Tag der Niedersachsen 2012 in Duderstadt

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Vom 13. bis 15. Juli 2012 fand in Duderstadt der "Tag der Niedersachsen" statt. Auf elf Festmeilen und acht Bühnen wurde ein buntes Programm geboten. Das Fest besuchten 150000 Menschen.


Duderstadt ist Austragungsort: Bekanntgabe

Das Land feiert sich selbst und kommt dazu nach Duderstadt: Die Stadt ist Gastgeber des Tags der Niedersachsen 2012. Das gab am Dienstag, 24. Mai 2011, Innenminister Uwe Schünemann (CDU) in Hannover bekannt. Nach Hann. Münden (1984) und Northeim (2002) ist damit zum dritten Mal eine Stadt der Region Ausrichter des Landesfestes.

Vom 13. bis zum 15. Juli im kommenden Jahr wird Duderstadt Schaufenster für Tradition und Brauchtum, aber auch aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen in Niedersachsen sein. 1981 ins Leben gerufen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl im Land zu stärken, hat sich das Landesfest seitdem zur Plattform für die Themen Kultur, Geschichte, Sport, Technologie und Tourismus entwickelt.

250 000 Besucher verzeichnete Celle als Gastgeber 2010. Die Residenzstadt hatte mit 8000 Aktiven 400 Stunden Programm auf zwölf Bühnen aufgeboten. Das zeigt die Dimensionen der Veranstaltung. Ein Blick in das Programm 2011 (1. bis 3. Juli in Aurich) macht deutlich, dass sie zudem ein politisches und ein Medienereignis ist. Das komplette Landeskabinett wird das Fest eröffnen, zahlreiche Radiosender bieten Showprogramme und berichten live.

Mit „riesengroßer Freude“ reagierte gestern Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) auf Schünemanns Bekanntmachung. „Ich weiß um die große Herausforderung“, fügt er hinzu. „Das kann nur gelingen, wenn viele Partner mitspielen.“ Dieser Partner ist sich Nolte sicher. Er beruft sich auf ein vertrauliches Treffen mit rund 20 Institutionen. Diese hätten einhellig ihre Unterstützung zugesagt. Auch habe der Rat einstimmig der Bewerbung als Austragungsort zugestimmt, betont der Bürgermeister.

Warum sich die Stadt beworben habe? Der Tag der Niedersachsen beschere Duderstadt eine „außergewöhnliche Öffentlichkeit“. Hoffnungen auf einen touristisch-wirtschaftlichen Schub verbinden sich mit dem Großereignis.

Initiiert hat die Bewerbung Landtagsabgeordneter Lothar Koch (CDU). In einem Gespräch mit ihm habe Schünemann Duderstadt die Ausrichtung des Tags der Niedersachsen 2012 angeboten. „Das war ein Einwerbungsgespräch“, so Koch. Nach Rücksprache mit Nolte und den politischen Gremien „haben wir Interesse signalisiert“. Jetzt freue er sich über die Entscheidung des Landeskabinetts. „Das ist eine sehr, sehr gute Geschichte“, so der Abgeordnete.

Einzelheiten zum Programm lassen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht nennen. Celle und Aurich als Vorgänger in der Gastgeberrolle haben ihr Landesfest jeweils mit einem Motto versehen. Celle hat 2010 das Thema Integration zu einem Schwerpunkt gemacht, Aurich präsentiert sich 2011 als Stadt der regenerativen Energien. Für Duderstadt gebe es verschiedene Gedanken – Energie, Mobilität, Generationengerechtigkeit – „aber noch nichts, was ausgereift ist“, so Nolte.


Festmeilen

Unglaublich viel gab es zu entdecken auf den elf Festmeilen beim Tag der Niedersachsen in Duderstadt: Kunst, Technik, Mobilität, Sport, Musik und mehr. Die Besonderheiten eines ganzen Bundeslandes und das Wir-Gefühl der Niedersachsen wurden so beim dreitägigen Landesfest deutlich.

Mobilitätsmeile

Volkswagen hat seinen Stand auf der Mobilitätsmeile vor der St. Servatius Kirche aufgebaut. Zwei Aufblas-Zelte mit Holzboden und einer kleinen Bühne. Davor zieht ein Fahrsimulator Kinder an. So wie Sebastian (4) und seine Schwester Franziska (9). Der Jüngere darf zuerst ins Auto. Rechts ist das Gaspedal, links die Bremse und schon geht es los. Auf dem Bildschirm vor dem Vierjährigen schaltet die Ampel auf Rot, Sebastian bremst. Gut gemacht. Während seine Schwester die Fahrgastzelle übernimmt, versucht er seine Eltern zu überzeugen, dass ein Elternteil auf die Schwester aufpassen könnte und der andere mit ihm zum Hubschrauber geht.

Technikmeile

„Die Kinder sind von der Technik begeistert“, erklärt Vater Hermann Wichmann. Aber auch die Bühnenshow der Jazztanz-Kinder habe ihm gefallen. „Die geben sich viel Mühe. Dass nicht alles perfekt funktioniert, macht den Charme aus“, sagt der Duderstädter. Das nächste Ziel der Familie: die Technikmeile. Dort hat die Bundeswehr einen Helikopter und zwei gepanzerte Fahrzeuge aufgestellt. Leandro fragt den Bundeswehr-Mitarbeiter und darf im Cockpit des Hubschraubers Platz nehmen. Allerdings will er nicht Pilot werden. „Panzerfahrer“, äußert der 6-Jährige aus Breitenberg seinen Berufswunsch. Technik-Festmeile und Showtanz

Heimische Aussteller

Das Technische Hilfswerk (THW), darunter auch einige Gieboldehäuser, und die Johanniter locken ebenfalls die Jugend: Mit Bobbycar-Rennstrecke und Olympiade stellt sich das THW den jungen Gästen vor, die Johanniter werben mit einem Ballonwettbewerb. „Aber wir wollen auch zeigen, dass die Johanniter Jugend soziale Werte und Gemeinschaftssinn vermittelt“, sagt Bodo Dannhöfer als Fachbereichsleiter. Unter den heimischen Ausstellern befinden sich außerdem die Duderstädter Polizei, die Bundespolizisten vom Euzenberg oder die Feuerwehren.

Sportmeile

Auf der Sportmeile stellen sich Vereine und Verbände vor, darunter die Leichtathletik Gemeinschaft (LG) Eichsfeld. Sie bietet Mitmach-Aktionen an, muss aber am Sonntagvormittag vor dem Regen kapitulieren. Auf schlammig-nasser Bahn lässt sich nun einmal nicht sprinten. Auch die Vereine gegenüber brechen ihre Reit- und Fußball-Aktionen ab. Die Volleyball-Damen wie die Nesselrödenerin Bianca Leineweber spielen aber tapfer auch im Regen weiter. Schließlich tragen sie ein Ranglistenturnier aus.

Kunst- und Naturmeile

Dass der Stadtpark etwas sumpfig geworden ist, stört die Besucher am Sonntagnachmittag wenig. Sie interessieren sich sowohl für die Arbeit der Heinz-Sielmann-Stiftung, für die Aufgaben der Landesjägerschaft und der Naturfreunde als auch für die Werke der regionalen Künstler. Über das ganze Gelände verteilt leuchten die 150 Stelen der Eichsfelder Schulen in allen Farben. Die Aktion wurde vom Duderstädter Kunstverein Kontura initiiert. „Eines unserer Ziele ist es, die Augen zu öffnen dafür, was man mit Kunst machen kann“, sagt Iris Schlomski als Kontura-Fördermitglied.

Und die Obernfelder Malerin Käthe-Charlotte Sablotzki-Weise freut sich: „Das ist ein sehr gutes Publikum hier“. Unter den Eichsfelder Ausstellern sind außerdem die Künstlerinitiative Bürgerbilder Duderstadt (BüBiDu) oder der Creativo Verlag aus Bilshausen vertreten. „Der Regen ist zwar nicht schön, aber wir machen das beste daraus. Bei jedem Schauer haben wir in unserem Zelt den Gästen vorgelesen“, sieht Verlagsleiterin Gudrun Strüber die Sache pragmatisch. In der Meile der ehemaligen Ausrichterstädte bleiben die Menschen neugierig stehen, um die verzierten Trachten zu bewundern, oder sie setzen sich gleich mit in die Zelte, um die regionalen Spezialitäten der Gäste zu kosten.

  • Quelle: Claudia Nachtwey, Telse Wenzel und Michael Kerzel, "Ein Land feiert drei Tage in Duderstadt", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 16. Juli 2012.

Bühnenprogramm

Vor allen Bühnen ist es am ersten Abend des Tags der Niedersachsen voll. Aber der Hauptact ist am gestrigen Freitag eindeutig Stefanie Heinzmann. Von drei Seiten strömen Tausende, um die junge Schweizerin und ihre Band auf der Bühne vor dem Westerturm zu sehen.

Stefanie Heinzmann

„Das sieht so toll aus“, ruft sie begeistert dem Publikum zu und sorg augenblicklich für wippende Massen. „Like a bullet“ singen dann auch alle mit, klatschen zu den Klassikern wie „Roots to Grow“ und lassen sich von den neuen Songs wie „Diggin in the dirt“ mitreißen.

Kuhlage & Hardeland – die Morningshow-Band

Kuhlage & Hardeland – die Morningshow-Band treten mit selbstironischer Ansage auf Bühne zwei auf: „Wenn wir es in Südkorea schaffen, dann kommen wir nie mehr wieder, haben wir uns gesagt. Heute sind wir hier.“ Die Stücke: Musikalisch wenig anspruchsvolle Coverversionen von Popsongs. Dazu eine mit den Zuschauern einstudierte Choreografie klischeehafter Art: Apfel-, Q-Tip- und Einkaufswagen-Schritt sollen nachgetanzt werden: Andreas Kuhlage und Jens Hardeland wollen vor allem unterhalten. Und das können sie.

Stanfour

Zur selben Zeit am anderen Ende der Marktstraße: Auftritt der betont lässig-schnuckeligen Jungs von Stanfour. Drei Mädchen diskutieren, wen sie am attraktivsten finden. Aber nicht nur äußerlich, auch mit ihrem leicht verträumten, leicht melancholischen Pop-Rock kommen die Musiker gut an. Mehrere Tausend stehen dicht an dicht. Bei den ersten Stücken wippen die Köpfe, alles hört aufmerksam zu, während Konstantin Rethwisch oben im Bühnennebel die radiobekannten Zeilen singt: „To all the lovers and believers“, „Life without you“ und die anderen bekannten Stücke. Bald wird mitgeklatscht und dann auch gesungen: „Wishing you well / we say our last goodbye.“ Ein schöner Abend.

  • Quelle: Claudia Nachtwey und Telse Wenzel, "Tausende stehen dicht an dicht vor den Bühnen", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 14. Juli 2012.


Jürgen Drews, Schlager und Neue Deutsche Welle

Wollt Ihr noch mehr? Ich mach Euch fertig.“ Bernhard Brink ist gut drauf. Zwischen seinen Schunkelliedern, die vor allem das ältere Publikum zum Mitsingen animieren, plaudert er immer wieder mit den Zuhörern und verkündet: „Ich hab Nacktbilder von Jürgen Drews.“

Der König von Mallorca startet wenig später holprig. Er ist heiser und die Technik beim Halbplayback hakt. Seine Fans vor der Bühne stört das nicht. „Onkel Jürgens“ Hits wie „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Ich bau dir ein Schloss“ singen von Lied zu Lied mehr Leute mit.

„Ich finde den gut“, sagt Erika Kurt. Die 54-Jährige ist mit ihrem Mann Karl-Heinz zur Bühne gekommen. „Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, analysiert der 58-Jährige. Drews hat ein Sonnenloch erwischt. Zwar regnet es zu Beginn seiner Show noch, doch der Regen hört auf zu prasseln und die Sonne strahlt. Drews springt wie ein Jugendlicher über die Bühne, das Publikum hüpft mit. „Der hat schon richtig Stimmung gemacht“, sagt Anja Maring (41).

Sie und ihr Mann Frank sind hauptsächlich wegen der Neue-Deutsche-Welle-Musik zur Bühne gegangen. Markus startet die NDW-Show vom NDR. „Die Lieder erinnern uns an früher, das macht richtig Spaß“, erklärt Frank Maring. Auch der Regen sei nicht so tragisch. „Ist schon in Ordnung, das macht nichts kaputt“, sagt der 45-Jährige.

Auf die Party vor den Bühnen am Sonnabendabend stimmen die Radiosender und deren bestens gelaunte Moderatoren ein. Tausende tanzen zu Mallorca- oder Neue-Deutsche-Welle Hits, bis die Stars des Abends live auf die Bühne treten.

Sportprogramm

Mit Regen haben dann wieder die Ein-Rad-Fahrer am Sonntagvormittag beim Go-Sports-Programm auf Bühne zwei zu kämpfen. Auf dem nassen Boden gelingt nicht jedes Element der Choreografie. Die Hip-Hop-Tänzer des MTV Vorsfelde haben mehr Glück. Während ihres Auftrittes scheint die Sonne. In rasantem Tempo wechseln neun Frauen und ein Mann zu schneller Musik von einer Verrenkung in die nächste. Das sieht gut aus und richtig schwierig.

  • Quelle: Telse Wenzel und Michael Kerzel, "Kollektives Feiern, Tanzen und Mitklatschen vor acht Bühnen", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 16. Juli 2012.

Laith al Deen

Alles stimmt. Der Regen ist weggezogen, die Oberkirche erstrahlt in allen Farben - und auf der NDR-Bühne rockt Laith Al-Deen. Mit seinem neuen Album „Der Letzte deiner Art“ im Gepäck bringt er die Fans zum Tanzen und Träumen.

„Es ist schön, hier in Duderstadt zu sein“, ruft er den Tausenden entgegen, die sich vor der Bühne versammelt haben und mit lautem Johlen antworten. Deutschrock in modernem Gewand – damit erfreut der Mannheimer mit irakischen Wurzeln die Gäste beim Tag der Niedersachsen. Eine Woche zuvor stand Peter Maffay auf derselben Bühne, was nicht die einzige Verbindung zwischen den beiden Musikern ist: Laith Al-Deen unterstützt auch Maffays Tabaluga-Projekt auf seiner aktuellen Tournee.

Zusammenfassung

Der Tag der Niedersachsen hat 150 000 Menschen nach Duderstadt gebracht. Für drei Tage war der geografische Südzipfel emotionaler Mittelpunkt des Landes. Auf elf Festmeilen präsentierten sich mehr als 200 Vereine, Verbände und Institutionen. Die Landesfestbesucher feierten bis tief in die Nacht zu Musik auf acht Bühnen.

Kühle Temperaturen und Wolkenbrüche

Der 32. Tag der Niedersachsen wird als das Landesfest in Erinnerung bleiben, bei dem sich weder Besucher noch die 6000 Akteure von Wolkenbrüchen und kühlen Temperaturen die Stimmung trüben ließen. Der Trachten- und Festumzug am Sonntag, folkloristischer Höhepunkt des Landesfestes, spiegelte dies wieder. „Wir marschieren“, hatte der Vorsitzende des Landestrachtenverbandes Wilfried Dubiel in der Pressekonferenz zuvor erklärt. Und so zogen 138 Gruppen in einem kilometerlangen, bunten, fröhlichen Zug unbeeindruckt von Regengüssen durch die Duderstädter Innenstadt. Auch organisatorisch reagierten die Veranstalter schnell, wiesen über Nacht befestigte Ersatzflächen für verschlammte Parkplätze aus.

150000 Besucher

So erfüllte der Tag der Niedersachsen in Duderstadt den Anspruch, die Vielfalt des Landes zu zeigen, Wir-Gefühl zu vermitteln und ein Fest der Ehrenamtlichen zu sein. Bewährte Elemente wie die Technik- oder Sportmeile erwiesen sich auch hier während des Wochenendes ebenso als Publikumsmagneten wie die Bühnen der großen Radiosender des Landes, die Popstars und Schlagergrößen aufboten. Trachtenumzug beim Landesfest, Teil 1

Duderstadts eigene Akzente

Zugleich setzte Duderstadt eigene Akzente, beispielsweise mit der Kirchenmeile und einer Premiere: einem ökumenischen Gottesdienst mit den Bischöfen der beiden großen christlichen Konfessionen, dem katholischen Diözesanbischof Norbert Trelle und dem evangelischen Landesbischof Ralf Meister. Sie predigten vor mehr als 1000 Gläubigen.

Identitätsstiftendes Fest

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse erklärte Lothar Koch, Aufsichtsratsvorsitzender des Veranstalters LNS-Gesellschaft: Das Landesfest sei identitätsstiftend für das vielfältige Flächenland Niedersachsen, und Duderstadt habe sich in dieser Vielfalt präsentieren, auf sich aufmerksam machen können. Das große Engagement mache sich bezahlt.

  • Quelle: Ulrich Lottmann, "Drei Tage voller Emotionen in Duderstadt", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 16. Juli 2012.