll in der ersten Jahreshälfte 2010 abgewickelt werden.“

Museumsgastronomie deshalb, weil der Stadt vorschwebt, die ehemalige Mühle auch als ersten Anlaufpunkt für die Besucher der geplanten so genannten Wissenshäuser zu nutzen. Ob und wann diese als neues Stadtmuseum jedoch eröffnen, steht keineswegs fest.


Rückbau des Gebäudes

Wie lässt sich die historische Stockleff-Mühle am Leinekanal auf dem Gelände des ehemaligen Stadtbades künftig nutzen? Antworten soll eine eingehende Untersuchung des Anfang des 17. Jahrhunderts gebauten Fachwerkhauses bringen.

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Denkmalgeschützt: neue Nutzungsmöglichkeiten gesucht.

Die Arbeiten sollen, so erklärt der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Rolf-Georg Köhler, am Montag beginnen. Nachträglich eingebaute Wände und Betonböden würden entfernt, um die ursprüngliche Bausubstanzes des Mühlengebäudes freizulegen.

„In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz“, kündigt Köhler an. Geklärt werden müsse, was von dem alten Gebäude erhalten werden kann. Ein Konflikt zwischen Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit sei nicht auszuschließen. Erst nach Abschluss dieser Bestandsaufnahme könne damit begonnen werden, ein Nutzungskonzept für das Fachwerkhaus zu erstellen. Köhler rechnet damit, dass das bis spätestens März vorliegt.

2011 hatte die städtische Wohnungsbaugesellschaft die Planungen für die Mühle übernommen. Die Pläne, einen privaten Investor für den Umbau und Sanierung zu gewinnen, hatten sich zuvor zerschlagen.

Noch Anfang Oktober hatte die CDU/FDP-Gruppe im Rat der Stadt gefordert, „alle Arbeiten zur Bestandserhebung schnell abzuschließen, so dass das denkmalgeschützte Mühlengebäude umgehend verkauft werden kann“.


Gutachten soll Zukunft klären

„Fortuna reißt ungerecht doch alles nieder. Selbst das Festeste zerreißt sie mit der Zeit.“ Unweit der Stockleffmühle am Leineknal findet sich an der ab 1972 erneuerten Reitstall auf einer Steintafel der Hinweis auf die römische Glücks- und Schicksalsgöttingen Fortuna. Ein Spruch, der auch auf die baufällige Mühle passt.

Das Fachwerkgebäude ist in keinem guten Zustand. Eine im November begonnene Freilegung der originalen Gebäudestruktur hat Bauschäden und massive Umgestaltungen an der Hausstruktur offenbart.

Durchgefaulte Balken

Nur noch wenig, so zumindest der erste Eindruck, den die mit der Freilegung betreute Städtische Wohnungsbau gewonnen hat, ist vom Originalhaus erhalten geblieben. Balken des Dachstuhls und der Fassade sind durchgefault.

Die ursprünglichen Fachwerkbalken des um 1600 gebauten Hauses sind im Zuge jahrhundertelanger Umbauten durchgesägt worden – teilweise tragende Balken.

Das Fachwerk der Fassade ist eine darauf genagelte Attrappe. Dahinter faulen die Balken. Ursprüngliche Fachwerkstrukturen sind außen grob durch Ziegel oder Glasbausteine ersetzt worden. Im Innern sind die Eichenbalken durch Fichte ersetzt worden.

„Die Mühle ist ein Überraschungsei“, hatte Sonja Stadje von der Firma Arcontor, die die Arbeiten archäologisch begleitete, im Dezember gesagt. Unterlagen oder Baupläne zur Mühle hat es nicht gegeben.

Selten sei klar gewesen, welche Wände original sind oder nachträglich – hauptsächlich in den 60er Jahren – eingezogen wurden.

Vielfache Kosten

Die Kosten für die Freilegung beziffert Wohnungsbau-Geschäftsführer Rolf-Georg Köhler zwischen 50 000 und 60 000 Euro.

Hätte man nicht den Verein Förderer der Straßensozialarbeit damit beauftragt, hätte die Freilegung, so Köhler, „locker“ das Vierfache gekostet.

Angebote für ein Denkmalschutzgutachten

Inzwischen hat die Stadt Angebote für ein Denkmalschutzgutachten eingeholt, einen Auftrag dafür aber noch nicht vergeben. Das Gutachten soll Erkenntnisse liefern, was und wie viel von der Mühle schützenswert ist.

„Nach Vorlage des Gutachtens werden die städtische Immobilienverwaltung und die Städtische Wohnungsbau das Ergebnis gemeinsam auswerten und einen Verfahrensvorschlag machen“, kündigt Verwaltungssprecher Detlef Johannson an.

Die jetzt erfolgte Freilegung der Mühle habe die Erkenntnis gebracht, dass der Dachstuhl aus der Zeit um 1600 stamme. „Wir haben aber leider sehen müssen, dass die alte Bausubstanz zum Teil bereits stark angegriffen worden ist, weil in der Vergangenheit dem Denkmalschutz offenbar zu lange zu wenig Rechnung getragen wurde“, sagt Johannson.

Seit Jahren ungenutzt

Die Mühle befindet sich seit mindestens 1924 im Besitz der Stadt, seit Jahren ist sie ungenutzt.

Trotz aller Schäden und angegriffener Bausubstanz: „Abrissüberlegungen bestehen nicht“, macht Johannson klar. Stattdessen bevorzugt die Stadt für das Gebäude eine gastronomische Nutzung.

Andere Nutzungen, wie etwa Galerie oder Büros, seien aber auch nicht ausgeschlossen, sagt Johannson.

Verpflichtungen für einen neuen Eigentümer

Vom Ergebnis des Gutachtens und den sich daraus ergebenen Auflagen des Denkmalschutzes erwüchsen die „Verpflichtungen für den neuen Eigentümer“.

Diese könnten sich „durchaus auf die Preisgestaltung“ auswirken. Derzeit gibt es keinen konkreten Interessenten für die Mühle. Derweil reißt Fortuna weiter an dem Haus.